Apocalypto

Filme abseits des Actiongenres mit Actionhelden (irgendwie so in der Art).
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Vince
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Beitrag von Vince » 15.07.2007, 16:46

Ich hatte kürzlich das ereignisreiche Vergnügen und wurde Zeuge eines Sleepers, der (trotz der Tapir-Jagd) relativ verhalten beginnt, im weiteren Verlauf das Publikum aber immer stärker in die Zange nimmt, ohne dass dieses zunächst mal davon etwas merkt - und wenn es die Umarmung dann endlich registriert hat, kann es sich nicht mehr daraus befreien. Es ist lange her, dass ich nicht ein einziges Mal auf die Uhr geschaut habe und so versunken war in eine andere Welt.
Ein großartiger Film. Die Vorwürfe, dass die Story nicht sonderlich intelligent sei, ist ohnehin redundant bei diesem Gegenstand. Freeman hat in der Kritik alles Wichtige gesagt; zur feinfühligen Art, wie im Hintergrund, ohne es je direkt zu zeigen, langsam der Maya-Kult demontiert wird; wie sich die naturalistischen Gore-Szenen absolut in den Inhalt schmiegen und wie jeder Kritiker, der sich an der Gewalt aufhängt, unmittelbar ins Fettnäpfchen treten muss. Wie die authentischen Schauspieler, in erster Linie Rudy Youngblood, ihre Sache mit Auszeichnung machen und wie sie dem Zuschauer Interesse für die Handlung abfordern. Und dann leider auch, wie der Score nicht ganz seine Möglichkeiten ausnutzt.

Kritisierbar ist des weiteren meines Erachtens der auffällige Parallelismus zu "Rambo" im letzten Viertel und die zum Teil überzogene Dämonisierug vereinzelter Maya-Stämmiger. Die Szenen, in der zukünftige Ereignisse "vorhergesagt" werden (der Traum, das kleine Mädchen), sind zumindest gewöhnungsbedürftig und wirkten auf mich ähnlich deplatziert wie die "Exorzisten-Kinder" in "Passion Christi". Aufgrund dieser Mängel entscheide ich mich dann doch für eine
:liquid8: , obwohl ursprünglich sogar ein Punkt mehr angedacht war.

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C4rter
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Beitrag von C4rter » 11.09.2009, 22:54

An "Apocalypto" hatte ich mich lange Zeit nicht herangetraut. Der Hauptgrund war wohl die Sprache, da der ganze Film in einer Maya-Sprache vertont ist und man so ständig Untertitel lesen muss. Aber als die UK-Blu-Ray dann für 8€ zu haben war, musste ich einfach zugreifen. Ich hatte viel gutes über den Film wie auch über die Blu-Ray gehört und war mehr als gespannt auf die Filmsichtung.
Die erste halbe Stunde ist zunächst vollkommen anders als gedacht. Zur Einführung der Charaktere wird ein Humor benutzt der beinahe "American Pie" Niveau hat. Da werden einem Jäger Tapirhoden angeboten weil er seine Frau nicht schwängern kann und dieser beißt natürlich herzhaft hinein während sich seine Freunde kaputt lachen. Gutmütig bietet ihm ein älterer Herr im Maya-Dorf besondere Blätter an die er sich vor dem Sex auf sein Gemächt reiben soll, dann würds schon hinhauen. Doch die Blätter sorgen hingegen für ein ordentliches Brennen in seinem Schritt wie auch im Mund der Frau. Hört sich alles wirklich komisch an, aber Mel Gibson ging hier offensichtlich den Weg zuerst einige möglichst spaßige und ausgelassene Szenen zu präsentieren, um die nachfolgenden 100 Minuten noch schockierenden wirken zu lassen. Denn nach der ca. 30 minütigen Einführung gibts bis zum Abspann rein gar nichts mehr zu lachen.
Stattdessen serviert Mel Gibson ein unheimlich packendes Action-Abenteuer in der faszinierenden Welt der Mayas. So überzeugend wurde diese Epoche und Kultur wohl noch nie präsentiert. Man fühlt sich stellenweise selbst wie im Südamerikanischen Urwald inmitten von dutzenden Mayakriegern.
Die Atmossphäre trägt viel dazu bei, dass der Film den Zuschauer zu fesseln weiß. Beim Herzstück des Films, einer langen Verfolgungsjagd quer durch den Dschungel zwischen dem Hauptdarsteller und einer Hand voll Jägern, beißt man nicht nur einmal die Zähne zusammen. Unglaublich packend dargestellt, toll gespielt und herausragend gefilmt, überzeugt dieser Teil des Films am meisten.
Aber auch der Rest des Films ist atmosphärisch dicht, Bildgewaltig und alles andere als ein langweiliger Historienschinken.
Alle Skeptiker sollten dringend einen Blick riskieren!

:liquid8:

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