The Villainess

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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The Villainess

Beitrag von freeman » 23.01.2018, 18:47

The Villainess

Bild

Originaltitel: Aknyeo
Herstellungsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 2017
Regie: Jung Byung-gil
Darsteller: Kim Ok-bin, Shin Ha-kyun, Seong Joon, Kim Seo-hyeong, Jo Eun-ji, Lee Seung-joo, Jeong Hae-gyoon, Park Chul-min, Son Min-ji u.a.

In "The Villainess" geht die aparte Sook-he auf einen derben Rachefeldzug, um sowohl ihren Vater als auch ihren Ehemann zu rächen. Dabei gerät sie in die Fänge eines Geheimdienstes, der sie zur eiskalten Schläferin ausbildet. Das Ergebnis ist das südkoreanische und sehr brutale Pendant zu "Nikita", das mit begeisternden Actionsequenzen aufwartet.
:liquid7:

Zur Kritik von "The Villainess"

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Beitrag von StS » 24.01.2018, 16:18

Die "Nahaufnahmen" bzw. POV-Kamera-Einstellungen bei den Actionszenen gingen mir schon im Trailer auf den Puffer, u.a. da sie da bereits recht "gimmicky" wirken...

Trotzdem hat der ja einen durchaus guten Ruf. Vielleicht eines Tages mal...

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Beitrag von freeman » 24.01.2018, 17:27

Da diese sich ausnahmslos auf eine recht lange Szene beschränken, sind die POV-Aufnahmen weit weniger gimmickhaft als beipielsweise im Spion und sein Bruder. Das Schöne ist, dass die Bebilderung der Action abseits der POV-Szene sich komplett neu und so noch nicht gesehen anfühlt. Also ich denke, so du ihm eine Chance geben solltest, dass Villainess dich technisch durchaus überraschen wird. Prinzipiell dürfte er aber meiner Meinung nach weniger einer "deiner" Filme sein.

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Beitrag von McClane » 25.01.2018, 06:34

Hatte überlegt den auf dem letzten FFF anzusehen. Sollte den wohl mal nachholen, wo er jetzt auf Scheibe raus ist.
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Beitrag von freeman » 25.01.2018, 17:16

Absolut.

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Beitrag von Vince » 24.06.2018, 10:00

Die Südkoreaner und ihr unersättlicher Hunger nach einer Revolution des Actionfilms, er geleitet uns diesmal in den Kopf einer perfekt ausgebildeten Killerin und offeriert uns ihre Augen als Sichtfenster. Wir sehen reihenweise Schurken zu Boden gehen und haben den Eindruck, wir sind der Grund dafür. Der uns gebotene Tunnelblick ist so atemberaubend, dass wir nur am Rande wahrnehmen, dass die überschüssigen Gegner im Hintergrund brav warten, bis sie an der Reihe sind. Ein altes Klischee, das in Anbetracht der brachialen Wirkung zu vernachlässigen ist. Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass wir das Blickfeld einer uns fremden Person einnehmen, aber noch selten hatte eine Ego-Simulation ein derart ausgefeiltes Design. Die Ohren wurden quasi zu Türflügeln ausgebaut, was bedeutet, dass wir uns auch einfach mal nahtlos aus der Ich-Perspektive lösen und in die dritte Person wechseln können. Plötzlich hängen wir, hilflos wie ein Baby in einem Rucksack, Wange an Wange mit der Kampfexpertin, die nach wie vor unsere Bewegungen koordiniert, während wir ihren tödlichen Vorstoß aus nächster Nähe miterleben.

The Villainess? Ach so, der mit der First-Person-Klopperei... er wird wohl in die Ahnengalerie jener Actionfilme aufgenommen werden, an die man sich wegen dieser einen bestimmten Sequenz erinnern wird, die als Eyecatcher aus dem gesamten Rest herausragt. Ach, da hängt noch ein Film dran? Egal. Das verhält sich anders als beispielsweise noch bei "Oldboy", der zwar ebenfalls eine von der Restinszenierung völlig losgelöste Kampfeinstellung zu bieten hatte (sozusagen das 2D-Sidescroller-Pendant zur hier gebotenen Egoshooter-Variante), der heute aber doch eher als Gesamtkomposition aus Bildern und Handlung gefeiert wird.

Auch "The Villainess" hätte das verdient, ist der furiose Auftakt doch eng verknüpft mit der von Flashbacks durchsetzten, puzzle-artigen Erzählung, die sich nicht nur im Action-Bereich niederlässt, sondern einen Drift nach dem anderen ins dramatische Fach einlegt. Man traut ihm allerdings keine vergleichbare Ausgeglichenheit von Form und Substanz zu. Dazu beginnt er eine Spur zu spektakulär. Das Publikum erblindet früh und erkennt dann die fein gewobenen Verbindungen nicht mehr, die sich zwischen dem Agenten-Plot und den Geistern der Vergangenheit ergeben, psychologisiert durch surreale Trips ins Unterbewusstsein und ausstaffierte Szenenbilder.
Das ist das Unglückliche im Aufbau eines ambitionierten Actiondramas, das wesentlich mehr bietet als neuartige Action-Choreografie, wenn vielleicht auch nicht genug, damit die Umleitung ins Inhaltliche lückenlos gelingt.
:liquid6: ,5

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Re:

Beitrag von McClane » 18.04.2019, 11:31

Vince hat geschrieben:
24.06.2018, 10:00
Die Südkoreaner und ihr unersättlicher Hunger nach einer Revolution des Actionfilms, er geleitet uns diesmal in den Kopf einer perfekt ausgebildeten Killerin und offeriert uns ihre Augen als Sichtfenster.
Wenn das Ziel wirklich Revolution war, dann kamen die Südkoreaner aber etwas zu spät zur Party, nachdem "Hardcore" das schon konsequent auf Spielfilmlänge durchexerziert hatte. Angesichts der ganzen Vorschusslorbeeren bin ich sowieso etwas enttäuscht von "The Villainess".
Sicher, in Sachen Action liefert der Film die inzwischen aus Südkorea gewohnte Qualität auch wenn die erste Sequenz ein ähnliches Problem wie "Hardcore" hat: POV-Shots sind ne nette Spielerei, die Außenansicht liefert aber die besseren Schauwerte. Glücklicherweise ist die meiste Action auch in dem Stil inszeniert, wobei vor allem der Schwertkampf auf den Motorrädern sowie das Finale mit der eigenwilligen Autolenkung und dem Gefighte in, um und auf dem Bus so richtig rocken. Die Kamera wirbelt durchs Geschehen, bringt den Zuschauer hinein, verliert aber nie die Übersicht und setzt seine Schnitte nie zu schnell.

Zwischen den doch etwas sparsam gesäten Actionszenen sieht es dann aber doch weniger rosig mit "The Villainess" aus. Die Story orientiert sich nicht nur überdeutlich an "Nikita", die Sniperszene bei der Hochzeit ist fast schon ein direktes Zitat. Das Ganze wird mit einem Verschwörungsplot aufgebauscht, der vor allem dadurch komplex wirkt, dass der Film recht unvermittelt (und teilweise reichlich unsauber) in den Zeitebenen springt, dabei neue Erkenntnisse zutage fördert, aber oft verwirrend und konfus wirkt. Zum anderen aber hapert es an den Figuren: "The Villainess" ist mit durchaus starken Bildern inszeniert, aber diese wirken immer etwas steril, genau wie die Charaktere. Man mag mit keinem der Handelnden so wirklich mitfühlen, jede noch so nachvollziehbare Motivation (etwa das 10-jährige Arbeiten für den Geheimdienst für die eigene Tochter) erscheint immer noch wie Behauptung in diesem unterkühlen Stylo-Actionthriller. Wenn es rummst, dann macht "The Villainess" schon Laune, hübsch anzusehen ist es auch, aber packend ist anders. Da hat Südkorea in den letzten Jahren schon ganz andere Kaliber losgelassen.

:liquid5:,5
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Re: The Villainess

Beitrag von Vince » 18.04.2019, 12:35

Vince hat geschrieben:
24.06.2018, 10:00
Wenn das Ziel wirklich Revolution war, dann kamen die Südkoreaner aber etwas zu spät zur Party, nachdem "Hardcore" das schon konsequent auf Spielfilmlänge durchexerziert hatte.
Komplette Filme im POV-Look gabs schon in den 40ern, mir geht's da eher um die Technik, die sich nochmal ein wenig von Hardcore unterscheidet. Und ja, wenn POV so nen dolles Ding wäre, hätte sich das schon vor Jahrzehnten durchgesetzt (gibt halt einen Grund, warum das bei Videospielen passiert ist und bei Filmen nicht).

Die großen Lorbeeren habe ich allerdings jetzt nirgends vernommen. Eigentlich gibt es fast durchweg dezent enttäuschte Reaktionen, so dass ich mich immer wieder frage, wo eigentlich die hohen Erwartungen herkommen. Da hat wahrscheinlich das Marketing gute Arbeit geleistet.

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Re: The Villainess

Beitrag von McClane » 18.04.2019, 13:07

Aber POV-Actionfilme sind ja was neuer als Trend. Hab aber auch die Ästhetik sonst jetzt nicht als so revolutionär wahrgenommen, nicht nur bezüglich der POV-Sache. Gerade seit Kim Jee-won usw. ist ähnlich elaborierte Kameraarbeit ja durchaus ein Aushängeschild des südkoreanischen Actionkinos (bzw. der Filme, die es in den Westen schaffen; für ein Gesamtbild will ich jetzt nicht sprechen).

Die meisten Reaktionen, die ich auf "The Villainess" las, gingen schon in den Bereich gut bis sehr gut. Hat außerdem 83% bei Rotten Tomatoes und war auch für diverse Awards nominiert: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Villainess
Es hat vielleicht nicht jeder "Meisterwerk" gebrüllt, aber mehr hatte ich nach den Reaktionen, die ich mitbekommen hatte, schon davon erwartet.
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Re: The Villainess

Beitrag von Vince » 18.04.2019, 13:42

Ja, echte Revolutionen finden eigentlich auch kaum mehr statt, es sind halt meistens graduelle Verfeinerungen und die kann der Film in einzelnen Momenten schon bieten, finde ich. Das reicht dann aber natürlich noch längst nicht für einen überragenden Film.

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