Red Cliff
Verfasst: 31.07.2008, 23:50
Red Cliff

Originaltitel: Chi Bi / Red Cliff
Herstellungsland: VR China
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: John Woo
Darsteller: Tony Leung Chiu Wai, Takeshi Kaneshiro, Chang Chen, Zhang Fengyi, Hu Jun, Lin Chi Ling, Vicki Zhao Wei, You Yong, Shido Nakamura, Hou Yong, Sun Chun, Song Jia
DIE GESCHICHTE DER DREI KÖNIGREICHE, im 14.Jahrhundert von Luo Guanzhong verfasst und einer der vier großen Klassiker der chinesischen Literatur, genießt in China, aber auch im Rest Südostasiens eine Popularität, die sich in Dutzenden TV-Serien, Comics, Animes und Videospielen, allen voran Koeis DYNASTY WARRIORS-Serie, manifestiert, eine Popularität eines klassischen Werkes, für die es im Westen ganz sicher kein Pendant gibt.
Für seine filmische Heimkehr ins Mutterland wählte Hongkongs international sicher erfolgreichster Regisseur John Woo genau diesen klassischen Roman als Vorlage, ein gewagtes Unterfangen, finanziell wie künstlerisch, zumal der enorme Umfang des Originals die Konzentration auf einen von vielen Handlungssträngen notwendig machte.
In diesem steht der Kampf eines loyalen Han-Gouverneurs, des Herrschers des südlichen Königreiches Wu und ihrer gleichermaßen treuen wie fähigen Strategen und Generäle gegen den usurpatorischen Premierminister des Nordens, Cao Cao, im Mittelpunkt, welcher einen ersten Höhepunkt in der Schlacht von Chi Bi (Rote Klippen) findet.
Exakt diese Schlacht und den Weg dorthin thematisiert John Woos RED CLIFF betiteltes Historienepos, mit ca.80 Millionen US$ Budget das teuerste seiner Art aus asiatischen Landen. Trotz inhaltlicher Kondensierung erschien den Produzenten die Story immer noch zu umfangreich, um sie in einem Film zu erzählen, aus diesem Grund wird RED CLIFF in Asien zweigeteilt veröffentlicht, der erste Teil kam Anfang Juli 2008 kurz nach Daniel Lees konkurrierender Adaption THREE KINGDOMS: RESURRECTION OF THE DRAGON in die Kinos und brach dort sogleich alle Einspielrekorde.
Nun ist finanzieller Erfolg nicht zwangsläufig Folge einer künstlerischen Großtat, stellt sich also die Frage, ob John Woo sein durch einen eher durchwachsenen Hollywood-Output leicht ramponiertes Ansehen wiederherstellen und die Rückkehr nach China als Glücksgriff verbuchen kann.
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, man darf Woo mit Fug und Recht attestieren, mit RED CLIFF seinen besten Film seit Jahren, vielleicht seit dem sträflich unterschätzten HARD TARGET inszeniert zu haben, dennoch ist das Resultat zumindest teilweise eine kleine Enttäuschung.
Im Gegensatz zur Monumentalfilmkonkurrenz stellt Woo nämlich den Inhalt so offensichtlich vor die Form, dass RED CLIFF trotz Rekordbudget und einiger großer Szenen recht banal aussieht. In Kombination mit dem epischen, gut gemachten, aber unglaublich konventionellen und hollywood-esquen Orchesterscore umweht so ein steter Hauch von Biederkeit das Projekt, welche den Film einiges an Stimmung kostet. Gerade ein solcher Stoff lebt von der mythischen Überhöhung, die filmisch äqivalent umgesetzt werden sollte und die auf artifizielle Verfremdungen gerne zurückgreifen darf.
Bei Woos neuestem Werk ist die Zeitlupe aber schon das höchste der Gefühle in Sachen Stilisierung (von einingen Over-The-Top-Actionszenen abgesehen), Farbfilter sind ebenso Mangelware wie übertrieben schmutzige Pseudorealität a la WARLORDS.
Das heißt nicht, dass RED CLIFF nicht das eine oder andere schöne Bild und attraktive Einstellungen bieten würde, sie bilden aber kein geschlossenes visuelles Gesamtkonzept.
Zur etwas schmucklosen Optik passt auch der Mangel an ganz großem Bombast: Klar, es gibt Massenszenen, schöne Sets sind vorhanden, an der Austattung gibt´s nichts zu meckern. Dennoch, diese Attribute weisen auch alle der 20 Millionen US$ teuren Produktionen auf, es fehlt zumindest dem ersten Teil von RED CLIFF an Schauwert, der das Budget rechtfertigt.
Am nächsten kommt diesem Anspruch die Flotte von Cao Cao, dem Bösewicht der Geschichte, in Aktion wird die aber wohl so richtig erst in der Fortsetzung treten.
Das große Faustpfand von RED CLIFF stellt ganz klar die fesselnde Geschichte und das auf ihr basierende und von Woo mitverfasste Drehbuch dar, welches recht stringent den Plot vorantreibt, auf der anderen Seite aber auch Raum für die gut ausgearbeiteten und charismatischen Charaktere als auch für komische und besinnliche Momente lässt.
John Woos Adaption der THREE KINDOMS-Vorlage wählt im Gegensatz zu Daniel Lees RESURRECTION OF THE DRAGON einen deutlich nüchterneren Ansatz, seine Geschichte zu erzählen. Der Zeitraum ist kleiner und erzählt zum Großteil Ereignisse, die bei der Lee-Variante in Form einer Montage nach der Ernennung Zilongs zum General stattfinden.
Die Erzählweise ist konventioneller, übersichtlicher und vornehmlich auf die Strategien der von Tony Leung und Takeshi Kaneshiro verkörperten Charaktere konzentriert.
Mit diesem Drehbuch als Basis und dem stattlichen Aufgebot an gleichermaßen populären wie fähigen Darstellern war ein wirklichen Scheitern des Projektes schon nahezu ausgeschlossen, John Woos Inszenierung macht daraus sicher nicht den schönsten und bombastischsten, dafür aber einen der inhaltlich interessantesten und bodenständigsten Genreverteter, der auch dem westlichen Mainstream-Publikum die Rezeption trotz Unkenntnis der Vorlage vergleichsweise einfach machen sollte.
Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen glaubhaft und ohne übertriebene Posen, Meisterleistungen sollte man nicht erwarten, aber Professionalität im positivsten Sinne.
Die euphorisierendsten Momente bieten aber dennoch nicht die dramatischen Szenen, vielmehr lässt RED CLIFF in den von Corey Yuen choreographierten Kampfsequenzen das Herz des Actionfreundes höher schlagen. Zwei sehr lange Schlachtszenen bieten viel Raum, in dem Woo und sein Choreograph die Darsteller in ästhetisch sehr ansprechendes Gemetzel schicken. Meist passiert das recht glaubwürdig, häufig blitzt aber der alte John Woo durch und die Protagonisten dürfen stylish im Alleingang halbe Armeen aufschlitzen, pfählen und mit Pfeilen durchlöchern, wobei mit Blut ebensowenig gegeizt wird wie mit Zeitlupen.
Sehr wirkungsvoll unterstützt wird das martialische Treiben von einer virtuosen Montage, welche Rasanz, Dynamik und Spannung generiert, dies gleichwohl weniger aufdringlich als in RESURRECTION OF THE DRAGON tut.
Schade, dass der begleitende Soundtrack die Intensivität von Henry Lais Musik zu dem Lee-Film vermissen lässt, dennoch kann man gerade nach den wenig beglückenden THE WARLORDS- und An EMPRESS AND THE WARRIORS-Scores durchaus mit der Arbeit von Taro Iwashiro (AZUMI, MEMORIES OF MURDER) zufrieden sein.
Geradezu berückend schön ist der auch von Iwashiro komponierte und von der tibetanischen Newcomerin A Lan gesungene Endsong HEART, BATTLE ~ RED CLIFF, welcher die erste Episode des epischen Zweiteilers würdig ausklingen lässt und die Vorfreude auf die abschließende Fortsetzung steigert, so dass das Publikum in der Mehrheit wohlwollend auf die reichlich zwei Stunden zuvor zurückblicken wird.
Die ganz großen Höhepunkte lässt der Film zwar vermissen, auffällige Schwächen aber ebenso, so dass man John Woo zu seiner Rückkehr nach China nur beglückwünschen kann.
Knappe
Der zweite Teil von RED CLIFF (Name noch unbekannt) wird Anfang nächsten Jahres in Südostasien veröffentlicht, kurz zuvor kommt im Westen der gesamte Film in die Kinos, als dreistündige gestraffte Fassung.
Eine DVD des ersten Teiles ist derzeit aus China erhältlich in befriedigender Bild- und Tonqualität sowie mit eingebrannten englischen UT.
Update: Mittlerweile ist aus China auch eine 2 Disc- und 3 Disc-Veröffentlichung des Filmes erschienen, wobei die 3 Disc-Variante zusätzlich ein Buch sowie eine John Woo-Best of-DVD enthält.
Auf der Bonus-DVD befinden sich die üblichen Extras (Making of, Interviews, Trailer, Musikvideo), allerdings ohne engl.UT.
Bild- und Tonqualität des Hauptfilmes sind im Vergleich zur Single-DVD besser (DTS), die UT ausblendbar.

Originaltitel: Chi Bi / Red Cliff
Herstellungsland: VR China
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: John Woo
Darsteller: Tony Leung Chiu Wai, Takeshi Kaneshiro, Chang Chen, Zhang Fengyi, Hu Jun, Lin Chi Ling, Vicki Zhao Wei, You Yong, Shido Nakamura, Hou Yong, Sun Chun, Song Jia
DIE GESCHICHTE DER DREI KÖNIGREICHE, im 14.Jahrhundert von Luo Guanzhong verfasst und einer der vier großen Klassiker der chinesischen Literatur, genießt in China, aber auch im Rest Südostasiens eine Popularität, die sich in Dutzenden TV-Serien, Comics, Animes und Videospielen, allen voran Koeis DYNASTY WARRIORS-Serie, manifestiert, eine Popularität eines klassischen Werkes, für die es im Westen ganz sicher kein Pendant gibt.
Für seine filmische Heimkehr ins Mutterland wählte Hongkongs international sicher erfolgreichster Regisseur John Woo genau diesen klassischen Roman als Vorlage, ein gewagtes Unterfangen, finanziell wie künstlerisch, zumal der enorme Umfang des Originals die Konzentration auf einen von vielen Handlungssträngen notwendig machte.
In diesem steht der Kampf eines loyalen Han-Gouverneurs, des Herrschers des südlichen Königreiches Wu und ihrer gleichermaßen treuen wie fähigen Strategen und Generäle gegen den usurpatorischen Premierminister des Nordens, Cao Cao, im Mittelpunkt, welcher einen ersten Höhepunkt in der Schlacht von Chi Bi (Rote Klippen) findet.
Exakt diese Schlacht und den Weg dorthin thematisiert John Woos RED CLIFF betiteltes Historienepos, mit ca.80 Millionen US$ Budget das teuerste seiner Art aus asiatischen Landen. Trotz inhaltlicher Kondensierung erschien den Produzenten die Story immer noch zu umfangreich, um sie in einem Film zu erzählen, aus diesem Grund wird RED CLIFF in Asien zweigeteilt veröffentlicht, der erste Teil kam Anfang Juli 2008 kurz nach Daniel Lees konkurrierender Adaption THREE KINGDOMS: RESURRECTION OF THE DRAGON in die Kinos und brach dort sogleich alle Einspielrekorde.
Nun ist finanzieller Erfolg nicht zwangsläufig Folge einer künstlerischen Großtat, stellt sich also die Frage, ob John Woo sein durch einen eher durchwachsenen Hollywood-Output leicht ramponiertes Ansehen wiederherstellen und die Rückkehr nach China als Glücksgriff verbuchen kann.
Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, man darf Woo mit Fug und Recht attestieren, mit RED CLIFF seinen besten Film seit Jahren, vielleicht seit dem sträflich unterschätzten HARD TARGET inszeniert zu haben, dennoch ist das Resultat zumindest teilweise eine kleine Enttäuschung.
Im Gegensatz zur Monumentalfilmkonkurrenz stellt Woo nämlich den Inhalt so offensichtlich vor die Form, dass RED CLIFF trotz Rekordbudget und einiger großer Szenen recht banal aussieht. In Kombination mit dem epischen, gut gemachten, aber unglaublich konventionellen und hollywood-esquen Orchesterscore umweht so ein steter Hauch von Biederkeit das Projekt, welche den Film einiges an Stimmung kostet. Gerade ein solcher Stoff lebt von der mythischen Überhöhung, die filmisch äqivalent umgesetzt werden sollte und die auf artifizielle Verfremdungen gerne zurückgreifen darf.
Bei Woos neuestem Werk ist die Zeitlupe aber schon das höchste der Gefühle in Sachen Stilisierung (von einingen Over-The-Top-Actionszenen abgesehen), Farbfilter sind ebenso Mangelware wie übertrieben schmutzige Pseudorealität a la WARLORDS.
Das heißt nicht, dass RED CLIFF nicht das eine oder andere schöne Bild und attraktive Einstellungen bieten würde, sie bilden aber kein geschlossenes visuelles Gesamtkonzept.
Zur etwas schmucklosen Optik passt auch der Mangel an ganz großem Bombast: Klar, es gibt Massenszenen, schöne Sets sind vorhanden, an der Austattung gibt´s nichts zu meckern. Dennoch, diese Attribute weisen auch alle der 20 Millionen US$ teuren Produktionen auf, es fehlt zumindest dem ersten Teil von RED CLIFF an Schauwert, der das Budget rechtfertigt.
Am nächsten kommt diesem Anspruch die Flotte von Cao Cao, dem Bösewicht der Geschichte, in Aktion wird die aber wohl so richtig erst in der Fortsetzung treten.
Das große Faustpfand von RED CLIFF stellt ganz klar die fesselnde Geschichte und das auf ihr basierende und von Woo mitverfasste Drehbuch dar, welches recht stringent den Plot vorantreibt, auf der anderen Seite aber auch Raum für die gut ausgearbeiteten und charismatischen Charaktere als auch für komische und besinnliche Momente lässt.
John Woos Adaption der THREE KINDOMS-Vorlage wählt im Gegensatz zu Daniel Lees RESURRECTION OF THE DRAGON einen deutlich nüchterneren Ansatz, seine Geschichte zu erzählen. Der Zeitraum ist kleiner und erzählt zum Großteil Ereignisse, die bei der Lee-Variante in Form einer Montage nach der Ernennung Zilongs zum General stattfinden.
Die Erzählweise ist konventioneller, übersichtlicher und vornehmlich auf die Strategien der von Tony Leung und Takeshi Kaneshiro verkörperten Charaktere konzentriert.
Mit diesem Drehbuch als Basis und dem stattlichen Aufgebot an gleichermaßen populären wie fähigen Darstellern war ein wirklichen Scheitern des Projektes schon nahezu ausgeschlossen, John Woos Inszenierung macht daraus sicher nicht den schönsten und bombastischsten, dafür aber einen der inhaltlich interessantesten und bodenständigsten Genreverteter, der auch dem westlichen Mainstream-Publikum die Rezeption trotz Unkenntnis der Vorlage vergleichsweise einfach machen sollte.
Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen glaubhaft und ohne übertriebene Posen, Meisterleistungen sollte man nicht erwarten, aber Professionalität im positivsten Sinne.
Die euphorisierendsten Momente bieten aber dennoch nicht die dramatischen Szenen, vielmehr lässt RED CLIFF in den von Corey Yuen choreographierten Kampfsequenzen das Herz des Actionfreundes höher schlagen. Zwei sehr lange Schlachtszenen bieten viel Raum, in dem Woo und sein Choreograph die Darsteller in ästhetisch sehr ansprechendes Gemetzel schicken. Meist passiert das recht glaubwürdig, häufig blitzt aber der alte John Woo durch und die Protagonisten dürfen stylish im Alleingang halbe Armeen aufschlitzen, pfählen und mit Pfeilen durchlöchern, wobei mit Blut ebensowenig gegeizt wird wie mit Zeitlupen.
Sehr wirkungsvoll unterstützt wird das martialische Treiben von einer virtuosen Montage, welche Rasanz, Dynamik und Spannung generiert, dies gleichwohl weniger aufdringlich als in RESURRECTION OF THE DRAGON tut.
Schade, dass der begleitende Soundtrack die Intensivität von Henry Lais Musik zu dem Lee-Film vermissen lässt, dennoch kann man gerade nach den wenig beglückenden THE WARLORDS- und An EMPRESS AND THE WARRIORS-Scores durchaus mit der Arbeit von Taro Iwashiro (AZUMI, MEMORIES OF MURDER) zufrieden sein.
Geradezu berückend schön ist der auch von Iwashiro komponierte und von der tibetanischen Newcomerin A Lan gesungene Endsong HEART, BATTLE ~ RED CLIFF, welcher die erste Episode des epischen Zweiteilers würdig ausklingen lässt und die Vorfreude auf die abschließende Fortsetzung steigert, so dass das Publikum in der Mehrheit wohlwollend auf die reichlich zwei Stunden zuvor zurückblicken wird.
Die ganz großen Höhepunkte lässt der Film zwar vermissen, auffällige Schwächen aber ebenso, so dass man John Woo zu seiner Rückkehr nach China nur beglückwünschen kann.
Knappe

Der zweite Teil von RED CLIFF (Name noch unbekannt) wird Anfang nächsten Jahres in Südostasien veröffentlicht, kurz zuvor kommt im Westen der gesamte Film in die Kinos, als dreistündige gestraffte Fassung.
Eine DVD des ersten Teiles ist derzeit aus China erhältlich in befriedigender Bild- und Tonqualität sowie mit eingebrannten englischen UT.
Update: Mittlerweile ist aus China auch eine 2 Disc- und 3 Disc-Veröffentlichung des Filmes erschienen, wobei die 3 Disc-Variante zusätzlich ein Buch sowie eine John Woo-Best of-DVD enthält.
Auf der Bonus-DVD befinden sich die üblichen Extras (Making of, Interviews, Trailer, Musikvideo), allerdings ohne engl.UT.
Bild- und Tonqualität des Hauptfilmes sind im Vergleich zur Single-DVD besser (DTS), die UT ausblendbar.