Hm, das wäre dann Jackie Chans erster kantonesischer Film seit Rob-B-Hood, wenn ich mich recht entsinne. Angesichts des Umstands, dass Chan in seiner Heimatstadt inzwischen regelrecht verhasst ist, frage ich mich, ob seine Mitwirkung dem hehren Anliegen des Filmes nicht eher schadet als nutzt. Mich freut auf alle Fälle, dass es Action zu geben scheint, das ist bei derartigen Benefiz-Filmen ja eher selten.
Es ist nicht ganz richtig, dass Jackie von allen 7,5 Millionen Hong Kongern gehasst wird, wie in vielen Artikeln suggeriert wird:
Von der alten Generation wird er gemocht, von der nachfolgenden Generation, die mit seinen Filmen aufgewachsen ist sowieso, auch wenn es viele Hong Konger stört, dass er das Festland unterstützt. Viele junge Menschen, die sich mit Filmen befassen und wissen wie er gekämpft hat um weltweit anerkannt zu werden, respektieren ihn genau dafür, auch wenn sie seine politischen Meinungen nicht mögen. Und dann ist da noch ein bestimmter Teil, der jungen Bevölkerung (wie im VICE-Artikel beschrieben wird, obwohl es ansonsten keine gute Quelle in meinen Augen ist), die zu den HK-Protestgruppen gehört und ihn regelrecht hassen und dies auch in chinesischen Blogs und Kommentaren zum Ausdruck bringen, weil er für sie eine Marionette ist.
Man darf nicht vergessen, dass viele junge HKer mit dem alten HK-Kino nicht mehr viel am Hut haben. Als Anekdote fällt mir da die Geschichte eines Users ein, der erzählt hat, dass er jungen Leuten in Hong Kong, auf dem Handy, den Endkampf von Drunken Master 2 gezeigt hat und diese ihm geantwortet haben: "Cool, das sind doch die Filme die unsere Eltern immer geschaut haben." Als ich in Hong Kong war ist mir auch aufgefallen, dass die jungen Leute eher an ihrem Handy interessiert sind.

Was man eher mitkriegt ist, dass für sie, Jackie ein gealterter Actionheld von damals ist, genauso wie heute im Westen bei uns Arnie, der während seiner Gouvernator-Zeit an Popularität eingebüßt hat und heute bei jungen Leuten eher wieder beliebt geworden ist, weil der Fitnessboom seinen Namen wieder in den Vordergrund gerückt und er wieder in Filmen mitgespielt hat. Jackie geht auch auf die 70 zu und in HK gehen die Sehgewohnheiten wohl in eine andere Richtung. Vergessen wir nicht, dass andere Schauspieler die als Pro-China gelten, wie Donnie Yen, trotzdem erfolgreich sind in HK.
Jackie gilt im übrigen, seit dem er in den 70ern berühmt geworden ist, als skandalös und nicht erst seit ein paar Jahren.
In der Hong Konger Presse und der Bevölkerung, war er schon immer für Schlagzeilen und als "wilder" Kerl bekannt.
Sei es wegen seinen Frauengeschichten, oder weil er mit seinen Stuntman, die immer wie eine Traube an ihm dranhingen, ganz Gang-like,
die Nacht unsicher gemacht hat, oder seinen Saufgelagen. Wie das eine Mal, wo er sich nach dem vielen Alkohol übergeben musste (wenn ich mich recht erinnere, auf Yuen Biaos Hochzeit) und seine Frau Lin Feng Jiao sich um ihn gekümmert hat. Schlagzeilen in diese Richtung inkl. Fotos kamen bei Jackie schon mal vor. Er hatte in HK also nie das Saubermannimage, wie es im Westen der Fall ist.
Das irgendjemand, sein Abdruck bei der HK Avenue of Stars kaputt gemacht hat, ist mir auch noch nicht zu Ohren gekommen

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Ansonsten seh ich in Jackie öfter mal einen Opportunisten, der erstmal schaut wohin das Fähnchen schwingt und sich dann an die Arbeit macht. Deshalb denke ich, dass selbst wenn die Regierung in China nicht "kommunistisch mit neuen Ansätzen", aber trotzdem genauso erfolgreich wäre wie jetzt, er ein Anhänger der Politik seines Landes sein würde. Er hat halt erkannt, dass seine familientauglichen Filme in China erfolgreich sind und hat dann die Rechnung gemacht: "Hmm, 7,5 Millionen gegen 1,3 Milliarden,... Hong Kong ist eh seit 1997 eine chinesische Stadt und wird sie ab 2047 komplett sein...okeydokey."
Er hat dann auch gleich sein Büro nach Beijing verlagert. Ich war ganz überrascht als ich die Waterloo-Road hochgelaufen bin und da wo mal sein Bürogebäude stand (mit dem riesigen Reifen aus Mr. Nice Guy, an der Eingangstür), nur noch eine Baustelle war.
