
Originaltitel: Heatseeker
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1995
Regie: Albert Pyun
Darsteller: Keith Cooke, Tina Cote, Gary Daniels, Hazel Huelves, Tony Mabesa, Norbert Weisser u.a.
Gary Daniels war gerade mit den Dreharbeiten zu Albert Pyuns „Knights“ (Cyborg Warriors) beschäftigt, als ihn die Mitteilung erreichte, dass Jackie Chan ihn für seinen „City Hunter“ verpflichten wolle. Anstandslos entließ Albert Gary aus dem Vertrag und ermöglichte ihm die Arbeit mit einem seiner Idole. Aus Dank für diese selbstlose Geste wirkte Gary in Pyuns „Heatseeker“ mit.
Hier präsentiert Pyun ein Konglomerat aus seinen damaligen Lieblingsthemen: Turnierkampfsport und Cyborggedöhns. Genauer geht es um die Sianon Corporation. Eine Firma, die in der Zukunft auf dem Markt für biomechanoide Ersatzteile tätig ist und die weltweite Vorherrschaft auf diesem Gebiet anstrebt. Um diese Marktmacht zu beweisen, beschließt Tong, der Marketingdirektor der Firma, ein Kampfsportturnier abzuhalten, in dem die Cyborgs der verschiedensten Firmen für Biotechnologie aufeinandertreffen. Um die Vorherrschaft seines Kämpfers Xao absolut offensichtlich zu belegen, will Tong auch den vollkommen menschlichen US Champ Chance O’Brien auf die Teilnehmerliste hieven. Doch dieser weigert sich, gegen mechanisch aufgerüstete Menschen anzutreten. Als Tongs Mannen Chances Frau entführen und ihn zur Teilnehme erpressen, sieht er keinen anderen Ausweg, als diversen Cyborgs im Turniermodus die Platinen aus den Schädeln zu dreschen ...
Ein Bloodsportklon erweitert um eine Cyborgkomponente. Ich gebe zu, diese Idee hat etwas und ist insgesamt gesehen auch das reizvollste Motiv an „Heatseeker“, geht aber leider weitgehend unter. Zwar wird im Verlauf des Streifens viel von biomechanoiden Ersatzteilen gelabert (man muss bei einem Pyunfilm einfach dieses Wort benutzen!) und werden vor den Fights die Fantasiefirmen hinter den Kämpfern auch ausführlichst vorgestellt, wirklich sichtbare Auswirkungen auf die Kampfsportfähigkeiten haben die Cyborg-Erweiterungen allerdings nicht. So gestalten sich die Fights ähnlich geerdet und auf pure Effizienz ausgerichtet, wie in allen Martial Arts Streifen amerikanischer Prägungen. Zwar schaut am Ende immer wieder einmal ein mechanisches Bauteil aus einer offenen Wunde oder wird schon mal ein Roboterkopf komplett zertreten, insgesamt werden hier aber vor allem Fans von Turnierfilmen wie „Shootfighter“ und „Bloodsport“ bedient und Roboterfightfans enttäuscht ;-). Ähnlich wie diese Vorbilder versucht Pyun möglichst viele verschiedene Kampfsportarten in seinem Film zu vereinen, scheitert aber ein wenig an den Skills seines Personals, denn irgendwie kann man kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Fightern und deren Stilen ausmachen. Und Pyun macht in dem Fightmodus noch einen gewichtigen Fehler: Er etabliert kaum andere Charaktere im Kämpferlager neben Xao und Chance, die einem wichtig wären. Außerdem spart er ausgerechnet einige Fights der beiden wichtigsten Kontrahenten aus. So gehen mit Eintreten des Turniermodus zwar in kürzester Folge diverse Kämpfe auf den Zuschauer nieder, diese rangieren aber meist unter dem Label „egal“, da einen keiner dieser anderen Fighter wirklich interessiert. Obendrein sind diese Kämpfer auch deutlich schwächer in ihren Fähigkeiten als die sehr spektakulär auftretenden Opponenten Gary Daniels als Xao und Keith Cooke als Chance.
Dabei hat leider vor allem der mit seltsamen Kontaktlinsen ausstaffierte Gary Daniels ein bisschen wenig zu tun. In den Kampfverlauf greift er erst mit den Viertelfinals ein, kickt dann aber gewohnt spektakulär und ungemein flüssig in seinen Bewegungsabläufen. Ansonsten wird um ihn herum ein Subplot um Chances Frau errichtet, die von Tong nach ihrer Entführung gezwungen wird, Xao in Liebesdingen gefällig zu sein und dies auch macht, als man ihr verspricht, dass ihr geliebter Chance das Turnier so halbwegs unbeschadet überstehen wird. Dabei scheint sie Xao ab und an deutlich näher zu kommen, als es sich „gehört“. Es sind gerade Momente wie dieser, in denen sich Heatseeker storytechnisch von anderen Filmen dieser Art freizustrampeln vermag, da Pyun immer wieder einmal kleine Überraschungen parat hat, die neben dem Dauergekicke durchaus auch storytechnisch für Bewegung sorgen. Auch und vor allem dahingehend, wer auf Chances Seite steht und wer nicht. Und auch die Liebesgeschichte um Chance, Xao und Chances Frau sorgt hier und da für ordentlich Bewegung im Figureninterieur. Dabei macht Tina Conte als Chances Frau nicht wirklich viel verkehrt und darf sich auch mal nackert über die Kampfsportmatten wälzen und so was nehmen wir ja immer gern mit. ;-) Hauptdarsteller Keith Cooke ist für mich zum Zeitpunkt des „Heatseeker“ Guckens ein vollkommen unbeschriebenes Blatt gewesen (inzwischen begegnete er mir zumindest im Rothrock Kicker China O’Brien), überzeugte aber mit enormer Körperbeherrschung und einem durchaus sehr sympathischen Auftreten, was es leicht macht, sich auf seine Seite zu schlagen. Ansonsten stolpert man auch hier über die Pyun Regulars Tim Thomerson und Norbert Weisser, von denen vor allem letzterer einige Male ordentlich über die Stränge schlagen darf, was sein Schauspiel angeht.
Technisch geht „Heatseeker“ ebenfalls komplett in Ordnung. Pyun arbeitet bei Außenansichten wie gewohnt ausgiebigst mit Farbfiltern und schafft es so immer wieder seinen Streifen optisch ganz interessant aussehen zu lassen. In den Fights findet er immer genau die richtigen Perspektiven, um seinem Gekicke die notwendigen Härten angedeihen zu lassen und einige sehr spektakuläre Einlagen wiederholt er gerne einmal per Zeitlupe oder macht sie durch eine gekonnte Montage verschiedenster Kamerawinkel noch einen Zacken cooler, als sie es vermutlich waren. Gerade auch im Turniermodus erkennt man, dass „Heatseeker“ wohl durchaus auch ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, drehte man doch in einem ungemein weitläufigen Areal, das man fast vollständig mit grölendem Statistentum bevölkerte. Unter diese gekonnt eingefangenen Bilder bastelte Tony Riparetti einen sehr atmosphärischen, genial vor sich hin pumpenden Score, der für ordentlich Stimmung sorgt und das Geschehen immer treffend untermalt.
Was bleibt ist ein Bloodsportklon mit einem eigentlich interessanten (Technik)Kniff, den er allerdings nie so richtig auszuspielen versteht. Trotz dieses Mankos zieht Heatseeker sein Programm geradlinig durch, hat ein paar sympathische Figuren bei der Hand und hätte eigentlich im Großen und Ganzen nur noch ein paar mehr Fighter von der Qualität seiner beiden Hauptdarsteller Keith Cooke und Gary Daniels gebraucht, um deren coole Kampfsporteinlagen wenigstens halbwegs interessant mit No Name Fights zu flankieren. So geht nämlich das Tempo einige Male empfindlich in die Knie. Dennoch ein durchaus gelungenes Pyun Werk ...

In Deutschland kommt Heatseeker uncut auf VHS von dem Label New Vision mit einer FSK 18. Eine uncut DVD findet man beispielsweise in Australien von dem Label Rainbow Entertainment (Regionalcode 0) und seit neuestem von Voulez Vous Film (Intergroove) ab 18 auf deutschsprachiger DVD.
In diesem Sinne:
freeman