Weisse Jungs bringen's nicht

Filme abseits des Actiongenres mit Actionhelden (irgendwie so in der Art).
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Vince
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Weisse Jungs bringen's nicht

Beitrag von Vince » 13.11.2005, 17:03

Weisse Jungs bringen's nicht

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Originaltitel: White men can't jump
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1992
Regie: Ron Shelton
Darsteller: Wesley Snipes, Woody Harrelson, Rosie Perez, Tyra Ferrell, Cylk Cozart, Kadeem Hardison, Ernest Harden Jr., John Marshall Jones, Marques Johnson, David Roberson, Kevin Benton, Nigel Miguel, Duane, Martin, Bill Henderson, Sonny Craver u.a.

Geschrieben am 24.08.2004

Sportkomödien sind meist sehr unauffällig, harmlos und daher nicht gerade Kassenmagneten, doch wenn man dann erstmals bei der Free-TV-Ausstrahlung hineinzappt, lassen sie einen nicht mehr los. Denn nicht selten bieten sie etwas, das den Big Budget-Events in der Regel abgeht: ein vom Alltag inspirierter Charme, die Nähe zum eigentlichen Leben.

Ron Sheltons "White Men Can`t Jump" von 1992 schliesst sich dem zweifellos an und erweist sich gleichzeitig als eine der besten Sportkomödien, was nicht zuletzt an dem ungleichen Team Snipes/Harrelson und den perfekt inszenierten Streetballeinlagen liegt.

Zum Inhalt: Billy Hoyle (Woody Harrelson) ist ein ganz Abgezockter: mit seiner Frau im Gepäck tingelt er durch die USA und grast sämtliche Street Courts ab, um sich auf Kosten anderer Spieler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei gibt er sich äußerlich als Vollidiot, denn so kann er den Vorteil der Unterschätzung seitens der Gegner gewinnen.
Eines Tages trifft er auf das Großmaul Sydney Dean (Wesley Snipes), Herr seines Platzes und auch Herr der großen Sprüche. Natürlich fällt er prompt auf Billys Masche rein und verliert all sein Geld an ihn. Da wittert Sydney schnell das große Geld: er will Billy zu seinem Partner machen und seine Unbekanntheit im Viertel für seine Zwecke nutzen. Ein neues Team ward geboren, doch leider kommt bald das leidige Privatleben in die Quere...

Vordergründig überzeugt das Spiel der beiden Protagonisten. Vor allem Harrelson bleibt im Gedächtnis als klassischer Verlierer, der zwar mit einem ausgeprägten Talent gesegnet ist, jedoch nicht weiß, wann er gewonnen hat; weder im Spiel noch in der Liebe.


An seiner Seite Rosie Perez, die eine wirklich interessante Figur geschaffen hat, wenn auch oftmals an der Grenze zum Overacting. Mal verständnisvoll, mal zickig, aber immer mit der vollen Portion weiblicher Logik gesegnet, überfordert sie regelmäßig Billys Gedankengänge. Auch als Zuschauer denkt man sich manchmal: hat die Alte einen an der Waffel?, und oftmals wird man sich (als Mann) an eigene Gespräche mit Frauen erinnert fühlen. Doch so ungern man sich das eingestehen will: irgendwann wird klar, dass sie die ganze Zeit über Recht hatte. Zusammen mit Billy steuert man dem nicht ganz so happy end entgegen, immer unter der Annahme, dass man ihr doch noch beweisen könne, dass man gewinnen kann. Doch manchmal sind die Gewinner eben die wirklichen Verlierer.


Auf der anderen Seite steht Sydneys Frau, die endlich aus dem Viertel raus will und ihren Mann dazu treibt, alles dafür zu tun, dass das klappt. So kommt es erst zu den Konflikten zwischen Sydney und Billy. Das Geld ist eben eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Freundschaft.

Um dieses Viergestirn spannt sich nun der Plot, der sich aber zunächst einmal dezent zurückhält zugunsten der sehr atmosphärischen Streetballgames. Unterstützt von Zeitlupenaufnahmen schafft Shelton authentische Bilder ohne übertriebene Spielzüge. Im Gegenteil, der Dunk, ein von Natur aus aufsehenerregender Abschluss eines Spielzugs wird hier in Frage gestellt. Die Diskussion gab es schon in der NBA, wo Larry Bird fragte, wieso man unbedingt immer mit Dunks abschließen müsse, wenn es auch einfacher ginge. Im Film drückt sich Billy um die Dunks und muss in seinem Ehrgeiz beweisen, dass er durchaus den Ball direkt ins Netz pressen kann, worauf er dann gleich sein ganzes Preisgeld setzt.

Weiterhin sind die Umstände der Spiele sehr abwechslungsreich. Zum Teil spielen Billy und Sydney gegen Teilzeitgangster, die sich nach der Niederlage eine Knarre besorgen, um alle kalt zu machen, dann gibt es Spiele gegen alternde Streetballegenden, die wieder in der Gegend aufgetaucht sind und auch Competitions mit Preisgeldern finden statt (hier auch einer der Brüller: als Billy ununterbrochen die Gegner beleidigt und dabei quasselt wie ein Wasserfall).

Die Abwechslung ist auch über die Grenzen des Basketballfeldes gegeben: so werden wir Zeuge von Glorias Auftritt bei Jeopardy, den ihr Billy durch ein riskantes Wurfspiel gesichert hatte.

Die Sache mit den Geldeintreibern will aber irgendwie nicht so ganz ins Bild passen. Hier riecht es ein bisschen nach Film, nicht nach einer Momentaufnahme aus dem Alltag.
Ansonsten ist die Grundstory allerdings meiner Meinung nach notwendige Vorraussetzung dafür, dass die eigentlichen Spiele so viel Power haben. Poker ist ja schließlich auch aufregender, wenn es um Geld gespielt wird.

Das Ende ist erfreulich hollywood-untypisch. Es gibt weder einen besonders glücklichen noch einen abgrundtief traurigen Ausgang. Eben so, wie es auch oft im Leben läuft. Plus und minus gleichen sich doch meistens aus.

"White Men Can`t Jump" bleibt ein visuell und handwerklich einwandfreier Film. Über die Qualität des begleitenden Plots mag man streiten können, aber ohne Zweifel wurde er intelligent mit den Sportszenen verknüpft, so dass sich beide gegenseitig bedingen. Das gut eingespielte Team Harrelson/Snipes (auch "Money Train") lebt richtig auf und trägt den Film nach Buddy-Manier quasi im Alleingang.

So gehen Sydney und Billy am Ende weiter ihren Weg und dürfen noch ein wenig über ihre Spielweisen diskutieren ("Wenn man eine Katze in den Ofen steckt, wird noch lange kein Keks daraus:"). Und sind die kleinen Dinge im Leben nicht das, was am Ende zählt?
:liquid8:

Eine recht ordentliche DVD gibt's aus dem Hause Fox - mit gutem Bild, vier Sprachen und ein wenig Bonusmaterial.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 14.11.2005, 00:20

Feines Review zu nem feinem Film.
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Beitrag von Carlito » 14.11.2005, 17:32

der Film rult. 8-)
und dein Review auch:wink:
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Re: Weisse Jungs bringen's nicht

Beitrag von Vince » 18.07.2023, 18:30

Inzwischen gibt es ja auch ein Remake. Kurze Meinung dazu:

Forscher haben mitnichten herausgefunden, dass sich die Sprungkraft weißer Männer in den letzten 30 Jahren um durchschnittlich einen Zentimeter pro Jahr verbessert hat. Wenn sie damals nicht springen konnten, können sie es immer noch nicht. Die Evolution ist da doch eher Igel als Hase. Deswegen muss das Remake einer immer noch charmanten Ron-Shelton-Sportkomödie der 90er weiterhin den Titel „White Men Can't Jump“ tragen - obwohl es eigentlich Gegenteiliges propagiert.

Dass es Weiße auf dem Basketballplatz, beim Rap-Battle oder in einer sonstigen schwarzen Domäne nicht bringen würden, sei nämlich ein längst überholtes Vorurteil, an das in der heutigen Zeit des bunten Miteinanders ohnehin keiner mehr glaube. An diese These jedenfalls klammert sich die Neuauflage, indem sie einen ausgelatschten Story-Schuh unter neuen Bedingungen noch einmal aufträgt und versucht, ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. Klingt theoretisch einleuchtend. Dumm nur: Wenn sich ja ohnehin niemand mehr von der Rookie-Montur des Weißbrots aufs Glatteis führen lässt, kann man das ganze Originalkonzept im Grunde in die Tonne kloppen.

Der mit allerhand Rappern, Tänzern und Models vollgestopfte und mit kiloweise Outsider-Mode dekorierte Turnierfilm hat jedenfalls enorme Schwierigkeiten damit, die Gesetze der Straße von 1992 auf das Jahr 2023 abzubilden. Wo Ron Shelton dank der blendenden Chemie zwischen Woody Harrelson und Wesley Snipes ein ungemein lockerer Streifen von der Hand ging, der jenseits des Platzes auch mal ganz schön kantig wurde, verkrampft das Remake schon bei dem Gedanken an handfeste Konflikte, so dass er eigentlich permanent in der 2-Punkte-Komfortzone verharrt.

An der Hauptbesetzung liegt es nicht unbedingt; gerade Jack Harlow hätte sich als Nachfolger Harrelsons mächtig in die Nesseln setzen können, zumal der hauptberufliche Rapper eher am Anfang seiner Schauspielkarriere steht. Er meistert den schmalen Grat zwischen linkischem und abgezocktem Auftreten aber unerwartet souverän und weiß sogar individuelle Eigenarten in die Rolle einzubringen, die sie von etwaigen Klischees wegtreiben. Doch bereits Sinqua Walls, der grundsätzlich ebenfalls solide agiert, leidet unter den kläglichen Versuchen, Reibungen ins Skript einfließen zu lassen, indem ihm ein Aggressionsproblem unterstellt wird, das dann aber nicht etwa sorgsam aufgearbeitet wird, sondern eher in den Pointen eines flachen Gags für die Quote versandet. Noch viel schlimmer hat es die Damen getroffen: Während Tyra Ferrell und vor allem Rosie Perez im Original dafür sorgten, dass man das Dilemma der Basketballer zwischen Spiel und Liebe schmerzhaft zu spüren bekam, kommen Teyana Taylor und Laura Harrier kaum über dekorative Zwecke hinaus. Und wegen Lance Reddick in einer seiner letzten Rollen muss man auch nicht zwingend einschalten, bleibt er doch wie die Damen ohne wirklichen Impact auf den Ausgang der Geschichte.

Sicher, die Matches sind dynamisch gefilmt (besonders die letzten während des Turniers), bei der traumhaften Kulisse möchte man auf der Stelle Urlaub in Kalifornien machen und jedes einzelne der getragenen Shirts und Hoodies hinterlässt einen fetten Print auf der Netzhaut, aber das ist ja genau das Problem mit ablenkenden Oberflächen: Sie sagen noch lange nichts darüber aus, was sich hinter ihnen verbirgt. Bei Woody und Wesley war es eben mehr, hier ist es weniger.
:liquid4:

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Re: Weisse Jungs bringen's nicht

Beitrag von SFI » 25.05.2026, 15:08

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Re: Weisse Jungs bringen's nicht

Beitrag von Vince » 28.05.2026, 16:58

Ist das ein Gelegenheitsfoto oder soll das ein Teaser für ein kommendes Sequel sein?

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Re: Weisse Jungs bringen's nicht

Beitrag von SFI » 28.05.2026, 17:18

Gute Frage. Gehört habe ich zu einem Sequel nichts.
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