Pretty Lethal – Schön tödlich

Der Actionfilm der 80er, der 90er und heute.
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Pretty Lethal – Schön tödlich

Beitrag von freeman » 16.04.2026, 19:46

Pretty Lethal – Schön tödlich

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Originaltitel: Pretty Lethal
Herstellungsland: USA, Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2026
Regie: Vicky Jewson
Darsteller: Uma Thurman, Iris Apatow, Lana Condor, Maddie Ziegler, Lydia Leonard, Avantika, Millicent Simmonds, Michael Culkin, Kate Freund, Krisztián Csákvári, Gábor Nagypál u.a.

In dem Actionfilm geraten fünf amerikanische Ballerinas in Ungarn an ziemlich fiese Fieswichte. Witzigerweise können sie ihre Ballett-Tanzfertigkeiten als unvorhergesehene Waffe einsetzen und bereiten den Lumpen sprichwörtlich einiges an Kopfzerbrechen.
:liquid4:

Zur Kritik von "Pretty Lethal – Schön tödlich"

In diesem Sinne:
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Re: Pretty Lethal – Schön tödlich

Beitrag von StS » 17.04.2026, 07:17

„Pretty Lethal“ liefert einem recht genau das, was man sich nach dem Ansehen des Trailers von diesem mit etwas Humor sowie einzelnen Thriller- und Horror-Elementen angereicherten Action-Streifen erwartet – nämlich einen unterhaltsamen Zeitvertreib ohne Tiefgang; Genre-Schonkost fürs Gehirn, aber durchaus was fürs Auge, sozusagen. Angesiedelt in einem „Hostel“-artigen Ostblock-Setting, wird alles nett kurzweilig eingeführt – bevor dann die erste Person ihr Leben verliert und fünf junge amerikanische Ballerinas in einer einzigen (geräumigen) Location fortan um ihr Überleben kämpfen müssen…

Die Leads machen ihre Sache jeweils prima: Angeführt von der gern gesehenen Maddie Ziegler („the Life after“, „Fitting in“ etc.) – dieses Mal in einer nice toughen Rolle – hat jedes Mädel mindestens eine Szene abbekommen, in der sie individuell herausstechen darf – wobei ihre Parts aber genauso underwritten sind wie die aller übrigen. Ihre Antagonisten bleiben indes durch die Bank weg „blass“ – mit Ausnahme von Uma Thurman (gerade gegen Ende), welche ich hier jedoch als fehlbesetzt erachte. An der Optik und Regiearbeit Vicky Jewsons hatte ich derweil nichts Ernsthaftes zu beklagen…

Die Action aus dem Hause „87North“ überzeugt – so wie es zu erwarten war – allerdings eher im Bereich der kleineren gritty Fights als beim großen durchchoreographierten Gruppen-Setpiece. Anders als bei „Ballerina“ (2025) wurden im Vorliegenden die dazugehörenden bzw. betreffenden „physischen Fähigkeiten“ der Tänzerinnen ansprechend-ergiebig markant in die Auseinandersetzungen mit eingebunden – was jene Passagen von denen anderer Flicks dieser Richtung abhebt. U.a. sind dabei eine Sache mit einem Zehnagel sowie die Schühchenspitzenklinge(n) positiv zu erwähnen…

Trotz der Materie, Blut und Gewalt nie exploitative, weist „Pretty Lethal“ eine feine Lauflänge von unter 90 Minuten auf – und man merkt, dass alle sich darüber im Klaren waren, was für eine Art Film sie da drehen. Gern hätte man das Ganze aber noch absurder anlegen dürfen – konsequenter in der Beziehung – worüber hinaus punktuelle Pacing-Schwächen zu verzeichnen sind und man auf die Eurotrash-Mucke („Rhythm is a Dancer“) gern hätte verzichten dürfen – obgleich auch das durchaus irgendwie zum Werk an sich passt. Ach, und ein richtiger (konkreterer) Showdown wäre ebenfalls wünschenswert gewesen. Alles in allem aber ein ansehbarer (oberflächlich-amüsanter) Zeitvertreib…

knappe :liquid6:

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Re: Pretty Lethal – Schön tödlich

Beitrag von kami » 17.04.2026, 14:45

Mochte den gerne, ist schon eine ganz originelle Variation abgestandener Genre-Tropes. Allerdings hätte vielleicht eine etwas realistischere Darstellung gewählt werden können, wie das Ballet-Training die Tänzerinnen tough enough für den Widerstand gemacht hat. So wirkt es schon etwas komisch, wenn tatsächlich mit Ballet-Choreografie die Büttel aufs Parkett geschickt werden. Schön aussehen tuts aber allemal.
:liquid7:

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Re: Pretty Lethal – Schön tödlich

Beitrag von Vince » 22.04.2026, 16:53

Vorbei die Zeiten, in denen man die Ballettkunst eher im abstrakten Sinne als Vergleich bemühte, um etwa die Ästhetik der John-Woo-Opern zu umschreiben. Inzwischen hat das Ballett in Hollywoods Action-Archiven offenbar auch selbst eine Lobby und wird als Alternative zu herkömmlicher Martial-Arts-Choreografie in Betracht gezogen, zumal es sich zumindest auf dem Papier als Instrument für den feministischen Actionfilm besonders gut zu eignen scheint.

In „Pretty Lethal“ werden die Techniken der fünf Protagonistinnen aber nicht allzu fließend mit den brechenden Genicken der klischeebeladenen Ostblock-Gopniki in Einklang gebracht, die ihnen als Gegner vorgesetzt werden. Entsprechend affektiert wirken die Versuche, Pirouetten und Jetés in den Visagen der Gegner zu landen. Oft wirken die Verrenkungen der Damen dermaßen umständlich und im Kontext der Situation unnatürlich, dass sich das unbedingte Einhalten der Choreografie unangenehm in den Vordergrund spielt.

Das liegt nicht etwa an einer grundsätzlichen Inkompatibilität zwischen Ballett und Kampfkunst. Vielmehr ist die verbissene Herangehensweise ans Sujet schuld: Hauptsache, der Kontrast graziler Elfen, die in einem protzigen Etablissement voller Kitsch um sich treten, das normalerweise den Jason Stathams da draußen als Einsatzgebiet dient, stechen möglichst schrill heraus. Obwohl zumindest Maddie Ziegler mit leichten Kanten versehen wird, weiß sich das Quintett nie aus seiner vorgefertigten Schablone zu strampeln. Auch Uma Thurman bleibt auf der Gegenseite im Stereotyp der skrupellosen Matriarchin stecken, die im Gegensatz zu ihren Henchmen in der Prime selbst etwas auf dem Kasten hatte.

Immerhin scheint Regisseurin Vicky Jewson die Defizite in der Prämisse zu registrieren und inszeniert mit dem entsprechenden Augenzwinkern, das den einsetzenden Blutregen auf weißen Tütüs zumindest einzuordnen weiß. Trotzdem ist hier nicht mehr zu holen als billige Exploitation jener Pfade, die das John-Wick-Spin-Off „Ballerina“ im Vorjahr aus gutem Grund nicht erkunden wollte.
:liquid5:

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