
Originaltitel: Urban Justice aka Once upon a time in the Hood
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2007
Regie: Don E. FauntLeRoy
Darsteller: Steven Seagal, Eddie Griffin, Kirk B.R. Woller, Carmen Serano, Danny Trejo etc.
Über 6 Monate liess Steven Seagal nichts mehr von sich hören. Wäre 2005, hätten wir seit dem letzten Film schon mindestens 3 neue Blockbuster zu Gesicht bekommen, mit "Urban Justice" kommt dieses Jahr nach Flight of Fury aka Unsichtbarer Feind nun erst der zweite Seagal Film raus. Und das wird wohl auch so bleiben, denn mit seinem nächsten Film ist frühestens im März 2008 zu rechnen. War die lange Wartezeit nun ein gutes oder schlechtes Zeichen? Darauf werde ich in meinen Review eingehen.
Nun aber erst mal zur Story: Simon Ballister, ein ehemaliges Mitglied einer Spezialeinheit

Die Story hört sich geradlinig nach Old School an? In der Tat, ich muss zugeben, ich war erstaunt, wie viel Mühe man sich hier gegeben hat. Das Drehbuch aus der Feder von einem gewissen, mir bis anhin unbekannten Gilmar Fortis II ist so geschrieben, wie es sich für einen richtigen Seagal Film gehört. Das sinnlose Gequatsche von Seagal und anderen Leuten aus den vergangenen Filmen hält sich hier in einem wirklich erfreulich erträglichen Rahmen. Es gibt zwar zwischendurch ein paar Szenen, wo irgendwelche Gangster sich bequatschen, und auch Seagal möchte in einer Szene mal seine Sorgen zu Tage bringen, aber es ist nie so schlimm wie es sich jetzt anhört, manchmal macht es sogar Spass, vor allem wenn Eddie Griffin dabei ist, der seine Gangster-Rolle recht amüsant rüberbringt.
Mir ist eine solche geradlinige Story sowieso lieber als irgendwelche wirren Handlungen, wo man nicht mal weiss wer da wen beballert. Somit halten sich meines Erachtens auch allfällige Anschlussfehler, wie sie in den letzten Filmen zuhauf vorhanden waren, in angenehmen Grenzen.
Doch für einen richtigen Seagal Kracher braucht es da natürlich noch viel mehr, unter anderem natürlich coole Fights. Und wenn ich mir so die Filme seit Exit Wounds anschaue, dann fühlt man sich einfach verarscht. In den meisten Filmen konnte man ja irgendwelche Doubles ausmachen, die irgendwelche Akrobatiknummern vollführten, die Seagal nie beherrscht hat und eine völlig andere Frisur tragen etc.
Sind denn die Fights in diesem Film hier besser? Ich freue mich, sagen zu können: JA!
Zum einen wimmelt es hier von Fights, gerade verglichen mit den letzten Vorgängern, und sie sind angenehm über den gesamten Film verteilt. Und man mag es nicht glauben, aber Seagal legt grundsätzlich selbst Hand an. Es gibt einige Einstellungen wo man mal nur ein Bein sieht oder ein Arm, aber das ist nicht schlimm. An die alten Filme kommen die Kämpfe natürlich nicht, aber das hier ist trotzdem besser als alles was wir seit Exit Wounds gesehen haben. Ausgezeichnet geschnitten, und mit der nötigen Härte garniert. Einige Knochen- und vor allem Genickbrüche (offenbar die Spezialität vom Regisseur, denn in Today you die und Mercenary gab es schon ein paar) kriegen wir hier zu sehen. Achja und Vorsicht, Seagal lässt hier einige brandgefährliche OneLiner vom Stapel, bevor er den bösen Buben in den Arsch tritt!
Zu Seagal kann ich nur sagen dass er mich positiv überrascht hat. Im Gesicht scheint er seit Flight of Fury zwar wieder ein bisschen zugenommen zu haben, aber was den Bauchumfang betrifft ist es zum Glück nicht so schlimm wie ich befürchtet hatte. Der nichtssagende Trailer von Sony lässt einem ausserdem die Vermutung aufkommen, dass der Aikido-Meister hier wieder wie üblich schrecklich gelangweilt agiert, aber dem ist nicht so. Kurz: Seine beste Leistung seit Exit Wounds. Wie schon erwähnt lässt er einige OneLiner vom Stapel und scheint auch sonst mehr Enthusiasmus in seine Rolle gesteckt zu haben, denn er brauchte nicht in einem Satz synchronisiert zu werden, schreit in einer Szene, wo er richtig sauer wird, sogar kurz herum und belächelt seine Gegner, kurz bevor er ihnen die Knochen bricht. Ach ja, ausserdem hat man es unterlassen, ihm Kussszenen mit jüngeren Frauen zu spendieren, und einen auf HipHop Gangster macht er diesmal auch nicht. Einen peinlichen Partner wie in Today you die hat er auch nicht, lediglich einen Informanten, der aber nie zum Partner mutiert. Alles in allem sehr überzeugend.
Die anderen Darsteller sind solides B-Niveau ohne Totalausfälle, wobei vor allem Eddie Griffin ("Blast!") und Kirk B.R. Woller ("Poseidon") eine grundsolide Vorstellung abgeben. Danny Trejo (Desperado) hat aber nur eine sehr kleine, aber nette Rolle. Man merkt gut, dass hier nicht im Ostblock gedreht wurde und die Schauspieler hier einfach besser sind.
In der ersten Stunde gibt es neben mindestens 3 grösseren Fights auch noch eine Autoverfolgungsjagd, die aber nur "nett" ausgefallen ist. Es gab schon besseres, aber auch schon schlechteres. Immerhin kommen so ein wenig Schauwerte auf und es gibt mehr Abwechslung. Die Hintergrundprojektionen bei Autofahrten sind leider nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber man kann damit leben.
Die Shootouts lassen erst noch ein bisschen auf sich warten. Dann aber gibts eine kurze, sehr blutige Hinrichtungsszene, in die Seagal leider nicht direkt involviert ist. Kurz darauf dürfen wir aben den Meister selber in Action sehen, als sein Apartment von mindestens einem Dutzend Gang-Mitgliedern überfallen wird. Hier gibt es derbe Shootouts noch und nöcher, das Blut spritzt nur so herum, oftmals in Zeitlupe zelebriert und die Wände bekommen einen neuen Anstrich

Auch der Showdown überzeugt vollkommen. Viele derbe Shootouts und meist gut choreographiere Fights sollten wohl jedem Action- und Seagal Fan Freude bereiten.
Don E. FauntLeRoy inszeniert den Film äussert bodenständig und solide. Wer ein Effektegewitter a la Submerged (viele mögen den Film ja, aber mal abgesehen von zwei netten Fights hat der nichts mit einem Old School Seagal zu tun, jeder andere hätte die Rolle auch spielen können) oder Halb tot erwartet, ist selber schuld. Keine Kinoptik (erwartet auch keiner), aber absolut solide. Der B-Movie Charakter ist vorhanden, aber das macht nichts aus, denn Filme a la Out for Justice etc. sind da ja nicht viel anders. Wobei ich nochmal erwähnt haben möchte dass der Film nicht an diese alte Filme rankommt, und auch Exit Wounds nicht Paroli bieten kann, aber trotzdem schlicht und einfach der empfehlenswerteste Seagal Film seit 2001 darstellt.
Desweiteren möchte ich jedem raten, sich die DVD zuzulegen oder zu mieten und unter keinen Umständen eine TV-Fassung anzusehen! Ihr würdet mit Sicherheit viel verpassen, denn wie schon erwähnt gehts hier phasenweise recht blutig zu und her.
Negativ erwähnen kann ich hier nur die nicht so tollen Hintergrundprojektionen bei Autofahrten und dass die erste Stunde vielleicht einen Hauch zackiger hätte sein können (bei der Verfolgungsjagd hat mir ein treibender Score gefehlt, aber es geht schon), wobei das schon meckern auf relativ hohem Niveau ist. Vielleicht sind einige Szenen etwas zu dunkel, wobei andererseits erfreulicherweise vieles auch bei Tag spielt.
Die Musikuntermahlung ist übrigens ansonsten sehr gelungen.
Was noch zu erwähnen wäre: Seagal wird, wie der Regisseur angekündigt hatte, nur in ganz wenigen Szenen gedoubelt. Ich konnte gerade mal deren 3 ausmachen, und man muss schon relativ genau hinschauen um die überhaupt zu sehen. Stock Footage oder billige CGI-Explosionen etc. sind nicht vorhanden.
Fazit: Was Mechanik für Lundgren und Wake of Death für Van Damme war, ist meiner Meinung nach Urban Justice für Seagal. Viele harte, gut geschnittene Fights, derbe Shootouts mit extrem hohem Blutgehalt und ein gut aufgelegter Seagal der jedem der ihn schief anguckt kräftig in den Arsch tritt, machen diesen Film zu einem Vergnügen für Actionfans. Auf der negativen Seite haben wir eine recht lahme Verfolgungsjagd und etwas zu viel Gangster-Gerede in der ersten Stunde. Aber die Story funktioniert, und die Action ist gut verteilt, sodass ich nur eine Empfehlung aussprechen kann. Nicht so gut wie die alten Kracher oder Exit Wounds, aber trotzdem sein bester Film seit Jahren. Kaum zu glauben, dass der Film in nur 20 Tagen gedreht wurde. Bitte mehr davon!

Die DVD von Sony erscheint im November, leider offenbar nur mit einem Trailer als Extra. Der Film hätte eine bessere Veröffentlichung verdient.



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Joker 6686 meint zum Thema:
Hier auch mal mein Senf zum Würstchen:
Ein Gedicht für Steven.
Bei deinem neuem Streifen
bekam ich einen Steifen.
Du bist nicht mehr so fett und rund
viel mehr geht es richtig rund.
Deine Fights sind gut
also schöpfen wir neuen Mut.
Die Shoot Outs die sind klasse
wir wollen mehr von deiner Masse.
Na gut ein bisschen ernsthafter:
Anscheinend hat der fette alte Sack es endlich begriffen. Lieber weniger Output, dafür jedoch hochwertiger. Denn mit Urban Justice kehrt der Dicke zu seinen Wurzeln zurück. Kein Ostblock Abenteuer oder gar Science Fiction Film, nein ein astreiner Revenge Actioner, der von der Optik her absolut überzeugt und auch sonsten punkten kann. Vorallem die Fights vom Dicken machen echt Lust auf mehr, da diese zwar nicht halbso dynamisch wie bei Van Damme rüberkommen, jedoch wenigstens eine gewisse Härte bieten und an die alten Zeiten von Seagal erinnern.Die erste Stunde ist eher actionarm gehalten, zumindest was längere Actionszenen angeht. Es gibt ein paar Fights von Steven ein paar Schüsse landen in Leibern und eine ziemlich undynamische Verfolgungsjagd werden einem geboten. Und trotzdem stört es mich nicht? Denn die Story geht voll in Ordnung, bietet sogar regelrecht emotionale Momenten und kann in der ein oder anderen Situation sogar so etwas wie Spannung erzeugen. Doch sind die ersten 60 Minuten überstanden und das Motherfucker Geschwätz eingestellt, packt der Dicke seine Wummen aus und metzelt sich nur so durch die Gegnerhorden, dabei werden meterweite Blutfontänen aus den Körpern gepumpt, dass man fast denken könnte man sei in einem Splatterfilm gelandet. Diese ersten beiden recht langen und sehr harten Shoot Outs geben dann auch direkt die Stoßrichtung für den Showdown an. Doch bevor ich auf den eingehe muss ich noch etwas zur Optik und zum Sound sagen. Ich habe mich teilweise fast wie in einem Michael Mann Film gefühlt, die nächtlichen Bilder, die grob körnige Optik, die Handkamera und vorallem die enorm realistischen Schussgeräusche. Generell sieht Urban Justice sehr gut aus, sei es nun bei Tag oder Nacht, immer wieder kann der Film Szenen bieten, die einen die letzten 10 Seagal Filme fast vergessen lassen. Es ist so als hätte es nach Exit Wounds nur noch Urban Justice gegeben, mir ist fast so als könnte ich dem Dicken seine Fehler verzeihen aber nur fast. Und da liegt auch der Hase begraben. Denn Urban Justice übetrumpft alles von Seagal seit 2000. Was ja recht positiv ist, aber er erreicht nie die Qualität der alten Kracher und um die neuen Filme von ihm zu toppen braucht es nun echt nicht viel. Jedoch sollten wir dankbar sein endlich mal wieder einen guten Seagal Film vorgesetzt zu bekommen. Und nun endlich ein paar Worte zu dem derbst brachialen Showdown. Man kann schon von einer kleinen Symphonie des Blutes sprechen. Hierd wird wieder sehr schön in Zeitlupe gestorben, aber auch die Nahkampffähigkeiten von Seagal werden sehr gut in Szene gesetzt. Einfach klasse.
Was bleibt ist ein sehr guter Seagalfilm, der jedoch durch die erste relativ lahme Stunde eine Menge Potential verschenkt.
Dennoch:

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John_Clark ergänzt:
Gestern, 23:00 - endlich war es soweit. "Urban Justice" flimmerte über meinen Bildschirm. Die etwas längere Auszeit seit "Flight of Fury" machte sich total bezahlt. Steven kam wohl (hoffentlich) endgültig weg vom Osten Europas und ist zurück in der Heimat (Gedreht wurde in Albuquerque, USA). Was für eine Wohltat. Nichts gegen Rumänien oder Polen, aber ein Seagalfilm ist und war dort absolut fehl am Platz.
Nun, bei "Urban Justice" handelt es sich um eine herrliche Rachestory.
Inhalt:
Simon Ballingers (Steven Seagal) Sohn, ein Cop, wird nachts bei einem Einsatz auf offener Strasse erschossen. Auf der Suche nach dem Mörder zieht Ballinger in die Gegend, in der sein Sohn erschossen wurde und zieht so die Aufmerksamkeit der bösen Jungs auf sich - und Seagal prügelt und schiesst sich wie in guten alten Zeiten durch die 96 Filmminuten.
Es war für mich eine neue und alte Situation zugleich, mir diesen Seagalstreifen reinzuziehen. Da kam seit Jahren endlich wieder das "Seagal-Grinsen" in mein Gesicht. Das kommt stets dann, wenn Seagal es gleichzeitig mit 4 oder 5 bösen Jungs aufnimmt und man schon zu Beginn weiss, dass diese besser sofort das weite Suchen sollten, oder es fliegen die Zähne. Ich genoss die vollen 96 Minuten des Films und schwebe sogar jetzt noch in einem Seagal-Delirium. :) Und dank der Filming-Location dachte ich ein paar Mal an Deadly Revenge.
Im Film wird nicht übermässig viel gelabbert, mit x Sub-Sub-Subplots wie in einigen vorherigen Werken des Meisters. Nein, hier gehts ziemlich geradelinig zu und her. "Who killed my son???!!" ist so ziemlich der meistgehörte Satz im Film. Zudem sind die berühmten Seagal'schen One-Liner wieder da.
Hand-to-hand-fights gibts eine Menge im Film. Es war zum geniessen. Jedoch, kleiner Makel auf hohem Niveau, die Fights könnten noch ein wenig besser gefilmt und geschnitten werden. Aber was Seagal da abspulte war schon klasse. Da war alles drin. Handkantenschläge, Faustschläge, Genickbrüche, Hand-/Armbrüche, seinen Colt im Anschlag, dazu noch der ordentliche Gebrauch eines Maschinengewehrs. Einschüsse wurden zudem jeweils mit einer 1-Meter-Fontäne Blut zelebriert, was nett anzusehen war :-).
Neben Seagal ist im Film noch Eddie Griffin zu bewundern, ein Name, der noch nicht total bekannt ist, jedoch schon einige Kinofilme auf der Visitenkarte hat. Auch Kirk B. Woller ist Kinoerfahren. Und besonders erwähnen muss man natürlich den Auftritt von Danny Trejo ("Desperado", "From Dusk Till Dawn, "Machete"). Wer hätte gedacht, dass man Seagal und Trejo je beim Tequilatrinken sehen wird. :) Leider dauert Trejos Auftritt nur etwa 5 Minuten, was schon sehr schade ist.
Wir sehen zudem im Film eine nette Verfolgungsjagd, welche Laune macht. Erinnert auch ein wenig an "Deadly Revenge", nur dass Steven diesmal nicht der Jäger ist.
Regisseur Don E. Fauntleroy, der ja schon "Today you die" und "Mercenary for Justice" filmisch umgesetzt hat, war meine grösste Sorge. Unberechtigt jedoch, denn mit Fauntleroy hat Steven die stärkste Komponente seiner vorherigen Produktionen in seinen nächsten Karriereabschnitt mitgenommen. Und... zudem hatte Joe Halpin seine Finger nicht im Spiel. Die Story gefiel nämlich sehr. Mal schauen, was Halpin mit der Story zu "Prince of Pistols" anstellen wird, sofern dieser Film auch kommen wird.
Schlussendlich kann man sagen, dass dies hier nicht nur ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist (das waren Mercenary und co. doch fast alle). Uns liegt hier ein Film vor, der meines Erachtens fast nahtlos im Zusammenhang mit den alten Seagalwerken genannt werden darf. Es war mir, als hätte es die Jahre 2002 bis 2006 einfach nicht gegeben. Seagal wirkte total motiviert, sass nicht nur rum wie ein Frührentner beim Morgenkaffee und holte all seine Martial Art-Künste aus der leicht verstaubten Kiste. Ich denke, Seagal realisierte endlich, dass seine vergangenen Werke für uns Zuschauer eine Beleidigung waren. Dieser Film sehe ich als eine grosse Entschuldigung von Steven an die Zuschauer. Entschuldigung akzeptiert Steven - aber weitere "Entschuldigungen" dürfen sehr gerne folgen. :-)
Nun bin ich noch gespannt, ob Sony das amateurhafte DVD-Cover noch ändern wird. Ich hoffe es doch sehr, denn dieser Film verdient dieses Kindergarten-Cover nun bei weitem nicht.
Ich gebe "Urban Justice" hiermit die Schulnote 5.0. Das begründe ich mit dem Spass, den ich beim Schauen hatte, dem enormen Unterschied zu seinen vorherigen Werken (Urban Justice spielt in einer komplett anderen Liga), der tollen Rachestory, dem vielen Blut, den vielen gebrochenen Knochen und dem Einsatzeifer eines 55jährigen Steven Seagal, der hier wieder zuschlägt, als wär er im Jahr 1990.
He's back!!!!! He is back!!!!!!!!!

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Jack Warrior kämpfte sich ebenfalls durch den neuen Seagal:
Steven Seagal- Urban Justice
Tja hier haben wir ihn also, den aktuellsten Streifen des ehemaligen Action-Heroen Steven Seagal. Anfang der 80er stieg dieser mit Filmen wie "Hard To Kill", "Marked For Death" oder "Alarmstufe: Rot" neben Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone zum größten Actionstar Hollywoods auf . Doch dann nahm anscheinend sein Ego, auch durch die Millionen-Gagen, überhand und es folgten in den 90er dann Filme, wo er selbst Regie führte, verstärkt Öko-Botschaften einbaute und es nicht schaffte die Zeichen der Zeit zu deuten. Sein Stern begann zu sinken und er schaffte es nicht diesen Trend aufzuhalten.
Seagal verfettete immer mehr und war schließlich nur noch ein Schatten seiner selbst. In seinen Filmen wurde er schließlich nur noch gedoubelt und saß murmelnd im Halbdunkel rum. Filme wie "Today You Die", "Black Dawn" oder aber "Attack Force" trugen seine ehemals so glorreiche Karriere dann entgültig zu Grabe. Nun also ein weiter DTV-Produktion aus dem Hause Seagal. Ist dies endlich, wie viele Fans bis jetzt vergebens und trotz besseren Wissens hofften, die lang erwartete Rückkehr zur alten Form oder einfach nur eine weitere Schaufel Matsch auf die Grabstätte seiner Karriere, ein Schritt weiter auf den Abgrund der Geschichte zu?
Eines gleich zu Beginn: Es ist nicht wie propagiert die verheißene Großtat, nicht der erhoffte Kraftakt, den man gerne gesehen hätte. Aber trotzdem ist es ein Schritt, ein großer sogar, in die richtige Richtung, der sich weit weg von Debakeln wie "Attack Force" bewegt.
Die Story ist wie üblich nichts besonders, allerdings eine Rückbesinnung auf glorreiche Zeiten ala "Hard To Kill". Seagal rächt den Mord an seinem Sohne und prügelt sich daher durch die zwielichtige Welt des Ghettos. Keine entlosen Plot-Wendungen, keine unnötigen und auf einmal ohne Grund sich ändernden Verbündete/Feinde wie in "Foreigner", keine unnötigen und vor allem unglaubwürdigen Romanzen mit wesentlich jüngeren asiatischen Girls und vor allem nicht irgendwelche dubiosen Vorgeschichten des Helden. Zwar gibt es eine kleine Romanze zwischen Seagal und einer Ladenbesitzerin, aber hier wird es nur angedeutet. Genauso seine Vorgeschichte: Man erfährt sie einfach nicht, gibt zwar ein paar kleine Hinweise aber zum Wohle der Story hat man drauf verzichtet. So wirkt der Film im Vergleich zu den anderen Seagal-Streifen der letzten Zeit geradezu frisch und angenehm retro.
Aber kommen wir nun zu dem Wichtigsten überhaupt in einem Seagal-Film: den Kämpfen. Seagal prügelt endlich wieder in lang ersehnter Knochenbrecher-Manier durch die Horden von Gegnern. "Wie? Seagal prügelt sich?? Nicht etwa sein Doubel?" Genau richtig gehört, es ist endlich wieder Steven der hier kämpft, abgesehen von eventuell einigen High-Kicks, und auch sonst alles selbst macht. Es ist fast so als befinde man sich wirklich wieder in der Zeit eines "Deadly Revenge". Hinzu kommt, auch wenn er mittlerweile im Gesicht doch sehr verbraucht ausschaut, hat er abgenommen was sich positiv bemerkbar macht. Sprich es gibt keine nervigen, auf pseudo-cool getrimmten, lange Ledermantel mehr, sondern einfach nur stink normale Kleidung. Die Shootouts sind verdammt blutig ausgefallen. Da spritzt das Blut gleich in Sturzbächen aus den Körper der getroffenen heraus, fast als würde man einen Olaf Ittenbach-Film sehen. Außerdem wird mit einer gewissen Ironie an den Tage gelegt, vor allem dann wenn Seagal als "Weißbrot" oder "fette Schwabbelbacke" bezeichnet wird.
Also alles in beste Ordnung? Leider nein, so gibt es doch einige Kritikpunkte. An manchen Stellen hätte man die Story noch ein Stück straffen können. Auf der anderen Seite fällt allen voran das Budget auf: Billig abgefilmte Leinwände beim Autofahren, Bildschwankungen und an manchen Stellen leider zu dunkel ausgefallen, trüben doch das Bild. Aber ansonsten gibt es nicht viel zu Meckern. Solider, guter Film, wenn auch mit einigen kleinen Schwächen.

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Ed Hunterd:
Kein anderer der aktuell auf dem Direct-to-DVD-Markt waltenden altgedienten B-Actionrecken arbeitet so fleißig am Fließband wie Aikido-Moppelchen Steven Seagal, entsprechend schwach ist dafür auch die Qualität des Gros des Post-Millenniums-Coeuvres des einstigen „Alarmstufe: Rot“-Stars. Lichtblicke wie der optisch sensationelle „Into the Sun“ bleiben inmitten todlangweiligen Ostblock-Schmus wie den „Foreigner“-Filmen und Stock-Footage-Overkills à la „Today You Die“ und „Flight of Fury“ in der Unterzahl, gelingen dem Dicken aber durchaus regelmäßig. Bei der rekordverdächtigen Anzahl pro Jahr heruntergekurbelter Filmprojekte auch kein Wunder.
Ob Seagal noch einmal ein wirkliches Comeback der Marke „Exit Wounds“ gelingen wird, bleibt zweifelhaft, selbst ein dritter „Under Siege“-Streifen dürfte die Rückkehr in die Gunst des Massenpublikums mittlerweile schwierig machen. Von Fans wurde dagegen immerhin die 2007er Produktion „Urban Justice“ lobend hervorgehoben, die den für Seagal fast schon obligatorischen Ostblocksettings dankenswerter Weise den Rücken kehrt und das Aikido-Schlachtross darüber hinaus erstaunlich einsatzfreudig seine Fightszenen wieder selbst bestreiten lässt. Das im Vorhinein gehypte Übercomeback des Dicken ist das DTV-Filmchen zwar nicht, lässt sich als teils durchaus Erinnerungen an glorreiche „Out for Justice“-Tage reanimierendes Genreentertainment aber in die Reihe gelungeneren Post-„Exit Wounds“-Seagalschaffens à la „Belly of the Beast“, „Out for a Kill“ oder „Into the Sun“ einordnen. Mit Don E.FauntLeRoy sitzt bei „Urban Justice“ der richtige Mann auf dem Regiestuhl, hat er doch bereits zweimal mit dem Dicken zusammengearbeitet und mit „Today You Die“ eine zwar an Doubles und Stock Footage leidende, abgesehen davon jedoch unterhaltsame und mit „Mercenary For Justice“ danach eine allgemein überaus gelobte Kontribution zur Seagalschen Fimografie geleistet.

Wütend, traurig, fröhlich, gelassen, aufgeregt...beim Dicken alles eins!

Für einen Autostunt hat das Budget gereicht.
Diesmal wütet der Kampfkoloss nicht im tristen Ostblock, sondern wieder daheim in Amerika und lachhaft verschwurbelte wannabe-komplexe Stories à la „Foreigner“ machen straightestem und klassischstem Revenge-Rabatz Platz: Seagal spielt Simon Ballister, den Vater eines ermordenden Cops, der scheinbar als Kollateralschaden eines Bandenkriegs erschossen wurde. Ballister will Erklärung und Untätigkeit der örtlichen Polizei nicht akzeptieren, startet Ermittlungen auf eigene Faust und ballert, kickt und prügelt sich mit Elan durchs Gangmilieu…
Seagal in da Hip-Hop-Hood, das hatten wir schon bei „Exit Wounds“ und „Half Past Dead“, doch diesmal macht der Dicke nicht selbst auf Hopper, sondern beschränkt sich darauf, dem Baggypants tragenden „Yo, Man“-Volk die Knochen zu brechen und Gehirne gegen die nächste Wand zu pusten. Auf einen Hip-Hop-Soundtrack wird dabei gar nur erstaunlich begrenzt zurückgegriffen (und wenn er zum Einsatz kommt, ist er nicht mal schlecht), ansonsten lässt man aber kein Standardelement aus, um das altbekannte Ambiente von voll da fetten Gangsta-Hood für Seagals Wirken zum Leben zu erwecken. So bestehen 80 Prozent der Dialoge aus „Yo, Man“ und „Motherfucker“ (da würde mich beinahe mal die deutsche Synchro interessieren

In der Interaktion mit freundlich gesinnten Zeitgenossen des Sprechgesang-affinen Milieus wirkt Seagal dabei zwar wie immer ein wenig deplatziert, ansonsten bildet das Ambiente aber eine willkommene Abwechslung zum gewohnten Ostblockschmu. Glamour, Glanz und Edeloptik bringt die Abkehr von Rumänien und co. aber dennoch nicht mit sich, visuell kommt „Urban Justice“ nämlich eher unattraktiv daher und auch die schlichten Locations beeindrucken kaum. Vor allem eine Autojagd in der Mitte wirkt, als sei man lediglich fünf Minuten im Kreis um den immer gleichen Häuserblock gefahren. Über hohe Production Values konnte Don E.FauntLeRoy hier sichtbar nicht verfügen, sodass „Urban Justice“ stets ein sehr schlichter und gewissermaßen billiger Touch anhängt: Schmucklose Settings, geradlinige Story, allenfalls solide Optik und kostengünstige Action, in der hauptsächlich gefightet und geballert, teure Schauwerte wie Explosionen oder Autojagden (sieht man mal von der einen abgesehen vom chicen Schlussstunt eher schwachen in der Mitte ab) jedoch ausgespart werden.

Der Steven, wie wir ihn lieben...
Das neue Seagal-Werk ist weg vom Ostblock-Image, teurer sieht es aber dennoch nicht aus und war es mit Sicherheit auch nicht. In der Hauptsache geht man hier sehr minimalistisch zu Werke und greift auf das zurück, was Seagal am besten kann und was praktischerweise auch nicht viel kostet: Aikido. Vorbei von Doublen übernommene Highkicks und Wirework-Aktionen, vorbei hektische Schnittgewitter und Präsenz des Dicken lediglich simulierende Alibifights, in „Urban Justice“ geht der gute Steven wieder höchstpersönlich zur Sache und bricht seinen Gegnern down to earth die Knochen wie in seligen Early-90s-Zeiten. Die traditionellen Martial-Arts-Szenen, auf die hier in der Hauptsache Wert gelegt wird, machen wieder genauso viel Spaß wie vor 15 Jahren und Seagal beweist, dass er sein Handwerk noch nicht verlernt hat. Daneben zelebriert Don E.FauntLeRoy auch massiven Gunplay-Einsatz und treibt den Bodycount in den Shootouts in wahrlich gigantische Höhen, die absurd übertriebenen Blutfontänen und Extremzeitlupen hätte er sich jedoch sparen oder zumindest etwas zurückfahren können.
Abseits seiner wiedergewonnenen Aikido-Bereitschaft reißt sich der gute Seagal in „Urban Justice“ leider keinen Fuß aus: Körperlich gesehen war er zwar schon mal moppeliger, selbst seit Anbeginn der Direct-to-DVD-Ära aber auch schon dünner zu sehen und schauspielerisch schlafwandelt er erneut mit einem derart mimiklosen Stoneface durch die Szenerie, dass man die überzeugenden Leistungen beispielsweise eines Jean-Claude Van Damme gleich umso mehr zu würdigen weiß. Auf Darstellerseite ist ansonsten lediglich noch ein gewohnt cooler Danny Trejo zu erwähnen, dessen Rolle aber kaum mehr als ein besseres Cameo ist.

Suppen tut die Chose ordentlich.
Fazit: Vom Ostblock in die Hood: Unser Lieblingsmoppelchen Seagal ist mal wieder im Hopper-Milieu gelandet und metzelt sich hübsch oldschoolig durch Heerscharen waffenstarrender Gangstas. „Urban Justice“ gefällt mit einem in den Actionszenen endlich mal wieder selbst tätigen und noch immer souveränen Seagal, knackigen Aikido-Fights und soliden, wenngleich übertrieben blutigen Shootouts, abgesehen davon ist der Streifen jedoch sowohl betreffend Story als auch Schauwerte und optische Attraktivität eine überaus schlichte und stets sehr kostengünstig wirkende Angelegenheit geworden. Fans des Dicken wird gute B-Unterhaltung abseits von Stock Footage, Doubles und Ostblock geboten, das viel gepriesene Übercomeback ist „Urban Justice“ allerdings nicht geworden. Wohl aber einer der sehenswerten Post-„Exit Wounds“-Seagals.
