Der große Geheimniskrämer-Film des letzten Jahres, bei dem trotz aller Vorsicht schnell klar, dass es irgendwas mit Ufos sein würde. Man kann ihn als Horrorfilm bezeichnen, wenngleich er das Genre fast noch dezenter bedient als "Get Out", als Science-Fiction-Film, aber auch als Western. Peele verweist im Subtext auf die oft übersehenen Leistungen schwarzer Cowboys in der Historie, ohne dass "Nope" zu einer dieser betont (neunmal)klugen "Also eigentlich geht es ja um..."-Horrorparabeln wird. Irgendwie ist "Nope" auch Peeles Spielberg-Film: Man kann ihn als genrelastigere, weniger freundliche Version von "Unheimliche Begegnung der dritten Art" sehen, das "They're here" aus dem vom Spielberg mindestens produzierten, wenn nicht sogar ungenannt fertig gedrehten "Poltergeist" wird zitiert - das Making Of auf der DVD bestätigt diese Lesart nur, wenn die Effekttechniker erzählen, dass Peele wollte, dass sie das Flugobjekt wie den weißen Hai am Himmel inszenieren.
Der kenntnisreiche Regisseur erzählt also seinen eigenen Ufo-Film, dessen Struktur vom dezenten ersten Bemerken bis hin zur Begegnung auf Tuchfühlung der Grundstruktur dieser Filmsparte folgt, reichert dies aber mit seinem eigenen Stil und einigen Exkursionen an, vor allem zum Thema "Tiere im Film". Dabei wird die Schimpansensequenz in der Mitte des Films zum zweischneidigen Schwert: Inszenatorisch ein schweißtreibendes Glanzstück, letzten Endes aber unwichtig für den Plot. (Side Note: Eine Freundin von mir verteidigte die Sequenz als essentiell, da sie quasi den ganzen Film auf den Punkt bringe, ich bleibe aber weiter der Ansicht, dass man die Message auch ohne besagte Sequenz mitnehmen kann). So merkt man "Nope" seine 130 Minuten Lauflänge bisweilen an, gerade wenn eine Person zu einer potentiellen Hauptfigur aufgebaut wird, dann aber auf Nimmerwiedersehen aus dem Film verschwindet.
Die Besetzung der Haupt- und größeren Nebenrollen ist echt stark, wobei vor allem Michael Wincott als exzentrischer Regisseur trotz spätem Auftreten im Film nochmal besondere Akzente setzt. Interessant ist auch die Nutzung des Raums: Einerseits haben wir das weite Land wie im Western, doch andrerseits werden die Ranch der Protagonisten und deren Umland beengt und heimgesucht wie in einem Home-Invasion-Film dargestellt. Die Mischung aus fast schon kindlicher Neugier angesichts seltsamer Phänomene, aber auch der Impetus das eigene Heim (hier mit langer Familientradition) nicht aufgeben zu wollen bildet die dramaturgische Grundlage, warum die Figuren an diesem Ort bleiben und die Sache bis zum Ende durchziehen. So beweist Peele, wie man mit einem ganz eigenen Zugriff auf eine altbekannte Plotte etwas erschaffen kann, das sich persönlich und frisch anfühlt, auch wenn er dabei gerne etwas besser auf den Punkt hätte kommen können.
By the way: Die ständigen Formatwechsel bei der DVD-Sichtung dürften vermutlich dem IMAX-Format im Kino geschuldet sein, oder? Ich vermute mal, dass da keine künstlerische Idee wie bei Tarantino oder "Everything Everywhere All at Once" hintergestanden haben dürfte.
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