Blade: Trinity
Originaltitel: Blade: Trinity
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2004
Regie: David S. Goyer
Darsteller:
Wesley Snipes, Jessica Biel, Dominic Purcell, Ryan Reynolds, Parker Posey, Kris Kristofferson, Mark Berry

Blade 1 präsentiert den Daywalker, halb Mensch, halb Vampir und gesegnet mit den Vorteilen beider Spezies, dabei ebenso gestraft mit den Schwächen beider Seiten, im Kampf gegen Vampire und ihren Blutgott: La Magra.
Das Ganze wurde von dem optisch hochbegabten Regisseur Stephen Norrington mit Stil und Gespür für Atmosphäre umgesetzt. Dabei gelang ihm gleichzeitig eine der besten Comicverfilmungen überhaupt ...

Blade 2 beschreibt die Allianz zwischen dem Daywalker und seinen vampirischen Erzfeinden im Kampf gegen eine neue unheimliche Gefahr: Die Reaper.
Nach der Pflicht folgt immer die Kür und so konnte Guillermo del Torro auf ein etabliertes Figurenarsenal und eine funktionierende Handlungsgrundlage zurückgreifen, um einen Film zu kreieren, der Teil eins in ALLEN Belangen übertraf und hervorragend funktionierte.
Diese beiden einzigartigen Filme sind nun das größte Handicap des dritten Teiles, der ohne die beiden genialen Vorgänger vermutlich ganz gut funktionieren würde, wäre er aber der Beginn einer Trilogie gewesen, hätte er sie sehr früh zu Grabe getragen.
So beobachten wir diesmal Blade in seinem altbekannten Kampf gegen die Vampire. Dabei bekommt er Unterstützung von neu eingeführten Charakteren und muss gegen den mächtigsten aller Vampire antreten: Dracula ...
Himmel Hilf, was für eine Geschichte. Vermutlich hat der Drehbuchschreiber David S. Goyer, der auch Regie führte, einmal zu oft Buffy und Co. geschaut, denn wie sonst konnte man auf diese dämliche Idee mit Dracula kommen, die nicht EINE Sekunde lang funktioniert.
Blade selber tötet zu Beginn des Filmes auch noch einen „normalen“ Menschen, was ihm nun Ärger mit der Polizei einbringt, die ihn als Mörder jagt. Auch das kennt der geneigte Buffy Zuseher nur zu gut, dank Vampirkillerin Faith. Überhaupt muss der Drehbuchschreiber nicht wirklich Lust auf den Film gehabt haben.
Keine der Figuren entwickelt sich, keine der Figuren bekommt ein emotionales Rückgrat eingezogen und keine der Figuren darf vernünftige Sätze sprechen. Das wäre nicht weiter schlimm, immerhin ist das hier nicht viel mehr als ein Actionfilm. Wenn man aber sofort nachdem die hinreißend aussehende Jessica Biel in ihrer Rolle den Mund aufmacht, die Hände vor die Stirn schlägt, muss einiges im Argen liegen. Auch die Motivation ihrer Figur erklärt man mit einem: Vampire böse, muss ich töten Geblubber. Hallo? Noch schlimmer ist Hannibal King! Ich glaube 2 Sprüche von ihm zünden wirklich. Das Schlimme daran: er reißt den ganzen Film lang dämliche Sprüche!!!
Das Ende vom Lied: Jessica Biel agiert ungemein tough und sieht dabei geil aus und Ryan Reynolds versucht sich an coolen Sprüchen, was soll dann eigentlich Wesley Snipes als Blade noch machen? Immerhin war er bisher für Coolness und ein zwei gelungene Sprüche zuständig. Nun, er wirkt nun noch unnahbarer als in der 1 oder 2. Nicht cooler, nur unnahbarer, was dafür sorgt, dass einem seine Figur sogar egal wird. Auch coole One Liner hat er keinen einzigen abbekommen. Folglich beschränkt sich Snipes auf absolut stoisches Gucken! Einmal lächelt er und einmal guckt er wütend, ansonsten trägt er immer den gleichen Gesichtsausdruck durch die Gegend. Man meint fast, ihm anzusehen, dass er die Lust an der Figur verloren hat.
Auch auf der Seite der Bösewichter herrscht absolute Ebbe: Parker Posey ist ein Anblick, der einem die Zehennägel hochrollt! Schrecklich. Dabei ist ihr exaltiertes Spiel klasse! Und nun zum Flop des Filmes: Dracula! Einen so saft- und kraftlosen Bösewicht vor die Füße des Zuschauers zu rotzen ist eigentlich eine Frechheit! Warum Dracula nun so gefährlich ist, bekommt man an keiner Stelle des Filmes zu spüren! Er tötet ein paar Wave Gothiker und trinkt etwas Blut, aber warum nun gerade er der gefährlichste Gegner Blades sein soll, wird zu keinem Zeitpunkt des Filmes klar. Schade um Dominic Purcell, der mir in der Serie John Doe sehr gefallen hatte.
Hauptgrund für dieses Versagen muss auch wieder das Drehbuch sein, dass sich fast schon sklavisch an der 1 orientiert! Wer vor Blade 3 den Fehler macht, die 1 noch einmal zu schauen, wird sich selbst verfluchen, weil er ALLE Storyentwicklungen im Voraus kennt. Alles wurde übernommen. Nur mal als kleines Beispiel:
Blade 1: Blade verfolgt Deacon Frost zu Fuß, dieser greift sich ein Kind als Schutzschild und erzählt von seiner Motivation. Am Ende schmeißt er das Kind durch die Gegend und Blade muss es retten.
Blade 3: Blade verfolgt Dracula zu Fuß, dieser greift sich ein Baby als Schutzschild und erzählt von seiner Motivation. Am Ende schmeißt er das Kind durch die Gegend und Blade muss es retten. Ääääähm ja ....
Genauso geht es den ganzen Film lang. Eine riesige Enttäuschung.
Dann klaut Regisseur Goyer auch noch die Optik von Teil 1!!! Und zwar komplett! Die einzige innovative Idee ist eine gut choreographierte Kampfszene im Split Screen Verfahren. Ansonsten hat man ALLES schon einmal gesehen. Dann schraubte er auch noch den Goregehalt deutlich herunter. So sind die Kämpfe zwar nett temporeich inszeniert, lassen aber die altbekannte Konsequenz und das kleine Quäntchen Menschenverachtung/Vampirverachtung vermissen. Eine FSK 16 hätte hier locker gereicht. Actiontechnisch kann aber ohnehin nur der Showdown halbwegs befriedigen, vor allem was die Quantität angeht.
Ja nun, Action guter Durchschnitt, Story zum Davonlaufen, Dialoge zum Kopfschütteln, langweilige Optik, nicht vorhandenes Schauspiel und das vollkommene Fehlen von Spannung oder Dramatik ... Gibt es nicht doch eine positive Sache? Ja, den Soundtrack, der ist genial. Aber ansonsten fallen mir nur negative Sachen ein. So sieht Dracula am Ende eher aus, wie ein Monster der Woche aus Buffy (schon wieder der Name). Nicht dass dieses Monster nicht funktionieren würde, es sieht halt nur scheiße aus.
Ein Trauerspiel! Dank des netten Showdowns wären durchaus noch 3 Punkte drin gewesen, denn immerhin haben wir es ja hier nicht mit einem Film zu tun, bei dem Story und Schauspiel die riesengroße Rolle spielen würden, ABER innerhalb der genialen Blade Serie ist er fast ein Sakrileg! So bleiben bemühte 2 Kappen für den Showdown, die Mucke und die genial aussehende Jessica Biel, über den Rest des Streifens breite ich schweigend Blades Mantel und schließe mit einer etwas hohlen Phrase:
Blade wurden die Fangzähne gezogen. Einen weiteren Teil in dieser Machart würde ich mir NICHT anschauen ...
Die deutsche Scheibe von Warner präsentiert den Film uncut, eine weiterer nicht wirklich empfehlenswerte Dirs Cut Fassung gibt es mittlerweile ebenfalls

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In diesem Sinne:
freeman