[CD] Silverchair - Frogstomp

Liquids kulturelles Sammelsurium.

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[CD] Silverchair - Frogstomp

Beitrag von Vince » 16.03.2006, 23:45

Mal nen bisschen Oldschool hier... :wink:

Silverchair
Frogstomp

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Technische Daten
Vertrieb: Murmur / Sony
Laufzeit: 44:50 Min.
Anzahl der Tracks: 11
Extras: Keine
Booklet: Poster (12-seitig)
Verpackung: Jewel Case

Tracklist
1. Israel's Son
2. Tomorrow
3. Faultline
4. Pure Massacre
5. Shade
6. Leave Me Out
7. Suicidal Dream
8. Madman
9. Undecided
10. Cicada
11. Findaway

Kritik
Ja, Silverchair sind schon irgendwo ein Phänomen. Daniel Johns (Gitarre, Vocals), Chris Joannou (Bass) und Ben Gillies (Drums) würden ab 1995, im Alter von nur 14 bis 15 Jahren, als erste Alternative-Boyband der Welt, so die gerne gebrauchte Umschreibung, in die Geschichte des Rock eingehen. Die im australischen Newcastle aufgewachsenen Bandmitglieder waren also wahrhaftig noch Kinder, als sie in das Geschäft einstiegen, ein Umstand, der möglicherweise die spätere Entwicklung des Frontmanns und damit der Band entscheidend mitgeprägt hat.
Schon 1992 startete die Karriere mit einem Demo-Contest. Dessen Gewinn bedeutete die Möglichkeit, einen Song in einem Studio aufnehmen zu dürfen. “Tomorrow” landete in den Charts und war erfolgreich genug, um Sony davon zu überzeugen, 1995 über die Tochterfirma Murmur das Debütalbum “Frogstomp” zu veröffentlichen.

Der Erfolg war so nicht vorauszusehen: Drei Millionen Einheiten wurden weltweit verkauft, in Australien eroberte “Frogstomp” auf Anhieb den ersten Platz der Billboard Charts. Kritiker, die das zarte Alter der Erben von Soundgarden, Pearl Jam und vor allem Nirvana (gar setzt sich der Bandname aus dem Nirvana-Song “Sliver” und dem You Am I-Song “Berlin Chair” zusammen) bereits im Voraus in ihren saftigen Verriss mit einplanten, mussten reihenweise ihre Vorurteile nochmals überdenken, denn ganz offensichtlich hatten die äußerlich doch so drolligen Sunnyboys musikalisch weit mehr zu bieten als das übliche Pop-Teen-One-Hit-Wonder von der nächsten Ecke.

Tatsächlich erweist sich schon das schlicht wirkende Debüt als unvorstellbar erwachsen. Zwar hält “Frogstomp” qualitativ keinem Vergleich mit den Nachfolgern stand, doch für den Erstling von drei Newcomern im Teenageralter wirkt das Werk schier unvorstellbar ernstzunehmend. Ist man mit Johns, Joannou und Gillies zusammen aufgewachsen, so muss man sich selbst heute, mit 25 Jahren nicht mehr schämen, “Frogstomp” in den Player zu werfen. Die handwerkliche Qualität ist ebenso vorhanden wie die inhaltliche. Während Schwärme von kreischenden Teenies sich den Australiern um den Hals werfen, kann der erwachsene Musikfreund sich durchaus der Musik widmen - das Boyband-Klischee vom Beginn verliert seine Wirkung.

Eine unwiderstehlich leise beginnende Bassline leitet in “Israel’s Son” das Album ein und verspricht einen groovenden Grunge-Sound. Der kündigt sich langsam, aber sicher an; der Bass verdoppelt seine Lautstärke, kurz vor dem Finale zuckt die Gitarre vier Hiebe weit, bis sie die Führung ganz übernimmt. “Haaaaaaate is what I feel for you”, kreischt sich Daniel Johns in hoher Tonlage von der Seele, und man kann nicht anders, als den Headbanger zu machen. Alleine der Opener offenbart schon die Struktur, die Nirvanas “Smells Like Teen Spirit” zum Kult verholfen hat. John’s Stimme hat sich zwar bis zum vierten Studioalbum “Diorama” deutlich verfeinert und perfektioniert, doch schon hier lässt sie nicht viel im Verborgenen. Cobains Einflüsse sind allgegenwärtig.

Keine Zeit für Pausen; die Karriere-Initialzündung “Tomorrow” ist auf dem zweiten Rang platziert und überzeugt mit chillenden Crossover-Sounds (man könnte glatt auf die Idee kommen, die H-Blockx hätten sich hier für “Fly Eyes” bedient...), die in einen fett bretternden Chorus übergehen, der in spielerischen Zwischenpassagen zur Ruhe kommt.

An dieser Stelle ist bereits eine Erkenntnis zu ziehen: Silverchair bersten vor Potenzial, haben Songwriterqualitäten und einen Sinn für Melodie und packende Soundkonstrukte. Die Vorbilder wurden gut studiert, und doch kündigt sich in dem rotzig produzierten Album ein durchbrechender Stil an, der nichts mit der chartshaften Glattgebügeltheit am Hut hat, mit der man die Band in eine Schublade stecken wollte. Die Jugend scheint zu dieser Zeit das einzige Problem der Band zu sein, zugleich aber auch der große Trumpf, denn ein Jahr nach Kurt Cobains Selbstmord galt es, das Grunge-Erbe in die nächste Generation zu retten. Irgendwo war man einfach dankbar für diese junge Band; es war seitens des Publikums nicht so viel Zeit dazu da, sie entweder zu belächeln oder dann nach Feststellen der Qualitäten für abnormal oder abgehoben zu erklären.

“Faultline” ist an sich einer der “gewöhnlicheren” Songs der Platte, macht aber durch seine ungewöhnliche Struktur das Konzept deutlich, dem sich Silverchair wenigstens bis inklusive “Neon Ballroom” anvertrauten - man wollte Harmonie erreichen, indem man sich von dem offenkundigsten Weg löste. Die Harmonie sollte nicht über Harmonie erreicht werden, sondern über verschrobene, sich überschneidende Noten, über verdrehte Arrangements und linksgedrehte Brücken. Später würde Daniel Johns seine Musik zu einem vielschichtigen Event machen, unterlegt von orchestralen Elementen. Dieser Baustein fehlt hier zwar noch, der Stil, noch etwas undurchsichtig und verschwommen, zieht aber bereits in diese Richtung. Ein Zeugnis davon legt auch die weitere Single “Pure Massacre” ab - ein simples Riff für den Hintergrund, zwei nebeneinanderstehende Noten im Wechsel, und fertig ist der gebrochen und wütend zugleich wirkende Song.
“Shade” ist da als Folgesong perfekt abgestimmt, denn er stellt die erste Vollblutballade dar und suhlt sich in Zerbrechlichkeit, einem Element, mit dem Frontmann Daniel Johns in seinem noch jungen Leben schon oft zu tun hatte, was ihm dann schließlich auch das Image des Sonderlings einbrachte. Doch die Traurigkeit seiner Songs berührt, und das zählt.

Die letzten Songs bieten im Wechsel mal ruhigere Stücke, dann wieder härtere Kost. “Leave me out” ist die offensichtlichste Huldigung an Nirvana - die Grunge-Legenden triefen dem Song aus jeder Pore. In “Suicidal Dream” wagt sich Johns beachtlich tief in die eigene Psyche (“My Suicidal Dream - Voices Tellin’ Me What To Do”); “Madman” wird dann beinahe schon thrashig - mit einem Zwischenspiel, das wie Green Days “Brain Stew” wirkt... und dann bringt der Titel des nächsten Songs, “Undecided”, das etwas wirre hin und her der Stile durch seinen Titel ziemlich gut auf den Punkt. “Undecided” selbst rockt dabei nach einem ähnlichen Muster wie “Israel’s Son” mit einem isolierten Metal-Riff und schallenden, blechernen Drums, besitzt gar noch mehr vom “Brain Stew”-Flair als der Vorgänger. “Cicada” ist eine eher reine Rock-Nummer (zum Teil lassen Guns ‘n’ Roses und Aerosmith grüßen), und das schließende “Findaway” wagt sich in Space Rock-Gefilde.

Alle Achtung - das wäre das Fazit, dass aus diesem punkigen, grungigen Zugeständnis dreier viel versprechender Australier an ihre musikalischen Wurzeln zu ziehen ist. “Frogstomp” ist wohl das erwachsenste von 15-Jährigen eingespielte Album aller Zeiten. Selbst zehn Jahre später hat es immer noch das gewisse Etwas - es muss also mehr sein als eine gehypte Teen-Rockband, die durch einen Demo-Contest ihre 15 Minuten Ruhm einsacken konnte. Da wuchs etwas heran, da wurde ein musikalisches Erbe auf die nächste Generation übertragen, da fand eine Weiterentwicklung der Alternative-Musik statt. Wenn es im Leben immer nur aufwärts ginge, dann müssten Silverchair nach diesem Auftakt anno 2006 die größte Rockband auf diesem Planeten sein.
:liquid6: - nach Erwachsenenkriterien.

Extras
Einer Zeit entstammend, als Multimediaparts oder sonstige Zusätze für den Computer noch wilde Träumereien waren, besitzt diese CD keine Extras - zumal es sich hier um das Debüt einer Teen-Band handelt - da konnte man wohl sowieso nicht gerade aus dem Vollen schöpfen bei der Materialsuche.
:liquid0:

Artdesign
Schlichte Tintenschrift vermerkt den Bandnamen oben links, den Albumtitel unten rechts auf dem komplett weißen Cover. In der Mitte hockt ein schleimiger, grüner Frosch - das ist das simple Artwork, wie man es von derart rotzigen Newcomern erwarten würde. Enorm simpel, unkonzeptionell, aber recht kultig. In dem aufklappbaren Booklet begegnet man dem gleichen Frosch nochmals in rot, blau und gelb. Die CD selbst ist in mattem Silber gehalten.
:liquid5:

Fazit
Als jemand, der das Album fast seit Erscheinen kennt, finde ich immer noch viel Gefallen an dieser kleinen Grunge-Perle, was aber wohl auch ein wenig mit Nostalgie zu tun hat. Dennoch hat “Frogstomp” selbst bei nüchterner Betrachtung seine Highlights, die auch die Zeit überleben, fast so, wie es die großen Hits der Seattle-Helden um Nirvana oder Pearl Jam taten. Sicherlich ist auch einiges an Belanglosigkeit dabei, gerade aus heutiger Sicht, doch bedenkt man die Umstände, so ist das ein Knaller von einem Alternative-Album; zumal man bereits in Ansätzen miterleben darf, was mit “Freak Show” und “Neon Ballroom” zu voller Blüte reifen sollte.

Testequipment
AIWA NSX-SZ315

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 17.03.2006, 10:48

Tolles Review, geile Band! :D
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
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Beitrag von Vince » 17.03.2006, 14:54

Zumindest die alten Silverchair - das Diorama hat mir gar nicht mehr gefallen. Freak Show und Neon Ballroom waren aber nicht von schlechten Eltern.
Mal gucken, was das neue Album bringt (soll evtl. noch dieses Jahr erscheinen).

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Beitrag von freeman » 17.03.2006, 16:25

Sehr feines Review. Mit der Band selber kann ich nicht viel anfangen. Hab mir ein Album von zugelegt (glaube Neon Ballroom) und das nur wegen Anthem for the Year 2000 und dem Song über das Bulimiegirl ... ich glaube Diana heisst es. Sind auch die einzigen Songs des Albums, die ich mir anhöre, der Rest ist net so das meine.

In diesem Sinne:
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Beitrag von Vince » 17.03.2006, 16:47

Ana's Song.

Ich mag die wirklich sehr... die waren im Prinzip mein erster richtiger Kontakt mit so etwas wie anspruch und musikalisch mein erster Kontakt außerhalb der harmonischen Soundarrangements der üblichen Popmusik.

Leider sind Freak Show und Neon Ballroom inzwischen von der Unterseite so zerkratzt, dass ich die nimmer voll abspielen kann... brauch ich mal neu, da hängen Erinnerungen dran.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 18.03.2006, 18:58

Alt/Neu Silverchair :?

Vor RAR 2003 hatte ich mit Silverchair nicht viel am Hut, aber was die da für nen Auftritt hatten :shock:
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