

Originaltitel: Muzhskoy sezon. Barkhatnaya revolyutsiya.
Herstellungsland: Russland
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Oleg Stepchenko
Darsteller: Aleksei Kravchenko, Aleksy A.Petrukhin, Aleksandr Karpov, Aleksandr Yakovlev, Viktoriya Tolstoganova,
Anna Chipovskaya, Oleg Taktarov, Michael Madsen, ...
Trailer:
http://www.velvetrevolution.ru/
Zum Teil mit staatlichen Geldern finanziert sowie einige heimische Stars in den Reihen der Besetzung aufweisend, markiert(e) der durchgestylte High-Tech-Actionthriller „Muzhskoy sezon. Barkhatnaya revolyutsiya“ (internationaler Titel: „Velvet Revolution“) aus dem Jahre 2005 den Versuch „Mütterchen Russlands“, einen Aufsehen erregenden Blockbuster nach amerikanischem Vorbild im Bay/Bruckheimer-Stil zu stemmen. Nach dem Anlaufen auf rund 450 Leinwänden in seinem Ursprungsland avancierte der Film tatsächlich (dort) zu einem beliebten Kassen-Knüller – bloß konnte infolge dessen das zweite große Ziel der Produktion nicht erreicht werden, nämlich eine erfolgreiche internationale Vermarktung. In den USA ist der Streifen beispielsweise bis heute (Ende 2007) noch nicht erschienen – obgleich eine der ersten Aufführungen damals in jenem Land stattfand, u.a. um die Presse darauf aufmerksam zu machen und weil einige Szenen in Kalifornien gedreht wurden…
Polizeimajor Vershinin (Aleksei Kravchenko) ist einer der härtesten Cops auf Moskau´s Straßen – seines Zeichens der nicht immer nach Vorschrift vorgehende stellvertretende Leiter der Abteilung für Drogenbekämpfung, den die Umstände seines Privatlebens zusätzlich belasten (seine Ehefrau ist drogensüchtig, die gemeinsame Tochter treibt sich in den unberechenbaren Kreisen der Neureichen Russlands herum). Als ein umfangreich angelegter Zugriff auf zwei einflussreiche Dealer während eines „American Football“-Spiels inmitten des Stadions fehl schlägt, was in einem live im TV übertragenen Chaos mit diversen Toten resultiert, und später gar die beiden Verdächtigen nach ihrer Freilassung in seinem Beisein von einer Bombe in aller Öffentlichkeit ins Jenseits befördert werden, hat sein Vorgesetzter (Aleksandr Karpov) ein für alle Mal genug – er reorganisiert die betreffende Einheit, degradiert Vershinin kurzerhand und unterstellt ihn dem Team-Neuzugang Suvorovtsez (Aleksy A.Petrukhin). Jener ist im Prinzip das genaue Gegenteil seiner Person – ein vollkommen ernst zu Werke gehender, absolut zielstrebiger Staatsdiener, der nun diesen verschachtelten und weitreichenden Fall effektiv zu einem Abschluss bringen soll. Was allerdings (anfangs) keiner weiß, ist dass Suvorovtsez in Wahrheit ein geheimer Mitarbeiter der nationalen Sicherheitsbehörde ist, der schon seit etlichen Jahren als verdeckter Ermittler die Hintermänner dieser hier aktuell in den Blickpunkt geratenen Organisation verfolgt. Im Zuge ihrer permanent immer neue Facetten freilegenden Untersuchungen, welche sie beinahe umgehend in Lebensgefahr schweben lassen, entwickeln sich die beiden Cops hin zu einem schlagkräftigen Gespann – allerdings haben sie mit ihren Aktionen in ein wahres Wespennest gestochen, denn wie sich schnell herausstellt reichen die Verbindungen ihrer Widersacher bis in höchste Regierungskreise hinein und ein skrupelloser Profi-Killer (Arnis Licitis) hat nicht den Hauch einen Problems damit, die ganze Sache auf der persönlichen Ebene auszutragen…
Genauso wie Tony Scott („Domino“/„Man on Fire“), sein mehr als nur offensichtliches inszenatorisches Vorbild, entstammt auch Oleg Stepchenko („Jacked$“), Regisseur von „Velvet Revolution“, der Werbe- und Videoclip-Branche. Auf den ersten Blick, also oberflächlich betrachtet, vermag seine zweite Regiearbeit einen recht ansprechenden Eindruck zu hinterlassen – schaut man jedoch mal etwas genauer hin, mutet das gesamte Werk eher wie ein typisches Plagiat eines qualitativ ungleich höherwertigen Originals an. Nur weil sich jemand im Besitz der technischen Mittel bzw Möglichkeiten befindet, liefert diese Gegebenheit noch lange keine Garantie dafür, dass das daraus hervorgehende Ergebnis ebenbürtig oder gar besser ausfällt. Rund ein Jahr lang hielt man sich an der Post-Production auf – heraus kam dabei ein optisch ungemein trendiger Film, der von der Konzeption etlicher Sequenzen her eher an einen MTV-Clip oder gar Trailer erinnert: Flashy, rasant, oftmals unzusammenhängend wirkend, immerzu mit harten, schnellen Schnitten, ungewöhnlichen Ausleuchtungen, Farbkorrekturen und Überblendungen versehen, werden dem Betrachter die eingefangenen Impressionen in gelackter Form präsentiert – inklusive Kameramätzchen (abnorm ausgewählte Winkel, 360°-Fahrten etc), pseudo-kreative Perspektiven sowie verschiedene permanent wechselnde Abspielgeschwindigkeiten (Zeitlupe/normal/Zeitraffer). Als besonders nervig entpuppte sich die ständige Verwendung von durch Fotokamerasucher arrangierte Aufnahmen ohne Sinn und Zweck. Stepchenko scheint wohl ein großer Fan von Scott´s „Enemy of the State“ zu sein, denn in nahezu identischer Form griff er auf verschiedene Ausprägungen der modernen Technik zurück (á la Laptop-Funktionen, Foto-Handys, Computersimulationen) und rückte diese entsprechend vordergründig ins Bild – leider, und genau da liegt der gewaltige Unterschied zum US-Pendant, unterstützen diese Gimmicks die Handlung zu keiner Zeit, treiben diese nie aktiv voran, sondern dienen nur als reines „Eye Candy“. Klar, der gute Tony ist ebenso einer der prominentesten Vertreter des „Style over Substance“-Kinos, allerdings wirken seine cineastischen Kompositionen stets homogen, nie erzwungen oder krampfhaft – hier hingegen kommt die Editing-Arbeit frei von einem gefühlten Rhythmus daher, insgesamt werden einem gelegentlich Tempo-Probleme spürbar bewusst, echte Spannung kommt eigentlich nie auf.
Die Besetzung besteht vornehmlich aus bekannten russischen Schauspielern, welche vereinzelt bereits auf internationale Erfahrungen zurückgreifen können. Hauptdarsteller Aleksei Kravchenko („Leningrad“/„Idi i smotri“ bzw „Come and See“) macht seine Sache gut – er weist all die richtigen Attribute auf, seine Rolle entsprechend zu verkörpern, eingeschlossen einer irgendwie sympathischen Ausstrahlung. Ihm zur Seite steht Aleksy A.Petrukhin („Tsel“/„ Posledniy iskatel“ bzw „the Last Quest“), der innerhalb seiner Grenzen agiert und nichtsdestotrotz eine passable Vorstellung abliefert. Aleksandr Yakovlev („Mail Order Bride“/„Moscow Chill“) verkörpert den Bösewicht der Geschichte absolut zufriedenstellend – Sors, so der Name seiner Figur, war früher Kämpfer im Afghanistan-Krieg und ist heute ein einflussreicher Diplomat, der hinter der Fassade humanitärer Hilfsprojekte eine weit verzeigte Drogen-Operation leitet. Als Vershinin´s drogensüchtige Frau ist Viktoriya Tolstoganova („Magnitnye buri“ bzw „Magnetic Storms“) zu sehen, seine flügge werdende Tochter im jugendlichen Alter spielt die unglaublich attraktive Anna Chipovskaya (TV´s „Dorogaya Masha Berezina“). Neben einer Reihe weiterer hübscher Damen fällt einem unweigerlich noch Oleg Taktarov in einer Nebenrolle auf, der schon seit einiger Zeit in Hollywood größere Parts ergattern kann, zum Beispiel in „15 Minutes“, „National Treasure“ oder dem „Rollerball“-Remake. Das Problem ist keineswegs die Cast-Auswahl, vielmehr die oberflächliche Beschaffenheit der Charaktere, die beinahe kollektiv wie Kopien ihrer US-Genre-Gegenstücke wirken. Entsprechend ist es in dieser Hinsicht nicht gerade vorteilhaft, dass ausgerechnet Michael Madsen („Reservoir Dogs“/„Kill Bill“), der schon am Debüt des Regisseurs beteiligt war, als lässig auftretender Gangster (für maximal 5 Minuten Screen-Time) mit von der Partie ist: Im Rahmen einer Rückblende, welche einen vergangenen Einsatz Suvorovtsezs aufzeigt, darf er in einem abgelegenen Diner einige schmerzhaft-belanglose Dialogzeilen von sich geben, nur um in der nächsten Einstellung seinen Gesprächspartner dann draußen in der Wüste zu foltern…
Die Macher von „Velvet Revolution“ haben versucht, in Gestalt ihres narrativen Aufbaus die unübersichtlichen Verschachtelungen des illegalen, mehrere Kontinente umspannenden kriminellen Netzwerks wiederzuspiegeln: Im ersten Drittel greift die Handlung verschiedene Personen und Aktionen auf, die sich an diversen Schauplätzen entfalten und auf den ersten Blick keine Verbindung zueinander aufweisen – nur weiß man ja, dass da irgendwo eine bestehen muss, doch diese ist in jener Phase beim besten Willen (noch) nicht auszumachen. Erst später fügen sich die einzelnen Stränge zu einem sinnvollen, den Zusammenhang preisgebenden Gesamtbild zusammen – nur macht sich dann ein gewisses Maß an Enttäuschung breit, angesichts der eigentlich banalen Story, welche man auf diese Weise bis dato bloß einigermaßen geschickt zu verschleiern vermochte. Im Ganzen besteht der Inhalt aus nichts weiter als neu aufgewärmten, zum Teil abstrus kombinierten (alten) Genre-Zutaten, Klischees und Standardelementen. Das von Stepchenko und dem Branchen-Neuling Aleksandr Karpov verfasste Skript ist reich an platten Gags (deutlich zu viele leidlich humorvolle Mätzchen), zynischen Sprüchen, schwachen Dialogen, welche man gar noch um innere Monologe des Hauptprotagonisten ergänzt hat, und abgegriffenen Motiven (u.a. wird es am Ende „natürlich“ persönlich, als Frau und Tochter zu Geiseln werden). Hinzu kommen ausgeprägte anti-amerikanische und selbst rassistische Tendenzen: Die kapitalistischen Einflüsse des Westens werden als negativ fürs Land dargestellt (Folgen sind: Drogenkonsum, Verschwendungssucht, Werteverfall etc), mehrfach wird gegen die Sportart „Football“ gewettert sowie ein afrikanischer Rebellenführer (Charles Igbokh Nduka) unschön stereotyp präsentiert – als jener an die Macht gelangt, nimmt er Hühner mit in seinen Privatjet, hat keine Skrupel, einen Blutsverwandten kurzerhand enthaupten zu lassen, quatscht ständig (breit grinsend) dummes Zeug und tritt als nichts weiter als eine leicht zu beeinflussende Marionette auf, da es Sors´ Plan ist, in einem kleinen Land Afrikas einen Staatsstreich anzuzetteln, um anschließend den Drogenhandel dort zu etablieren und zu kontrollieren.
Der Titel des Films bezieht sich übrigens auf die so genannte „sanfte“ oder „samtene“ Revolution in der CSSR (1989), die als Beginn einer „langfristigen, komplizierten, sogar schmerzhaften Transformationsperiode“ angesehen wird – aber wohin diese Entwicklung im vorliegenden Fall führen soll, wird nie erschöpfend klar. Die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion neu eingekehrte Wirtschafts- und Lebensordnung wird untrennbar mit Korruption, Kriminalität und Dekadenz verknüpft – es gibt käufliche Beamte, unterirdische Drogenlabore, in denen Handlanger wie Sklaven schuften, abhängige Individuen am Abgrund ihrer Existenz sowie reiche Kids, die ihr Geld in teuere Autos investieren und ihre Vorstellungen von Rebellion bei illegalen, offensichtlich an „the Fast and the Furious“ angelehnte Happenings nach außen tragen. In Sachen Blendwerk hat man sich, im Gegensatz zur (fehlenden) Substanz des Projekts, unübersehbar größte Mühe gegeben: Gedreht wurde in Russland, Deutschland, den USA, Tschechien, auf der Krim (wo die Afghanistan-Szenen entstanden) sowie in handverlesenen, dem Auge schmeichelnden Locations (wie in einer Bar mit Catwalk und sexy Models oder einem Schloss, inklusive weitläufigem französischen Garten) – leider gab es die betreffenden Impressionen allesamt bereits woanders zu sehen (im Sinne von ähnlichen Clubs, Villen, Anwesen etc). Die Action ist überwiegend ordentlich umgesetzt worden, wurde allerdings etwas spärlich über die Laufzeit verteilt – ein Jerry Bruckheimer lässt es noch immer (meist) häufiger und kräftiger krachen. Bis zum Showdown erhält der Betrachter in dieser Hinsicht nicht viel mehr als einige Schießereien, Fights und Explosionen geboten – das Finale selbst besteht aus einem rasant dargebotenen Angriff auf einen Konvoi und gefiel mir ziemlich gut. Die allerletzte Einstellung (ihres Zeichens die ruhigste und längste des gesamten Films), ein langsamer Kameraschwenk entlang der Skyline Moskaus, vermittelt (völlig ohne Worte) die klare Botschaft, dass die Zukunft noch viele Umgestaltungen mit sich bringen wird – die Frage ist nur, ob jene zum Besseren oder Schlechteren Russlands ausfallen werden…
Fazit: „Muzhskoy sezon. Barkhatnaya revolyutsiya“ („Velvet Revolution“) ist ein technisch wie optisch gut umgesetzter Action-Thriller, der umfangreich amerikanische Genre-Vorbilder kopiert, seinerseits indessen aber weder eine reichhaltige Story noch interessante Eigenheiten aufbieten kann, so dass er alles in allem wie nichts weiter als eine leere, auf Hochglanz polierte Hülle anmutet, in welcher an sich schon (aufgrund so mancher Verfehlung) diverse Risse zu erkennen sind…

In Deutschland ist eine nette Tin-Box aus dem Hause "Legend Home Entertainment / Universum Film" (schon für
wenig Geld) verfügbar - mit einer "FSK 16"-Freigabe versehen sowie dem Soundtrack auf einer zweiten DVD.







