2016 war irgendwie seltsam – die erste Hälfte kam kaum was bemerkenswertes neues um dann in der zweiten Hälfte richtig reinzuhauen so das man kaum noch nachkam das ganze durchzuhören. Zudem hatte ich ja auch einige Monate wo ich aus Frust gar keine Musik gehört habe und sich die Neuheiten ungehört stapelten. Aber ich habe es geschafft (dank meines I-Pod sowie langen Spaziergängen im Wald) mich durchzuarbeiten – hier meine persönlichen Lieblinge und der ein oder andere Upturn....
Ich entschuldige mich direkt für die vielen Worte hier, aber es fällt mir schwer einfach nur zu sagen „ist gut“ oder „ist schlecht“. Wer neugierig sein sollte für den habe ich dann noch zu jedem Release Hörbeispiele rausgesucht.
Album des Jahres 2016
Moderat – III (Monkeytown Records)

Die Growerplatte des Jahres – als ich sie das erste mal hörte war ich etwas enttäuscht, doch über den Sommer hinweg entwickelte sich der dritte Longplayer von Moderat zu einem absoluten Liebling von mir, der bis heute immer wieder in schöner Regelmäßigkeit seinen Weg in den CD Player / auf den Plattenspieler / auf die Playlist des I-Pods findet, wobei das von mir im Oktober besuchte Konzert noch einen Extraschub gab.
Techno raus – Pop rein, aber dies bitte mit Niveau und vor allen keine Angst mehr vor Gesang. Auf diese kurze, prägnante Aussage läßt sich dieses Album bringen. Moderat jammen nicht mehr irgendwelche Technotracks zusammen sondern sie schreiben jetzt gezielt richtige Songs. So sind von den neun Songs auf der CD lediglich zwei instrumentale Technotracks wovon sogar nur einer („Animal Trails“) für den Dancefloor geeignet ist. Stimmungsmäßig herrscht eher die Melancholie vor, Gute-Laune Pop gibt es nur einmal bei „Running“ der zugleich einer der wenigen Songs ist wo es mal eine 4/4 Bassdrum zu hören gibt. Das Drumming ist eher vertrackt, die Arrangements verspielt und unterschiedlichste Stile von Dub Step über House, Techno hin zu Ambientartige Strukturen werden zu einem großen Ganzen vereint. Dies ist die elektronische Popmusik für das 21. Jahrhundert, Moderat machen die Musik die Depeche Mode heute machen würden hätten die seinerzeit nicht bei „Personal Jesus“ die Gitarren entdeckt (vor 30 Jahren hätte man dies hier als „Synthie-Pop“ bezeichnet). Verdientes Album des Jahres...zumindestens für mich. Da verzeiht man auch den etwas nervigen Hype in diversen Musikzeitschriften der zeitweise etwas too-much war.
--->Reminder --->Running --->Eating Hooks
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So – und hier der Rest vom Schützenfest...
Pet Shop Boys – Super (X2 Records)

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Pet Shop Boys ? Warum sind sie seit über 30 Jahren immer noch ein Thema ? Es liegt wohl daran das sie die Popmusik lieben, gleichzeitig aber einen Ironischen Abstand zu ihr haben. Und „Super“ ist wieder ein Super Album geworden (ich denke mal dieses Wortspiel war von den beiden absolut beabsichtigt und gewollt). Es klingt (eventuell etwas zu) trendy und gleichzeitig unverwechselbar nach den Pet Shop Boys. Das sie immer noch ohne Probleme eine Ohrwurmmelodie nach der anderen aus dem Ärmel schütteln ist auch erstaunlich. Please God – save the Pet Shop Boys....denn „We were the Pop Kids ´cause we love the Pop Hits“.
--->the Pop Kids --->Twenty-Something
the Mute Gods – Do nothing till you hear from me (InsideOut Records)

Nick Beggs war mal ein Weltweiter Popstar, seit einigen Jahren ist er ein vielbeschäftigter Sessionmusiker mit besten Ruf – wenn er ein neues Projekt zusammen mit Marco Minnemann (ebenfalls ein gefragter Sessionmusiker) und Roger King (helfende Studiohand für Steve Hackett) wagt dann ist die Aufmerksamkeit gewiss. Als the Mute Gods macht er den Spagat zwischen klassischen 70iger Jahre Prog-Rock mit Radiotauglichen Pop zu kreuzen. Heraus kommt ein buntes, Musikalisch durchaus ansprechendes Pop-Rock Album das zwar einige Durchläufe braucht dann aber Spaß macht. Zwar jetzt nichts aufregend neues aber es müssen ja nicht immer jedes mal Musikalische Grenzen aufgesprengt werden, läuft gut durch.
--->Do nothing till you hear from me --->Feed the Troll --->Praying to a Mute God
Southern Empire – Southern Empire (GEP Records)

Die zweite Unitopia Nachfolgeband nachdem sich die beiden Kreativköpfe Sean Timms und Mark Trueack recht spektakulär verkracht haben. Timms versucht es bei seinem neuen Projekt mit einem rockigeren Ansatz und klingt mit seinen neuen Musikerkollegen wie eine 80iger Rockband die versucht 70iger Prog zu spielen. Das machen sie aber verdammt gut, die Arrangements sind verspielt, die Songs schön lang und es passiert einfach viel während der Laufzeit. Das das Songmaterial ursprünglich für Unitopia vorgesehen war ist aber unüberhörbar – vor allen die Gesangspassagen klingen wie für Mark Trueack gemacht, da kann sich der Sänger Danny Lopresto anstrengen wie er will. Das zudem ein Song unter einem anderen Titel auftaucht der bereits bei U.P.F. (der anderen Unitopia Nachfolgeband) verarbeitet wurde liegt dann unüberhörbar am Streit der beiden Exfreunde. Southern Empire erfinden nix neues, machen aber ihre Sache perfekt und schön anhörbar. Wohlfühlprog mit leichten Kommerzeinschlag und 80iger Hardrock Schlagseite der zu keinem Zeitpunkt peinlich ist. Tolles Album.
--->How long --->Hold --->Forest Fire
Steven Wilson – Fourandahalf (Kscope Records)

Auch diese EP beweist die Tatsache das die Reste von Steven Wilson Qualitativ besser sind als so manche reguläre Veröffentlichung bei anderen Künstlern. Mit „My Book of Regrets“ befindet sich hier sogar ein richtiger Killersong an Bord in dem sich in knapp 10 Minuten Laufzeit mehr Ideen befinden woraus weniger talentierte Musiker ein ganzes Album draus gebastelt hätten. Leider ist das Vergnügen recht kurz und es fehlt (logischerweise) der rote Faden, was aber die Musikalische Klasse dieser EP nicht schmälern sollte.
--->My Book of Regrets
Haken – Affinity (InsideOut Records)

Warum einfach wenn es auch komplett anders geht ? Haken hätten den einfachen Weg gehen können und einfach eine Blaupause ihres Vorgängerwerkes „the Mountain“ abgeliefert und jeder wäre zufrieden gewesen. Stattdessen macht man eine Rolle rückwärts und zitiert die 80iger. Die Fixpunkte sind also jetzt Van Halen, Toto, Scorpions, Yes (wohlbemerkt die 80iger Yes !!!) und all die unzähligen Hair-Metal-Bands mit (ganz wichtig !) Keyboards jener Dekade. Diese Zitatesammlung macht tierischen Spaß weil die ganze Geschichte mit deutlich hörbaren Spaß aufgenommen wurde. Auch Handwerklich zeigen die Musiker wieder einmal was sie drauf haben, bei manchen Passagen fragt man sich wie sie diese Live umsetzen wollen. Ein sympathisches und unterhaltsames Retro-(Hard)-Rock Album einer sympathischen Band.
--->Initiate --->Earthrise --->the Endles Knot
ABC – the Lexicon of Love Part 2 (Virgin Records)

Heilige Scheiße – haben wir wirklich das Jahr 2016 ? Beim anhören dieser CD dachte ich eher wir hätten 1986 ! Martin Fry – der mittlerweile einzig übriggebliebene bei ABC – hat eine Zeitmaschine gefunden und präsentiert ein Album das so unglaublich Retro ist das es weh tut. Pop wie er so in dieser Form nur Mitte der 80iger entstehen konnte, so als hätte Grunge, Techno oder EDM niemals stattgefunden. Singen kann Fry immer noch wunderschön, Popmelodien zum Mitsummen hat er auch noch drauf und tolle kitschfreie Texte über die Liebe kann er immer noch schreiben. Klar - die Fußspuren des Vorgängers sind groß (zumal hier jetzt Trevor Horn fehlt), aber nett anzuhören ist es und es macht Spaß, ist halt ABC...und auf ein „Viva Love“ kann sich ja jeder einigen. Martin Fry bleibt der letzte Romantiker der einfach an die Liebe glaubt, das merkt man einfach.
--->Viva Love
Big Big Train – Folklore (GEP Records)

Big Big Train (kurz: BBT) sind auch einer dieser unzähligen Bands die seit Jahren Musik machen, eine treue kleine Fanschar haben die aber nie in die Rolle der großen Namen hinein gestoßen ist. Das könnte – böse gesagt – daran liegen das man immer unverkennbar die großen Vorbilder heraushört: die frühen Genesis, die auf diesem Album (ganz gerecht dem Albumtitel) noch mit Jethro Tull gekreuzt werden. Das der BBT Sänger stellenweise wie ein Peter Gabriel einer Genesis Tributband klingt macht die Sache nicht einfacher. Was aber der Band an Eigenständigkeit fehlt macht sie durch perfektes Handwerk wieder weg. Es macht einfach Spaß dieses Album durchzuhören, hier sind Musiker am Werk die ihre Sache perfekt und mit deutlich hörbaren Spaß machen. Wer – wie ich – die frühen Genesis Sachen und Jethro Tull mag der sollte sich auf jeden Fall „Folklore“ auf den Einkaufszettel schreiben, der Rest der Menschheit darf die Band weiter ignorieren.
--->Folklore
Radiohead – A Moon shaped Pool (XL Recordings)

Alles wie immer: erst tauchen Radiohead ab, Monatelang hört man nix von Ihnen und dann – Zack – ohne Vorwarnung ist das neue Album da, zunächst nur Online und dann kurze Zeit später auch in Physischer Form. Und die Band verweigert sich komplett: keine Interviews oder Statements sondern nur die Musik die diesmal für sich selber sprechen muß sowie einige etwas seltsame Musikvideos (die man ja schon von ihnen gewohnt ist). Auffällig das reduzierte Klangbild, die elektronischen Experimente wurden zurückgefahren, dafür musiziert man Songorrientierter mit vielen Streichern und Thom Yorks Stimme ist auch deutlich zu hören (ok – so mehr oder weniger weil er nuschelt und jammert immer noch). Easy Listening ist das aber jetzt nicht, wie immer bei Radiohead muß man sich als Zuhörer die Zuneigung zu diesem Album erarbeiten und man findet die wahre Größe dieses Kleinodes erst nach mehrmaligen intensiven hörens. Die sehr Detailreiche Produktion mit seinen verspielten Arrangements macht dieses Album zu einem Headphone-Adventure Album – die kreative Kraft die in dieser Band wohnt ist wirklich beängstigend.
--->Burn the Witch --->Daydreaming
the Pineapple Thief – Your Wildernes (Kscope Records)

Die Musikalischen Qualitäten vom Annanasdieb sind teilweise etwas schwankend, der Vorgänger „Magnolia“ kam ja bei mir nicht so gut an. Hier ist jetzt fast alles wieder am richtigen Platz, Melancholische Rockstücke die eher etwas deprimierend sind. Die Kristallklare Produktion überzeugt komplett leider gibt es Soundmäßig zu wenig Abwechslung – es fehlt irgendwie eine flotte Uptemponummer oder eine andere Überraschung. Es klingt einfach etwas zu gleichförmig....die einzelnen Songs an sich sind nicht schlecht, teilweise sogar richtig gut aber alle zusammen durchzuhören ist etwas langweilig...leider.....Und dann ist noch das Highlight ausgerechnet nur auf der Bonus CD der teueren Special Edition zu hören: der 42 Minütige Track „8 Years later“ wo Melancholie auf elektronische Experimente treffen und the Pineapple Thief wie eine Kreuzung aus Porcupine Tree und frühen Radiohead klingen. Der seltene Fall wo die Bonus CD bei mir öfters im Player landete als das reguläre Album.
---> No Man´s Land --->In Exile
Nosound – Scintila (Kscope Records)

Alles beim alten bei Nosound – keine Experimente, keine Hektik, kein Stress sondern ruhige, in sich fließende Musik für trübe Herbsttage. Aber leider sind auch die Kritikpunkte geblieben: Ein etwas matschiger Klang (besonders das Schlagzeug klingt sehr komprimiert), Eras deutlich hörbarer Italienischer Akzent beim singen sowie wieder der Umstand das er auch einen Song in seiner Muttersprache singen muß was irgendwie wie vertonte Pizzakarte klingt. Nosound machen schöne entspannte Musik, ideal um runterzukommen oder um sich zu entspannen aber immer wieder fehlt das gewisse Etwas das die ganze Geschichte zu etwas besonderen macht. Immer schön, manchmal etwas kitschig und Zuckersüß – Italienisch halt.
--->In Celebration of Life --->Short Story
Eyevory – Inphatasia (Artist Station)
Das schwierige zweite Album – wie schafft man es die neu gewonnenen Fans bei der Stange zu halten und sich gleichzeitig weiter zu entwickeln ohne das man diese verschreckt ? Eyevory setzen alles auf die volle Risikokarte: ein Textlastiges Konzeptalbum, exotische Instrumente, ein Kinderchor sowie eine Erfolgreiche Crowdfoundingkampanie (bei der ich mich auch beteiligt habe) um die Studiokosten begleichen zu können. Es hat sich gelohnt, die Band meistert weiterhin den riskanten Ritt auf der Rasierklinge zwischen kommerziellen Radiotauglichen Rock mit verfrickelten Progressiven Elementen. Die Band erfindet hier nix neues sondern bedient sich aus dem reichen Fundus der Musikgeschichte um dann im Endergebnis ein frisches und vor allen Eigenständiges Etwas zu erschaffen das einfach Spaß macht. Nichts für Puristen die es möglichst schräg und anders mögen sondern eher ideal für den frustrierten Radiohörer der die Schnauze voll hat vom 3-Minuten Song nach 08/15 Schema und sich mal ganz vorsichtig an das Thema Progressive Rock ranwagen will. Eine Top Produktion übrigens, auch Klanglich Dank dem Deutschen Masteringkönig Eroc ein Genuß.
--->Perfect Empire --->Inphantasia Album Player
Marillion – F.E.A.R. (F*** Everyone and Run) (Ear music)

Marillion zeigen zum Wiederholten mal den gestreckten Mittelfinger in Richtung Musikindustrie. Im Herbst 2015 startete die Kickstarterkampanie die simpel lautetet „neues Album 2016“. Die Fans bestellten kräftig vor, genaue Zahlen wieviel Geld es gab gibt es nicht aber es geistern Zahlen von einer Million durchs Netz (welche Währung wird aber nicht gesagt) - die Liste der Namen die die Band unterstützt haben ist im Booklet enggedruckte 21 Seiten dick (meiner ist auch dabei). Marillion hatten bereits mit diesem Album Gewinn gemacht bevor überhaupt ein Ton aufgenommen war, man konnte sich sogar das edle Real World Studio für die Aufnahmen leisten.
Musikalisch gibt es das was der Fan erwartet: keine Experimente, keine neuen Musikalischen Ufer. Der Fan der mal eben 60 Euro (oder mehr) für die dicke SE bezahlt hat (optisch sehr schick übrigens) darf nicht verschreckt werden. Marillion bleiben Marillion, trotz des „bösen“ Titels. Alles klingt schon angenehm, Steve Hogarth singt wie immer in voller Inbrunst und alles ist schön auf Hochglanz poliert und auf Schönklang ausgerichtet. Ob das Album jetzt wirklich das beste ist was sie je gemacht haben ist eher irrelevant – Fans bekommen genug Argumente warum sie die Band lieben, alle Marillion Hasser genauso viele Argumente was an dieser Band schlecht ist. Genauso wie Coca Cola oder McDonalds immer gleich schmeckt klingt Marillion eben so wie Marillion klingt – wer was anderes erwartet ist hier ganz falsch. Eben astreines Fanfutter, mir gefällts.
--->the New Kings
Yello – Toy (Polydor)

So mal ganz ehrlich unter uns gesprochen: Erwartet tatsächlich noch jemand von Yello Musikalische Verrücktheiten wie vor 30 Jahren ? Eben – Boris Blank und Dieter Meier sind bereits im besten Rentenalter und verwalten Stolz ihr Musikalisches Erbe. Auf „Toy“ gibt es deshalb die gleichen Musikalischen Töne wie vor einigen Jahren auf „Touch“ - Eine Art Longe-Bar-Jazz der elektronischen Sorte. Wieder mit Gastsängerinen (Meier hält sich wieder vornehm zurück) und den typischen Treatmark Sounds aus Boris Blanks Studio.
Auch wenn der große Hit fehlt (den man auch nicht erwartet hat) ist das Album vor allen Dingen eines: unpeinlich, da hat man von diversen anderen Altstars schon schlimmeres gehört. Mit 17 Songs ist das ganze aber dann doch etwas zu aufgebläht (weniger wäre mehr gewesen), zudem sind die drei Bonustracks der SE verzichtbar weil bessere B-Seiten aber dafür ist das großformatige Buch schick. Pluspunkte sammelt „Toy“ mit seinem perfekten, räumlichen Klang – HiFi Freaks dürften hier ihr neues Anbetungsobjekt finden.
--->Limbo --->Albumplayer
Blood Orange – Freeform Sounds (Domino)

Der Musikalische Kosmos von Devonté Hynes alias Blood Orange umfasst alle Spielarten der schwarzen Musik: R&B, Funk, Soul, Disco, Hip Hop usw. Statt auf ein normales Songformat zu setzen ist „Freeform Sound“ eine rund 55-Minütige Nonstop Reise bei dem viele einzelne Teile, Songfragmente, Interludes und Zwischenstücke sowie einigen Songs zu einem Ganzen verschmelzen. Das ganze bewegt sich immer irgendwo zwischen Nightclub und Schlafzimmer, bevölkert mit einer Art unterschwelligen Sex wie ihn so nur eben Devonté Hynes in seine Musik hineinbekommt. Keine potentiellen Hits, kein Mainstream sondern etwas womit man sich als ganzes auseinandersetzen muß. Faktisch ist das ganze irgendwie ein totaler Fremdkörper bei meinen Musikalischen Vorlieben, aber wenn schwarze Musik dann sowas hier, denn Blood Orange ist einfach sexy.
--->I know --->Augustine
Airbag – Disconnection (Karisma Records)

Airbag machen weiterhin einfach nur das was sie am besten können: Wie Pink Floyd klingen. Also gibt es episch breite Songs mit viel Instrumentalanteil, einen breiten satten Klang und alle paar Minuten ein episches David Gilmour Gedächnissolo an der Gitarre, die tatsächlich wie die von David Gilmour klingen. Einziger Unterschied zu den großen Briten: Asle Tostrup kann besser singen als Roger Waters. Das ganze Album klingt so angenehm und gefällig das es fast schon weh tut. Schöne Herbst / Winter Musik ohne Überraschungsmoment, der Vorgänger „the greatest Show on Earth“ hat mir allerdings besser gefallen.
--->Killer
Freedom to Glide – Fall (self release)

Und noch eine Band die das Erbe von Pink Floyd in das Jahr 2016 retten will – Freedom to Glide liefern den zweiten Teil ihrer erster Weltkrieg Trilogie ab und klingen dabei zu fast jeder Sekunde wie die Söhne der berühmten Vorbilder. Das ist klanglich sehr schön und es gibt einige nette akustische Gags (Autofahrt mit Navigerede wo sich aus den Autoradio schließlich der spätere Song rausschält) aber über die gesamte Spielzeit ist diese deprimierende melancholische Reise in Moll einfach etwas zu schwerfällig und ermüdend.
--->Toll --->Albumplayer
Kyros – Vox Humana (KMG Records)

Vor rund zwei Jahren tauchte auf einmal Adam Warne auf, nannte sich Synaesthesia und veröffentlichte sein Debütalbum wo der damals gerade mal 20 Jährige Warne alle Songs selbst geschrieben hatte und die meisten Instrumente selbst einspielte. Kurz nach der Veröffentlichung beendete Warne das Synaesthesia Alias um mit den Kumpels seiner Liveband ein neues Projekt aus der Taufe zu heben: Kyros. Jetzt also endlich das Debütalbum seiner Band, wo auch wieder Warne alle Songs selber schrieb, diverse Instrumente bediente und zudem er sich nun auch auf den Produzentensessel begab und das Album auf seinem eigenen Label rausbringt – wenn der Junge so weitermacht übernimmt der beim nächsten Album auch noch das Mastering.
Warne bedient sich aus dem reichhaltigen Fundus der Musikgeschichte und bastelt sich seine eigene Rock-Pop Welt, die erstaunlich frisch und mitreisend klingt. Denn Warne hat keine Angst vor schönen Melodien oder einem Ohrwurmrefrain, gleichzeitig dürfen die Songs gerne auch mal etwas länger dauern. Neben den übliche Zutaten gibt es auch noch Elektronisches wie Dubstep oder Electro wodurch Kyros sehr frisch und unverbraucht klingen. Die Arrangements sind trickreich, es passiert wirklich viel während eines Songs und man muß sich immer wieder in Erinnerung rufen das hier gerade mal Jungs im Alter von Anfang / Mitte 20 am Musizieren sind, weil das ganze so unglaublich reif und gekonnt klingt. Ach so – einen Longtrack gibt es auch noch, der dauert ganz bescheidene 45 Minuten und nimmt die gesamte 2. CD in Beschlag....Ein klassisches, richtig gutes und abwechslungsreiches Doppelabum mit frischer, toller Musik. Adam Warne, das nächste Musikalische Wunderkind wird auch weiterhin von mir beobachtet werden.
--->Cloudburst
Roosevelt – Roosevelt (City Slang)

Schon irgendwie witzig – da kommt Marius Lauber daher, nennt sich Roosevelt, ist gerade mal 22 Jahre alt, wohnhaft in Viersen und macht dann mal eben direkt mit seinem Debütalbum (das er im Alleingang zu Hause aufgenommen hat) so gestandenen Größen wie den Pet Shop Boys den Titel des „Pop Albums des Jahres 2016“ streitig. Lauber hat die Popmusik der 80iger genau studiert und bastelt sich aus Ohrwurmrefrains, schönen Melodien und modernen Disco House Sound eine Popwelt zusammen wie man sie so im Jahre 2016 kaum noch für möglich gehalten hätte. Ein schönes, einfach fröhliches Album – wäre es bei einer großen Plattenfirma rausgekommen wäre es mit einem großen Werbeetat ausgestattet an die Spitze der Charts gedrückt worden, so wurde es zum Insidertip. Pop in Reinkultur, macht übrigens Stilecht nur auf Vinyl Sinn.
--->Night Moves --->Belong --->Colours / Moving on
M.A.N.D.Y. - Double Fantasy (Get Physical Music)

“Was die von Moderat können können wir auch !“ dachten sich Philipp Jung und Patrick Bodmer alias M.A.N.D.Y. und veröffentlichen 2016 tatsächlich mal ihr Debütalbum, das sie seit so ungefähr 10 Jahren (oder sogar länger) immer wieder angekündigt haben. Musikalisch geht es sehr bunt zu – faktisch alle Spielarten elektronischer Musik kommen vor, von Ambient über House, Trance bis hin zu Electro. „Double Fantasy“ ist ein kunterbuntes Knallbonbon das sich locker ohne Reue weghören lässt, eben genau das was man von M.A.N.D.Y. erwartet hat. Wer die frühen, eher dem Techno zugewandten Moderat mochte der wird hier glücklich werden. Negativ ist lediglich die limitierte CD Version aus dem offiziellen Shop die sich bei der Lieferung tatsächlich als eine gebrannte CD-R entpuppte.....
--->Whisper --->Album Minimix
Justice – Woman (Ed Banger)

Justice sind auch mal wieder da, die ewigen Zweiten hinter Daft Punk. Die einstigen Krachmacher des French House sind merklich ruhiger und melodischer geworden, wie auch bei ihren Kollegen Daft Punk gibt es jetzt eine ordentliche Dosis Disco House. Das Album läßt sich schön angenehm hören, selbst ein Songtitel wie „Heavy Metal“ (Wtf ???) ist im Endergebnis ein eher ruhiges Lüftchen. Die Klasse ihres Debüt erreicht „Woman“ leider nicht, dafür klingt es einfach zu gefällig – mir gefallen die rauen, lauten Justice von früher einfach besser.
--->Fire --->Safe and Sound
the Neal Morse Band - The Similitude of a Dream (Radiant Records)

Bei Neal Morse schmückt in letzter Zeit der Zusatz „Band“ den Namen, was wohl dem Umstand geschuldet ist das er sowieso immer mit den gleichen Leuten zusammenarbeitet. Auch wenn betont wird das es sich um ein wirkliches Bandprojekt handelt ist eines im Vorfeld sicher: Wo Neal Morse drin (oder dabei) ist klingt es unweigerlich nach Neal Morse. Somit ist klar was den Hörer erwartet – nämlich Progressive Rock wie sie so in der Form nur von Neal Morse kommen kann. Für seine Verhältnisse geht es hier sogar richtig rockig zur Sache, die ein oder andere kitschige Passage hat sich auch mal wieder eingeschmuggelt (bei dem Christlichen Thema auch kein Wunder). Der Hörer wird direkt mal von der gesamten Wucht der Musik erschlagen, ist ja auch ein klassisches Konzept Doppelalbum – kommerzielle Radiotaugliche Musik gibt es hier nicht, auch wenn sich der ein oder andere Ohrwurmrefrain einschleicht (mehr Mainstream als bei „City of Destruction“ war bei Morse schon lange nicht mehr). Wenn man dem ganzen aber etwas Zeit gibt (das Album wächst mit jedem mal hören), man nicht so genau auf die Texte achtet und auch die etwas zu euphorischen Worte von Mike Portnoy im Vorfeld der Veröffentlichung vergisst (weil diese die Messlatte etwas zu hoch ansetzt) - ja dann kann man an diesem „ELP meets Genesis meets Rush meets King Crimson meets wasauchimmer“ Album durchaus Spaß haben, weil es wirklich gut klingt – man sollte aber Neal Morse generell mögen um zu diesem Urteil zu kommen.
--->City of Destruction --->the Man in the Iron Gage --->So far gone
Puh – das wars dann für dieses Jahr. Was war bei Euch so öfters im Player ? Was hat Eindruck gemacht, was hat enttäuscht ?




