
Technische Daten:
Label: Roadrunner Records
Tracks: 12
Laufzeit: 64:42 min
Extras: keine
Verpackung: Jewel Case
Tracklist:
1. Under Pregnatnt Skies She Comes Alive Like Miss Leviathan
2. Dirge Inferno
3. Tonight In Flames
4. Libertina Grimm
5. The Byronic Man
6. I Am The Thorn
7. Cemetary And Sundown
8. Lovesick For Mina
9. The Foetus Of A New Day Kicking
10. Rise Of The Pentagram
11. Under Huntress Moon
12. Temptation
Kritik:
Im Oktober, des Jahres 2006, war es wieder soweit, die Wiege des Schmutzes, um Oberschmutzfink Dani Filth, warf ihren siebten Longplayer auf den Mark. Alle „truen“ Black Metal-Puristen konnten wieder die Decken hoch gehen, witterten den kommerziellen Ausverkauf und beschworen ein weiteres Mal den Untergang ihres Genres. Die teils fast fanatischen Fans erwarteten nichts weiter als ein nächstes bahnbrechendes Meisterswerk. Hohe Erwartungshaltungen hatten die Herren also zu erfüllen, wollte man doch keine der beiden Seiten enttäuschen.
Gleich vorweg nehmen lässt sich, dass sie das im Bezug auf die Puristen mal wieder problemlos geschafft haben. Den Black Metal tangieren die Herren nämlich nur noch peripher, vielmehr ist er ein Element von vielen geworden, welches ihre Musik im gesamten ausmacht. Dafür haben sie sich ordentlich vom Trash und Death Metal inspirieren lassen, was auch deutlicher als je zuvor in ihren Songs auszumachen ist. Im Grunde ist „Thornography“ also nur ein weiterer logischer Schritt ihrer Entwicklung, die sie mit der „Median“ im Jahre 2000 eingeleitet haben, nur das Bombastwerk „Damnation and a Day“ fällt etwas aus dem Rahmen. Auch Dani Filths Gekreische in sehr hohen Tonlagen ist dem Rotstift zu Opfer gefallen, was sich aber deutlich zugunsten der Hörfreundlichkeit auswirkt. Nach sieben Alben muss der Mann, auch nicht mehr beweisen was für eine wandlungsfähige und in diesem Bereich der Musik einzigartige Stimme er hat.
Von einem Cradle of Filth typischen orchestralen Bombastintro eingeleitet, begeben wir uns also einmal mehr in eine Welt der Dunkelheit, Erotik, Laszivität, des Abseitigen und allem was die schmutzige Phantasie eines Menschen hergibt. Schon der Opener „Dirge Inferno“ liefert all diese Zutaten, die ihren Sound anno 2006 ausmachen. Dani Filth kreischt, krächzt, grunzt und kotzt seine Lyrics über einen Track, welcher gespickt ist mit Trash Metal Harmonien und eisenharten Gitarrenriffs. Auf „Tonight in Flames“ treffen wir ihn dann zum ersten Mal an, den fast ohrwurmlastigen Refrain, der einen auffordert Mitzusingen. Dieses Phänomen wird uns noch öfter im Laufe des Albums begegnen, da die Herren ihr Songwriting gründlich abgespeckt haben. Der Bombast ist größtenteils zugunsten dreckiger Heavy Metal Sounds gewichen, so sind alle Songs von einem Wechselspiel zwischen dreckiger Heavyness und grandiosen Melodiebögen geprägt. Ganz ohne Bombast können sie dann aber doch nicht, nur werden orchestrale Klänge und Keyboardteppiche viel minimalistischer und gezielter eingesetzt, als noch auf den direkten Vorgängern. Daraus resultiert eine gesteigerte Eingängigkeit, alles wirkt homogener, griffiger und auch gerade deshalb etwas zugänglicher für eine breitere Masse an Hörern. Das der Vorwurf des kommerziellen Ausverkaufs wieder aufkeimen würde, war Cradle of Filth wohl auch bewusst, so lässt man, sicherlich nicht frei von einem provokativen Hintergedanken, in „The Byronic Man“ Ville Valo , im letzten Drittel des Düstersongs, an das Mikro. Spätestens hier wird wohl jeder Purist die Flinte ins Korn werfen, doch wer sich solcher Melodiebomben wie „Cemetary and Sundown“ oder „The Foetus of a new Day Kicking“, welches sich mit dem Thema „Ground Zero“ auseinandersetzt, beraubt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Trotz der augenscheinlichen Eingängigkeit hat man aber darauf geachtet, nicht in Eintönigkeit zu verfallen, so haben die Herren neben den genial simplen Stücken auch Tracks epischen Ausmaßes im Stile eines „Lovesick for Mina“ auf den Longplayer gebannt, welcher ohne Zweifel zu dem bestem gehört was die Band jemals geschrieben hat. Ebenfalls sehr episch geraten ist, dass erste komplett instrumentale Lied ihrer Karriere „Rise of the Pentagram“, in dem der Hellraiser persönlich die Einleitungsworte spricht. Nach dem obligatorischen Duett mit der guten Sarah Jezebel Deva, wird uns mit „Temptation“ zum Abschluss noch eine Coverversion der 80er Jahre Band Heaven 17 um die Ohren geballert, auf der Dani Filth von einer schönen blonden Frau, wie schon des Öfteren, gesanglich Unterstützt wird.
Fazit:
Eine musikalische Revolution ist „Thornography“ zweifelsfrei nicht, sondern, wie Anfangs schon erwähnt, das Ergebnis einer Band, die sich von Album zu Album kontinuierlich weiter entwickelt. Ihren eigenen Sound haben Cradle of Filth sowieso schon immer. So spürt man auch an jeder Ecke des Albums, wie lässig und locker ihnen das Songwriting inzwischen von der Hand zu gehen scheint. Auf jeden Fall ist ihr siebtes Album das bisher zugänglichste geworden und wohl der perfekte Einstieg in ihre Musik, falls man bisher noch keinen Kontakt mit ihnen hatte. Sogar eher konservative Metalfans könnten mal einen Blick riskieren, aufgrund der nicht zu übersehenden Trash Metal Einflüsse. Fans der alten Stunde, die auf eine Rückkehr zu den Black Metal Wurzeln hoffen, werden jedoch enttäuscht sein.


