Ich bin da eher beim Vince.
Operation Fortune
Nach dem knochenernsten "Cash Truck" begibt sich das Duo Ritchie/Statham wieder auf die komödiantische Schiene, die eigentlich eher Ritchies Ding, lässt aber viele von dessen Trademarks links liegen: Keine Namenseinblendungen, kein Spiel mit der Zeit (von der einen, unmotivierten und insgesamt eher verhunzten Ausnahme nach dem Ausschalten der Wachen absieht), kein raffinierter Plot mit großen Twists. Tatsächlich gelingen die Unternehmungen der Truppe um Fortune manchmal einen Ticken zu gut, um wirklich Spannung zu erzeugen - erst kurz vorm Showdown scheinen sie wirklich in Gefahr sein aufzufliegen. Natürlich ist alles dabei, was zum Agentenfilm gehört, von der Undercoverermittlung bei einer fancy Dinnerparty über die Schleicheinlage inklusive Festplattenausspionieren bis hin zun Beseitigen von Leuten, die den Plan gefährden. Im Gegensatz zu freeman kann ich Statham allerdings absolut nicht als Bond sehen: Auch hier hat er was von einem Malocher-Haudrauf, dessen Weinliebe wie ein Feigenblatt wirkt, um etwas Kultiviertheit reinzubringen. Soll er doch bei seiner eigenen Fortune-Franchise bleiben (falls hieraus mehr erwachsen sollte), als Doppel-Null fände ich ihn unpassend.
Statham wird sowieso von zwei Nebendarstellern die Butter vom Brot genommen. Da ist zum einen Hugh Grant, wie schon in "The Gentlemen" eine absolute Oberwucht als Schmierlappen, der im Finale dann noch einen absoluten Badass-Moment bekommen. Zum anderen Josh Hartnett, der phasenweise zwar etwas in den Hintergrund tritt, aber beweist, dass er oft als Schauspieler unterschätzt wird. Wie er Danny Francesco zwischen Überforderung, Hollywood-Lotterleben und dem Wunsch nach Heroismus spielt, das ist schon großes Tennis, vor allem im Verbund mit Grant. Aubrey Plaza kann ihr komödiantisches Talent ausspielen, Bugzy Malone ist okay, aber mehr auch nicht, während Cary Elwes und Eddie Marsan in Nebenrollen punkten.
Neben dem etwas einfachen Plot gibt es vor allem zwei Dinge, die verhindern, dass "Operation Fortune" zu mehr als einer netten Fingerübung wird. Da wäre zum einen die Action, die gut choreographiert und kompetent inszeniert ist, aber eben nicht an die großen Statham-Fight-Highlights herankommt. Noch dazu läuft die Actiondramaturgie nicht rund: Der Showdown im Allgemeinen und der Finalkampf im Besonderen sind doch eher antiklimaktisch, weil sie nicht spektakulärer, sondern gleichwertig bis unspektakulärer im Vergleich zu den Set-Pieces daherkommen (vor allem wenn Statham mit dieser Lusche von Endgegner den Boden aufwischt). Zum anderen fehlt es dem Film abseits von Grant, der erklärtermaßen nur Mittelsmann ist, an starken Antagonisten.
Die ukrainischen Söldner sind so gesichts- und eigenschaftslos, dass man sich kaum wundert, wenn sie gegen andere Lumpen ausgetauscht werden. Dummerweise kommt man relativ schnell auf den Trichter, dass die rivalisiernden Geheimdienstler vermutlich nichts Gutes im Schilde führen, sodass es keine große Überraschung ist, wenn sie die Masken fallen lassen.
Ansonsten hat "Operation Fortune" ein schnittiges Tempo, hübsche Locations und viel Flair zu bieten, außerdem lockere Sprüche und nette Gags, sodass das Ganze schon seine Kurzweil hat. Nach "The Gentlemen" und "Cash Truck" geht die Formkurve für Ritchie damit allerdings leicht nach unten. Sollte es ein Sequel geben (wonach es aktuell eher nicht aussieht), dann ist noch Luft nach oben da.

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
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