Only in Amerika

Technische Daten
Vertrieb: Koch Records
Laufzeit: 46:30 Min.
Anzahl der Tracks: 13
Extras: ?
Booklet: ?
Verpackung: Jewel Case
Tracklist
1. Foreplay
2. Represent
3. The Truth
4. Wake Up
5. War
6. The Box
7. CBC
8. Voices
9. Raise Hell
10. American Beauty
11. Chicken
12. Daydreams
13. Not Ded Yet
Kritik
Holy Shit! Was ist passiert?
Ich bin sicher kein Anhänger des Gangsta-Pussy-Eater-Kults, wenn man ihn denn mal so umschreiben will - wenn auf einem Album die ganze Zeit über nichts anderes als vorpubertäres Rumgepose mit der Zelebration von Titten und Pussys stattfindet, bin ich in der Regel ganz schnell gelangweilt.
Die hierzulande nie wirklich in den Medien präsent gewesenen New Metaller hed p.e. aus Amerika (woher sonst?) haben mich aber zeitweise richtig beschäftigt. Bei allem Niveau, das man sonst zu halten gewohnt ist, “Broke” war schlicht und ergreifend ein Hammerbrett und ist es immer noch. “Killing Time”, immerhin im Soundtrack von “Crime is King” vertreten, ging ab wie ein Bastard mit Dauerdurchfall - so einen fetten Killerriff mit einem derart gemeinen Flow gab es lange nicht mehr.
Auch bin ich alles andere als ein Fan von Hip Hop - aber der charismatische Exot am Mikro, bürgerlich Paulo Sergio, sich aber gerne auch M.C.U.D., Mr. Nino oder generell Jahred nennend, hat das schon ordentlich drauf, und irgendwo passt es zu Westyles und Chizads Gitarren, zu Mawks Bass, zu DJ Products Turntables und B.C.’s Drums. Während das selbstbetitelte Debüt noch etwas wirr war, hauen “Broke” und der etwas kommerzieller und sauberer anmutende Nachfolger “Blackout” dem NuMetaller mitten in den Silberbiss. Derber Groove, fette Gitarren, Hammerriffs und sogar ein wenig Balladenflair mittendrin - ein Knaller, bei dem man sich tagtäglich fragen musste, wieso keine Sau in Deutschland Kenntnis von den Jungs nimmt, auf Papa Roach aber abgeht wie nix.
Und dann kommt der vierte Longplayer heraus, betitelt “Only in Amerika”... in Deutschland offenbar nicht einmal erschienen. Zu Recht, denn: what the fuck is that crap?!?
Vielleicht hat “Blackout” hed p.e. durch den kommerziellen Sound um die Street-Credibility gebracht, keine Ahnung... anders kann ich mir dieses Nervensägenmassaker auf diesem grottig produzierten Album (wurde übrigens teilweise im Wohnzimmer aufgenommen) nicht erklären.
Ich will mich auch eher kurz fassen, allzu viele Zeilen hat dieses Machwerk nicht verdient. Plötzlich sind hed p.e., früher verantwortlich für derbe melodische Kreationen, zu stumpfsinnigen Möchtegern-Punks geworden, die kaum einen vernünftigen Akkord zustande bringen. Kinderleichte Babyhooklines gehen hier an den Start, die früher gleich beim ersten Brainstorming herausgeflogen wären. Alles, was diese Band einst individuell machte, wurde zugunsten der noisigen NuMetal-Punk-Hybride wegrationalisiert. Ein weiteres gescheitertes Experiment der Marke “Back to the Roots”? Jepp, definitiv.
Passend wie ein seifiges Kondom ist dann auch der textliche Output. MacCool-Jahred Mr. Super-Pussy-King erhebt sich selbst zur absoluten Krönung der Schöpfung, lässt ein paar vor Geilheit auslaufende Frauenstimmen den Hintergrundgesang stöhnen, der etwa so lautet: “Please, put it inside me”... das ist selbst für diesen Style unterstes Niveau. Man kann sich drüber amüsieren, wer das Gepose allerdings für voll nimmt und Mr. Jahred nun zu seinem neuen Gott erklärt, der muss wohl gehörig einen an der Macke haben.
Wann immer sich noch musikalische Restbestände zu den guten bis fantastischen beiden Vorgängern auftun, erlebt das Album seine kümmerlichen Höhepunkte. Gitarrist Jaxson, für Westyle an Bord gekommen, lässt manchmal wirklich das alte Flair wieder aufleben und zeigt, was bei der Gitarrenarbeit gar noch an Weiterentwicklung möglich gewesen wäre. Dies ist kein schlechtes Album aus Unfähigkeit, es ist eines aus purer Dummheit. Man spürt das Potenzial, aber es liegt vergraben - vermutlich unter einem Berg von Homies, vor dem man sich erst mal wieder beweisen wollte. Diese Homies gehen jetzt wahrscheinlich auch tierisch ab und lassen sich gerade von einer ihrer Lakaiinnen oral bedienen, während im Hintergrund die offizielle Blow Job-Hymne von hed p.e. läuft.
Traurig, dass es so weit kommen musste - ich hätte gerne eine hammermäßige Albentrilogie fertiggestellt gesehen. Statt dessen bleiben “Blackout” und “Broke” ein Spitzenduo, und “Only in Amerika” ist die hässliche Nachgeburt. Jahreds Interpretation des amerikanischen Traums ist peinliches Gepose unterlegt mit grausigen Retro-Punk-Anleihen und eine vollkommene Unterdrückung dessen, was diese Band mal so faszinierend gemacht hat. Dafür gibt’s
und den Preis für das Album, das gegenüber seinen Vorgängern tiefer abgefallen ist als jedes andere zuvor.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315



