[CD] The Cure - Disintegration
Verfasst: 12.01.2016, 23:47
The Cure - Disintegration

Release: 2 Mai1989
Label: Fiction
Genre: Gothic
Tracks:
01. Plainsong – 5:12
02. Pictures of You – 7:24
03. Closedown – 4:16
04. Love Song – 3:28
05. Last Dance – 4:42
06. Lullaby – 4:08
07. Fascination Street – 5:16
08. Prayers for Rain – 6:04
09. The Same Deep Water as You – 9:18
10. Disintegration – 8:18
11. Homesick – 7:06
12. Untitled – 6:30
Manchmal bin ich doch wirklich sehr leicht zu beeinflussen.
Ich muss nur eine geschätzte Person von etwas schwärmen hören, und schon muss ich dem nachgehen.
So geschehen bei einem Interview von meinem alten Jugendidol und Ex-Stabbing Westward Frontman Christopher Hall, der dort sein leider sehr enttäuschend unterdurchschnittliches Neuwerk „Rise Again“ promotet hatte, aber ganz nebenbei einen Querverweis auf sein persönliches Lieblingsalbum überhaupt machte: „Disintegration“ von „The Cure“.
Nun war für mich „The Cure“ nicht gänzlich unbekannt, kannte ich doch immerhin „Burn“ aus dem Soundtrack zu „The Crow“, der mich mit seinem stimmungsvollen Einspieler durchaus überzeugt hatte, doch der gewöhnungsbedürftige Gesang hat meinen musikalischen Erkundungstrieb dann doch eher in Grenzen gehalten.
Junge, hätte ich das bereut...

„Disintegration“ markiert nichts minderes als einen Meilenstein – nicht nur einen innerhalb der Band Discrography, sondern auch den eines ganzen Subgenres, dessen Klasse jedoch weit über die Grenzen der eigenen Nische gebührenden Aufmerksamkeit geht und vom RollingStone Magazin zu Recht mit einer Platzierung in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten geehrt wurde.
Und mit keiner geringeren Ambition als das absolute Opus Magnum zu schaffen ist Kopf der Band Robert James Smith an die Produktion des Albums herangetreten.
Angetrieben wurde das Bestreben durch das innere Bedürfnis die gegenwärtige Midlifecrisis zu verarbeiten und gleichzeitig nach dem eher lockeren und poppigeren „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“ sich auf den frühen, melancholischeren, bedrückenderen Sound von „Pornography“ zurückzubesinnen – nur noch ausufernder und epischer. Von der Musikfachpresse erfuhr das Album seinerzeit nicht unbedingt diese Begeisterung, wurde es doch damals als Rückschritt und bloße Variation von „Pornography“ missverstanden
Doch das Ergebnis war schlicht und einfach grandios.
Hier entfesselt der Mann mit der Mega-Föhn-Welle Songwriting-Kräfte, die ihres Gleichen suchen und zehrt dabei aus einem schier unausschöpflichen Fass an Kreativität. Der geballte Ideenreichtum hat eine musikalische Kompromisslosigkeit zufolge, die Smith völlig unbeirrt Songs in regelmäßiger Überlänge und losgelöst von klassischen klassischen Songstrukturen schreiben lässt. Obendrein bekommt er dabei auch seine bislang größte Schwäche – den Gesang – deutlich besser in den Griff und schafft es ihn auf eine sehr homogene und dezente Art und Weise zu verbauen, wie es seine Kritiker wohl nicht für möglich gehalten hätten. Bereits mit dm Opener „Plainsong“ weiß Smith gekonnt das Album überlebensgroß einzuleiten und lässt große Dinge ihren Schatten vorauswerfen. Doch dahin führt Smith seine Hörer mit dem nötigen Pacing heran und präsentiert mit „Pictures of You“ und „Closedown“ zunächst eher freundliche Nummern, die noch deutliche Einflüsse aus dem Vorgängeralbum „Kiss me...“ tragen, aber eine ausgesprochene Melodieverliebtheit beweisen. Das nun leicht mit Kummer beträufelte „Lovesong“ leitet dann aber auch schließlich zum zentralen Part des Albums, der mit „Last Dance“ überragend einfühlsam eröffnet wird. Der Song hypnotisiert förmlich mit seinen schwermütigen und doch irgendwie warmen Klängen im Grundthema und definiert dabei ganz nebenbei den Sound, mit dem man „The Cure“ fortan am besten beschreiben könnte.
Als ob sich Smith sowas ganz einfach aus dem Ärmel schütteln könnte, präsentiert er mir „Lullaby“ einen weiteren Geniestreich, der mit wunderschönstem Einsatz von Streichinstrumenten einen geradezu majästetischen Charakter kreiert und diese Passagen noch mit solch entzückenden kleinen Gitarrenzupferl versieht, die mir jedes mal ein ehrliches Grinsen der Lebensfreude ins Gesicht zaubern, und das trotz der leicht gefrorenen Stimmung im Hintergrund.
Dieses absolute Höchstniveau will gar nicht abebben, wenn im Anschluss plötzlich „Fascination Street“ mit der denkbar schweinecoolsten Basslinie ins Haus hereinbricht und damit auch noch die allerletzten Skeptiker mit seinem geballten Sound wegbläst. Das ist Klang von Qualität!
Und dann wird es wirklich schwermütig: „Prayers for Rain“ dämmert ein und schlägt ordentlich aufs Gemüt. Im Anschließenden „The Same Deep Water As You“ werden schließlich die Gebete erhört und so wird der mit über 9 Minuten längste Track des Albums durchgehend von einem Regenschauer im Hintergrund begleitet. Hier tragen Schwerfälligkeit und Dramatik in epischer Breite einen elendig langsamen Trauertanz aus, auf einer pechschwarzen, verregneten Bühne.
Nach diesem absoluten Stimmungstiefpunkt folgen mit dem Titeltrack „Disintegration“ 8 Minuten, die den Klang von Melancholie perfekt beschreiben und dabei sogar so etwas wie einen Hoffnungsschimmer in sich tragen. Dieser Funken an Hoffnung, der aus dem Zusammenspiel aus Gitarre und Keyboard herausschimmert, ist es der diesen Song besonders kraftvoll macht. Die Wehmut und innere Zerrissenheit, die den Hörer befällt, rührt zu Tränen und ist nicht unbedingt für frisch Verlassene zu empfehlen – es kann echt weh. Und doch ist der Track auch irgendwie gleichzeitig Balsam für die Ohren, schafft er es doch mit seiner monotonen Songstruktur einen fast schon hypnotischen Flow zu kreieren, der in Endlosschleife laufen könnte – das ist der einzig unbefriedigende Moment des Albums, wenn dieser Track plötzlich endet...
Und schließlich neigt sich dieses großartige Werk mit „Homesick“ dem Ende zu und klingt in „Untitled“ mit bedachtem Einsatz eines Akkordeons und einem befriedigenden Gefühl des Wohlwollens auch langsam ab.
Und so fühle auch ich mich jedesmal, wenn diese Platte die letzte Runde gedreht hat: Zufrieden.
Vielleicht auch emotional angeschlagen, gefühlstrunken und etwas wehmütig...aber eben doch zufrieden. Dieses Album hat mich im Sturm erobert. Ich war regelrecht geschockt, was mir da all die Jahre bisher entgangen ist und wurde über das Jahr 2015 hinweg zu einem Fan „The Cure“.
Ich kann dieses Meisterwerk nur jedem mit ernsthaftem Interesse an Musik empfehlen.
Es ist eines dieser Referenzwerke eines Subgenres, das auch von Genrefremdlingen zur Kenntnis genommen und verdammt nochmal geliebt werden sollte.
Ich bin kein Gothic Fan, doch dieses Album hat mich dazu gebracht meine persönliche Alltime Top 10 nochmal zu überdenken. Vergleichbare Vorzeigealben wie „First and Last and Always“ von „Sisters of Mercy“, „Closer“ von „Joy Division“ oder aber auch „Black Celebration“ von „Depeche Mode“ haben mich eher kalt gelassen, und stinken hoffnungslos ab gegen dieses Ungetüm von einem Kunstwerk, das fast schon zu schön ist um wahr zu sein.
Gothic hin, Gothic her, dieser Klassiker von 1989 ist ein Must-have!
Da ich nicht weiß, wie ich meine Lobeshymnen langsam zu einem Ende bringen soll – ich könnte ewig schwärmen – übergebe ich die letzten Worte einfach an Kyle Brovslovsky aus South Park, der am Ende der Episode „Mecha-Streisand“ dem sich in den Sonnenuntergang verabschiedenden Robert Smith völlig zurecht zuruft: „Disintegration is the best Album ever!“


Release: 2 Mai1989
Label: Fiction
Genre: Gothic
Tracks:
01. Plainsong – 5:12
02. Pictures of You – 7:24
03. Closedown – 4:16
04. Love Song – 3:28
05. Last Dance – 4:42
06. Lullaby – 4:08
07. Fascination Street – 5:16
08. Prayers for Rain – 6:04
09. The Same Deep Water as You – 9:18
10. Disintegration – 8:18
11. Homesick – 7:06
12. Untitled – 6:30
Manchmal bin ich doch wirklich sehr leicht zu beeinflussen.
Ich muss nur eine geschätzte Person von etwas schwärmen hören, und schon muss ich dem nachgehen.
So geschehen bei einem Interview von meinem alten Jugendidol und Ex-Stabbing Westward Frontman Christopher Hall, der dort sein leider sehr enttäuschend unterdurchschnittliches Neuwerk „Rise Again“ promotet hatte, aber ganz nebenbei einen Querverweis auf sein persönliches Lieblingsalbum überhaupt machte: „Disintegration“ von „The Cure“.
Nun war für mich „The Cure“ nicht gänzlich unbekannt, kannte ich doch immerhin „Burn“ aus dem Soundtrack zu „The Crow“, der mich mit seinem stimmungsvollen Einspieler durchaus überzeugt hatte, doch der gewöhnungsbedürftige Gesang hat meinen musikalischen Erkundungstrieb dann doch eher in Grenzen gehalten.
Junge, hätte ich das bereut...

„Disintegration“ markiert nichts minderes als einen Meilenstein – nicht nur einen innerhalb der Band Discrography, sondern auch den eines ganzen Subgenres, dessen Klasse jedoch weit über die Grenzen der eigenen Nische gebührenden Aufmerksamkeit geht und vom RollingStone Magazin zu Recht mit einer Platzierung in der Liste der 500 besten Alben aller Zeiten geehrt wurde.
Und mit keiner geringeren Ambition als das absolute Opus Magnum zu schaffen ist Kopf der Band Robert James Smith an die Produktion des Albums herangetreten.
Angetrieben wurde das Bestreben durch das innere Bedürfnis die gegenwärtige Midlifecrisis zu verarbeiten und gleichzeitig nach dem eher lockeren und poppigeren „Kiss Me, Kiss Me, Kiss Me“ sich auf den frühen, melancholischeren, bedrückenderen Sound von „Pornography“ zurückzubesinnen – nur noch ausufernder und epischer. Von der Musikfachpresse erfuhr das Album seinerzeit nicht unbedingt diese Begeisterung, wurde es doch damals als Rückschritt und bloße Variation von „Pornography“ missverstanden
Doch das Ergebnis war schlicht und einfach grandios.
Hier entfesselt der Mann mit der Mega-Föhn-Welle Songwriting-Kräfte, die ihres Gleichen suchen und zehrt dabei aus einem schier unausschöpflichen Fass an Kreativität. Der geballte Ideenreichtum hat eine musikalische Kompromisslosigkeit zufolge, die Smith völlig unbeirrt Songs in regelmäßiger Überlänge und losgelöst von klassischen klassischen Songstrukturen schreiben lässt. Obendrein bekommt er dabei auch seine bislang größte Schwäche – den Gesang – deutlich besser in den Griff und schafft es ihn auf eine sehr homogene und dezente Art und Weise zu verbauen, wie es seine Kritiker wohl nicht für möglich gehalten hätten. Bereits mit dm Opener „Plainsong“ weiß Smith gekonnt das Album überlebensgroß einzuleiten und lässt große Dinge ihren Schatten vorauswerfen. Doch dahin führt Smith seine Hörer mit dem nötigen Pacing heran und präsentiert mit „Pictures of You“ und „Closedown“ zunächst eher freundliche Nummern, die noch deutliche Einflüsse aus dem Vorgängeralbum „Kiss me...“ tragen, aber eine ausgesprochene Melodieverliebtheit beweisen. Das nun leicht mit Kummer beträufelte „Lovesong“ leitet dann aber auch schließlich zum zentralen Part des Albums, der mit „Last Dance“ überragend einfühlsam eröffnet wird. Der Song hypnotisiert förmlich mit seinen schwermütigen und doch irgendwie warmen Klängen im Grundthema und definiert dabei ganz nebenbei den Sound, mit dem man „The Cure“ fortan am besten beschreiben könnte.
Als ob sich Smith sowas ganz einfach aus dem Ärmel schütteln könnte, präsentiert er mir „Lullaby“ einen weiteren Geniestreich, der mit wunderschönstem Einsatz von Streichinstrumenten einen geradezu majästetischen Charakter kreiert und diese Passagen noch mit solch entzückenden kleinen Gitarrenzupferl versieht, die mir jedes mal ein ehrliches Grinsen der Lebensfreude ins Gesicht zaubern, und das trotz der leicht gefrorenen Stimmung im Hintergrund.
Dieses absolute Höchstniveau will gar nicht abebben, wenn im Anschluss plötzlich „Fascination Street“ mit der denkbar schweinecoolsten Basslinie ins Haus hereinbricht und damit auch noch die allerletzten Skeptiker mit seinem geballten Sound wegbläst. Das ist Klang von Qualität!
Und dann wird es wirklich schwermütig: „Prayers for Rain“ dämmert ein und schlägt ordentlich aufs Gemüt. Im Anschließenden „The Same Deep Water As You“ werden schließlich die Gebete erhört und so wird der mit über 9 Minuten längste Track des Albums durchgehend von einem Regenschauer im Hintergrund begleitet. Hier tragen Schwerfälligkeit und Dramatik in epischer Breite einen elendig langsamen Trauertanz aus, auf einer pechschwarzen, verregneten Bühne.
Nach diesem absoluten Stimmungstiefpunkt folgen mit dem Titeltrack „Disintegration“ 8 Minuten, die den Klang von Melancholie perfekt beschreiben und dabei sogar so etwas wie einen Hoffnungsschimmer in sich tragen. Dieser Funken an Hoffnung, der aus dem Zusammenspiel aus Gitarre und Keyboard herausschimmert, ist es der diesen Song besonders kraftvoll macht. Die Wehmut und innere Zerrissenheit, die den Hörer befällt, rührt zu Tränen und ist nicht unbedingt für frisch Verlassene zu empfehlen – es kann echt weh. Und doch ist der Track auch irgendwie gleichzeitig Balsam für die Ohren, schafft er es doch mit seiner monotonen Songstruktur einen fast schon hypnotischen Flow zu kreieren, der in Endlosschleife laufen könnte – das ist der einzig unbefriedigende Moment des Albums, wenn dieser Track plötzlich endet...
Und schließlich neigt sich dieses großartige Werk mit „Homesick“ dem Ende zu und klingt in „Untitled“ mit bedachtem Einsatz eines Akkordeons und einem befriedigenden Gefühl des Wohlwollens auch langsam ab.
Und so fühle auch ich mich jedesmal, wenn diese Platte die letzte Runde gedreht hat: Zufrieden.
Vielleicht auch emotional angeschlagen, gefühlstrunken und etwas wehmütig...aber eben doch zufrieden. Dieses Album hat mich im Sturm erobert. Ich war regelrecht geschockt, was mir da all die Jahre bisher entgangen ist und wurde über das Jahr 2015 hinweg zu einem Fan „The Cure“.
Ich kann dieses Meisterwerk nur jedem mit ernsthaftem Interesse an Musik empfehlen.
Es ist eines dieser Referenzwerke eines Subgenres, das auch von Genrefremdlingen zur Kenntnis genommen und verdammt nochmal geliebt werden sollte.
Ich bin kein Gothic Fan, doch dieses Album hat mich dazu gebracht meine persönliche Alltime Top 10 nochmal zu überdenken. Vergleichbare Vorzeigealben wie „First and Last and Always“ von „Sisters of Mercy“, „Closer“ von „Joy Division“ oder aber auch „Black Celebration“ von „Depeche Mode“ haben mich eher kalt gelassen, und stinken hoffnungslos ab gegen dieses Ungetüm von einem Kunstwerk, das fast schon zu schön ist um wahr zu sein.
Gothic hin, Gothic her, dieser Klassiker von 1989 ist ein Must-have!
Da ich nicht weiß, wie ich meine Lobeshymnen langsam zu einem Ende bringen soll – ich könnte ewig schwärmen – übergebe ich die letzten Worte einfach an Kyle Brovslovsky aus South Park, der am Ende der Episode „Mecha-Streisand“ dem sich in den Sonnenuntergang verabschiedenden Robert Smith völlig zurecht zuruft: „Disintegration is the best Album ever!“
