Nein nein nein, also da gehe ich mit dem Vince mal gar nicht konform.
Für mich war 60min eine sehr angenehme Überraschung. Die Punkte, dass dir der Hauptdarsteller zu aggressiv oder gar psychopathisch sei, teile ich gar nicht. Der Film macht imo gut klar, was der Hauptcharakter für ein Typ ist und was für ihn auf dem Spiel steht. Er hat sich meines Ermessens für einen solchen Hitzkopf von der Straße stets "angemessen" und erwartbar agiert. Immer die Konfrontation meidend, wenn es aber nicht anders geht, dann doch mit voller Härte - aber nie völlig übertrieben. Das wurde eben auch schauspielerisch sehr gut gelöst und macht sich gerade in dieser plumpen Actionfilmstory gut.
DAs ist genau das was ich so erfrischend und begrüßenswert an dem Film fand, nämlich dass er mir nicht dem Genre und der hanebüchenen Story angemessen einen "coolen" Charakter bot, sondern eben doch jemanden, der genauso auch in einem Sozialdrama auftreten könnte.
Ich brauche hier keine flotten Sprüche oder übertriebene Macho Momente. Da nehme ich trotz allem die Geschichte gerne Ernst und genieße es, wie der Film dann doch gleichzeitig auch seine SChauwewrte ausbreitet, wo auf eine ganz souveräne Art das Gleichgewicht gefunden wurde zwischen artistischer Eleganz und rauer Bodenständigkeit.
Am meisten gefiel mir aber, dass der Film nicht nostalgisch verklärt den "guten alten Zeiten" hinterhersah und wie bei "Plan B" versuchte irgendwelche 80er Jahre Ästhetik visuell und tonal aufzugreifen. Ja er hat ein paar Filmzitate ("Come with me if you want to live"), aber er streut sie au eine sehr homogene und völlig unpenetrante Art hinein und zwinkert dabei nicht ständig dem Zuschauer zu. 60Minuten ist angenehm ironiefrei und dabei doch nicht völlig humorlos und das ist eine Stimmung, die ich sehr begrüßt habe. Für mich bietet 60 Minuten handfestes und kurzweiliges Martial Arts Kino, das in den 2020er Jahren angekommen ist und sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht.
