
Technische Daten:
Vertrieb: Metal Enterprises
Laufzeit: 39:42 Min.
Tracks: 10
Besetzung
Gesang: Kevin Russel
Bass: Stephan Weidner
Gitarre: Matthias „Gonzo“ Röhr
Schlagzeug: Peter „Pe“ Schorowsky
Trackliste:
1. Kneipenterroristen
2. Religion
3. Lack + Leder
4. So sind wir
5. Tanz der Teufel
6. 28
7. Guten Tag
8. Nie wieder
9. Freddy Krüger
10. Ein guter Freund
Ende der 80er hatten es die „Böhsen Onkelz“ wirklich nicht leicht, von der Presse immer noch übel als Nazi-Band beschimpft, mit dem Chef ihres Labels, der auch gleichzeitig ihr Produzent war übel zerstritten, weil der sie als Rechtsrock-Band vermarkten wollte, die Onkelz da aber nicht mitspielten. Überhaupt war Ingo Nowotny dabei sein Label „Metal Enterprises“ zum Rechtsrock-Label umzufunktionieren, ganz im Stil des früheren Onkelz-Labels „Rock-O-Rama“. Auch hatten die Onkelz scheinbar unter schlechtem Management zu leiden, so gab es zu diesem Album weder eine Tournee noch wenige einzelne Konzerte. Unterdessen waren die Onkelz auf der Suche nach einem neuen, ordentlichen Label, da sie nun schon zum zweiten Mal mit der Wahl ihres Arbeitgebers auf die Schnauze gefallen waren. Doch es gab einen Vertrag mit „Metal Enterprises“ für ein weiteres Album, nach „Kneipenterroristen“, zudem verlangten fast alle Labels die sie anfragten entweder eine Namensänderung oder Gesang in englischer Sprache, was glücklicherweise jedoch vehement abgelehnt wurde. Diesen ganzen Problemen zum Trotz veröffentlichte man 1988 das 5. Studioalbum, „Kneipenterroristen“.
Song Nummer 1 ist hier genau wie beim Vorgängeralbum, „Onkelz Wie Wir“ der Namensgeber des Albums. Und ebenso ist dieser Song geprägt von Selbstironie, das Lied handelt von der Zeit, in denen die Onkelz recht häufig in Schlägereien verwickelt waren bzw. alle paar Tage stockbesoffen waren. Das Lied avancierte zu einem regelrechten Onkelz-Klassiker und wurde nicht selten auf Konzerten gespielt. Anschließend folgt das Lied „Religion“, ein weiterer Onkelz-Titel der sich kritisch mit der Religion auseinandersetzt, ist hier der Text zwar noch nicht so heftig wie im späteren „Kirche“, dennoch dürfte das Vehikel der Kirche nicht wirklich zusagen, gerade weil hinter dem Text auch recht viel Wahrheit steckt. Anschließend bekommen wir es mit „Lack & Leder“ zu tun, für mich ein klassischer Lückenfüller, ganz nett bleibt aber nicht wirklich in Erinnerung.
Nach einem kleinen Lückenfüller folgt dann aber einer der Kracher des Albums, „So sind Wir“, in dem die Onkelz selber mal wieder das Thema sind, in dem Lied kommt zum Ausdruck dass es für die Jungs damals einfach nichts schöneres gab als Musik zu machen und sie in der Band eine Menge Spaß hatten. Auch entleiht man sich hier eine Textzeile aus dem zweiten Onkelz-Album, „Böse Menschen – Böse Lieder“: „Böhse Menschen, böse Lieder, Böhse Onkelz immer wieder“. So ist das Lied eines der lockersten in diesem sehr düster gehaltenem Album. Was gibt es schöneres als ein Onkel zu sein? Als nächstes serviert man uns den „Tanz der Teufel“, welches sich auf den gleichnamigen Film von Sam Raimi bezieht. Für mich nichts weiter als ein weiterer Lückenfüller, dennoch aber nett anzuhören aber nichts besonderes.
Und schon sind wir beim Instrumental angelangt, „28“, sehr düster und beängstigender Song, der der alten Wohnung von Kevin Russell in der Weberstraße 28 gewidmet ist, in der die Onkelz in frühen Jahren „gehaust“ haben. Das Riff in dem Song lehnt sich an das „Metallica“-Instrumental „The Call of Ktulu“ an. Gonzo und Pe haben hier definitiv ein besseres Instrumental geschaffen als noch auf „Onkelz wie Wir“ so bekommen wir hier einige schöne Riffs geboten, alles in allem ist das ganz ordentlich.
Als nächstes steht das absolute Highlight der Platte an, „Nie Wieder“, in dem die Onkelz von Freunden erzählen, die im Knast sitzen und es wird klar, die Onkelz haben etwas aus ihrem Leben gemacht und wollen nie, nie wieder dahin zurück wo sie herkommen, nämlich auf die Straße („Nie wieder letzter sein“). Musikalisch sowie textlich ein Meisterwerk, das zum nachdenken anregt, zugleich einer der Onkelz-Songs die mich am meisten berührt haben. Danach besingt man einen weiteren Kultfilm bzw. Kultfigur, Freddy Krueger aus „A Nightmare on Elm Street“, in dem man neben „Tanz der Teufel“ ein weiteres dunkles Horrorbild zeichnet . Als Abschluss gibt es „Ein Guter Freund“, hierbei handelt sich es um ein Cover von einem Lied aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“, alles natürlich in Rock-Gewand getaucht und mit typischem Onkelz-Stil angereichert.
Fazit: „Kneipenterroristen“ ist sicherlich nicht das beste Onkelz-Album, was wohl zu einem Großteil an den Problemen lag, die die Onkelz in dieser Zeit umgeben haben. Die Texte sind sehr düster gehalten, beinhalten auch kritische Ansätze, kommen aber abgesehen von „Nie wieder“ keinesfalls an spätere Onkelz-Texte ran. War das Vorgängeralbum noch eher Hard Rock ist „Kneipenterroristen“ ganz klar dem Metal zuzuordnen, was vor allem an Matthias Röhr liegt, der sich ganz klar vom damaligen Heavy Metal inspirieren ließ, so gibt es hier ein sehr ordentliches Instrumental und auch sonst sehr ausgeprägte Instrumentalteile. Der Sound ist immer noch recht mäßig, aber geht ihn Ordnung, das Problem des schlechten Sounds hat man zum Glück mit dem Nachfolgeralbum „Es ist soweit“ endgültig aus der Welt geschafft. Eines der schwächeren Onkelz-Alben, mir jedoch immer noch
