
Originaltitel: Jidu zhongfan
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1998
Regie: Ringo Lam
Darsteller: Simon Yam, Eric Moo, Ray Lui, Julian Cheung, Louis Koo, Ada Choi, Mike Cassey, Phillip Ko u.a.
1986 irgendwo in Asien: Don Lee, ein 16jähriger, chinesischer Jugendlicher, begeht außerhalb der Grenzen Hongkongs in einem fiktiven Land einen Mordanschlag und wird auf der Flucht gefasst. Er wird zu 40 Jahren Haft verurteilt. Während Don seine Haftstrafe absitzt, wechselt in dem Land mehrmals die politische Führung. Jede neue Regierung gewährt den einsitzenden Häftlingen eine neue Festsetzung der Haftlänge und so wird Don 12 Jahre nach seinem Haftantritt wieder auf freien Fuß gesetzt. Don hat nicht vor, nochmals mehrere Jahre sinnlos zu verschwenden und beschließt ein neues Leben anzufangen, doch schon wenige Minuten nach seiner Freilassung kontaktiert ihn sein ehemaliger Auftraggeber und verlangt von ihm, einen hochrangigen Politiker umzubringen. Don weigert sich. Der Politiker stirbt dennoch, gerichtet durch die Hand von Max, Dons ehemals besten Freund. Max macht daraufhin die Biege und so bleibt Don als einziger Verdächtiger übrig, hat ihn doch ein Freudenmädchen obendrein bei der Polizei gemeldet, als sie ihn mit der Attentatswaffe (ein Raketenwerfer!!!) gesehen hat. Nun muss Don irgendwie beweisen, dass es ihm ernst war mit der Aussage ein neues Leben - fernab von Mord und Totschlag - beginnen zu wollen ...
Tja, selten habe ich erlebt, dass sich Ringo Lam bei einem seiner Projekte so verklausuliert hat, wie bei diesem Film. Dabei macht Lam zunächst alles richtig: Er präsentiert eine sympathische Hauptfigur und lässt sie auf eine Reporterin treffen, die sich bereit erklärt, ihm zu helfen. Beide geben ein niedliches Paar ab und hätten einen simplen Verfolgungsactioner leicht tragen können. Doch dann kegelt Lam die Reporterin aus der Handlung (lässt sie aber zumindest noch einmal auftauchen) und wird immer ausschweifender. Aus der insgesamt recht spannenden Ausgangssituation - die schon ganz andere Filme mühelos getragen hat - wird so mit zunehmender Laufzeit ein seltsam überladener Thriller, der immer weitere Kreise zu ziehen beginnt und irgendwann die simple Suche nach den wahren Attentatshintergründen zu einem riesigen Politikum werden lässt, in dessen Verlauf eine Regierung gestürzt werden soll und diverse Politiker dran glauben sollen. Hiermit sind immer neue Figuren und sich verändernde Figurenkonstellationen verbunden, die vor allem im Mittelteil den Film extrem ausbremsen und ihn sogar langweilig erscheinen lassen. Schade. Die für Lam typischen, brutalen, rauen und ungeschönten Actioneinlagen treten ebenfalls hinter die überladene Story zurück und brechen nur selten über den Zuschauer herein. Allerdings sieht man den Actionszenen an, dass sie weit außerhalb von Hongkong gedreht wurden, denn Lam präsentiert gelungene Autostunts und Explosionen, wie sie in der ehemaligen Kronkolonie bisher nur selten umgesetzt werden durften. Eine Actionszene auf einer Brücke mit massivem Kugelhagel und diversen Helikoptereinsätzen spricht dahingehend Bände. Richtig die Keule holt Lam erst im Showdown heraus, dem er eine ordentliche Laufzeit verpasste und ihn mit massivem Großkalibereinsatz anreicherte. Hier gibt es dann leider auch eine recht arm getrickste Hubschrauberexplosion, die allerdings recht schnell wieder in Vergessenheit gerät, denn Lam ist zu diesem Zeitpunkt gerade dabei, die Temposchraube kontinuierlich anzuziehen. Am Ende findet er dann glücklicherweise auch wieder zu dem etwas intimeren Ausgangsansatz zurück und beschränkt die Story wieder einzig und allein auf den Versuch von Don, seine Unschuld zu beweisen. Die Darsteller schlagen sich in diesem Film allesamt hervorragend, wobei einzig der unglaublich fleißige Simon Yam bekannt sein dürfte.
Ein leider viel zu überladenes Skript führt zu extremen Desinteresse im Mittelteil, was dem Film gehörig schadet. Im Showdown und dem netten Einstieg ist Ringo Lam dagegen vollkommen in seinem Element. Was bleibt ist ein durch und durch zwiespältiges Thrillervehikel ...





Die DVD von ems ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut und verfügt über eine erstaunlich solide Synchronisation, enttäuscht aber in allen audiovisuellen Aspekten.
In diesem Sinne:
freeman