[Konzert] Ashby & Eyevory - K1 Leverkusen (16.03.2018)

Eindrücke, Klangchecks aktueller aber auch älterer Scheiben im Review. Dazu Musik DVDs und Konzertberichte ...

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[Konzert] Ashby & Eyevory - K1 Leverkusen (16.03.2018)

Beitrag von gelini71 » 24.03.2018, 07:15

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Konzertort: K1 (= Kolonie Eins), Leverkusen
Webseite
Datum: Freitag, 16.03.2018
Beginn: circa 20:10 Uhr
Ende circa 23:00 Uhr
Eintrittspreis: 13,50 €

Besetzung Ashby
Sabina Moser – Gesang
Jan Göpelt – Gitarre, Backing Vocals
Christopher Streidt – Bass
Joel von der Heiden – Keyboards, Backing Vocals
Rik Schindler - Schlagzeug

Besetzung Eyevory
Jana Frank – Gesang, Bass
Kaja Fischer – Gesang, Querflöte, Keyboards
David Merz – Gitarre, Triggerpedals, Backing Vocals
Christian Schmutzer - Schlagzeug

Webseite Ashby
Webseite Eyevory


Setliste Ashby
Ashes Decay
the Faceless and the Shore
Aether – A Lunar Year
I am the Hunter
Interim

Zugabe: A Question never heard

Setliste Eyevory
the Wolf Song
Black Bird
Sacrifice
the Star
1001 Nights
Blank
Slowly Falling
Mundalis
the perfect Empie
Requiem Afternam

Zugabe: Inphantasia

Zwei der interessantesten Deutschen Prog-Rock Nachwuchs-Bands im Konzertdoppelpack – im kleinen, sehr intimen Rahmen mit viel Energie und sichtbaren Spaß

Jeder Musiker hat mal klein angefangen und machte zu Beginn seiner Karriere die Ochsentour durch kleine Locations mit wenig Publikum. Sowohl Ashby als auch Eyevory stehen i.M. noch am Anfang ihrer jeweiligen Karrieren und somit sind die Konzerte beider Bands noch in einem kleinen Rahmen zu finden. Zwar haben beide Bands das große Glück gehabt im Jahre 2017 auf der Loreley im Rahmen der „Night of the Prog“ Festivals zu spielen – Big Names sind sie deshalb noch lange nicht. Beide Bands sind ja auch noch Nebenprojekte zum normalen Bürgerlichen Leben mit festen Job und Familie, weswegen eine Tour auch nur an Wochenenden stattfindet und sich auch nur auf die obere Hälfte von Deutschland beschränkte. Mit dem Musikmagazinen „Good Times“, „Eclipsed“ sowie „Empire“ hatte man aber schon einmal gute Sponsoren gewinnen können und der Kartenpreis war mehr als günstig.

Das K1 in Leverkusen war für mich der Konzertort der am ehesten erreichbar war und so machte ich mich am Freitag den 16.03.2018 Nachmittags auf den Weg den knapp 100 Km entfernten Konzertort zu erreichen. Wer die Gegend um Köln, Bonn und Leverkusen kennt wird wohl wissen das die Idee an einem Freitag Nachmittag eben dorthin zu fahren sicherlich nicht die beste ist. Kurzum: ich stand im Dauerstau, rund um Köln war ein Verkehrsaufkommen das nicht mehr witzig war und so brauchte ich über zwei Stunden um diese recht kurze Distanz zu bewältigen. Die Parkplatzsuche in Leverkusen war jetzt auch nicht gerade einfach weil die Verkehrsführung in der Innenstadt am besten mit „eigenwillig“ beschrieben werden kann (es lebe die Einbahnstraße). Zwar gibt es jede Menge Parkplätze, die sind aber nur für Mitarbeiter der Bayerwerke. Schließlich fand ich ein Parkhaus das bis Nachts um 2 Uhr offen hat, danach war noch ein etwas längerer Fußmarsch angesagt um zur Location zu kommen. Dort angekommen hört ich das Eyevory noch mitten im Soundcheck waren, später erfuhr ich von einem Mitarbeiter des Veranstalters das der Zeitplan komplett nach hinten verschoben war weil Eyevory mit zweieinhalb Stunden Verspätung in Leverkusen eingetroffen waren (ja – auch sie standen im Stau).

Die Kolonie Eins (kurz K1) ist am besten mit dem Wort „Kneipe“ zu beschreiben – eine große Theke, einige Barhocker mit Stehtischen und entsprechender Atmosphäre. Die „Bühne“ war ungefähr zehn Zentimeter höher als der normale Fußboden, irgendwelche Absperrungen oder gar Securitypersonal gab es nicht. Die Mitglieder beider Bands gingen im Raum locker umher, besonders Ashby Sängerin Sabina Moser erwies sich als extrem nett und Gesprächig. Der Zuschauerandrang war aber sehr überschaubar, geschätzt würde ich sagen das sich so ungefähr 40-50 Personen (es können auch weniger gewesen sein, ich habe nicht durchgezählt) im Saal befanden...kurzum, man hatte Platz. Ein Vorteil war auch das es Barhocker gab wo man sich auch mal hinsetzten konnte um die Warterei zu überbrücken.

Also alles eine Spur kleiner und intimer als sonst so erlebt. Eine Videoleinwand gab es selbstverständlich nicht, eben sowenig eine große Lightshow. In der Mitte der Bühne stand ein übergroßer Kerzenleuchter, einziges Dekoelement bei Ashby war eine bedruckte Basstrommel mit dem Motiv des Debütalbums „Fragmental“ (das später bei Eyevory einfach gegen eines von ihnen ausgetauscht wurde) sowie Sabina Mosers verzierter Microständer, bei Eyevory kamen noch zwei große Plakate mit dem Motiv des letzten Albums dazu – das war es bereits. Die Musiker und ihre Musik sollte an diesem Abend klar im Mittelpunkt stehen. Mit etwas Verspätung ging es um zehn nach acht los.

Konzert Ashby

Ashby kommen aus Mülheim an der Ruhr und existieren seit 2011. Einen Plattenvertrag hat die Band noch nicht, ihr Debütalbum „Fragmental“ vermarktet man selber über Bandcamp. Musikalisch gebt es etwas härten Progrock mit leichten Tendenzen in Richtung Progmetal. Es fällt direkt auf das alle Musiker verdammt gut an ihren Instrumenten sind (Schlagzeuger Rik Schindler ist der Hammer), besonders Angesichts ihres Alters (geschätzt alle so Mitte zwanzig). Die Arrangements sind sehr Trickreich, es herrschen fast ausschließlich ungerade Taktarten vor und mehr als einmal verändert sich ein Song während der Laufzeit in seiner Art – was als sanfte Ballade beginnt kann fünf Minuten später bei Ashby zu einem Hardrocksong mutieren. Das macht wirklich Spaß, zumal das Songmaterial wirklich verdammt gut ist.

Hervorzuheben ist aber besonders Sängerin Sabina Moser. Ein absoluter Glücksfall – die Frau kann richtig gut singen. Zwar ist im ersten Moment ihre tiefe dunkle Bluesstimme etwas befremdlich für diese Art von Musik doch bereits nach weniger als einer Minute hat man sich daran gewöhnt. Vor allen: Die Frau hat eine enorme Bandbreite. Sie kann auch sanft, fast lieblich singen nur um dann auf einmal voller Power mal eben drei Gänger höher zu schalten. Dazu bewegt sich sich wie wild über die Bühne, eine echte Powerfrau. Irgendwann einmal als eine längere Instrumentalpassage kommt verlässt sie einfach die Bühne, geht an die Bar und bestellt sich was zu trinken und schaut ihrer Band zu – ich fand das einfach cool.

Sechs Songs gab es („Drei Songs und ein typisches Prog Konzert ist zu Ende“ sagt Moser einmal) , die meisten davon vom Debütalbum. Mit „I am the Hunter“ gab es sogar einen neuen Song der für das nächste Album im Jahre 2019 eingeplant ist. Nach etwas mehr als einer Stunde war das Konzert von Ashby zu Ende, es gab lautstark Applaus.

Nach kurzer Umbaupause ging es dann mit Eyevory weiter – deren Auftritt verzögerte sich etwas weil der Sequenzer Laptop etwas zicken machte und nochmal komplett neu gestartet werden mußte.

Konzert Eyevory

Eyevory existieren seit 2012 und kommen aus Bremen. Seit ihrer Gründung hat man bereits zwei Eps, zwei Alben sowie eine Live DVD veröffentlicht und man hat einen Plattenvertrag bei Artist Station in der Tasche. Im direkten Vergleich mit Ashby ist man Veröffentlichungstechnisch etwas weiter. Musikalisch bewegt sich Eyevory im Feld zwischen melodischen Radiofreundlichen Rock mit starker Prog-Schlagseite sowie einem größeren Folkanteil (bedingt durch die Querflöte, die meist sofort eine Assoziation mit Jethro Tull mit sich bringt). Bei Prog-Rock Puristen wird die Musik von Eyevory gerne als „Kommerz“ abgetan, was aber dann in meinen Augen doch etwas zu einfach und vor allen Dingen falsch ist. Was spricht gegen schöne Melodien oder einem griffigen Refrain ? Eben – nichts !

Bei der Songauswahl gibt es einen netten Querschnitt aus dem Backkatalog der Band der von großen Epen der Marke „Requim Afternam“ bis hin zu einem schlichten Rocksong wie „Sacrifice“ reicht. Auf die ganz ruhigen Balladen im Repertoire hat man verzichtet, dafür gab es sogar drei ganz neue Songs wovon mir das sehr rockige „Blank“ richtig gut gefallen hat.

Auch hier sind die vier Musiker mit sichtlichen Spaß bei der Sache und auch die Stimmung im Saal war bestens. Erwähnenswert ist das Schlagzeuger Christian Schmutzer gerade erst für den erkrankten Arne Suter eingesprungen ist und innerhalb von nur zwei Wochen die Songs lernen mußte. Hat aber alles besten funktioniert, die Erleichterung das der Auftritt ohne Fehler durchging sah man Schmutzer am Ende dann doch sichtlich an.

Fazit
Einen Vergleich ob nun Ashby oder Eyevory besser waren verbietet sich aufgrund der komplett unterschiedlichen Musikalischen Ausrichtung beider Bands. Die Puristen werden sicherlich Ashby favorisieren die mit ihrer Mischung aus klassischen Prog-Rock (Genesis läßt bei den Instrumentalpassagen mehrmals grüßen) mit Rock der Marke Haken überzeugen können. Hier sind vier technisch äußerst talentierte Musiker am Start und mit Sabina Moser haben sie zudem eine großartige Sängerin.
Eyevory verstecken in ihren durchaus Radiotauglichen Song mit schönen Melodien und griffigen Refrains ziemlich Erfolgreich das ihre Kompositionen ziemlich vertrackt sind. Der Harmoniegesang von Jana und Kaya ist wirklich schön und hörenswert, hier harmonieren zwei Stimmen wirklich sehr schön miteinander. Die Band ist für mich immer noch der Tip für Menschen die von normaler Mainstreammusik die Schnauze voll haben und sich langsam mal in den Bereich des Progressiven Rocks vortasten wollen, hier bekommt man best-of-both-worlds.
Erwähnen sollte man noch das beide Bands darauf verzichtet haben ihr Konzert mit irgendwelchen Coverversionen zu strecken und das man durchweg nur Eigenkompositionen gespielt hat. Das bei beiden Bands diese dann auch noch überzeugen können ist dann wohl das beste Lob, da verzeiht man auch das der Sound teilweise etwas arg übersteuert war (vor allen die ersten Minuten bei Ashby waren eher suboptimal).
:liquid9:
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Beitrag von Vince » 24.03.2018, 08:59

Klingt gut, werde ich beide mal antesten.

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