[CD] Deftones - Deftones
Verfasst: 27.01.2006, 21:12
deftones
deftones

Technische Daten
Vertrieb: maverick
Laufzeit: 47:14 Min.
Anzahl der Tracks: 11
Extras: Multimediapart mit Fotos und Videoclips
Booklet: 20 Seiten
Verpackung: Jewel Case
Tracklist
1. Hexagram
2. Needles and Pins
3. Minerva
4. Good Morning Beautiful
5. Deathblow
6. When Girls Telephone Boys
7. Battle-axe
8. Lucky You
9. Bloody Cape
10. Anniversary Of An Uninteresting Event
11. Moana
Kritik
Das weiße Pony hatte riesige Spuren hinterlassen. Die Fans waren in Ekstase, spekulierten die erste Hälfte des Jahres 2003 hindurch, welche neuen Geniestreiche Moreno mit seinen Mannen nach dem höchst erfolgreichen Vorgänger aus dem Jahr 2000 leisten würde. Auch ich erinnere mich zurück, kurz vor Release ziemlich stark im deftones-Fieber gewesen zu sein und mir ungerechterweise quasi Wundertaten erhoffte. Dann wurde das Cover veröffentlicht. Schlicht mit “deftones” betitelt, holte man nach, was viele Bands bereits mit ihrem Debüt machten - ein selbstbenanntes Album veröffentlichen. Das klang gut und roch nach “Wurzelpflege”. Im Design verflochten ein Totenschädel, geschmückt mit Rosen. Vanitassymbole, die den Heavyrock der Mittneunziger charakterisieren. Eine deftonessche Retrospektive.
Ganz so mythisch ist das Resultat trotz der grandiosen ersten Single “Minerva” leider nicht geworden. Denn so, wie dieser erste Bote klang, hätte eigentlich das komplette Album klingen müssen, und “White Pony” wäre um Längen übertroffen gewesen. “Minerva” erweitert das Spektrum der Band um eine Facette, Moreno stöhnt sich ekstatisch die Seele aus dem Leib und fängt unvergleichlich ein Gefühl der Freiheit ein. Dem Gitarrensturm ist akustisch ein zugehöriges Echo aus Wind und Sturm angebunden, was im entsprechenden Video so auch gleich visualisiert wurde.
Auch das Intro “Hexagram” ist durchaus noch gelungen, “Needles & Pins” erreicht wenigstens noch das Durchschnittsniveau des Vorgängers. Den Grundtenor bestimmen aber leider Songs wie “Good Morning Beautiful”. Seit zweieinhalb Jahren rotiert das bislang letzte Studioalbum der deftones in regelmäßigen Abständen in meinem Player, den Zugang habe ich aber nur zu ganz wenigen Stücken finden können. “Good Morning Beautiful” ist eben so ein Vertreter, der mir einfach nichts sagen will. Chinos kompositorisch wie immer eigenwillige Notenzusammenstellung setzt sich auf einer höheren Ebene diesmal eben nicht wie üblich zu einem genialen Puzzle zusammen. Es bleiben Bruchstücke übrig, die letzten Endes wie ein unüberlegt aufgetürmtes Gerüst wirken.
“Deathblow” kann dem glücklicherweise etwas entgegenwirken, indem sich eine traurige Grundstimmung, die seltsamerweise an alte Computerspiele wie “Giana Sisters” (wo ebenfalls eine triste Hintergrundmusik lief) erinnert, mit einer Mundharmonika vermischt und somit ein kurioses Eigenleben entwickelt. Das ist solide Kost, es hat seinen Reiz, aber die überwältigende Power alter deftones-Hits will sich auch hier nicht einstellen.
Weiter geht es mit dem auch eher uninspirierten “When Girls Telephone Boys”, das zwar mit einem in cooler Monotonie gehaltenen Riff punkten kann, ansonsten aber doch recht beliebig wirkt mit der mechanisch verfremdeten Telefonstimme Morenos und den Industrial-Effekten im Background. Das ist gewissermaßen ein Spiegelbild des kompletten Albums: Einzelne Aha-Momente sind da, ansonsten schlägt die Kurve niemals sonderlich weit von der Normspur aus. Solide und unaufregend.
“Battle-Axe” ist vom Niveau her auf einer Länge mit “Korea”, der damals zwischen “Passenger” und “Knife Party” unterging. “Battle-Axe” ragt nun hier allerdings aus der Landschaft heraus mit seiner hypnotisierenden Hookline, was für sich selbst spricht. Morenos Stimme hängt endlich wieder über der Landschaft wie ein unsteter Nebelschleier, es ist wieder Atmosphäre da. “Lucky you” wurde ja schließlich auf dem “Matrix Reloaded”-Soundtrack veröffentlicht, groovt auch einigermaßen, aber im direkten Vergleich mit dem “Teenager”-Pendant erreicht dieses trip-hoppige Zwischenspiel nicht die gleiche Wirkung.
“Bloody Cape” allerdings ist wieder mit einer monströsen Leitmelodie gesegnet, und die Gitarren reiten sich in fettem Groove zu Tode, während Moreno über weite Strecken eher spricht als singt.
Endlich kommt dann nach “Minerva” das zweite Stück der Platte, dem man ohne schlechtes Gewissen Genialität unterstellen darf. Ungewohnt sanft gleitet “Anniversary of an uninteresting event” dahin, ist gespickt mit Rasseln und chinesisch wirkenden Instrumentals. Wie geschaffen für Moreno, dessen geisterhafte Stimme im Kopf des Hörers über einen Bonzaigarten wandert. Das ist nicht klassisches deftones-Material, aber es passt sich den Vorzügen von Morenos Stimme perfekt an. Schließlich folgt mit “Moana” der Abschluss.
Man kann den Amerikanern nicht einmal richtig böse sein, da sie keine fatalen Missgriffe getätigt haben. Das vierte Album der deftones ist grundsolides Material, und dass man sich beim Songwriting nichts gedacht habe, kann man so auch nicht behaupten - das wäre nach drei Jahren auch eine eher unglaubwürdige These. Nur verglichen mit “White Pony” und auch “Around the Fur” fehlt das markante Eigenleben. Eine Entwicklung ist zu sehen, nur führte diese Entwicklung nur bedingt in die richtige Richtung. Songs vom Kaliber “Passenger” fehlen ganz einfach, und ein einzelnes Frontalbrett - immerhin kann man die Auswahlkriterien bei der Single nicht kritisieren - rettet noch kein komplettes Studioalbum. So blieb im Jahr 2003 eine mittelmäßige Enttäuschung zurück, die sich bis heute zumindest in meinen Ohren nur minimal rehabilitiert hat. Aus dem Fundus einer anderen Band wäre ich wahrscheinlich gnädiger gewesen, aber es sind die deftones. Und da war - trotz sehr guter Produktion und soliden Materials - einfach mehr zu erwarten gewesen. Hart und vielleicht auch ein bisschen unfair:
Extras
Es gibt wieder einen hübschen Multimedia-Part: Auf dem Computerbildschirm erscheint eine schwarzweiße Banderole bestehend aus dem Totenschädel und einem Rosengeflecht. Mehrere Rosen in der Mitte leuchten rot oder blau auf, wenn man mit der Maus über sie hinweggleitet; klickt man sie an, so gelangt man zu Videos, die jeweils die einzelnen Bandmitglieder ein Stück weit begleiten oder ein paar Sessions beiwohnen, mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 20 Minuten. Zusätzlich gibt es rund 150 Fotos zu begutachten.
Artdesign
Wie schon im Review angesprochen, begeistert das Cover durch die simple, an “Guns ‘n’ Roses” & Co. erinnernde Vanitassymbole. Der Schädel kommt neben dem allgemein bekannten simplen “deftones”-Schriftzug und den blauen und roten Rosen hervorragend zur Geltung. Das Booklet beinhaltet auf 20 Seiten Songtexte auf überstilisierten blass-bunten Fotocollagen.
Fazit
Für jeden deftones-Fan ist zweifellos auch das vierte Album Pflicht. Einsteiger, die ansonsten ja gerne mal mit dem jüngsten Album beginnen, sollten aber vielleicht wirklich eher zu “White Pony” oder “Around the Fur” greifen, dann zu “Adrenaline”, um mit “Deftones” die Sammlung komplett zu machen. Denn mit letzterem kann man sich maximal ein Bild davon machen, welchen Stil die deftones bedienen; leider nicht so gut, was einen wirklich guten Song der Band ausmacht. Denn dazu bleibt das selbstbetitelte Album über weite Strecken zu oberflächlich, auch wenn die technische Qualität einmal mehr unbestritten ist.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder


deftones

Technische Daten
Vertrieb: maverick
Laufzeit: 47:14 Min.
Anzahl der Tracks: 11
Extras: Multimediapart mit Fotos und Videoclips
Booklet: 20 Seiten
Verpackung: Jewel Case
Tracklist
1. Hexagram
2. Needles and Pins
3. Minerva
4. Good Morning Beautiful
5. Deathblow
6. When Girls Telephone Boys
7. Battle-axe
8. Lucky You
9. Bloody Cape
10. Anniversary Of An Uninteresting Event
11. Moana
Kritik
Das weiße Pony hatte riesige Spuren hinterlassen. Die Fans waren in Ekstase, spekulierten die erste Hälfte des Jahres 2003 hindurch, welche neuen Geniestreiche Moreno mit seinen Mannen nach dem höchst erfolgreichen Vorgänger aus dem Jahr 2000 leisten würde. Auch ich erinnere mich zurück, kurz vor Release ziemlich stark im deftones-Fieber gewesen zu sein und mir ungerechterweise quasi Wundertaten erhoffte. Dann wurde das Cover veröffentlicht. Schlicht mit “deftones” betitelt, holte man nach, was viele Bands bereits mit ihrem Debüt machten - ein selbstbenanntes Album veröffentlichen. Das klang gut und roch nach “Wurzelpflege”. Im Design verflochten ein Totenschädel, geschmückt mit Rosen. Vanitassymbole, die den Heavyrock der Mittneunziger charakterisieren. Eine deftonessche Retrospektive.
Ganz so mythisch ist das Resultat trotz der grandiosen ersten Single “Minerva” leider nicht geworden. Denn so, wie dieser erste Bote klang, hätte eigentlich das komplette Album klingen müssen, und “White Pony” wäre um Längen übertroffen gewesen. “Minerva” erweitert das Spektrum der Band um eine Facette, Moreno stöhnt sich ekstatisch die Seele aus dem Leib und fängt unvergleichlich ein Gefühl der Freiheit ein. Dem Gitarrensturm ist akustisch ein zugehöriges Echo aus Wind und Sturm angebunden, was im entsprechenden Video so auch gleich visualisiert wurde.
Auch das Intro “Hexagram” ist durchaus noch gelungen, “Needles & Pins” erreicht wenigstens noch das Durchschnittsniveau des Vorgängers. Den Grundtenor bestimmen aber leider Songs wie “Good Morning Beautiful”. Seit zweieinhalb Jahren rotiert das bislang letzte Studioalbum der deftones in regelmäßigen Abständen in meinem Player, den Zugang habe ich aber nur zu ganz wenigen Stücken finden können. “Good Morning Beautiful” ist eben so ein Vertreter, der mir einfach nichts sagen will. Chinos kompositorisch wie immer eigenwillige Notenzusammenstellung setzt sich auf einer höheren Ebene diesmal eben nicht wie üblich zu einem genialen Puzzle zusammen. Es bleiben Bruchstücke übrig, die letzten Endes wie ein unüberlegt aufgetürmtes Gerüst wirken.
“Deathblow” kann dem glücklicherweise etwas entgegenwirken, indem sich eine traurige Grundstimmung, die seltsamerweise an alte Computerspiele wie “Giana Sisters” (wo ebenfalls eine triste Hintergrundmusik lief) erinnert, mit einer Mundharmonika vermischt und somit ein kurioses Eigenleben entwickelt. Das ist solide Kost, es hat seinen Reiz, aber die überwältigende Power alter deftones-Hits will sich auch hier nicht einstellen.
Weiter geht es mit dem auch eher uninspirierten “When Girls Telephone Boys”, das zwar mit einem in cooler Monotonie gehaltenen Riff punkten kann, ansonsten aber doch recht beliebig wirkt mit der mechanisch verfremdeten Telefonstimme Morenos und den Industrial-Effekten im Background. Das ist gewissermaßen ein Spiegelbild des kompletten Albums: Einzelne Aha-Momente sind da, ansonsten schlägt die Kurve niemals sonderlich weit von der Normspur aus. Solide und unaufregend.
“Battle-Axe” ist vom Niveau her auf einer Länge mit “Korea”, der damals zwischen “Passenger” und “Knife Party” unterging. “Battle-Axe” ragt nun hier allerdings aus der Landschaft heraus mit seiner hypnotisierenden Hookline, was für sich selbst spricht. Morenos Stimme hängt endlich wieder über der Landschaft wie ein unsteter Nebelschleier, es ist wieder Atmosphäre da. “Lucky you” wurde ja schließlich auf dem “Matrix Reloaded”-Soundtrack veröffentlicht, groovt auch einigermaßen, aber im direkten Vergleich mit dem “Teenager”-Pendant erreicht dieses trip-hoppige Zwischenspiel nicht die gleiche Wirkung.
“Bloody Cape” allerdings ist wieder mit einer monströsen Leitmelodie gesegnet, und die Gitarren reiten sich in fettem Groove zu Tode, während Moreno über weite Strecken eher spricht als singt.
Endlich kommt dann nach “Minerva” das zweite Stück der Platte, dem man ohne schlechtes Gewissen Genialität unterstellen darf. Ungewohnt sanft gleitet “Anniversary of an uninteresting event” dahin, ist gespickt mit Rasseln und chinesisch wirkenden Instrumentals. Wie geschaffen für Moreno, dessen geisterhafte Stimme im Kopf des Hörers über einen Bonzaigarten wandert. Das ist nicht klassisches deftones-Material, aber es passt sich den Vorzügen von Morenos Stimme perfekt an. Schließlich folgt mit “Moana” der Abschluss.
Man kann den Amerikanern nicht einmal richtig böse sein, da sie keine fatalen Missgriffe getätigt haben. Das vierte Album der deftones ist grundsolides Material, und dass man sich beim Songwriting nichts gedacht habe, kann man so auch nicht behaupten - das wäre nach drei Jahren auch eine eher unglaubwürdige These. Nur verglichen mit “White Pony” und auch “Around the Fur” fehlt das markante Eigenleben. Eine Entwicklung ist zu sehen, nur führte diese Entwicklung nur bedingt in die richtige Richtung. Songs vom Kaliber “Passenger” fehlen ganz einfach, und ein einzelnes Frontalbrett - immerhin kann man die Auswahlkriterien bei der Single nicht kritisieren - rettet noch kein komplettes Studioalbum. So blieb im Jahr 2003 eine mittelmäßige Enttäuschung zurück, die sich bis heute zumindest in meinen Ohren nur minimal rehabilitiert hat. Aus dem Fundus einer anderen Band wäre ich wahrscheinlich gnädiger gewesen, aber es sind die deftones. Und da war - trotz sehr guter Produktion und soliden Materials - einfach mehr zu erwarten gewesen. Hart und vielleicht auch ein bisschen unfair:
Extras
Es gibt wieder einen hübschen Multimedia-Part: Auf dem Computerbildschirm erscheint eine schwarzweiße Banderole bestehend aus dem Totenschädel und einem Rosengeflecht. Mehrere Rosen in der Mitte leuchten rot oder blau auf, wenn man mit der Maus über sie hinweggleitet; klickt man sie an, so gelangt man zu Videos, die jeweils die einzelnen Bandmitglieder ein Stück weit begleiten oder ein paar Sessions beiwohnen, mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 20 Minuten. Zusätzlich gibt es rund 150 Fotos zu begutachten.
Artdesign
Wie schon im Review angesprochen, begeistert das Cover durch die simple, an “Guns ‘n’ Roses” & Co. erinnernde Vanitassymbole. Der Schädel kommt neben dem allgemein bekannten simplen “deftones”-Schriftzug und den blauen und roten Rosen hervorragend zur Geltung. Das Booklet beinhaltet auf 20 Seiten Songtexte auf überstilisierten blass-bunten Fotocollagen.
Fazit
Für jeden deftones-Fan ist zweifellos auch das vierte Album Pflicht. Einsteiger, die ansonsten ja gerne mal mit dem jüngsten Album beginnen, sollten aber vielleicht wirklich eher zu “White Pony” oder “Around the Fur” greifen, dann zu “Adrenaline”, um mit “Deftones” die Sammlung komplett zu machen. Denn mit letzterem kann man sich maximal ein Bild davon machen, welchen Stil die deftones bedienen; leider nicht so gut, was einen wirklich guten Song der Band ausmacht. Denn dazu bleibt das selbstbetitelte Album über weite Strecken zu oberflächlich, auch wenn die technische Qualität einmal mehr unbestritten ist.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder

