Lieber Steven Seagal,
Wie lange begleitest du mich durch mein Leben? Seit dem VHS-Release von Alarmstufe: Rot 2 etwa. 1995 oder so? Das waren noch Zeiten. Erinnerst du dich? Damals, als du dich in einem fahrenden Zug als Casey Ryback durch eine Horde Terroristen gemetzelt hast. Das war grossartig. Ich werde nie vergessen, wie du den einen Bad Guy mit einem Kick vor den fahrenden Zug getreten hast. So hart warst du danach praktisch nie mehr.
Und ich ging mit dir in den Abgrund. In die Untiefen der Videotheken. Damals, als Fire Down Below hierzulande nur noch direkt als Video auf den Markt kamen - ich war da. Ich bezahlte meiner Stammvideothek sogar ein Heidengeld um dem Laden die Verleihkassette von The Patriot noch einige Wochen vor Verkaufsstart des Films abkaufen zu können. Boah, waren wir enttäuscht. Wildblumen als Lösung für eine Epidemie? Naja. Und heute, wie tief sind wir gesunken, gehört The Patriot sogar zu deinen besseren Filmen.
Ich war aber auch da, als du 2001 mit Exit Wounds ein richtig geiles Comeback im Kino feiern durftest. Mein Kumpel und ich haben auf diesen Kinorelease hingebangt und wir wurden nicht enttäuscht. Da warst du noch einmal richtig gut. Und wir haben die Hoffnung nicht verloren, als du dieses Unterwerk von Ticker auf den Markt gebracht hast - und auch als Half Past Dead so richtig gefloppt in die Hose ging. Dein erster Schritt in den DTV-Markt mit The Foreigner - wir waren da.
Mein Kumpel hat dich irgendwann aus den Augen verloren. Hat die Hoffnung schon lange aufgegeben, dass du noch einmal so richtig aufkommst. Ich nicht. Du hast es stellenweise versucht. 2007 bis 2009 rum, Urban Justice, Pistol Whipped, Driven to Kill, die Filme hatten was. Sie waren nicht gross, aber sie hatten Unterhaltungswert. Und du, Steven, du warst bei den Drehs offensichtlich engagiert und gut drauf. Doch seit damals läuft bei dir nichts mehr richtig. Deine Serie True Justice war ein Witz. Deine aktuellen Filme drehst du nur noch lieblos runter. Deine Fanbase scheint dir auch scheissegal zu sein, denn was du hier ablieferst, ist nur noch pure Verarsche.
Ich habe meinen Augen kaum getraut, als du in deinem vorletzten Werk Code of Honor vorwiegend auf irgendwelchen Hausdächern sasst und von da lieblos runtergeballert hast. In einem Film, der so billig (nicht günstig, billig) produziert wurde, als wären da irgendwelche Hobbyfilmer zu Werke gegangen. Ich hätte nie gedacht, dass sich ein Actionstar noch weniger bewegen könnte als du. Doch du, lieber Steven, du kannst das. In Sniper: Special Ops hockst du praktisch nur noch am Tisch, ballerst mal kurz auf irgendwelche Terroristen und labberst dann wieder, brav auf deinem Hintern sitzend, mit deinem angeschossenen Kumpel.
Sniper: Special Ops hat null Schauwerte. Die Action ist ein müder Witz. Der Film selbst wird als Seagal-Film verkauft. Doch du Steven hast es nicht mehr nötig den kleinen Finger krumm zu machen. Nein, andere machen jetzt deine Drecksarbeit. Und die machen dies nicht mal wirklich gut. Gedreht wurde dieser Schund zwar in Kalifornien auf der Blue Cloud Movie Ranch, nahe von Santa Clarita. Da ihr einen hässlichen Sepia-Ton über das Bild gelegt habt, wirkt der Film jedoch so bleich und farblos, da willst du doch nur noch einschlafen und den ganzen Crap einfach vergessen.
Fazit: Steven, deine Filme haben mittlerweile ein Niveau erreicht, welches so nicht einmal mehr messbar ist. Wenn du dich mit deinen 64 Lenzen zu alt für das Drehen von Actionfilmen fühlst, dann hör auf und häng deine Karriere an den Nagel. Aber hör auf deine Zuschauer zu verarschen. Denn so Gurken wie Sniper: Special Ops kannst du dir nicht mal schön saufen. Schäm dich. Mal wieder. So richtig.
