Bei Jason Statham weiß ich genau, worauf ich mich einlasse. Ein schweigsamer Mann mit nebulöser Vergangenheit, der eigentlich nur seine Ruhe haben möchte, aber natürlich irgendwann gezwungen wird, wieder das zu tun, was er am besten kann. Shelter verspricht genau das, die Frage ist nur, ob mir das inzwischen noch reicht. Dabei beginnt der Film überraschend anders, denn Statham spielt Mason, einen ehemaligen Geheimagenten, der sich auf eine abgelegene schottische Insel zurückgezogen hat. Er lebt dort wie ein Eremit und ist offensichtlich froh darüber, dass ihn niemand mehr braucht. Als er nach einem Sturm ein junges Mädchen rettet, entsteht zwischen den beiden langsam eine Art Vater-Tochter Beziehung. Dieses Kammerspiel hat mir gut gefallen, da Jason Statham einmal nicht einfach nur Jason Statham ist, sondern ein besonnener Mann, der zeichnet und Schach spielt; das alles eingebettet in eine raue und tödliche Küstenlandschaft, die durch den guten Score in ihrer Bedrohlichkeit verstärkt wird. Shelter wirkt in diesen Momenten fast wie ein kleiner, ruhiger Thriller und ich dachte tatsächlich, dass der Film etwas Neuartiges mit dieser Figur macht. Freilich nicht. Irgendwann muss natürlich wieder jemand herausfinden, wer Mason früher war, und schon öffnet sich der generische Legobaukasten mit MI6, einer Verschwörung, Überwachungstechnologie, Killerkommandos und jeder Menge NPCs, die Mason unbedingt umbringen wollen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht, denn ich habe schließlich keinen Statham-Film eingeschaltet, um zwei Stunden lang einem ehemaligen Geheimagenten beim Zeichnen zuzusehen. Dennoch hatte nach dieser ersten halben Stunde das Gefühl, dass hier tatsächlich mehr möglich gewesen wäre, doch stattdessen entscheidet sich der Film für die sichere Variante.
Statham ist immer noch gut in dem, was er macht, und der Seebär steht ihm. Seine Kämpfe sind gewohnt angenehm direkt und körperlich hart, und auch die junge Bodhi Rae Breathnach als Jesse spielt ihre Rolle gut. Ihre Beziehung zu Mason gibt dem Film etwas, das den generischen Actionplot zumindest etwas vielschichtiger macht. Bill Nighy ist als ehemaliger MI6-Chef prinzipiell genau der richtige Gegenspieler für so einen Film. Seine Mischung aus britischer Gelassenheit und unterschwelliger Bedrohung hat Potential für mehr, auch wenn seine extrem schicke Garderobe und die markante Brille an einen Modedesigner erinnern. Man kann es sich denken, keiner dieser Ansätze bekommt genug Raum. Die Geschichte selbst ist nämlich so vorhersehbar, dass ich irgendwann kaum noch darüber nachgedacht habe, was als Nächstes passieren könnte. Natürlich gibt es die geheime Vergangenheit, Mason wird wieder zum Killer, die Organisation hinter ihm ist größer, als zunächst angenommen, und es gibt noch gefährlichere Männer als die, die gerade versucht haben, ihn umzubringen. Die Aufmerksamkeit lässt entsprechend zügig nach. Interessanterweise fand ich deshalb die ruhigen Szenen fast besser als die großen Actionmomente. Dort besitzt der Film tatsächlich eine eigene Stimmung, doch sobald Statham wieder durch irgendwelche Räume läuft und sich durch die nächste Gruppe von Killern arbeitet, ist alles wieder sehr vertraut. Das gab es schon besser, aber immerhin auch schon schlechter. Ich habe mich daher auch nicht gelangweilt, war aber ständig der Meinung, dass Shelter mit Leichtigkeit besser sein könnte, als er ist. Shelter ist unterhaltsam und handwerklich ordentlich gemacht, aber er zeigt gleich zu Beginn, dass er etwas Eigenes sein könnte, nur um dann doch wieder ein Statham-Film wie viele andere zu werden.
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