
Originaltitel: Ghost Rider
Herstellungsland: USA
Produktionsjahr: 2007
Regie: Mark Steven Johnson
Darsteller: Nicolas Cage, Peter Fonda, Wes Bentley, Eva Mendes, Sam Elliott u.a.
Johnny Blaze führt eigentlich ein zufriedenes Leben: Sein Vater und er sind mit ihrer feurigen Motorradstuntshow die große Attraktion eines Jahrmarktes und in Roxanne glaubt Johnny seine große Liebe gefunden zu haben. Mitten in dieses Idyll hinein platzt die Nachricht von der Krebskrankheit seines Vaters. Da kommt es Johnny nur gelegen, als plötzlich ein Mann vor ihm steht und ihm anbietet, seinen Vater zu heilen. Der marginale teuflische Gegenwert: Johnnys Seele. Johnny willigt ein und sein Vater gesundet unversehens. Allerdings stirbt er noch am selben Tag seiner Genesung bei einem Motorradstunt. Johnny zerbricht an diesen Ereignissen, verlässt Roxanne und zieht fortan auf der Suche nach dem ultimativen Kick mit seiner eigenen Motorradstuntshow rastlos durchs Land. Dabei übersteht er auch die haarsträubendsten Crashs, hat er doch einen prominenten Schutzengel: Mephistopheles, seines Zeichens Besitzer von Johnnys Seele, wacht über ihn und führt ihn eines schönen Tages seiner Bestimmung zu: Mephistopheles Sohn, der Dämon Blackheart, macht nämlich gerade ordentlich Ärger und soll von Johnny eingebremst werden. Dazu verwandelt Mephistopheles Johnny in den Rider. Ein Kopfgeldjäger des Teufels. Ein normaler Mann des Tages, doch des Nächtens verwandelt er sich in ein feuriges Skelett, das auf seinem Chopper durch die Lande pattrouliert und aus der Hölle entflohene Dämonen wieder zurückführt oder die Erfüllung einmal geschlossener Verträge zwischen Teufel und Menschen einfordert. Hinter einem dieser Verträge, der einst zwischen einer ganzen Stadt und dem Teufel geschlossen wurde, ist Blackheart her ...
Fragt sich im Grunde genommen nur: Warum? Und diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Film. Warum braucht der Sohn des Teufels irgendwelche Seelen, um gegen seinen Vater zu kämpfen? Warum kämpft er gegen seinen Vater? Welchen Sinn hat sein Aufbegehren gegen die Hölle? Seltsamerweise liefert der Film dafür keine Erklärungen, nicht einmal ansatzweise. Ghost Rider konzentriert sich voll und ganz auf seine Faustische Grundstory und damit vollkommen auf den Rider und Johnny Blaze. Alles andere fällt halt einfach irgendwo hinten runter. Lustigerweise funktioniert das Ganze dennoch ganz ordentlich, weil man irgendwie automatisch in den "Es ist ja nur ne Comicverfilmung und es wird wohl um das Wohl der Welt und irgendwelche God's Army ähnlichen Verstrickungen gehen." Modus verfällt und sich so irgendwie einen eigenen Film zusammenbastelt. Darum nun ein Hohelied auf den Film und seine fantasieanregenden Eigenschaften zu singen, wäre allerdings etwas hoch gegriffen. Man sucht als Zuschauer eben wirklich nur Erklärungen für das, was da auf der Leinwand abgeht. So funktioniert die Story des Kampfes von Ghost Rider gegen Blackheart so gut wie gar nicht. Dafür funktioniert alles, was mit dem Ridermythos zu tun hat und natürlich auf der Comic Reihe Ghost Rider basiert. Dies war zunächst eine Serie um einen Rider in satanischen Diensten in Form eines Wild West Comics, der in den 40er Jahren seinen Höhepunkt hatte, irgendwann aber ad acta gelegt wurde. Dieser Urversion erweist man mit dem ziemlich netten Plot um den Caretaker Referenz, konzentriert sich dann aber voll auf die Neuauflage der Ghost Rider Geschichten, die um 1973 neu erschienen und in der der Cowboyrider durch den Motorradfahrer Johnny Blaze ersetzt wurde. Dessen Werdegang vom Motorradfahrer zum Rider können wir nun en detail verfolgen und genau dieser Storypart funktioniert sehr gut, da er mit viel Humor und Selbstironie aufgebrochen wird, was den wirklich arg abstrusen Storyunterbau hervorragend abfedert. Mit wirklich großen Comicverfilmungen a la Spiderman und Co. hat dieser Streifen aber absolut nichts gemein.
Ghost Rider funktioniert eher wie ein abgedrehter kleiner Bruder der aktuellen Comicverfilmungen, die dank Spidey, den X-Men, Hulk usw. vor allem auch dramatischere und tiefenpsychologische Einschläge erhielten. Ghost Rider versteht sich dagegen als reine Spaßbombe. Den Figuren gehen Charakterentwicklungen vollkommen ab, ihre Charakterzeichnung beschränkt sich auf: "sieht geil aus, ist böse, ist gut, macht mal Witze" und auch die Dialoge haben mit "Mit großer Macht kommt große Verantwortung" nichts am Hut. Das Motto lautet:
Let's Ride ...
Und immer wenn dieses Motto erklingt, brennt die Leinwand. Denn in genau diesen Momenten darf der Rider wirken und seine Auftritte verleihen dem Film Momente puren Wahnsinns! Hubschrauber werden mit Ketten geangelt und mit einem "Du gehst mir auf den Sack" wie beim Hammerwerfen "weggeworfen", der Rider fährt ein Hochhaus hoch und wieder runter, er wird von riesigen Lastkraftwagen zermalmt, zerstört nur durch Hindurchfahren ganze Straßenzüge und hat eigentlich immer einen ziemlich heißen Spruch auf den nicht mehr vorhandenen Lippen. Ghost Rider ist in den "Ghost Rider Szenen" wirklich exaltiertes Actionkino der extrem überdrehten Sorte, das riesigen Spaß macht und eben einem echten Höllenritt auf einer dicken Maschine gleichkommt. Diese Einlagen deklassieren dann recht schnell den Rest des Filmes zu bloßem filmstreckenden Material, bei dem man sich recht schnell zu wünschen beginnt, der Rider möge doch wieder seinen Chopper starten. Das liegt auch und vor allem an den Darstellern und ihren eher schwachen Leistungen. Nicolas Cage schneidet dabei noch am Besten ab, fährt aber absolut auf Standgas! Er liefert ein Best Of seiner exaltiertesten Gesten und ein kleines Remake seiner Rolle in Wild at Heart, wo er als Elvis Fan genau dieselben Posen lancierte, die er in Ghost Rider im Minutentakt auffährt! Abseits dieser Cagetypischen Einlagen merkt man seltsamerweise nicht viel davon, dass er ein riesiger Ghost Rider Fan sein soll. Vielleicht war er ja frustriert, dass in den eigentlichen Rockerszenen von ihm nicht mehr viel zu sehen ist, denn dem Skelettschädel Nicolas Cages mimisches Repertoir zugestehen zu wollen, wäre ein wenig arg übertrieben, verfügt ein Schädel doch über keine Mimik ... also außer Unterkiefer hoch und runter ;-). Unter seiner teilweise wirklich gelangweilten, ein wenig septischen Darstellungsweise haben einige Handlungsszenen sehr zu leiden. Von Eva Mendes, die Roxanne spielt, durfte man im Vorfeld lesen, dass sie mit einer Fettdiät ihre Moppen und ihren verlängerten Rücken aufplustern wollte. Das ist ihr vortrefflich gelungen. Leider haben ihre bis zum Bauchnabel geöffneten Ausschnitte deutlich mehr Ausdruckskraft als die schöne Eva, die sich in keiner Sekunde beim Schauspielern erwischen lässt. Hatte sicher Angst, sie könnte durch die damit verbundenen Anstrengungen wieder Gewicht verlieren. Peter Fonda als Mephistopheles war hundertprozentig nur wegen dem Gehaltsscheck an Bord! Was hätte der Film mit einem überdrehten Teufel a la Peter Stormare in Constantine rocken können, zumal ein solcher Teufel viel besser in Ghost Rider gepasst hätte. Leider spielt Fonda den Teufel, als sei der der leibhaftige Tod ... keine Regung im Gesicht, kein Anheben der Stimme ... Nichts! Als Blackheart erleben wir den heimlichen Star aus American Beauty. Wes Bentley ist für mich der Inbegriff des düster faszinierenden Schauspieltyps, der alleine mit seinen dunklen Augen und den prägnanten, dichten Brauen immer einen Hauch des Geheimnisvollen und Unberechenbaren transportieren kann. Hier wird er als Dämon komplett verheizt. Er taucht auf, reißt One Liner und verschwindet. Seine Beweggründe werden - wie bereits erwähnt - nicht hinterfragt, seine Beziehung zu Mephistopheles bleibt vollkommen unklar und seine Untertanen rocken um einiges mehr als er. Auch hier muss man konstatieren, dass ein Bad Ass vom Format eines Bullseye in Daredevil viel mehr hätte reißen können. Doch die gesamte Anlage von Blackheart bleibt viel zu passiv. Schade. Der immer verlässliche Sam Elliot kann dafür als Caretaker punkten und liefert eine sympathische Performance ab.
Die eigentliche Hauptrolle aber spielt die Action und die dabei aufgefahrenen Effekte. Wer sich noch mit Grausen an die Ultraviolet "Violet fährt ein Hochhaus hoch" Szene erinnert, der bekommt hier eine von der Konzeption her vollkommen identische Szene geboten, die allerdings technisch perfekt daherkommt und absolut grandios funktioniert. Auch die restlichen Actionszenen wurden auf den Punkt getrickst und sind Eye Candy vom Feinsten! Leider fällt der Showdown im Vergleich zu der vorher gebotenen Action extrem ab! Im Vorfeld des Showdowns wurden alle Actionszenen immer überdrehter und bombastischer, doch der Showdown selber entpuppt sich dagegen als langweiliger und uninspirierter Sturm im Wasserglas - quasi als Fehlzündung! Regisseur Mark Steven Johnson schwenkt hier nämlich vollkommen auf einen Effektoverkill um, der dem Streifen nicht wirklich steht. Klar waren alle Einlagen vorher auch schon mit Effekten überladen, aber da fügte es sich besser in den Film ein und passte eben zu den transportierten Bildern. Im Showdown wuselt, morpht und partikelt man sich zu Tode und es werden Erinnerungen an den Showdown in Mumie II wach. Und obwohl die Leinwand im Showdown vor Details zu bersten droht, kann einen das Geschehen selbst überhaupt nicht mehr begeistern. Im Rest des Filmes überwiegt effekttechnisch ein absolut positiver Gesamteindruck. Allerdings muss man ganz klar feststellen, dass der Totenschädeleffekt mit den Flammen drumherum zwar eine richtige coole Idee ist und eigentlich auch sehr gut funktioniert, aber genau dieses Markenzeichen des Riders rückt seine Auftritte doch extrem in die Trashecke. Zudem konterkariert der extrem helle Schädel die dunklen Klamotten des Riders, wodurch unangenehm viel Aufmerksamkeit auf den Schädel gelenkt wird, was beim Betrachter irgendwie immer in einem dicken Schmunzler kulminiert. Absolut genial sind die Effekte um das genial designte Bike vom Rider und die Gegenstände, die in den Händen vom Rider dank seiner Fähigkeiten transformiert werden und einen ganz eigenen Look bekommen. Auch die Bösewichter um Blackheart, die die Elemente Sand, Wasser und Wind verkörpern, rocken extrem, werden aber leider wenig gewinnbringend in den Film eingebracht. Vor allem sind die Fights zwischen Rider und Bäddies immer viel zu schnell vorüber, was dem Film einiges an Potential raubt.
Optisch hat Mark Steven Johnson Ghost Rider an seine erste Comicverfilmung Daredevil angepasst. Der Rider ist zwar weniger düster, schwelgt aber auch nicht wirklich in Lichtermeeren und kann optisch eigentlich nur als sehr effektiv und über weite Strecken sogar recht edel bezeichnet werden. Insbesondere in den Effektszenen beweist Johnson enorm viel Gespür für die richtigen Perspektiven und Einstellungen und leistet das Seine zum Gelingen des CGI Feuerwerkes. Akustisch bekommt man leider ein etwas seltsames Gebräu auf die Ohren. Christopher Young überzuckert die ohnehin recht lahmen Handlungsszenen mit seltsam unpassender Kitschmusik, die man so auch schon in irgendwelchen Liebesschmonzetten gehört hat und die überhaupt nicht zum leicht schrägen Grundton des Filmes passen wollen. In den Actionszenen wird der Komponist dann zwar deutlich besser, wirklich packen können seine Themen allerdings nicht. Und warum man vollkommen auf prägnante Songs der härteren Gangart zur Untermalung der Action verzichtete, will sich auch nicht so recht erschließen. Ein wenig Disturbed und Co. hätten hier vermutlich Wunder bewirken können.
Was bleibt ist ein überkandideltes Stück Big Budget Actiontrash, dem durch Selbstironie und feinen Humor zumindest ein Grundstock an Seele eingehaucht wird. Die Action des Streifens verfügt über eine hohe Drehzahl und hat für den geneigten Zuschauer einiges an solidem optischen Blendwerk im Gepäck. Leider bleibt die Geschichte abseits vom Werdegang des Riders seltsam seelenlos und lässt so manche Szene zwischen den Actioneinlagen recht gestreckt und belanglos wirken. Dennoch kann man Ghost Rider schon aufgrund der herrlich abseitigen Einlagen vom Rider keinen Knüppel in die Räder schmeißen, viele andere Comicverfilmungen bieten allerdings einen deutlich besseren "Ride".

In diesem Sinne:
freeman