[CD] Steven Wilson - the Future Bites

Eindrücke, Klangchecks aktueller aber auch älterer Scheiben im Review. Dazu Musik DVDs und Konzertberichte ...

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[CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von gelini71 » 31.01.2021, 12:07

Bild
2021 Caroline Records / Universal

Titelliste
01. Unself 1:05
02. Self 2:56
03. King Ghost 4:06
04. 12 Things I forgot 4:43
05. Eminent Sleaze 3:53
06. Man of the People 4:42
07. Personal Shopper 9:49
08. Follower 4:39
09. Court of Unease 6:08
Gesamtlaufzeit: 42:01

Besetzung
Steven Wilson: Gesang, Keyboards, Bass, Gitarren, Sampler, Drum Machine, Fender Rhodes, Kurzwellenradio
Adam Holzman: Keyboards (Track 8) Electric Piano (Track 5)
Nick Beggs: Bass, Chapman Stick (Track 5 + 7)
Michael Spaerman: Schlagzeug (Track 2, 4, 7)
David Kosten: Synthesizer
sowie jede Menge Backgroundsänger

Gäste
Sir Elton John: Vocals bei „Personal Shopper“
Richard Barbieri: Keyboards bei „Self“
London Session Orchestra: Streicher bei „Eminent Sleaze“

Aufgenommen im Muttley Ranch Studio und im Snap Studio

Produziert von Steven Wilson und David Kosten
Mastering by Bob Ludwig

VÖ-Datum: 29.01.2021

Band raus <> Elektronik rein – Rock weg <> Pop da – Kommerz kritisieren <> Kommerz praktezieren

Steven Wilson ist ein Mensch der sowas wie der lebende Widerspruch ist. Da wäre z.B. seine große Hasstriade zum Musikdateiformat MP3 allgemein und zu Apples I-Pod im besonderen – gleichzeitig bietet er seine Musik in diesem Format zum Kauf an und ist auch im I-Tunes Store zu finden. Oder Soziale Netzwerke die seiner Meinung nach unnötig sind – unterhält er aber trotzdem ein Konto bei Facebook, Twitter, Instagram und TicToc wo er auch private Fotos und Filme postet. Mit der Veröffentlichung von „the Future Bites“ kommt ein weiterer Widerspruch in Wilsons Leben dazu, ist dieses Album ein Konzeptalbum zum Thema Konsum, über die bösen Konzerne die den Verbraucher immer wieder dazu verführen Dinge zu kaufen die man (theoretisch) gar nicht braucht. In einer Aufzählung dieser Dinge im Song „Personal Shopper“ fallen dann Worte wie Deluxe Box Sets oder 180 Gramm Vinyl Reissues, dabei ist es gerade Steven Wilson der mit solchen Dingen in der Vergangenheit kräftig Kasse gemacht hat. Jedes seiner Alben kam neben einer normalen Version auch in einer teueren Special Edition, dazu noch diverse Vinylsonderfarben je nach Händler. Das er seinen reichhaltigen Backkatalog immer wieder „New Remastered“ auf den Markt wirft, er Sondereditionen zum Record Store Day rausbringt oder Super Limitierte Tonträger exklusive über seine Webseite verkauft läßt bei solch einer Aussage den ein oder anderen Fan dann doch etwas die Stirn runzeln....

Das ist Ironisch gemeint, die Leute verstehen meinen zynischen Humor nicht sagt Wilson dann auch Sinngemäß in den Interviews die es zur Veröffentlichung in diversen Puplikationen zu lesen gibt – schließlich wird die besagte Aufzählung der unnötigen Dinge im Song „Personal Shopper“ von niemand geringeren als Sir Elton John gemacht und der ist ja als Hardcore Shoppingopfer bekannt.
Diese Interviews wirken auf mich persönlich teilweise wie Schadensbegrenzung – wenn ein Künstler anfangen muß seinen Fans seinen Humor zu erklären ist irgendetwas schief gelaufen.

Etwas mehr als 30 Jahre ist Wilson jetzt aktiv im Musikgeschäft und seine Karriere ist mehr als beeindruckend. Vom talentierten Teenager der im Kinderzimmer erste Songs zusammen komponiert hat hin zum Internationalen Star. Der Erfolg kamm ganz langsam und in kleinen Schritten, ohne großes Marketing Konzept oder ähnlichen. Wilsons Erfolg beruht auf Mundpropaganda und Empfehlungen von Freunden. Im Jahr 2021 ist Steven Wilson schon sowas wie ein Big Player, zwar keiner der jetzt laufend im Radio gespielt wird und der bei der breiten Masse immer noch unbekannt ist aber durchaus eine Größe mit einer großen, langjährigen und sehr treuen Fanschar sowie einem Majorplattenvertrag im Rücken.

Gleichzeitig befindet er sich in einem großen Dilemma – langjährige Fans haben mittlerweile ein Problem mit seinem Musikalischen Kurs der sich immer wieder geändert hat. Er will sich als Künstler weiterentwickeln und nicht immer das gleiche machen, doch genau damit haben einige Fans seit einiger Zeit ihre Probleme. Denn die wünschen sich den Wilson aus der Porcupine Tree Zeit zurück was wiederum er nicht will. Kein Fanservice sondern neue Sounds, neue Einflüsse, alles anders.
Wilson befindet sich da übrigens in guter Gesellschaft, Kollegen wie Coldplay oder Depeche Mode haben das gleiche Problem mit ihren Fans und der Spruch „die alten Sachen waren besser“ gehört von nun an auch in sein Leben.

Musikalisch war und ist Wilsons Musik ein bunter Gemischtwarenladen, bekanntlich sind seine Musikalischen Wurzeln sowohl Abba als auch Pink Floyd. Sein Musikalisches Spektrum ist groß, von Elektronica und sowas ähnlichen wie House und Techno über Popmelodien bis hin zu harten Gitarrenklängen oder auch Jazz Elementen war in Wilsons Musik immer alles zu finden – nur halt unterschiedlich gewichtet bzw. wild gemischt. Seit einiger Zeit läßt Wilson den Rock eher etwas liegen und wendet sich immer mehr den Pop zu. Faktisch nichts neues denn Popmelodien gab es schon immer bei ihm, man sollte nur mal etwas genauer frühe Werke wie z.B. „Stupid Dream“ anhören. Nur – und das ist der Unterschied – zerstört er diese Melodien nicht mehr durch harte Gitarrenklänge sondern läßt sie jetzt offen leben.

„Gitarren langweilen mich“ sagt Wilson in einem Interview und wendet sich für „the Future Bites“ fast komplett elektronischen Klängen zu – seine Ankündigung bei der Veröffentlichung von „To the Bone“ er würde gerne ein ganzes Album im Stil von „Song of I“ machen hat er also schneller wahr gemacht als gedacht. Seine Stammmusiker sind hier nur Gäste – Nick Beggs spielt bei einigen Tracks Bass und auch Adam Holzmann durfte mal im Studio vorbeischauen. Schlagzeuger Craig Blundell hat Wilsons Band nach der letzten Tour leider in Richtung Steve Hackett verlassen und fehlt dadurch – die Beats kommen somit bis auf wenige Ausnahmen aus dem Drumcomputer.

Auch bei der Produktion geht der bei „To the Bone“ eingeschlagene Weg weiter – statt wie früher die Songs Live mit seiner Band im Studio aufzunehmen und diese Aufnahmen dann in seinem No Mans Land Studio in Wochenlanger Kleinarbeit zu bearbeiten steht wieder direktes Studiobasteln im Vordergrund. Auch einen Co-Produzent hat Wilson wieder an seiner Seite – diesmal ist es David Kosten den Wilson bereits seit Zeiten von No-Man kennt und der in der Vergangenheit Acts wie Bat for Lashes oder Everything Everything produziert hat.

Sehr ungewöhnlich war im Vorfeld das über die Hälfte des gesamten Albums bereits vor dem VÖ-Datum als Single Veröffentlichung erhältlich war – fünf Songs der insgesamt neun Tracks sind bekannt und alle fünf befinden sich praktischerweise genau in der Mitte des Albums, lediglich die beiden Startersongs sowie die beiden Songs am Ende sind wirklich Neu – zusammen also nur rund 15 Minuten Musik die im Vorfeld unbekannt ist. Auch hier ein Widerspruch, denn Wilson erklärt immer wieder das man seine Songs immer im Kontext des Albums hören sollte. Sicherlich helfen solche Maßnahmen bei der Promotion, seltsam wirkt es trotzdem.

Das Album startet mit „Unself“ und „Self“, zwar als zwei Songs deklariert aber Faktisch nur einer, „Unself“ ist das separat ausgewiesene Intro zu „Self“, beide Songs gehen Nahtlos ineinander über. Nach einem schön ruhigen Anfang geht es flott elektronisch weiter, „Self“ klingt gar nicht mal so schlecht und hätte so auch auf „to the Bone“ sein können. Zumindestens ein guter Einstieg ins Album, als ganzes aber etwas arg kurz geraten - es klingt irgendwie gehetzt und gerade wenn man denkt jetzt kommt da noch was ist der Song auch schon wieder zu Ende. Den langjährigen Fan erfreut es aber sicherlich das hier Richard Babieri mitgewirkt hat.

Mit „King Ghost“ kommt auf jeden Fall an dritter Stelle der beste Song des Albums – vom Sound her erinnert er etwas stark an die neueren Depeche Mode, vom Gefühl her ist es ein typischer Steven Wilson Song der eben elektronisch daher kommt. Doch danach folgt direkt ein ziemlicher Absturz denn „12 Things I forgot“ ist Pop der peinlichen Art der klingt wie ein Song der für eines der letzten beiden Blackfield Alben geschrieben aber dann irgendwie (zu Recht) vergessen wurde. Sorry – das Teil geht gar nicht, am besten immer wegskippen.

„Eminent Sleaze“ ist so ein Song der einige Durchläufe braucht, aber so nach drei, viermal hören finde ich den richtig Klasse, trotz (oder gerade) wegen des hohen Funk Anteils (Prince grüßt mal eben um die Ecke) – ich mag es wenn nach etwas mehr als einer Minute das Fender Rhodes einsetzt, sowas hört man in heutiger Popmusik wirklich selten und genau für sowas liebe ich Steven Wilson, eben wenn was unerwartbares passiert. Am Ende ist sogar eine verzerrte Gitarre zu hören – wollte er nicht ein rein elektronisches Album machen ? :wink: Hier macht es auch mal Spaß den Lautstärkeregler mal etwas weiter zu öffnen – da kommt richtig Druck aus den Boxen.

„Man of the People“ ist eine eher Standartmäßige Ballade, nicht gut aber auch nicht schlecht und eben einer dieser Songs die man gerne als unpeinliches Füllmaterial in einer Trackliste versteckt und die auf Dauer eher langweilig wirkt. „Personal Shopper“ ist mit fast zehn Minuten Laufzeit der längste Song auf dem Album und kommt für den ein oder anderen etwas befremdlich mit einem strammen 4/4 Beat daher, der auch noch recht flott ist (128 BPM um genau zu sein). Dazu ein Dance Rhythmus und diverse Electronic Spielereien, garniert mit einem stark nach vorne gemischten Damenchor im Refrain. Der Song kann Spaß machen, wenn man einen Draht zu eben dieser Art von Musik hat. Für einen kommerziellen Hit ist „Personal Shopper“ aber wiederum viel zu Kopflastig um bei der breiten Masse zu punkten, Ohrwurmqualitäten hat er trotzdem, pure Progrock Fans wenden sich spätestens hier mit Grauen ab.

„Follower“ - Huch, was ist denn hier passiert ? Wilson will doch noch rocken ? Gitarre, Schlagzeug – man glaubt es kaum. Mit viel Wohlwollen kann man hier den alten Wilson erkennen – allerdings den zu „to the Bone“ Zeiten. Auch hier nichts besonderes, ich finde den Song reichlich dünn und ziemlich simpel, was aber durch das laute Soundbild zunächst erfolgreich verdeckt wird.
„Court of Unease“ ist ein Song der erst auf den letzten Drücker durch die Corona Verschiebung auf die Trackliste kam, ursprünglich sollte das Album mit einem Song namens „Anyone but me“ enden (der wiederum offensichtlich irgendwo im Archiv verschwunden ist). Eine weitere Ballade, fast schon sowas wie Standard und eine der üblichen Closingnummern eines Albums, hier leider nichts überraschendes. Ich würde gerne den ürsprünglichen Song „Anyone but me“ mal hören ob der besser gewesen wäre denn diesen hier finde ich eher langweilig.

Produktionstechnisch kann man Steven Wilson keinen Vorwurf machen – es klingt wirklich Klasse und laut aufdrehen macht richtig Laune und er beherscht wirklich jeden Trick selbst die größte Songniete zu großem Kino aufzublasen. Seine Unart fast jeden Song im Falset zu singen nervt mich auf der gesamten Albumlänge dann doch etwas – wer immer ihn gesagt hat das dies eine tolle Idee sei hat leider gelogen. Er weiß ja selber das seine Singstimme sein größter Schwachpunkt ist, aber sich dann in diese Richtung zu entwickeln ist dann doch der falsche Weg. Dann lieber so wie früher wo er Verzerrer u.ä. benutzt hat.

„the Future Bites“ sollte den ursprünglichen Plannung nach nur ein Teil eines groß angelegten Konzeptes sein – neben dem Album sollten auch Pop-Up Stores eröffnen sowie eine große Konzertreihe in für Steven Wilson ungewöhnlich großen Hallen folgen. Durch die Corona Pandemie ist dies leider alles verworfen worden, ebenso wurde der VÖ Termin von Mitte 2020 auf eben Ende Januar 2021 verschoben. Geblieben ist da nur die Webseite wo es neben den Album und T-Shirts auch einigen Nonsens Kram wie Toilettenpapier oder eine Dose Luft zu kaufen gibt.

Doch auch ohne diese Zusatzevents ist „the Future Bites“ kein must-have Album geworden. Es ist einfach nicht gut – das zeigt sich auch an der Laufzeit mit gerade mal 42 Minuten. Sowas wäre vor einigen Jahren bei Steven Wilson lediglich eine EP geworden die man mal eben zwischen zwei Albumprojekten veröffentlicht. Oder um es in der Konsumsprache zu bennenen: Es stimmt das Preis / Leistungs Verhältnis nicht ! Dafür das ihm das Thema so am Herzen liegt und er angeblich 18 Monate an diesem Album gearbeitet hat ist das Endergebnis dann doch Quantitativ reichlich dünn geworden. Die Qualität des Songmaterials läßt auch zu wünschen übrig, Sachen wie „Follower“ oder „12 Things I forgot“ haben allerhöchstens B-Seiten Niveau, mit immer längerer Laufzeit fangen diese Songs auch an zu nerven und man fängt an zu skippen.

Wie auch schon beim Vorgänger „to the Bone“ sitzt dieses Album zwischen den Stühlen. Immer wieder blitzt das alte Genie von ihm auf bei den (Zahlenmäßig wenigen) gelungenen Songs. Als ganzes aber wirkt es irgendwie seltsam weil die Songnieten das Album gewaltig nach unten ziehen. Leider zeigt sich hier wieder das er normalen Pop nicht beherscht, es klingt Streckenweise unglaublich gewollt und nicht locker. Das ist irgendwie schade und ganz insgeheim kann man sogar die Leute verstehen die immer schreiben das der frühere Wilson besser war. Zudem weiß man ja das der Mann es besser kann als hier.
Sollte das ganze tatsächlich Humorvoll gedacht sein dann hat er sogar komplett versagt, denn Humor habe ich hier zu keiner Sekunde erkennen können. Womit wir wieder am Anfang wären, bei den Widersprüchen.....
Das erste reguläre Wilson Album das ich als Unterdurchschnittlich bewerte, trotz des tollen Klangs.
:liquid4:

Beste Songs: King Ghost, Eminent Sleaze, Personal Shopper (letzterer nur wenn man Dance-Pop mag)
Vergleichbar: (teilweise) neueren Depeche Mode / Blackfield

Das Album erschien in diversen Formaten – neben CD (im Jewelcase !!!) und Download als Vinyl (je nach Händler auch in speziellen Farben), als Blu-ray mit einer Dolby-Atmos Abmischung in 7.1.4 sowie als Musikkassette für die Nostalgiker. Für rund 100 Euro gibt es auch ein Boxset mit zwei Bonus Cds (plus einer geheimen), eine davon mit weiteren Musikmaterial – also kauft bis es Euch krank macht.... :wink:






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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von Sir Jay » 31.01.2021, 23:35

Zitat aus dem news Fred:
Mein Senf zum Album:

Wilson Abkehr vom klassischen Gitarrenprog wirkt hier erstmals nun einigermaßen stimmig.
Ich persönlich kann mit den von Vince angemoserten "Du Di du hups" des Frauenchörchens aus "SELF" gut was anfangen, zumal das Stück an einer Stelle auch klare Industrial Vibes versprüht und stark an "Pretty Hate Machine" von NIN erinnert.

By "Man of People" muss ich sogar wiederholt an den "Lost Boys"-Soundtrack denken. So wie Wilson hier die Silben anstimmert erinnert das stark an "Cry little sister" :lol:

Ansonsten ist das alles handwerklich natürlich voll und ganz erhaben, aber eben auch etwas ungewohnt unaufregend - smooth und unaufdringlich, aber dadurch auch ein Stück weit belanglos. Böse ausgedruckt könnte man von "guter Hintergrundmusik" sprechen. Aber auch da bin ich mir nicht so ganz sicher, ob Wilson seine (neue?) Zielgruppe erreicht. Seine Musik sitzt für mich so ein bisschen zwischen den Stühlen.

Im Videospiel- bzw. Computergrafikbereich gibt es den Begriff des "uncanny valley", heißt eine computer generierte Figur ist so fotorealistisch naturalistisch gerendert, dass die winzig kleinen Details, die den Unterschied zur Wirklichkeit ausmachen umso stärker auffallen und damit das Bild letztlich doch eher befremdlich wirkt.

So ist es auch mit Wilsons neuem musikalischen Kurs. Er ist so nah dran an zeitgenössischer "Urban Pop Music", dass die kleinen Eigenheiten, umso eigenwilliger - ja bemühter - wirken. Man spürt, was Wilson da auf die Beine zu stellen versucht, dann steht er sich aber doch bisschen selbst im Weg besonders elegant und selbstbewusst seine persönliche Note einzuarbeiten. Es hat etwas von einem unangepassten Nerd, der in der Schule immer mit "uncoolen" Schlabber Klamotten rumgelaufen ist, bis er plötzlich - als wäre er bei "das Model und der Freak" gewesen - einen hippsteresken Fashion Look mit Hut und Krawatte für sich gefunden hat. Das geneigte Chart-Pop Gemüt wird schnell merken, dass hier irgendetwas nicht stimmt - und die alte Fanbase nimmt es maximal wertschätzend zur Kenntnis, aber für eine Dauerrotation (geschweige denn eine generelle neue Genreassimilation) wird es letztlich wohl doch nicht ausreichen.

Ich habe kurz überlegt, ob es denn Alternativen zu etwas "gehaltvollerem" Electro-Pop gibt, der auch gerne mal die Grenzen der seichten Wohlfühl Oasen verlässt - ich muss sagen, da gibt es für mich nichts besseres als "Random Access Memories" von Daft Punk. Hier wird das was Wilson gerne auf die Beine Stellen würde mit spielerischer Leichtigkeit und gleichzeitig epischer Breite ausgespielt. Mal sehen, wie sich Wilson da weiter entwickelt.

Für mich persönlich ist "The Future bites" zumindest ein deutlich besser geglücktes "To the Bone", da es hier zumindest keine so völlig popelligen Rohrkrepierer wie "Same Asylum" gibt...

:liquid6:
@gelini
irgendwie sind wir uns einig, aber irgendwie auch nicht, denn ich lese heraus, dass du "To the bone" letztlich doch viel stärker fandest als "future bites". Auf den Text und die konsumkritik habe ich bisher noch gar nicht geachtet, aber so viel kann man wirklich sagen: der begabteste Zyniker ist Wilson nicht...

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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von gelini71 » 01.02.2021, 05:09

sagen wir mal so - nach diesem Musikalischen Durchfall hier sehe ich "to the Bone" fast schon als Meisterwerk an :wink: :lol:

Quatsch - auf "to the Bone" sind ein paar wirklich geile Songs drauf aber eben auch einige wirklich üble ("Same Asylum as before" / "Permanenting" / "Nowhere now") die das Album als ganzes runterziehen. Auf "to the Bone" war die Trefferquote höher, dies hier hat faktisch nur drei gute Songs, der Rest ist für die Tonne.
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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von Sir Jay » 01.02.2021, 14:33

ich sehe es so. Keiner der songs auf "Future Bites" ist so schlimm wie "Same asylum". Und da das Album deutlich kürzer ist, ist das "Elend" auch viel schneller vorbei :lol:
Future Bites ist auf jeden Fall kurzweiliger als To the Bone, und hat mich auf Anhieb auch nicht gleich so genervt...aber mehr Aufmerksamkeit werde ich dem Album wohl auch nicht mehr widmen...

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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von gelini71 » 01.02.2021, 14:48

wie an anderer Stelle geschrieben hatte ich das Album am Sonntag Mittag über, das sagt schon alles aus
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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von Sir Jay » 01.02.2021, 14:56

Und trotzdem hast du dir die super Special Edition gekauft :lol:

Ich habe mir aus Respekt und der Vollständigkeit halber das Album in der Standard CD Fassung geholt, allein deswegen schon, weil in letzter Zeit das Verhältnis zwischen "neu gehörter" und "neu gekaufter" Musik etwas ins Ungleichgewicht fiel.

Ich bezweifele aber stark, dass diese Kopie jemals aus der Plastikfolie genommen wird :lol:

Mittlerweile sind auch schon 10 Jahre seit Grace for Drowning vergangen, und wenn das mit dem Mann so weiter geht, bin ich geneigt zu sagen: "Schuster bleib bei deinen Leisten"...

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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von gelini71 » 01.02.2021, 16:47

Sir Jay hat geschrieben:
01.02.2021, 14:56
Und trotzdem hast du dir die super Special Edition gekauft :lol:
Ich bin mittlerweile in der Versuchung "J - leider" zu antworten :lol:
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Re: [CD] Steven Wilson - the Future Bites

Beitrag von Vince » 01.02.2021, 17:47

Wie in dem anderen Thread gesagt, bei der Gegenüberstellung mit dem vorherigen Album bin ich eher bei gelini, ich sehe einen weiteren Abfall der Qualität, weil es einfach nicht mehr viel in mir auslöst. Auf der vorherigen Platte kann ich für mich "Permanating" und "Nowhere Now" als Totalausfälle ausmachen, mich aber durchaus für Stücke wie "Song of I" oder "Pariah" erwärmen. Außerdem sind die B-Seiten hier teilweise erstaunlich gut, besser als das Material vom Hauptalbum.
Auf der neuen Platte kann ich gar nicht mal richtig sagen, welche der Songs die Stinker sind, und das frustriert mich. Es ist einfach eine einzige graue Soße.

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