[Buch] Mötley Crüe: The Dirt

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Ed Hunter
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[Buch] Mötley Crüe: The Dirt

Beitrag von Ed Hunter » 11.09.2009, 02:57

Mötley Crüe:

The Dirt - Confessions of the World's Most Notorious Rock Band


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Aktuell touren sie mit ihrem sensationellen Comeback-Album „Saints of Los Angeles“ um die Welt und sind zurück auf der Rock’n’Roll-Erfolgsspur, zu Anfang des neuen Millenniums sah das im Hause Mötley Crüe noch ganz anders aus: Die Karriere der 80er-Jahre-Hairmetal-Legenden lag darnieder, auch die Rückkehr von Originalsänger Vince Neil, der ’89 nach dem größten Erfolg der Band „Dr. Feelgood“ ausgestiegen bzw. je nach Darstellung rausgeschmissen worden und durch John Corabi ersetzt worden war, hatte der „world’s notorious rock band“, wie das Buchcover wirbt, nicht dazu verholfen, wieder an die großen Erfolge der Hairspray-Dekade anknüpfen zu können. Dann kam das Buch – und katapultierte die Crüe zurück in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit. Der Weg war geebnet für eine umjubelte Greatest-Hits-Tour und das aktuelle Opus „Saints of Los Angeles“, das sich als Vertonung der Band-Biografie versteht.

Selbige, deren Leinwandadaption kurz bevorsteht, firmiert unter dem Namen „The Dirt“, lässt neben dem Mötley-Quartett in einigen Kapiteln auch Manager und sonstige Wegbegleiter zu Wort kommen, ist gespickt mit zahlreichen, teils farbigen Fotos sowie Extras wie eingescannten Tagebucheinträgen Tommy Lees während seines einer Körperverletzungs-Klage Pamela Andersons zu verdankenden Knastaufenthalts und rollt auf über 400 Seiten nicht nur die Geschichte der Band von den Anfängen in L.A.-Clubs über die Hoch-Zeit des Stadion-Stardoms bis zum 90er-Tief auf, sondern räumt auch den Kindheitserinnerungen und Privatleben der Bandmitglieder reichlich Raum ein. Das reicht von lustigen Anekdoten bis traurig-ernsten Passagen wie Vince Neils Schilderung des Krebstods seiner Tochter und rückt im letzten Drittel in der minutiösen Darstellung der jeweiligen Beziehungsprobleme der Musiker etwas allzu sehr in den Vordergrund, ist im großen und ganzen aber eine durchweg interessante und kurzweilig zu lesende Bereicherung der Band-History.

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Maskulinität in den 80ern...

Selbige findet ihre Highlights in den Kapiteln, die sich der Glanzphase der Band in den 80er Jahren vom auf eigenem Label releasten Debüt „Too Fast For Love“ bis zum Welthit „Dr. Feelgood“ widmen und genüsslich dem Lifestyle huldigen, für den Mötley Crüe stehen bzw. standen und einen Großteil ihrer Popularität beziehen, den Inbegriff des geflügelten Wortes „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“. Bei den in „The Dirt“ beschriebenen Zuständen wäre selbst der gute Caligula neidisch geworden. Dass zwischen Drogen, Orgien, Dauersuff und Hotelzimmer-Zerstörung überhaupt noch Platz für Musik blieb, wird in der Retrospektive von den Schreibenden selbst mit Erstaunen gesehen: Den Erfolg der auf dem Höhepunkt des Dauerzugedröhntseins entstandenen Alben „Theatre of Pain“ und „Girls, Girls, Girls“ könne man sich angesichts der Verfassung, in der sich sämtliche Bandmitglieder zur damaligen Zeit befanden, selbst nicht erklären. Besonders unterhaltsam wird das ganze, wenn die Mötleys Anekdoten zu Begegnungen, Konflikten und gemeinsamen Aktivitäten mit ihren Rock’n’Roll-Kollegen aus dem Ärmel schütteln: Wir erfahren unter anderem, wie Vince Neil Izzy Stradlin ausknockte, Axl Rose sich im Clinch mit dem Sänger als evasive Pussy erwies, Bon Jovi auf einem Festival, das sie neben der Crüe unter anderem zusammen mit den Scorpions bestritten, Extrawürste bekamen und Ozzy Osbourne, als er die Mötleys 1984 als Support mit auf Tour nahm, unter anderem dadurch seinem „Madman“-Status alle Ehre machte, dass er Nikki Sixx’ Pisse trank. Auf des Prince of Darkness eigene im Winter erscheinende Autobiographie darf man ob der Geschichten, die Sixx hier über die nur in Anwesenheit von Managergattin Sharon im Zaum gehaltene Black Sabbath – Legende zu erzählen weiß, definitiv höchst gespannt sein.

Die Schreibanteile der Musiker am Gesamtwerk sind bei alldem relativ ausgewogen: Während Nikki Sixx vor allem am Anfang zum Portrait der Bandgründung und Tommy Lee gegen Ende zur ausführlichen Darlegung seiner Pamela-Anderson-Beziehung am meisten Raum bekommt, ist es einzig Gitarrist Mick Mars, der sich gemessen an seinen drei Kollegen sehr zurückhält und damit seinem Status gewissermaßen des Außenseiters in der Band auch im Buch gerecht wird.

Fazit: Mit „The Dirt“ gewähren Vince Neil, Nikki Sixx, Mick Mars und Tommy Lee einen höchst interessanten, informativen, detaillierten und kurzweiligen Einblick in die Geschichte der Glam-Metal-Legende Mötley Crüe, die dominiert ist von der mustergültigen Auslebung des Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Images. Nicht nur die persönlichen Lebenswege der Bandmitglieder werden ausgiebig aufgerollt, vor allem lädt das Buch ein zum Eintauchen in eine vor witzigen und kuriosen Anekdoten übersprühende Welt aus Girls, Glam und Gitarren, Hairspray, Heroin und Hotelzimmerzerlegung, Metal, Muschis und Motorrädern – der Inbegriff des Rockstarklischees auf über 400 Seiten Heavy-Historie. Für Fans der Band und Interessierte an der Genreszene der 80er-Jahre eine klare Empfehlung!

:liquid8: bis :liquid9:
All we are is dust in the wind.
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