Drawing Circles

Vertrieb: Listenable Records
Erscheinungsjahr: 2006
Laufzeit: 48:19
Anzahl der Tracks: 10
Extras: Bonus-DVD (Band/Studio-Doku, 11 min.)
Verpackung: Jewel Case
Tracklist:
01 - Drive
02 - Regenesis
03 - Denying Gravity
04 - Illumination
05 - Stream of Consciousness
06 - Upwards
07 - Circular
08 - Millstone
09 - Touching the Absolute
10 - Surreal State of Enlightenment
Wenn man das erste mal das aktuelle Werk von Textures aus dem benachbarten Holland in den Player schiebt, kommen einem sofort zwei andere Extrem-Künstler in den Sinn: Das sind auf der einen Seite die schwedischen Polyrhythmik-Könige von Meshuggah und der kanadische Workaholic Devin Townsend (Strapping Young Lad, Devin Townsend Band). Man tut der Band aber auf jeden Fall unrecht, sie vorschnell als Plagiat der beiden Genannten abzustempeln.
Der Meshuggah-Eindruck bleibt zwar latent über die ganze Laufzeit der CD vorhanden, was natürlich auch am vorhandenen polyrhythmischen Drumming und den Holdsworth'schen Gitarren-Leads liegt. Textures schaffen es aber, diesen Eindruck durch geschicktes Einflechten von überaus gelungenen melodischen Parts (und da sind wir wieder bei Onkel Devin) wesentlich aufzulockern und damit Zweifel an der Eigenständigkeit des Sextetts (ja, die volle Besetzung, denn es gibt sogar einen festen Synthie-Spieler!) in alle metallischen Winde zu zerstreuen. Denn im Gegensatz zu den schwedischen Vorbildern haben die Holländer in Eric Kalsbeek einen Frontmann gefunden, der neben dem Hardcore-Geshoute auch richtig SINGEN kann. Dies kommt vor allem in dem poppig angehauchten Intermezzo "Illumination" und in dem ruhigen, fast durchgehend von Clean-Gitarren und Synthies getragenen "Upwards" zur Geltung. Die andere Seite der Band zeigt sich dann wieder in Wutausbrüchen wie in "Scream of consciousness", bei dem in manchen Parts in bester Death-Metal-Manier geholzt wird, ohne aber den roten Song-Faden zu verlieren. Als Highlight des Albums würde ich mal "Touching the absolute" nennen, das in über 8 Minuten Laufzeit alle Vorzüge der Band vereint. Wenn einem der Erstling "Polars" geläufig ist, kann man im Übrigen deutlich über die gesamte Laufzeit der CD heraushören, dass die Band in kompositorischer Hinsicht einen Schritt nach vorne gemacht hat. Was auf dem keineswegs schlechten Vorgänger noch teilweise etwas erzwungen klang, nämlich das Aneinanderreihen von ruhigen, jazzigen und richtig heftigen Parts, wurde auf "Drawing Circles" fast schon perfektioniert.
Fazit: Textures sind extrem - in jeder Hinsicht. Wer aber Gefallen an einer oder an beiden oben erwähnten Bands findet, sollte "Drawing Circles" auf alle Fälle mal Gehör schenken, denn es ist eigentlich ein Pflichtwerk für den aufgeschlossenen Metal-Hörer. Das technische/rhythmische Niveau der Band ist überragend und die Qualität der Songs steht da in nichts nach, auch nur minimale Ausfälle sucht man vergebens. Meine Meinung steht: Diese Album ist eine Klasse besser als der letzte Meshuggah-Output, auch wenn die Schweden im Schnitt sicher den höheren Härtegrad für sich beanspruchen können.
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