
Originaltitel: Holes
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2003
Regie: Andrew Davis
Darsteller: Sigourney Weaver, Jon Voight, Patricia Arquette, Shia LaBeouf, Tim Blake Nelson, Khleo Thomas, Jacob Smith, Byron Cotton, Brenden Jefferson u.a.
Stanley Yelnats (Yelnats = Stanley rückwärts gelesen) ist nicht gerade vom Glück begünstigt. Als er eines Tages seinen Heimweg von der Schule entlang schlendert, fällt ihm auf einmal ein paar Turnschuhe auf den Kopf. Er denkt sich nichts Böses dabei und will sie mit nach Hause nehmen, arbeitet doch sein Vater an einem Mittel gegen Stinkefüße und kann dafür jeden Schuh gebrauchen, den man auftreiben kann. Seltsamerweise wird Stanley kurz danach von ein paar Cops gestellt. Stanley landet vor einem Gericht und wird wegen Schuhdiebstahls verurteilt! Er hat die Wahl zwischen Jugendgefängnis und einem Erziehungscamp namens Green Lake. Stanley wählt das Erziehungscamp irgendwo in der amerikanischen Einöde. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll. Denn in diesem Camp stimmt etwas absolut nicht. Unter menschenunwürdigen Bedingungen müssen hier die Insassen ein 1,5 Meter breites mal 1,5 Meter tiefes Loch nach dem anderen graben, weshalb die ganze Umgebung rund um Green Lake ausschaut wie eine Kraterlandschaft. Warum man die Löcher graben muss, wieso ein Paar Schuhe ins Gefängnis führen kann und was Kissing Kate mit dem Ganzen zu tun hat, das erfährt man nur, wenn man sich das Geheimnis von Green Lake zu Gemüte führt ...
Ich denke, man ahnt es schon. Das Geheimnis von Green Lake ist in seiner Grundidee und den vermittelten Werten um Freundschaft, die Wichtigkeit der Familie und des sich nicht Verbiegen Lassens ein reinrassiger Kinderfilm, mit allen zugehörigen Ingredienzien. Als da wären das schräge, klar in Gut und Böse unterteilte Figureninterieur, in dem vor allem die Erwachsenen gnadenlos überzeichnet werden (Grandios: Jon Voight als Mr. Sir, leider komplett fehlbesetzt: Sigourney Weaver), jugendliche Identifikationsfiguren aller Couleur (die Kinderdarsteller spielen die alteingesessenen Darsteller mühelos an die Wand), eine fantasievoll erzählte Geschichte, ein interessanter Schauplatz (der für schöne Bilder sorgt und die triste, sehr ausgeblichen wirkende Optik weitgehend mitbestimmt) und der kindgerechte Humor. Doch diese scheinbare Ausrichtung auf ein kindliches Publikum täuscht. Denn im Grunde hat sich Andrew Davis mit seinem Film nach einem Buch von Louis Sachar so ziemlich zwischen alle Stühle gesetzt. In der Summe seiner Teile (abseits von der Haupthandlung und der Grundidee) liefert der Film nämlich einige Elemente, die für einen reinen Kinderfilm deutlich zu komplex daherkommen und schon einmal Themen lancieren wie Lynchmorde, Rassenhass, Vergeltungsmorde, Gewalt gegen Kinder und Gewalt als Konfliktlösungsmittel, die obendrein nicht hinterfragt oder erklärt werden, was in gemütlicher Runde mit den kleinen Scheißern Einiges an Klärungsbedarf aufwerfen dürfte. Auch inszenatorisch ist Green Lake weit davon entfernt, ein Kinderfilm zu sein. Viel zu verschachtelt ist seine Erzählweise, die in immer mehr Nebenhandlungssträngen immer mehr Informationen aufbietet, die man zwar für das große Ganze braucht, die sich in ihrem ganzen Umfang einem jungen Publikum allerdings niemals gänzlich erschließen werden. Zwar rät der Film am Ende, dass man eventuell vorhandene Löcher (im Plot) nun selbst zuschaufeln müsse, allerdings wird das Otto Normal Kind diesen Ratschlag wohl kaum noch mitbekommen, da der Film obendrein mit einer beachtlichen Laufzeit von 120 Minuten für ein junges Publikum einfach viel zu lang ist. In seiner ruhigen Erzählweise erlaubt der Film zusätzlich erst nach ca. einer Stunde einen rudimentären Blick auf das große Ganze und lässt sich auch danach nicht allzu oft in die Karten schauen. Das erfordert sehr viel Geduld beim Publikum, wird der Film doch die meiste Zeit über bloße Charakterentwicklung und Alltagsbeschreibungen des Lebens im Camp getragen. Dieser Filmaufbau dürfte daher für das eigentlich anvisierte Publikum (immerhin produzierte Disney!!!) alles andere als sonderlich erbaulich sein. Auch die eingewobene Geschichte um Kissing Kate, die einfach nur als wunderschön bezeichnet werden kann, einige anrührende Momente besitzt und mit einer toll aufspielenden Patricia Arquette einfach herrlich stimmig besetzt wurde, wird im Großen und Ganzen wohl nur von einem erwachsenen Publikum gewürdigt werden können. Langer Rede kurzer Sinn: Sollte man Das Geheimnis von Green Lake als reinen Kinderfilm aburteilen, würde man dem Film absolut nicht gerecht werden. Vielmehr ist er ein Film für die ganze Familie und in Selbiger sollte er - der Kinder zuliebe - auch geschaut werden, da man hier unmittelbar helfen kann, Lücken zu schließen, um so das Interesse für dieses Kleinod erhalten zu können.
Denn das lohnt sich definitiv. Die Geschichte ist einfach zu schön, die vermittelten Werte zu wichtig und die Rückblenden um Kissing Kate einfach zu herzerwärmend tragisch, als das man diesen Film verpassen sollte. Und vor allem seine ruhige, angenehm leise, leicht skurril angehauchte und zurückhaltende Erzählweise heben ihn auf erfrischende Art und Weise von den sonstigen, meist hyperaktiven Disneykinderfilmspektakeln a la Flubber, Inspektor Gadget und Co. ab.

Die DVD von Walt Disney / Buena Vista ist ab 6 Jahren freigegeben, sei allerdings eher einem Publikum ab 10 Jahren ans Herz gelegt.
In diesem Sinne:
freeman



