[CD] Porcupine Tree - On the Sunday of Life...
Verfasst: 23.06.2007, 15:09
Porcupine Tree
On the Sunday of Life... (1991)
![Bild](http://ec1.images-amazon.com/images/I/31VXYAAP14L._AA240_.jpg)
Technische Daten
Vertrieb: Snapper Music (Re-Release)
Laufzeit: 75:54 Min.
Anzahl der Tracks: 18
Extras: Keine
Booklet: 16 Seiten
Verpackung: Digipak, 1-fach aufklappbar, Booklet in Schubfach in der linken Seite
Tracklist
Part I - "First Love"
01. Music for the Head – 2:42
02. Jupiter Island – 6:12
03. Third Eye Surfer – 2:50
04. On the Sunday of Life... – 2:07
05. The Nostalgia Factory – 7:28
Part II - "Second Sight"
06. Space Transmission – 2:59
07. Message from a Self-Destructing Turnip – 0:27
08. Radioactive Toy – 10:00
09. Nine Cats – 3:53
Part III - "Third Eye"
10. Hymn – 1:14
11. Footprints – 5:56
12. Linton Samuel Dawson – 3:04
13. And the Swallows Dance Above the Sun – 4:05
14. Queen Quotes Crowley – 3:48
Part IV - "Fourth Bridge"
15. No Luck With Rabbits – 0:46
16. Begonia Seduction Scene – 2:14
17. This Long Silence – 5:05
18. It Will Rain for a Million Years – 10:51
Kritik
Ich hoffe, dass dieses Album niemals jemandem in die Hände fällt, der sich erstmals mit Porcupine Tree auseinander setzen will und wahllos ein beliebiges Album herausgreift. Die Folgen könnten fatal sein.
Wer angesichts der pessimistischen Haltung der Band anno 2007 auf dem Meisterwerk “Fear of a Blank Planet” glaubt, Steven Wilson habe keinen Sinn für Humor und klinge mit seiner Anklage gegen die “iPod-Generation” wie ein verbitterter alter Mann, der hat sich aber mächtig geschnitten. Das wird jedem gewahr, der sich mal mit der Entstehungsgeschichte Porcupine Trees auseinandergesetzt hat - oder wer einfach mal auf den Bandnamen geschaut hat.
Mir ist nicht bekannt, welche Teufel Steven Wilson geritten haben, sich so einen Unsinn auszudenken, aber Ende der 80er Jahre hatte der damals schon fest in der Musikszene verankerte Brite plötzlich die Schnapsidee, eine fiktive Band zu erfinden und sie in die Welt zu entlassen. Porcupine Tree, zu deutsch “Stachelschweinbaum” sollten die Herren heißen und eine Progrock-Kappelle aus den 70er Jahren sein. Spaßvogel Wilson erfindet also munter Discografie, Biographien und am Ende geht der Spaß so weit, dass er im Alleingang ein Tape mit Songs zusammenstellt. Der Titel: “Tarquins Seaweed Farm”. Das bekommt der spätere Gründer des Labels “Delerium” in die Hände und möchte prompt ein Stück für einen Progsampler haben.
Wilson scheint zunehmend Gefallen daran zu finden, dass er derart für voll genommen wird und veröffentlicht flugs ein weiteres Tape: “The Nostalgia Factory”. Und die wird bei Delerium veröffentlicht und haut rein wie eine Bombe. Wat nu?
Der bislang vollkommen alleine agierende Wilson musste sich nun für Live-Auftritte eine Band suchen und so wurde aus dem Spaß langsam ernst und die “echten” Porcupine Tree, die 1989 ihren Anfang nahmen, entstanden.
“On the Sunday of Life...” gilt als das Debüt, hat aber mit der eigentlichen Band nichts am Hut und ist noch das alleinige Projekt Wilsons. Es handelt sich um die angesprochenen Tapes “Tarquins Seaweed Farm” und “The Nostalgia Factory”, die gemeinsam auf eine Scheibe gepresst wurden. Alles alleine eingespielt, inklusive nervendem Drum-Computer, die Songs teilweise als Teenager geschrieben - und dennoch ist “On the Sunday of Life...” nicht ganz die peinliche Kuriosität, die man erwarten würde. Nur zum Teil. Partikelweise ist das aber schon ziemlich solider Stoff und weshalb Porcupine Tree heute als wichtigste Progrock-Band gelten, obwohl sie eigentlich weniger richtigen Progrock spielen als vielmehr den so genannten “New Artrock”, wird einem bei dem 70-Minüter stellenweise schon ganz gut klar.
Unter aller Kanone ist das Album in Sachen Aufbau: Obwohl die Songs bedeutungsschwanger in vier Abschnitte aufgeteilt wurden, herrscht konzeptionell das totale Chaos. Es gibt vor allem zwei ganz, ganz schlimme Fehler auf der Scheibe, und die hören auf die Namen “Jupiter Island” (Track 02) und “Linton Samuel Dawson” (Track 12). Wird noch im Intro eine hypnotisierende psychedelische Atmosphäre aufgebaut, reißt “Jupiter Island” sie mit einem nervigen “Humpa-Humpa”-Rhythmus wieder ein. Gleiches gilt später für “Linton Samuel Dawson” - der Song, den der Delerium-Boss, warum auch immer, für seinen Sampler haben wollte. Und der zerstört noch viel mehr, denn zum einen quäkt Wilson hier unsäglicherweise mit einer gepitchten Stimme herum wie ein gefolterter Schlumpf, zum anderen hat sich vorher einige Stücke lang so etwas wie Atmosphäre aufgebaut, die hier wieder brutal niedergerissen wird.
Denn das Stück “Radioactive Toy” lief zu diesem Zeitpunkt schon und hier handelt es sich um den einzigen Song, der von diesem Album heute noch als Klassiker gilt und auf Konzerten regelmäßig gespielt wird. Zu Recht! Er lässt schon mal vernehmen, was die Kombo zu “Signify”-, Stupid Dream”- und “Lightbulb Sun”-Zeiten noch auf die Beine stellen würde. Ein absolut tolles Stück, das mit seiner sich zyklisch wiederholenden, pulsierenden Psychedelic-Anmut punkten kann und nicht zuletzt mit einem sehr schönen Gitarrensolo aufwartet.
Doch “Radioactive Toy” ist mitnichten das einzige Highlight; gleich “Nine Cats” berührt schon wieder als gefühlvolle Ballade, das verschrobene “Footprints” klingt sogar ein klein wenig böse und “It Will Rain For A Million Years” ist ein schön atmosphärischer Abschluss mit Regeneffekten. Auch sonst verbirgt sich viel Spannendes in dem eigentlich doch nicht ernst zu nehmenden Werk, das sich durch das reine Schweben in der Atmosphäre ergibt.
Repräsentativ für das Gesamtwerk ist “On the Sunday of Life...” aber auf keinen Fall und so möchte ich jedem Neuling mit Nachdruck davon abraten, sich mit dem Debüt zu befassen, bis nicht die wichtigsten Werke bereits goutiert wurden. Kenner dürfen dann zugreifen und ein ganzes Feld von brachliegendem Potenzial abgrasen, das später große Früchte tragen würde. Nur aus infantilem Quatsch wie “Jupiter Island” und “Linton Samuel Dawson” lässt sich nun wirklich gar nichts ziehen.
Extras
Nixupine Tree.
Artdesign
Also ich kenne definitiv schönere Cover, auch von Porcupine Tree. Keine Ahnung, was mir das sagen soll - eine Frau, die - nimmt man die Bookletrückseite zur Hilfe - wohl von so etwas wie einem Sprungbrett in so etwas wie einen Pool hinunterspringt (obwohl weder Brett noch Pool zu sehen sind), und das Ganze vor einer dörflichen Idylle im Zwielicht... hmm. Vielleicht hat das was mit Richtungszuweisungen zu tun, denn die Frau bewegt sich ja nach unten und “On the Sunday of Life...” wird wohl was mit dem Lebensabend zu tun haben, und sowas auf dem Debüt eines 20-Jährigen. Und das nächste Album heißt ja auch noch “Up the Downstair”. Schon wieder Richtungen. Sehr merkwürdig, das alles...
Im Bookletinneren finden sich die Songtexte vor überwiegend holzschnittartig aussehenden Bildern, die sehr altmodisch wirken. Auch hier passt es, dass nichts passt...
Fazit
Obwohl sich viele gute Ansätze zeigen, empfiehlt sich "On the Sunday of Life..." nur für Komplettisten.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder
![Bild](http://img187.imageshack.us/img187/6030/onthesunday01up3.jpg)
![Bild](http://img411.imageshack.us/img411/4400/onthesunday02se3.jpg)
_____________________________________________________________
gelini71 sieht das ganze Wertungstechnisch etwas lockerer, warnt aber auch
Die Story ist ja wirklich zu putzig, die kann man sich so gar nicht besser ausdenken: Ein Teenager mit Namen Steven Wilson ist vom lieben Gott mit einem überdurchschnittlichen Musikalischen Talent gesegnet. So bringt sich klein Steven selber das spielen diverser Instrumente bei und bastelt Nachmittags nach der Schule in seinem Jugendzimmer mit Hilfe von Gitarre, Drummachine, Keyboard, Mischpult und Mehrspurtape eigene Songs zusammen. Hilfe bekommt er lediglich von einem Schulkameraden Namens Alan Duffy, der für einige Songs Texte schreibt. Nachdem Steven einige Songs zusammen hat werden diese auf Tapes überspielt, er bastelt ein Cover dazu, erfindet einige fiktive Mitspieler und gibt dem ganzen den Namen Porcupine Tree (nebenbei: der wohl blödeste Bandname den man sich vorstellen kann. Stachelschweinbaum ! Geht’s noch ?
) und bastelt dann noch als Krönung eine komplett erfundene Biografie dieser fiktiven Gruppe dazu. Insgesamt drei verschiedene Tapes entstehen, zwei davon jeweils in einer Auflage von nur 10 Stück, die entweder an Freunde verschenkt oder an potentielle Plattenfirmen verschickt werden. Tja – und eines Tages meldet sich tatsächlich das kleine Label Delerium und gibt Steven Wilson (mittlerweile Anfang 20 und schon mit der Gruppe No-Man aktiv) etwas Geld um seine Kreativität in einem Profitonstudio freien Lauf zu lassen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte – aus Steven Wilson, dem Homeproduzenten wird der Erfolgreichste und auch Einflussreichste Indiemusiker der letzten Jahre und sogar so was wie eine Kultfigur.
„On the Sunday of Life“ ist strenggenommen kein richtiges Album sondern eine Art Best-of eben jener drei Homemade Tapes. Das gibt auch die grobe Richtung vor: Dies ist kein vollwertiges Album sondern ein Frühwerk im Demostyle, das muß man sich als Hörer von vornherein klar machen und auch eben keine falschen Erwartungen haben. Die Gefahr enttäuscht zu werden ist viel zu groß – vor allen wenn man nur mit dem neueren Werk der Gruppe vertraut ist und sich quasi rückwärts an die Anfänge hört.
Musikalisch ist das ganze ein ziemlich wilder Kraut- und Rübensalat aus diversen Einflüssen und Stilen. Viele der „Songs“ entstanden teilweise innerhalb weniger Stunden, zudem war die Studioausstattung teilweise eben recht dürftig was sich auch im Klangbild bemerkbar macht. Es sind eben Demos von einem sehr jungen, (noch) unerfahrenen Musiker der wild experimentiert und aus den bescheidenen Produktionsmittel das beste rausholt. Ein festen Musikalischen Stil gibt es nicht – von Rock über Ambientexperimente bis hin zu sowasähnlichen wie Pop ist alles dabei. Die Songs sind grob zu vier „Paketen“ zusammengefasst (den ursprünglichen 4 Vinylseiten) , zwischen den längeren Liedern befinden sich kleine Ambient Zwischenspiele welche die einzelnen Elemente verbinden. Man merkt direkt – Steven Wilson hatte schon in jungen Jahren den Tripcharakter seiner Musik im Sinn.
Es gibt in diesem Sammelsurium und Kuriositätenkabinett sogar richtig gute Songs – „Radioaktive Toy“ wird so was wie der erste Hit werden und der geht schon recht genau in die Richtung in die Porcupine Tree in den 90iger Jahren gehen werden. Das fast Instrumental „It will rain for a million Years“ klingt ziemlich stark nach Pink Floyd (die große Konstante im Wilson Frühwerk) und „the Nostalgia Factory“ ist ein ziemlich gut gelungener Pop-Rock Song geworden dessen größtes Manko die bescheidenen Produktionsmittel sind (Stichwort: Drumcomputer). Neben einigen netten Zwischenspielen wie der Flöteneinstieg „Music for the Head“ (bricht leider ziemlich abrupt ab) oder „Space Transmission“ mit seiner Roboterstimme gibt es aber auch reichlich Gewöhnungsbedürftiges wie „Jupiter Island“ oder „Linton Samuel Dawson“. Die Angewohnheit, seine eigene Singstimme durch diverse Effektgeräte zu jagen hatte Wilson auch schon in jungen Jahren, wobei ich die Helium Mickey Mouse Stimme von „Linton Samuel Dawson“ noch gar nicht mal als so lustig empfand. Lachen musste ich eher bei „Nine Cats“ wo es Wilsons sehr junge, noch untrainierte Stimme ohne Filter oder Effekte gibt – und das klingt wirklich reichlich dünn. Der Song als solches ist natürlich Klasse, ich persönlich bevorzuge allerdings die etwas reifere Fassung vom „Insignficance“ Album.
Wie will man das ganze nur bewerten ? Es ist schwierig, weil es eben nicht komplett ein Reinfall ist. Es sind eben (wie schon erwähnt) Demos – und die beweisen recht Eindrucksvoll das auch ein Steven Wilson mal ganz klein angefangen hat. Was mir persönlich gefällt ist die Rohheit, die Direktheit, das etwas Amateurhafte in der Musik. Viele Ideen bzw Richtungen werden später zur Perfektion hin weiterentwickelt, andere dagegen zum Glück wieder verworfen und nicht weiter verfolgt. Das Steven Wilson zu diesen frühen „Schandtaten“ steht und diese immer noch zum Verkauf anbietet macht ihn irgendwie sympathisch, denn viele andere Künstler hätten diese Frühwerke wohl für immer weggeschlossen. Das sich das ganze sogar über 20.000 mal verkauft hat ist dann doch verwunderlich – vor allen für Wilson selber.
Jeder der dieses Album als „Schrott“ oder gar als „Scheiße“ bezeichnet sollte sich mal vor Augen halten das genau diese Stücke es waren die Steven Wilson eine Weltkarriere ermöglicht haben – wer es also komplett blöd findet hätte als A&R Manager eines Musiklabels einen Potentiellen Erfolgsmusiker abgelehnt. Nur so als Gedankengang....
Ich gebe dem ganzen eine
, einfach weil es mir trotz aller Trashigkeit gefällt, ich das ganze irgendwie lustig finde und beim anhören gute Laune bekomme. Es hat irgendwie was von einem Mixtape mit seinen diversen Stimmungsschwankungen und einige Songs gefallen mir richtig gut. Einige Augen habe ich aber bei der Wertung auch zugedrückt und etliche fünfe gerade sein lassen
.
On the Sunday of Life... (1991)
![Bild](http://ec1.images-amazon.com/images/I/31VXYAAP14L._AA240_.jpg)
Technische Daten
Vertrieb: Snapper Music (Re-Release)
Laufzeit: 75:54 Min.
Anzahl der Tracks: 18
Extras: Keine
Booklet: 16 Seiten
Verpackung: Digipak, 1-fach aufklappbar, Booklet in Schubfach in der linken Seite
Tracklist
Part I - "First Love"
01. Music for the Head – 2:42
02. Jupiter Island – 6:12
03. Third Eye Surfer – 2:50
04. On the Sunday of Life... – 2:07
05. The Nostalgia Factory – 7:28
Part II - "Second Sight"
06. Space Transmission – 2:59
07. Message from a Self-Destructing Turnip – 0:27
08. Radioactive Toy – 10:00
09. Nine Cats – 3:53
Part III - "Third Eye"
10. Hymn – 1:14
11. Footprints – 5:56
12. Linton Samuel Dawson – 3:04
13. And the Swallows Dance Above the Sun – 4:05
14. Queen Quotes Crowley – 3:48
Part IV - "Fourth Bridge"
15. No Luck With Rabbits – 0:46
16. Begonia Seduction Scene – 2:14
17. This Long Silence – 5:05
18. It Will Rain for a Million Years – 10:51
Kritik
Ich hoffe, dass dieses Album niemals jemandem in die Hände fällt, der sich erstmals mit Porcupine Tree auseinander setzen will und wahllos ein beliebiges Album herausgreift. Die Folgen könnten fatal sein.
Wer angesichts der pessimistischen Haltung der Band anno 2007 auf dem Meisterwerk “Fear of a Blank Planet” glaubt, Steven Wilson habe keinen Sinn für Humor und klinge mit seiner Anklage gegen die “iPod-Generation” wie ein verbitterter alter Mann, der hat sich aber mächtig geschnitten. Das wird jedem gewahr, der sich mal mit der Entstehungsgeschichte Porcupine Trees auseinandergesetzt hat - oder wer einfach mal auf den Bandnamen geschaut hat.
Mir ist nicht bekannt, welche Teufel Steven Wilson geritten haben, sich so einen Unsinn auszudenken, aber Ende der 80er Jahre hatte der damals schon fest in der Musikszene verankerte Brite plötzlich die Schnapsidee, eine fiktive Band zu erfinden und sie in die Welt zu entlassen. Porcupine Tree, zu deutsch “Stachelschweinbaum” sollten die Herren heißen und eine Progrock-Kappelle aus den 70er Jahren sein. Spaßvogel Wilson erfindet also munter Discografie, Biographien und am Ende geht der Spaß so weit, dass er im Alleingang ein Tape mit Songs zusammenstellt. Der Titel: “Tarquins Seaweed Farm”. Das bekommt der spätere Gründer des Labels “Delerium” in die Hände und möchte prompt ein Stück für einen Progsampler haben.
Wilson scheint zunehmend Gefallen daran zu finden, dass er derart für voll genommen wird und veröffentlicht flugs ein weiteres Tape: “The Nostalgia Factory”. Und die wird bei Delerium veröffentlicht und haut rein wie eine Bombe. Wat nu?
Der bislang vollkommen alleine agierende Wilson musste sich nun für Live-Auftritte eine Band suchen und so wurde aus dem Spaß langsam ernst und die “echten” Porcupine Tree, die 1989 ihren Anfang nahmen, entstanden.
“On the Sunday of Life...” gilt als das Debüt, hat aber mit der eigentlichen Band nichts am Hut und ist noch das alleinige Projekt Wilsons. Es handelt sich um die angesprochenen Tapes “Tarquins Seaweed Farm” und “The Nostalgia Factory”, die gemeinsam auf eine Scheibe gepresst wurden. Alles alleine eingespielt, inklusive nervendem Drum-Computer, die Songs teilweise als Teenager geschrieben - und dennoch ist “On the Sunday of Life...” nicht ganz die peinliche Kuriosität, die man erwarten würde. Nur zum Teil. Partikelweise ist das aber schon ziemlich solider Stoff und weshalb Porcupine Tree heute als wichtigste Progrock-Band gelten, obwohl sie eigentlich weniger richtigen Progrock spielen als vielmehr den so genannten “New Artrock”, wird einem bei dem 70-Minüter stellenweise schon ganz gut klar.
Unter aller Kanone ist das Album in Sachen Aufbau: Obwohl die Songs bedeutungsschwanger in vier Abschnitte aufgeteilt wurden, herrscht konzeptionell das totale Chaos. Es gibt vor allem zwei ganz, ganz schlimme Fehler auf der Scheibe, und die hören auf die Namen “Jupiter Island” (Track 02) und “Linton Samuel Dawson” (Track 12). Wird noch im Intro eine hypnotisierende psychedelische Atmosphäre aufgebaut, reißt “Jupiter Island” sie mit einem nervigen “Humpa-Humpa”-Rhythmus wieder ein. Gleiches gilt später für “Linton Samuel Dawson” - der Song, den der Delerium-Boss, warum auch immer, für seinen Sampler haben wollte. Und der zerstört noch viel mehr, denn zum einen quäkt Wilson hier unsäglicherweise mit einer gepitchten Stimme herum wie ein gefolterter Schlumpf, zum anderen hat sich vorher einige Stücke lang so etwas wie Atmosphäre aufgebaut, die hier wieder brutal niedergerissen wird.
Denn das Stück “Radioactive Toy” lief zu diesem Zeitpunkt schon und hier handelt es sich um den einzigen Song, der von diesem Album heute noch als Klassiker gilt und auf Konzerten regelmäßig gespielt wird. Zu Recht! Er lässt schon mal vernehmen, was die Kombo zu “Signify”-, Stupid Dream”- und “Lightbulb Sun”-Zeiten noch auf die Beine stellen würde. Ein absolut tolles Stück, das mit seiner sich zyklisch wiederholenden, pulsierenden Psychedelic-Anmut punkten kann und nicht zuletzt mit einem sehr schönen Gitarrensolo aufwartet.
Doch “Radioactive Toy” ist mitnichten das einzige Highlight; gleich “Nine Cats” berührt schon wieder als gefühlvolle Ballade, das verschrobene “Footprints” klingt sogar ein klein wenig böse und “It Will Rain For A Million Years” ist ein schön atmosphärischer Abschluss mit Regeneffekten. Auch sonst verbirgt sich viel Spannendes in dem eigentlich doch nicht ernst zu nehmenden Werk, das sich durch das reine Schweben in der Atmosphäre ergibt.
Repräsentativ für das Gesamtwerk ist “On the Sunday of Life...” aber auf keinen Fall und so möchte ich jedem Neuling mit Nachdruck davon abraten, sich mit dem Debüt zu befassen, bis nicht die wichtigsten Werke bereits goutiert wurden. Kenner dürfen dann zugreifen und ein ganzes Feld von brachliegendem Potenzial abgrasen, das später große Früchte tragen würde. Nur aus infantilem Quatsch wie “Jupiter Island” und “Linton Samuel Dawson” lässt sich nun wirklich gar nichts ziehen.
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Extras
Nixupine Tree.
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Artdesign
Also ich kenne definitiv schönere Cover, auch von Porcupine Tree. Keine Ahnung, was mir das sagen soll - eine Frau, die - nimmt man die Bookletrückseite zur Hilfe - wohl von so etwas wie einem Sprungbrett in so etwas wie einen Pool hinunterspringt (obwohl weder Brett noch Pool zu sehen sind), und das Ganze vor einer dörflichen Idylle im Zwielicht... hmm. Vielleicht hat das was mit Richtungszuweisungen zu tun, denn die Frau bewegt sich ja nach unten und “On the Sunday of Life...” wird wohl was mit dem Lebensabend zu tun haben, und sowas auf dem Debüt eines 20-Jährigen. Und das nächste Album heißt ja auch noch “Up the Downstair”. Schon wieder Richtungen. Sehr merkwürdig, das alles...
Im Bookletinneren finden sich die Songtexte vor überwiegend holzschnittartig aussehenden Bildern, die sehr altmodisch wirken. Auch hier passt es, dass nichts passt...
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Fazit
Obwohl sich viele gute Ansätze zeigen, empfiehlt sich "On the Sunday of Life..." nur für Komplettisten.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
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![Bild](http://img411.imageshack.us/img411/4400/onthesunday02se3.jpg)
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gelini71 sieht das ganze Wertungstechnisch etwas lockerer, warnt aber auch
Die Story ist ja wirklich zu putzig, die kann man sich so gar nicht besser ausdenken: Ein Teenager mit Namen Steven Wilson ist vom lieben Gott mit einem überdurchschnittlichen Musikalischen Talent gesegnet. So bringt sich klein Steven selber das spielen diverser Instrumente bei und bastelt Nachmittags nach der Schule in seinem Jugendzimmer mit Hilfe von Gitarre, Drummachine, Keyboard, Mischpult und Mehrspurtape eigene Songs zusammen. Hilfe bekommt er lediglich von einem Schulkameraden Namens Alan Duffy, der für einige Songs Texte schreibt. Nachdem Steven einige Songs zusammen hat werden diese auf Tapes überspielt, er bastelt ein Cover dazu, erfindet einige fiktive Mitspieler und gibt dem ganzen den Namen Porcupine Tree (nebenbei: der wohl blödeste Bandname den man sich vorstellen kann. Stachelschweinbaum ! Geht’s noch ?
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![Winken :wink:](./images/smilies/icon_wink.gif)
„On the Sunday of Life“ ist strenggenommen kein richtiges Album sondern eine Art Best-of eben jener drei Homemade Tapes. Das gibt auch die grobe Richtung vor: Dies ist kein vollwertiges Album sondern ein Frühwerk im Demostyle, das muß man sich als Hörer von vornherein klar machen und auch eben keine falschen Erwartungen haben. Die Gefahr enttäuscht zu werden ist viel zu groß – vor allen wenn man nur mit dem neueren Werk der Gruppe vertraut ist und sich quasi rückwärts an die Anfänge hört.
Musikalisch ist das ganze ein ziemlich wilder Kraut- und Rübensalat aus diversen Einflüssen und Stilen. Viele der „Songs“ entstanden teilweise innerhalb weniger Stunden, zudem war die Studioausstattung teilweise eben recht dürftig was sich auch im Klangbild bemerkbar macht. Es sind eben Demos von einem sehr jungen, (noch) unerfahrenen Musiker der wild experimentiert und aus den bescheidenen Produktionsmittel das beste rausholt. Ein festen Musikalischen Stil gibt es nicht – von Rock über Ambientexperimente bis hin zu sowasähnlichen wie Pop ist alles dabei. Die Songs sind grob zu vier „Paketen“ zusammengefasst (den ursprünglichen 4 Vinylseiten) , zwischen den längeren Liedern befinden sich kleine Ambient Zwischenspiele welche die einzelnen Elemente verbinden. Man merkt direkt – Steven Wilson hatte schon in jungen Jahren den Tripcharakter seiner Musik im Sinn.
Es gibt in diesem Sammelsurium und Kuriositätenkabinett sogar richtig gute Songs – „Radioaktive Toy“ wird so was wie der erste Hit werden und der geht schon recht genau in die Richtung in die Porcupine Tree in den 90iger Jahren gehen werden. Das fast Instrumental „It will rain for a million Years“ klingt ziemlich stark nach Pink Floyd (die große Konstante im Wilson Frühwerk) und „the Nostalgia Factory“ ist ein ziemlich gut gelungener Pop-Rock Song geworden dessen größtes Manko die bescheidenen Produktionsmittel sind (Stichwort: Drumcomputer). Neben einigen netten Zwischenspielen wie der Flöteneinstieg „Music for the Head“ (bricht leider ziemlich abrupt ab) oder „Space Transmission“ mit seiner Roboterstimme gibt es aber auch reichlich Gewöhnungsbedürftiges wie „Jupiter Island“ oder „Linton Samuel Dawson“. Die Angewohnheit, seine eigene Singstimme durch diverse Effektgeräte zu jagen hatte Wilson auch schon in jungen Jahren, wobei ich die Helium Mickey Mouse Stimme von „Linton Samuel Dawson“ noch gar nicht mal als so lustig empfand. Lachen musste ich eher bei „Nine Cats“ wo es Wilsons sehr junge, noch untrainierte Stimme ohne Filter oder Effekte gibt – und das klingt wirklich reichlich dünn. Der Song als solches ist natürlich Klasse, ich persönlich bevorzuge allerdings die etwas reifere Fassung vom „Insignficance“ Album.
Wie will man das ganze nur bewerten ? Es ist schwierig, weil es eben nicht komplett ein Reinfall ist. Es sind eben (wie schon erwähnt) Demos – und die beweisen recht Eindrucksvoll das auch ein Steven Wilson mal ganz klein angefangen hat. Was mir persönlich gefällt ist die Rohheit, die Direktheit, das etwas Amateurhafte in der Musik. Viele Ideen bzw Richtungen werden später zur Perfektion hin weiterentwickelt, andere dagegen zum Glück wieder verworfen und nicht weiter verfolgt. Das Steven Wilson zu diesen frühen „Schandtaten“ steht und diese immer noch zum Verkauf anbietet macht ihn irgendwie sympathisch, denn viele andere Künstler hätten diese Frühwerke wohl für immer weggeschlossen. Das sich das ganze sogar über 20.000 mal verkauft hat ist dann doch verwunderlich – vor allen für Wilson selber.
Jeder der dieses Album als „Schrott“ oder gar als „Scheiße“ bezeichnet sollte sich mal vor Augen halten das genau diese Stücke es waren die Steven Wilson eine Weltkarriere ermöglicht haben – wer es also komplett blöd findet hätte als A&R Manager eines Musiklabels einen Potentiellen Erfolgsmusiker abgelehnt. Nur so als Gedankengang....
Ich gebe dem ganzen eine
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