
Originaltitel: Hostage
Herstellungsland: Deutschland, USA
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Florent Emilio Siri
Darsteller: Bruce Willis, Kevin Pollak, Jonathan Tucker, Ben Foster u.a.
Bruce Willis willis mal wieder wissen ... sorry für das schlechte Wortspiel, aber genau das trifft es einfach hundertprozentig. Willis willis wissen ... also produzierte er einen Film, der ihn so präsentieren sollte, wie ihn seine echten Fans halt doch am liebsten mögen: zupackend, hart und kompromisslos. Dazu holte er sich Florent Emilio Siri in die Staaten – wohl auch, weil dieser ein recht unbeschriebenes Blatt war und sich vermutlich mehr als einmal hat beeinflussen lassen von Eingaben seines Produzenten Willis. Doch wer „Das tödliche Wespennest“ gesehen hat wird auch eingestehen müssen, dass Siri vielleicht gar nicht so die falsche Wahl für einen harten Thriller gewesen ist.
So sind wir nach einem ungemein stylishen Vorspann Zeuge, wie dem Unterhändler (oder wie die Amis gerne sagen: Negotiator) Jeff Talley ein „Job“ vollkommen aus den Händen gleitet und in einem blutigen Massaker endet. Talley entflieht der Großstadt gen kleiner Gemeinde in der Hoffnung derartige „Unfälle“ nie wieder erleben müssen. Seine Familie bleibt allerdings weiterhin in L.A. und seine Ehe mutiert zur Wochenendbeziehung. Kurzum: Talley ist am Ende.
Und genau in diese verfahrene Situation platzt eine Geiselnahme in dem beschaulichen Kleinstädtchen, dass sich Talley für seinen gemütlichen Ausstand auserkoren hat. In deren Verlauf nehmen 3 Jugendliche eine Kleinfamilie als Geiseln und kommen so unwissentlich einem Gangstersyndikat in die Quere, für das der Vater der Familie arbeitet. Dieses Syndikat braucht einen bestimmten Gegenstand aus dem Haus und will diesen mit allen Mitteln bekommen. Talley selbst übergibt derweil wohlweißlich die Verantwortung höhergestellten Behörden, um nicht wieder in die Situation zu kommen, das Ende diverser Menschenleben verantworten zu müssen. Doch das Gangstersyndikat nimmt Talleys Familie als Geisel und zwingt ihn den Unterhändler bei dieser Geiselnahme zu spielen und so den heiß ersehnten Gegenstand zu besorgen. Nun ist es an Talley die Geiselsituation unter Kontrolle zu bekommen UND seine Familie zu retten...
Aus der Inhaltsangabe erkennt man schon, dass die Story recht geradlinig daher kommt und sich keine unnötigen Schnörkel leistet, die von der spannenden Geiselnahme ablenken könnten. Und so liegt in der ersten Stunde auch deutlich das Gewicht auf den Verhandlungen zwischen Geiselnehmern und Polizei und den Versuchen Talleys, der Situation Herr zu werden. In der letzten halben Stunde dreht dann Siri auf und der Thriller wird eher zu einem Actionkracher, in dem die Fronten relativ eindeutig geklärt werden und Willis das macht, was ein Willis nun mal tun muss. Schnörkel oder überraschende Wendungen sollte man dabei nicht mehr erwarten, darauf hat es der Regisseur aber offensichtlich auch überhaupt nicht angelegt. Er wollte einen spannenden, stringenten und rauen Thriller und den hat er geschaffen. Dabei beeindruckt vor allem auch, dass er viele Klischees umschiffen kann und der Film bei weitem nicht so vorhersehbar gerät, wie man vielleicht annehmen könnte. So ist zum Beispiel auch die Idee mit den ungemein jungen Geiselgangstern anfangs etwas befremdlich - denn wie sollen denn die gegen Willis bestehen können? - doch im Verlauf des Filmes werden sie zu ebenbürtigen und vor allem gefährlichen Gegnern. Somit ist storytechnisch in meinen Augen alles in Ordnung.
Getragen wird der gesamte Film von Bruce Willis. Es ist einfach seine Show. Und ist er nicht zu sehen, sehnt man ihn wieder herbei. Gegen seine – vor allem physisch ungemein beeindruckende - Präsenz kann in dem Film KEINER anspielen, was aber bei weitem nicht heißen soll, dass der restliche Cast vor sich hin dilettieret – dem ist definitiv nicht so, aber gegen Willis ist in dem Film kein Kraut gewachsen, zumal dieser auch schauspielerisch das Maximum aus der Rolle herausholt und an diversen Stellen wahrlich eine erstaunliche Leistung vollbringt.
Ein großes Lob geht von meiner Seite auch an den Komponisten Alexandre Desplat, der einen wundervollen, teils schweißtreibenden Soundtrack geschaffen hat, der einzelne Szenen kongenial zu untermalen weiß.
Kommen wir zu Siri. Mei, was hat der Mann für ein tolles optisches Gespür. Schon der verhunzte Einsatz von Talley zeigt auf, was einen im weiteren Verlauf des Filmes erwarten wird: Braunfilter und daraus resultierende Sepiafarben, ungemein gelungene Kamerafahrten, ein paar ungewöhnliche Perspektiven und keine Anbiederung an die MTV Generation. Denn wenn Siri Action inszeniert, dann ungemein stylish, mit Slow Motion und einem absolut vertretbaren Härtegrad. Er verfällt nicht einmal in die Stakkatoschnittbombardements, die bereits so manchem Actionfan die letzten Kinobesuche vergällt haben, sonder präsentiert sogar so etwas wie eine Choreographie. Und in einigen Szenen des Showdowns erreicht seine Inszenierung fast schon opernhafte Dimensionen. Genial.
Unterm Strich haben wir einen harten Thriller mit einem ungemein beeindruckenden Bruce Willis und einer Optik, die einfach als brillant bezeichnet werden muss. Was den echten Hardcorefans von Stirb Langsam Willis aber nicht zusagen wird, ist, dass er den „Prügel“ leider viel zu selten rausholt und erst zum Ende wirklich rabiat wird. Ich für meinen Teil kann aber behaupten, dass dies dem Vergnügen keinen Abbruch tut ...

In diesem Sinne:
freeman