Scary Movie 4
Originaltitel: Scary Movie 4
Produktionsjahr: 2006
Regie: David Zucker
Darsteller: Anthony Anderson, Craig Bierko, Anna Faris, Carmen Electra, Chris Elliott, Regina Hall, Kevin Hart,
Charlie Sheen,
Michael Madsen u.a.
Die Scary Movie Filmreihe gehörte von Anfang an schon immer eher zum Bodensatz des Komödiengenres. Schon Teil I verhob sich an dem Konzept aktuelle Horrorfilme zu persiflieren, was vor allem daran lag, dass die Filme, die man verballhornte, sich selbst schon einmal gar nicht ernst nahmen, ihr Sujet ironisch aufbrachen und einen megaschwarzen, immer gelungenen Humor in das blutige Treiben hineinbrachten. Das war den Wayans Brüdern, den Schöpfern der Scary Movie Reihe, wohl vollkommen entgangen, was eine nur leidlich witzige Verarsche aktueller Blockbuster wie Scream und Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast zur Folge hatte. Bei Teil zwei griffen die Wayans Brüder dann vollkommen ins Klo und zwar im wahrsten Sinne des Wortes und präsentierten einen geschmacklosen Pippi-Kacka-Kotz Reigen der witzlosesten und peinlichsten Art. Dafür wurden sie dann an den Kinokassen auch ordentlich abgewatscht und die produzierenden Dimensionstudios beschlossen, das Franchise in komödienerprobtere Hände zu legen. David Zucker, gottgleicher Held hinter Kracherchaoskomödien wie Die Nackte Kanone oder Hot Shots, sollte das Unternehmen Scary Movie 3 auf die richtige Spur bringen. Leider scheiterte auch er ziemlich grandios, indem er Eminems ohnehin schon megaloligen Filmeinstand 8 Mile zu einem Haupthandlungsstrang erkor und ihm so gut wie keinen einzigen Witz entlockern konnte. Retter in der Not wurden die Zuckerkoryphäen Leslie Nielsen und vor allem Charlie Sheen, dessen Signs Handlungsstrang hervorragend funktionierte und der den grenzdebilen, halbwegs geschmackssicheren Humor transportierte, der Zucker einst berühmt gemacht hatte. Es ging also offensichtlich wieder aufwärts mit dem Franchise, Grund genug also, sich auf den neuesten Erguss zu freuen ...
Hier mutiert Cindy nach den Ereignissen in Scary Movie III zu einer Profiboxerin, bei deren letztem Kampf ein Fehlschlag ihrerseits eine Kette unglücklicher Ereignisse auslöst, was das Ableben einer großen Anzahl von Menschen zur Folge hat. Nach diesem Fiasko sucht Cindy nach neuen Betätigungsfeldern und wird bei einem Altenpflegedienst fündig. Kaum eingestellt, erhält sie einen ersten Auftrag in einem scheinbar verfluchten Haus. Glücklicherweise stellt sich ihr Nachbar Tom als anhimmelungswürdiger Kerl heraus, was die unheimlichen Stunden in dem verfluchten Haus zumindest ein wenig angenehmer macht. Tom arbeitet als Kranführer und lebt getrennt von Kind und Kegel. An dem kommenden Wochenende soll er auf die bei seiner Ex lebenden Kinder aufpassen, was sich als sehr schwierig herausstellt, da zeitgleich ein paar Tr-IPODS versuchen, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Also schnappt er sich seine Kinder und begibt sich nach einer traurigen Trennung von Cindy auf die Flucht vor der Gefahr. Cindy ihrerseits versucht derweil in einem ewig gestrigen Dorf herauszufinden, was der Fluch, der auf dem Haus ihrer ihr anvertrauten alten Lady lastet, mit der außerirdischen Invasion zu tun hat. Währenddessen beleidigt der US-Präsident in einen Rundumschlag alle Vertreter der UN Vollversammlung, um ihnen kurz darauf ihre Kleidung vom Körper zu schießen ... Was der Saw Killer mit der ganzen Angelegenheit zu tun hat, könnt ihr in einem Kino eurer Wahl herausfinden.
Wie man sieht, ist die Auswahl der zu verballhornenden Filme diesmal recht prominent geraten: Saw, Village, The Grudge, Krieg der Welten, Million Dollar Baby und auch Brokeback Mountain bekommen ihr Fett weg. Diese Filmauswahl lässt zunächst auch frohlocken, kamen doch alle Filme megaernst daher und boten damit Angriffspotential hoch zehn. Das Ergebnis ist dann erschreckend unlustig. Zunächst einmal funktionieren die beiden Haupterzählstränge aus Krieg der Welten und The Grudge anfänglich hervorragend und es setzt ein paar wirklich gelungene Gags. So bekommen in beiden Persiflagen vor allem die Kinder (die Nervgören, die mir fast den Krieg der Welten zerstört haben und der kleine Junge aus dem verfluchten The Grudge Haus) ordentlichst ihr Fett weg, was mein kinderfreundliches Herz wahrlich frohlocken ließ. Doch ungefähr nach 30 Minuten gehen die Ideen und damit das Tempo komplett aus. Man lanciert Michael Jackson Witze, Anhony Anderson darf "witzeln" und schlimmer noch: die zunächst nur angedeuteten Fäkalwitze brechen sich unvermittelt Bahn und stürzen dünnpfiffartig immer wieder über den Zuschauer herein. Auch funktionieren die anderen eingewobenen Filmpersiflagen nicht richtig. The Village funktioniert zu keiner Sekunde, der Saw Abschnitt ist grausam ... unlustig und Anthony Anderson, der "witzigste" unter den fetten schwarzen "Komikern" darf die Brokeback Mountain Parodie wirklich vollkommen versemmeln! Die einzige Persiflage, die durchgehend funktioniert, ist der Million Dollar Baby Part, weil hier der komplett irre Witz von Zucker unvermittelt und wie zu alten Nackte Kanone Zeiten im Lachzentrum des Zuschauers explodiert. Genau wie in allen Abschnitten mit Leslie Nielsen, in denen vor allem George Bush ordentlichst vor den Karren gefahren wird und zwar auf megagiftige Art und Weise! Dennoch können diese Abschnitte nicht mehr viel reißen. Auch die groß angetrailerte Tom Cruise Verarsche entpuppt sich als kompletter Rohrkrepierer, bei dem man sich wirklich fragt, wieso man den überhaupt noch in den Film eingebunden hat, platzierte man ihn doch losgelöst von JEDER Handlung am Ende des Filmes ...
Die Darsteller tragen dazu auch einen ordentlichen Teil bei. Anna Faris und Graig Bierko trifft dabei allerdings keine Schuld. Beide machen ihre Sache sehr gut und vor allem Bierko ist geradezu formidabel als Tom Cruise Klon. Und die Faris wirkt mit ihrer töffeligen Art und ihren immer wieder brüllkomischen nichtssagenden Blicken richtig niedlich. Über Schwachmaten wie Anthony Anderson, den Nasepopelrichtiglangziehtypen, dessen Darsteller schon in der zwei als Butler für die absoluten Ekeltiefpunkte sorgen durfte, oder Cindys immergeile Freundin Brenda breite ich mal lieber den Mantel des Schweigens. Vor allem die Brendadarstellerin Regina Hall zieht das Niveau mit ihrem Auftauchen knietief in den Dreck und nervt wie in allen Teilen vorher auch. Angenehm fallen die Gastauftritte von Bill Pullman in William Hurts Village Rolle und Mike Tyson als Boxgegnerin von Cindy auf. Die wahren Highlights aus Sicht unserer Seite setzen aber die Auftritte von Charlie Sheen und Michael Madsen. Charlie Sheen muss dabei mit den Folgen einer Überdosis Viagra kämpfen und macht dabei auch mal so eben die Grudge Mietze kaputt. Er hat dabei die Rolle inne, die Bill Pullman in Grudge ausfüllen durfte und man wünscht sich mit weiterem Voranschreiten der Handlung geradezu, dass er noch mal auftreten möge, denn Sheen ist für derartige Auftritte wie geschaffen, was er ja in Hot Shots hinreichend bewiesen hat. Vor allem, weil er eben den ausdruckslosen Blick, den Zucker gerne zum Konterkarieren der derbsten Gags nutzt, bis zur Perfektion beherrscht und in seinem fünfminütigen Auftritt für ordentlich Stimmung sorgt. Michael Madsen kommt die Rolle von Tim Robbins in Krieg der Welten zu und er macht daraus ... NICHTS! Nach dem wahnwitzigen Auftritt von Madsen in Zuckers Partyalarm konnte man hier wahrlich Großes erwarten, vor allem in DIESER Rolle, doch ein einziger Wortgag ist alles, was er in 30 Sekunden Screentime machen darf! Welch eine Verschwendung.
Humor ist, wenn man trotzdem lacht ... doch manchmal bin ich wirklich stolz, keinen Humor zu haben und es mir daher erlauben darf, ungerührt in einer Kinovorstellung zu sitzen. Neben ein paar erstaunlich guten Effekten muss ich dem Film allerdings zugute halten, dass er nach Scary Movie II und III ein weiterer Schritt in die richtige Richtung ist ... von einem guten und vor allem witzigen Film ist er aber noch meilenweit entfernt.
In diesem Sinne:
freeman