So... ich hab doch mal im Zug ein paar Zeilen zu dem Film geschrieben...
Armer Armie. Nach fünf Jahren ohne Filmangebot muss er wahrlich verzweifelt gewesen sein, sich ausgerechnet an diesem „Fishing Trip nach Zuschauern in rechten Gewässern“ Uwe Bolls zu beteiligen:
„It was just this moment where I was like: I’m going to get to do the thing that I love more than anything — other than my children”, verriet er dem Hollywood Reporter, „
I would have done a fucking cat food commercial. I just wanted to work again.” Hätte er doch lieber noch etwas länger auf den Caiman Islands gejobbt. Vielleicht hätte er ja auch so die Rolle in „Frontier Crucible“ bekommen und darauf schrittweise aufbauen können – wer weiß? Nunja, so gehört er zumindest mit zum Besten, was „Citizen Vigilante“ zu bieten hat – auch wenn er hier eine der schwächsten Performances seiner Karriere abliefert…
Wie ein uninspiriert zu Werke gehender Debütant reiht Boll inhaltlich lose miteinander verbundene Szenen unchronologisch aneinander – via mauem Editing sowie von ihm selbst in unbeseelt arrangierte Bilder gekleidet. Vieles wirkt unbeholfen – wobei ich die Wechsel in der Zeit aber durchaus mochte. Mehr „Dynamik“ als das hat das Ganze aber nicht zu bieten – schon gar nicht in Sachen Action. Ein Massaker an einer Gruppe Polizisten hat er mit „ironisch unpassender“ Musik unterlegt – doch lässt sich der betreffende Verlauf auch so oder so nicht ernst nehmen, da unrealistisch (nicht bloß vom Verhalten der Männer her) und zudem mit einem übertriebenen (so wie präsentiert: eher peinlichen) Gore-Effekt aufwartend: Ittenbach halt. Zum Kopfschütteln – für so einige aber gewiss „krass-cool“…
In einem nicht näher benannten europäischen Land angesiedelt – in dem die Polizisten bspw. „SWAT“- oder „Police“-Aufdrucke tragen – aber in Fahrzeugen mit „Policija“-Beschriftung sitzen – hat Boll diverse dumpfe Dorfkneipen-Stammtisch-Talking-Points in seine Geschichte mit eingeflochten – und das genau auf dem betreffenden Niveau. Wie Armie Kids belehrt, was Schwarzfahren eigentlich für „Folgen für alle“ hat, ist dabei deutlicher unfreiwillig komisch als dass man den darin verborgenen Wahrheitskern vernünftig mitnimmt. Und so ist das durch die Bank weg hier: Hoffnungslos schwankt der „Ton“ zwischen anprangernd, konventioneller Selbstjustiz-Genre-Kost und Exploitation. Ehrlich sagt, hatte ich mir den Film intensiver, ungemütlicher, beklemmender vorgestellt – was er aber irgendwie (trotz der Materie und entsprechender Szenen) nie in einem effektiven Maße ist…
In „Rampage“ hat Boll vieles deutlich besser hinbekommen – während man sich bei „Citizen Vigilante“ eigentlich nur ärgert. Am widerlichsten ist im Prinzip die Widmung am Ende – denn echte Opfer haben solch einen Film wahrlich nicht verdient, der ihr Leid einfach dumpf ausschlachtet. Einzelne reizvolle Ansätze vermasselt Boll zudem mächtig: Die stoisch-schlichte Hauptfigur hätte man leicht interessanter anlegen können – z.B. als einen Mann, der Selbstjustiz begeht und irgendwann die Grenze zu einem Mörder Unschuldiger überschreitet. In einem besseren Film hätte der Moment bedeutsam sein, also „Impact“ besitzen können – hier allerdings nicht: Ein Unbeteiligter wird von der Straße gedrängt und ihm auch noch die Schuld daran gegeben – von der miesen Explosion mal ganz zu schweigen. Und dann noch solche Sachen wie offenbar keine Überwachungskameras in der gesamten City, Armie´s hinterlassene DNA überall beim Begehen von Verbrechen (speziell bei einer Szene mit einem Richter in dessen Wagen) und so weiter…
Kurzum: Ein spannungsfreier, handwerklich mauer, dummer Film.
Oder... wie ich es bei Joblo geschrieben habe:
It's a dumb movie from a guy that is about as subtle as a drunk bloke in a bar with a megaphone.
gute 