
Originaltitel: the Detonator
Herstellungsland: USA / Rumänien
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: Po-Chih Leong
Darsteller: Wesley Snipes, Silvia Colloca, Warren Derosa, Florian Ghimpu, William Hope, Matthew Leitch, …
„the Detonator“ ist die neuste filmische Postkarte von Wesley Snipes aus dem osteuropäischen „DTV“-Ödland, welche sich (von der Qualität her) nahezu lückenlos in die Gesellschaft seiner letzten Lebenszeichen (“Unstoppable“/“7 Seconds“/“the Marksman“) einreiht. Anspruchslosere Action- bzw B-Film-Fans werden hier sicherlich erneut einigermaßen auf ihre Kosten kommen, doch letztendlich handelt es sich bloß um ein weiteres Equivalent zu einer 5-Minuten-Tütensuppe: Zwar variieren die Verpackungen und Zutaten immerzu (geringfügig), das Endergebnis schmeckt allerdings meist fade, belanglos und gleich, der Hunger nach Unterhaltung wird bestenfalls kurzfristig gestillt. Die „Cast&Crew“-Ingredienzen sind auch in diesem Fall bekannt und rufen keinesfalls Begeisterungsstürme hervor: Regie führt Po-Chih Leong, dem vor vielen Jahren mal „the Wisdom of Crocodiles“ gelang, kürzlich aber erst die Steven Seagal Katastrophe „Out of Reach“ verbrach. Fürs Skript zeichnet sich Martin Wheeler verantwortlich, der schon „7 Seconds“ und „Black Dawn“ auf dem Kerbholz hat, Produzent ist mal wieder Andrew Stevens, dessen Resümee (von einigen Ausnahmen mal abgesehen) nicht gerade für ihn spricht. Ferner hält Rumänien erneut als Schauplatz und Drehort her, weshalb man von der ersten Sekunde an genau weiß, welche Fahrzeugtypen Verwendung finden, mit welchen Akzenten die Bösewichte sprechen sowie was für Hinterhöfe, Nebenstraßen und Gebäude zu sehen sein werden.
Dieses Mal spielt Wesley den „Homeland Security“-Beamten Sonni Griffith (Ex-“Army Ranger“, Ex-“CIA“…blah, blah, blah), der für sein impulsives Verhalten bekannt ist und zudem an einem (leichten) Trauma aufgrund einer aus dem Ruder geratenen Operation leidet (gähn!). Aktuell arbeitet er undercover in Bukarest innerhalb eines Waffenhändler-Rings. Der entscheidende Deal soll gerade in den Katakomben unterhalb eines Fußballstadions stattfinden, da fliegt seine Tarnung auf – dementsprechend kommt es zu einer Schießerei, nach welcher nahezu alle Gangster tot am Boden liegen und er von der örtlichen Polizei aufs Revier geschleppt wird. Dort erhält er Besuch von seinem alten „CIA“-Kumpel Shepard (William Hope), der ihn rausboxt sowie daraufhin umgehend im nächsten Flieger gen Heimat sitzen sehen will – und wo er schon mal auf dem Weg in die „US of A“ ist, soll er dabei auf die Mordverdächtige Nadia (Silvia Colloca) aufpassen und sie überführen, damit man ihr in den Staaten den Prozess machen kann. Widerwillig lässt sich Sonni darauf ein und macht sich auf zum Safehouse, das bei seinem Eintreffen (natürlich) prompt von Gangstern überrannt wird, die Nadia unbedingt kidnappen wollen. Mit vollem Waffen- und Körpereinsatz kann unser Held das (selbstverständlich) verhindern, flieht mit der Frau und hält sich folgend eine Weile versteckt, in der er sich ihre Geschichte anhört und zu dem Schluss kommt, dass es sich bei ihren Verfolgern (zufällig) um genau jene Waffendealer handelt, die im Zentrum seines Falles standen. Eine Reihe von Schusswechsel und Versteckspielchen später, zwischen denen sich die beiden (ratet mal!) allmählich näher kommen, gelingt es ihnen tatsächlich, zu der (für den Zuschauer spätestens seit Minute 10 klar ersichtlichen) Erkenntnis zu kommen, dass sie es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Verräter innerhalb der eigenen Reihen (sprich: der „CIA“) zutun haben…
Der Aufbau und Inhalt von „the Detonator“ ist dermaßen öde und ausgelutscht, dass einem selbst angesichts der drei bis vier guten Actionszenen irgendwann die Lust am Weiterschauen vergeht sowie die „Fast Forward“-Taste immer verlockender erscheint. Alles ist konsequent vorhersehbar und bietet keinerlei Innovationen. Die Geschichte hat man in ihrer Art schon hunderte Male vorgesetzt bekommen, was so weit geht, dass die Zeugin/Verdächtige an einem Punkt von ihrem „Beschützer“ in einem Hotel mit Handschellen an ein Heizungsrohr gefesselt wird – ja, so originell ist das alles. Die Sache ist die, dass man immerzu weiß, was als nächstes geschieht – dass das Geschäft am Anfang schief läuft, dass die beiden (auf den ersten Blick getrennten) Fälle miteinander in Verbindung stehen, wer der abtrünnige Agent ist und so weiter und so fort. Neben den (leider) üblichen Elementen wie kurze, unnötige Flashbacks, schlechte Dialogzeilen (“Rule No.1: Don´t get caught! Rule No.2: Don´t fail!“), Anschlussfehler, vollkommen sinnfreie Sequenzen (wenn die Bösen einen „Missions-Versager“ im Garten der Villa ihres Chefs auf dem Rasen erschießen, warum seine Leiche im Anschluss noch in den Pool werfen?! Man muss ihn doch eh rausfischen und woanders entsorgen…) und diverse Plot-Löcher, durch die man einen Jumbo fliegen könnte, gibt es noch etliche andere Negativpunkte: Beispielsweise darf Wesley von Zeit zu Zeit pseudo-tiefsinnige, unfreiwillig komische Weisheiten aus dem Off verkünden (wie “In this business you´re the keeper of the flame. But pretty soon the flame burns itself out – and you´re left with nothing but ashes.“…oder…“They say that when you die, your life flashes before your eyes. My life flashes before me every day – I´ve died a thousand deaths.“) und das Happy-End ist die unglaubliche Krönung aller zuvor präsentierten Klischees.
Eine Sache ist aber besonders nervig, was vielleicht zum Teil einfach an der Zeit (Sommer 2006) liegt: Das Thema „Fußball“ stellt einen zentralen Faktor dar. Die entscheidenden Ereignisse finden während zwei Spielen statt, dem Ober-Villain gehört ein Team, überall in den Straßen laufen Kinder und geschminkte Fans mit Fahnen herum, im TV läuft der Sport ebenfalls ständig – beim Überfall auf das Safehouse stolpert ein Angreifer gar über einen Ball und verrät somit die Aktion! Die Art, wie man das ständig ins Bild gerückt hat, erinnerte mich an den Werbe-Overkill derzeitig im TV vor der WM. Schlimm! Zumal die Einbindung ins Geschehen absolut grob vorgenommen wurde. Dass das auch angenehm sowie „im Fluss mit dem Story-Fortgang“ möglich ist, hat „51st State“ schließlich bewiesen, doch hier wird der Showdown immer wieder ruckartig von Szenen auf dem Feld unterbrochen, den Chef-Bösewicht zeigt man nach seinen Taten gewöhnlich beim Ballspiel mit seinem Sohn (etc). Abgesehen davon ist es lustig zu erkennen, wie wenig Ahnung der Skriptschreiber eigentlich von der Materie besessen hat, denn es handelt sich augenscheinlich um eine Art rumänische Liga, wobei allerdings stolz verkündet wird, dass der Siegerclub der Saison im Anschluss an der Weltmeisterschaft (!) teilnehmen darf, welche zudem in den USA stattfinden wird…?!? Egal, denn selbst unabhängig dessen hat der Film mehr als genügend Fehler und Probleme.
Anfangs bietet sich dem Zuschauer tatsächlich (zumindest für ein paar Minuten) die Hoffnung, dass Wesley eventuell bei der Realisierung dieses Projekts motiviert war, denn seine Darstellung eines schwulen Waffenhändlers lässt ein Funke Spielfreude aufblitzen … von da an übernimmt jedoch der Autopilot die Führung bis hin zu einem Punkt, an dem man schon von Schlafwandeln sprechen kann – ein Zustand, der nur im Rahmen der Actionszenen verlassen wird, in denen Snipes einige nette Moves zum Besten gibt, welche Erinnerungen an bessere Tage seiner Karriere wecken. Ihm zur Seite steht Silvia Colloca (“Van Helsing“/“Casomai“), welche zwar nicht sonderlich talentiert ist, dafür aber mit ihrem attraktiven Äußeren dem (männlichen) Auge schmeichelt. Ihre körperbewusste Kleidung betont ihre Reize ansprechend, vermittelt allerdings irgendwie einen billigen Eindruck. Ferner wird ihre Figur an zwei Stellen mit Celtic- bzw Ethno-Klängen unterlegt eingeführt, was überhaupt nicht stimmig erscheint (nicht nur in Anbetracht ihrer Klamottenwahl). Beide Leads harmonieren ziemlich gut miteinander, einige gemeinsame Dispute erzeugen ein auflockerndes Lächeln. William Hope (“xXx“/“Submerged“) spult seine gewohnte Routine-Rolle ab, alle anderen Beteiligten sind letzten Endes blass, gesichtslos, austauschbar.
Was den Film vor der vollkommenen Belanglosigkeit rettet, sind die wirklich gut inszenierten Action-Momente. Die Shootouts entfalten sich wenig zimperlich (blutige Einschüsse und Austrittswunden), die Kampfszenen sind kurz, aber prägnant, eine Autoverfolgungsjagd durch die Innenstadt erzeugt Kurzweil und endet mit einer ansehnlichen Explosion in einer Unterführung, welche besonders cool wirkt, da man dank des aufgewirbelten Staubs den entstandenen Luftsog deutlich erkennen kann. Eine Szene in einem Motel ist ebenfalls sehr gelungen, in der auf die Zündung einer Sprengfalle etliche brennende Menschen sowie eine harte Schießerei folgen. Das Highlight ist jedoch zweifelsohne der Sturz einer Person von einem Vordach im ersten Stock, wobei jene während des Fallens hart mit dem Kopf auf einem Van aufschlägt, was einen beim Zuschauen unweigerlich zusammenzucken lässt und so sicher nicht geplant war (ursprünglich sollte der arme Stuntman wohl komplett neben dem Fahrzeug landen). Die ansehnliche Kameraarbeit hat das Geschehen wirksam eingefangen, das Regisseur Po-Chih Leong solide arrangierte – qualitativ liegen (in positiver Hinsicht) beinahe Welten zwischen diesem Werk und seinem stümperhaften „Out of Reach“. Leider vergehen zwischen diesen drei bis vier starken Sequenzen viele, viele Minuten, welche die Geduld des Betrachters mit belanglosen Gesprächen arg strapaziert. Schade, dass das Skript derart eintönig und mies ausgefallen ist, denn mit der vorhandenen Cast und Crew hätte man durchaus eine Menge erreichen können…
Fazit: Fans anspruchsloser B-Filme bietet „the Detonator“ wohlmöglich genügend Unterhaltungswert, um rund 95 Minuten ihres Lebens dafür zu opfern – wer sich hingegen von der Kenntnis eines schwachen, unoriginellen Drehbuchs, gelangweilten Darstellern sowie einer Menge Leerlauf zwischen den Action-Momenten abgeschreckt fühlt, sollte sich diesen Rumänien-Ausflug einer ehemaligen Genre-Größe besser ersparen und ggf. lieber auf hochwertigere artverwandte Ware (a la „the Mechanik“) ausweichen…

In den USA ist der Film inzwischen von "Sony Pictures" auf DVD (RC1) veröffentlicht worden.
Sowohl die Bild- als auch Tonqualität ist überzeugend, Extras sind leider nicht vorhanden.