
Infos:
Release: Original: 05.1986 // Remastered: 08.2002
Website: Peter Gabriel.com
Band:
Peter Gabriel - Gesang, Synthesizer, Klavier
Tony Levin - Bass
David Rhodes - Gitarre
Jerry Marotta - Schlagzeug
Manu Katché - Schlagzeug
Tracklist:
1. Red Rain
2. Sledgehammer
3. Don't Give Up
4. That Voice Again
5. Mercy Street
6. Big Time
7. We Do What We're Told (Milgram's 37)
8. This Is The Picture (Excellent Birds)
9. In Your Eyes
Kritik:
So", was für ein Titel. Er wird der Musik in keinster Weise gerecht, man könnte das Album aber auch nicht besser benennen.
Nach den 4 unbetitelten Soloalben und dem Soundtrack zu Birdy kam "der Meister" mit diesem Album entgültig zu Weltruhm. Grösstenteils ist dies natürlich dem Hit "Sledgehammer" zu verdanken, der nicht nur damals sondern auch noch heute in Bars, Clubs und dem Radio gespielt wird. Meiner Meinung nach spiegelt der Song aber nur eine Hälfte des Albums wider und entfalltet niemals das komplette Potential.
Eher mit dem Opener "Red Rain" zeigt Peter Gabriel sein vollstes Können. Phänomenaler Aufbau, geniale Basslinien und ein Gesang der unter die Haut geht. Das Lied hat sich immer mehr in meinen Kopf geschlichen und ist mein absoluter Gabriel-Lieblingssong. Auch der Text ist (wie vielfach bei ihm) etwas kryptisch, verworren aber doch faszinierend. Entsprungen aus einem Traum ist er auch als Metapher zu Saurem Regen sichtbar und somit teilweise ein Protestsong. Musikalisch bietet der Track auch unglaublich viel, denn typisch Gabriel hört man immer wieder neue Klänge im Hintergrund. Wenn beim ersten Hördurchgang meistens nur die Hauptmelodie auffält, entfalten die Songs bei weiterem Geniessen ihre Tiefe und Klangdichte. Überall sind weitere Instrumente und Soundtupfer zu vernehmen.
Weiter geht es mit dem erwähnten Superhit, dann kommt das tieftraurige, gleichzeitig auch mutmachende "Don't Give Up". Hier konnte Gabriel zum zweiten mal ein Lied mit Kate Bush aufnehmen, die (wie soll es auch sonst sein) ihren Part vorzüglich singt. Auch noch heute kann dieser Song sowohl auf Platte als auch live überzeugen und geht jedem tief ans Herz.
Auch Tracks wie "We Do What We're Told" (mit Phil Collins als Gastdrumer) oder "Mercy Street" könnte man nicht schöner machen, trotzdem gibt es nebst "Sledgehammer" ein paar Songs die nicht auf voller Linie überzeugen. "Big time" ist einfach zu poppig, "This Is The Picture" zu quer. Mit dem Schlusssong "In Your Eyes" wird dann alles wieder zum Guten gedreht, live wird der Track aber leider zu einem 11-minütigen Monster ausgebaut und etwas plattgewalzt.
Anhand dieser kurzen Einblicke wird ersichtlich, dass Peter Gabriel sich mit diesem Album am Scheideweg befand. Die eine Hälfte der Titel sind dem reinen Pop und seiner (teilweise vorherrschenden) Belanglosigkeit anzurechnen, die Andere markieren den Weg in Richtung Soundexperimente und Klangwelten ohne Kompromisse. Und wie wir heute wissen, wählte der Meister - zum guten Glück - den zweiten Weg. Das Album ist somit eher als Zwischenwerk zu betrachten und daher auch ein etwas unentschlossenes Werk. Eine schlechte Wertung bleibt dem Werk aber vor allem dank "Red Rain" und "In Your Eyes" verwehrt, stellen diese Songs doch Highlights in seinem Katalog dar.
Das Album ist somit nicht ganz so perfekt wie "3" oder "4", aber immer noch eine sehr gutes Werk zu dem auch der etwas unschlüsige und beiläufige Titel perfekt passt. Musikalisch ist die Produktion sowieso über alle Zweifel erhaben, schückt sich Gabriel auch hier mit den Königen des Faches. Bassgott Tony Levin darf ihn auf jedem Lied begleiten, Manu Katché bearbeitet auf seine typische Art die Felle und David Rhodes gibt sein Können auf den sechs Saiten zum Besten. Auch gibt es wie jedes Mal eine fette Liste mit Gastmusiker, darunter auch Persönlichkeiten wie Youssou N'Dour, L. Shankar oder Daniel Lanois.
Ein handwerklich sehr hochwertiges Album, welches man immer wieder gerne in den Spieler legt aber leider auch ein paar Lieder aufweist die zum Skippen anregen.
