Ob das schon ein Spielfilm ist oder nicht doch nur eine Art Gesellschaftsspiel, muss man sich da fragen. Eine tiefere Bedeutung, als einfach nur diesen einen Abend lang für gute Unterhaltung zu sorgen, ist nicht vorgesehen. Zumindest die vermeintliche Handlung ähnelt eher einer Spielanleitung, in der die Regeln einfach alles bedeuten. Geeignet für alle Altersgruppen von 16-99 Jahren. Ihr solltet das Spielfeld wie eure Westentasche kennen, über die Stärken und Schwächen eurer Gegenspieler Bescheid wissen und die eigenen Optionen gut einschätzen können. Dann habt ihr eine Chance, „They Will Kill You“ zu gewinnen.
Zazie Beetz macht immerhin eine adrette Spielfigur auf dem Feld. Fescher und agiler als der Monopoly-Mann ist sie in jedem Fall. Mit manch überraschendem Spielzug, teilweise unter Einsatz von Trick 17 mit Selbstüberlistung, ist sie nicht nur den Gegnern, sondern auch sich selbst oft einen Schritt voraus. Zudem trifft sie mit ihrer versteinerten Miene exakt die Note zwischen Deadpan-Humor und Actionheroine-Coolness. Im Kontrast dazu sind Akteure wie Tom Felton oder Heather Graham auf der Gegenseite mit ihren großen, verdutzten Augen mindestens ebenso treffend gecastet. Patricia Arquette als Hausdame ist zudem eine Schau für sich.
Das eine große Gimmick von „They Will Kill You“ sollte man vermutlich nicht verraten, wenn man Spannung, Spaß und Überraschung in der ersten halben Stunde möglichst hoch halten möchte. Diese Phase ist dann auch gleich die unterhaltsamste. Danach wiederholen sich Räume, Gegner und Spielideen. Die Inszenierung bleibt zwar hochgradig kreativ mit ihren Kamerafahrten durch Lüftungsschächte, an Hotelwänden entlang und durch zerteilte Körper hindurch, aber der höchstens zweckdienlich zu bezeichnende Hintergrund der Protagonistin und die skizzenhafte Mythologie der Hausbewohner machen sich mit der Zeit negativ bemerkbar. Die stilisierten Kapitelüberschriften werden mit jeder Etage einfallsloser, bis man das Gefühl hat, Kirill Sokolow will in seinem US-Debüt bloß noch die 90-Minuten-Marke erreichen und das Ganze zu einem halbwegs zufriedenstellenden Ende bringen.
Die Verwandtschaft zu dessen Durchbruch „Why Don't You Just Die!“ von 2018 ist trotzdem jederzeit zu erkennen. Dieselbe Unberechenbarkeit, dasselbe Instant-Chaos. Wer damals seinen Spaß hatte, wird grundsätzlich wieder gut bedient, auch wenn man nach ein paar Runden lieber wieder was anderes spielen, ähm, schauen möchte.
Gute:
Und damit, da bin ich bei McClane, ein bisschen besser als Ready or Not, der von mir nur eine knappe 5/10 bekommen hat.