Vorbei die Zeiten, in denen man die Ballettkunst eher im abstrakten Sinne als Vergleich bemühte, um etwa die Ästhetik der John-Woo-Opern zu umschreiben. Inzwischen hat das Ballett in Hollywoods Action-Archiven offenbar auch selbst eine Lobby und wird als Alternative zu herkömmlicher Martial-Arts-Choreografie in Betracht gezogen, zumal es sich zumindest auf dem Papier als Instrument für den feministischen Actionfilm besonders gut zu eignen scheint.
In „Pretty Lethal“ werden die Techniken der fünf Protagonistinnen aber nicht allzu fließend mit den brechenden Genicken der klischeebeladenen Ostblock-Gopniki in Einklang gebracht, die ihnen als Gegner vorgesetzt werden. Entsprechend affektiert wirken die Versuche, Pirouetten und Jetés in den Visagen der Gegner zu landen. Oft wirken die Verrenkungen der Damen dermaßen umständlich und im Kontext der Situation unnatürlich, dass sich das unbedingte Einhalten der Choreografie unangenehm in den Vordergrund spielt.
Das liegt nicht etwa an einer grundsätzlichen Inkompatibilität zwischen Ballett und Kampfkunst. Vielmehr ist die verbissene Herangehensweise ans Sujet schuld: Hauptsache, der Kontrast graziler Elfen, die in einem protzigen Etablissement voller Kitsch um sich treten, das normalerweise den Jason Stathams da draußen als Einsatzgebiet dient, stechen möglichst schrill heraus. Obwohl zumindest Maddie Ziegler mit leichten Kanten versehen wird, weiß sich das Quintett nie aus seiner vorgefertigten Schablone zu strampeln. Auch Uma Thurman bleibt auf der Gegenseite im Stereotyp der skrupellosen Matriarchin stecken, die im Gegensatz zu ihren Henchmen in der Prime selbst etwas auf dem Kasten hatte.
Immerhin scheint Regisseurin Vicky Jewson die Defizite in der Prämisse zu registrieren und inszeniert mit dem entsprechenden Augenzwinkern, das den einsetzenden Blutregen auf weißen Tütüs zumindest einzuordnen weiß. Trotzdem ist hier nicht mehr zu holen als billige Exploitation jener Pfade, die das John-Wick-Spin-Off „Ballerina“ im Vorjahr aus gutem Grund nicht erkunden wollte.
