Also ich muss zugeben, dass ich vom Trailer zum Film reichlich abgeschreckt war. Aber Jesse V. Johnsons Weg interessiert mich aktuell noch zu sehr, um mir einen neuen Streifen entgehen zu lassen. Und wider Erwarten gelingen Johnson ein paar nette Szenen und atmosphärischere Bilder. Genau bei dem Punkt scheiterte der Trailer bei mir total. Im fertigen Film kaschiert Johnson die Geldnot aber ordentlich. Man sieht sie, man spürt sie, aber das Ganze sieht nicht halb so übel aus, wie befürchtet. Stattdessen habe ich nun ein anderes gewaltiges Problem mit dem Film: Seine Hauptdarstellerin. Olga hat imo keinerlei Zugriff auf ihre Figur gefunden. Spielt mal ultranaiv und im Bild umherstolpernd, mal ultracool und brutal. Und beides nimmt man ihr beziehungsweise ihrer Figur kein Stück ab. Und auch die Modenschau mit Kriegsbemalung im letzten Drittel ist total unglaubwürdig und unfreiwillig komisch. Am übelsten sind die Actionszenen, die Olga von hinten filmen, wie sie sich durch die Gegner fräst und am Bewegungsapparat sofort offensichtlich ist, dass das NICHT Olga ist.
Die nur halbwahre Story mit Mystikmumpitz ging halbwegs in Ordnung und die Action würde ich unter nett einordnen, auch wenn sie arg repetitiv in ihren Abläufen wirkt: 5 Sekunden Hack and Slay in der Totalen, 1 Sekunde Splatternahaufnahme, 5 Sekunden Hack and Slay in der Totalen, 1 Sekunde Splatter in der Nahaufnahme, 5 Sekunden ... Aber zumindest kann man Johnson nicht vorwerfen, er würde sich für irgendwelche Ratings einbremsen lassen.

Am Ende habe ich das Ganze rausgenommen und war erleichtert, nicht ganz den erwarteten Unfall erlebt zu haben, gleichzeitig war ich aber traurig fürn Jesse, weil der Film ihm nun überhaupt nicht geholfen hat. Wofür ich den Film aber loben möchte, ist sein wirklich kerniger männlicher Cast. Die haben in den wichtigeren Rollen imo alle stark abgeliefert und hätten einen besseren Film verdient gehabt.
In diesem Sinne:
freeman