
Technische Daten:
Label: Inside Out (SPV)
Tracks: 10
Laufzeit: 61:06 Minuten
Extras: Special Edition mit Bonus DVD
Verpackung: Jewel Case
Tracklist:
1. Oculus Ex Inferni
2. Set The World On Fire
3. Domination
4. Serpent's Kiss
5. Paradise Lost
6. Eve Of Seduction
7. The Walls Of Babylon
8. Seven
9. The Sacrifice
10. Revelation (Divus Pennae Ex Tragoedia)
Kritik:
Symphony X sind wohl meine persönlichen Favoriten im klassischen progressiven Metal und kommen in meiner Rangliste noch vor Dream Theater. Diese Meinung beruht auf der simplen Tatsache, dass sie, sowohl Objektiv als auch Subjektiv gesehen, den besseren Sänger haben. Doch im Gegensatz zu ihrer arbeitswütigen Konkurrenz, die im selben Zeitraum drei Studioalben aus dem Arm schüttelten, war bei ihnen das große Warten angesagt. Stolze fünf Jahre Zeit ließ man sich für den Nachfolger zu ihrem Epos „The Odyssey“. Nun ist so eine lange Auszeit immer ein zweischneidiges Schwert und schürt in den Reihen der Fans große Erwartungshaltungen. Ob der Neuling „Paradise Lost“ diesen auch gerecht wird?
Vorweg nehmen lässt sich, dass Symphony X ihren Stilwechsel, den sie auf dem direkten Vorgänger eingeschlagen haben, konsequent weiter verfolgen. Was jedoch nicht bedeutet, dass man dasselbe Album zweimal aufgenommen hat. Man behält zwar die gefundene Härte bei, geht jedoch viel strukturierter und geordneter zur Sache, so dass die thrashigen Elemente größtenteils aus ihren Kompositionen verschwunden sind. Geboten bekommt man stattdessen ein Album, das irgendwo zwischen Progressive und Power Metal liegt. Dazu kommt natürlich noch der pathetische symphonische Bombast, der ein unverwechselbares Markenzeichen der Band geworden ist. Trotzdem ist es wohl das bisher gitarrenbetontes Werk ihres Schaffens, was sich in ausgiebigen und irgendwo auch ein klein wenig selbstverliebten Gitarrensoli ausdrückt.
I'm the Master of Illusion
Minister of sin
Two - faced snake - wicked - shedding skin
Inhaltlich hat man sich an dem gleichnamigen Roman von John Milton orientiert, der das ewige Ringen zwischen den Mächten des Guten und Bösen beschreibt. Zwar ist „Paradise Lost“ kein reines Konzeptalbum geworden, aber ein gewisser thematischer Strang zieht sich durch alle Stücke. So ist es dann lyrisch auch sehr düster geworden, obwohl man über die nicht gerade epische Tiefe der Texte doch lieber den Mantel des Schweigens hüllt. Da wäre wohl allein aufgrund der gegebenen Vorlage ein ganzes Stück mehr herausholbar gewesen.
Insgesamt schaffen es die Lyrics aber doch im Zusammenspiel mit der Musik eine düstere Grundstimmung zu erzeugen. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran hat das orchestrale Intro mit Chorgesängen, welches die perfekte Ouvertüre für die darauf folgende epischen 9 Songs bildet. Mit dem Opener, der den prägnanten Titel „Set The World On Fire“ trägt, wird auch gleich die neu gefundene Härte zur Schau gestellt. Russel Allen gibt raue und aggressive Shouts zum Besten, die von modernen stakkato Riffs getragen werden. Die Aggressivität schwingt dann immer wieder um in einen typischen Power Metal – Refrain, der gnadenlos zum mitsingen animiert. Gitarrenvirtuose Michael Romeo liefert natürlich noch ein obligatorisches Solo frei Haus, welches pfeilschnell und punktgenau gespielt ist. Das simpel beginnende „Domination“ schlägt in dieselbe Kerbe, erreicht aber nicht die ganz Klasse, da einfach der Höhepunkt innerhalb des Songs fehlt. Das darauf folgende Stück beginnt sehr träge und wird hauptsächlich durch gefühlvollen Gesang getragen, vollzieht dann aber im weiteren Verlauf einen Wandel, der dem Song einen rockigen Anstrich verleiht. Das Titelstück stellt dann einen Ruhepunkt dar, zum ersten Mal werden die Gitarrenwände zurück gefahren und zu sanften Pianotönen darf Russel Allen die gesamte Breite seiner Gesangskunst zum Besten geben. Auch wenn das Stück immer nahe an der Grenze zum Kitsch wandelt, erreicht es doch eine wahnsinnige Eindringlichkeit, die von einem erstklassigen Songwriting zeugt. Nach einem weiteren Tritt auf das Gaspedal wartet man mit „The Walls of Babylon“ auf, die wohl jeden Technikfetischisten auf den Plan rufen. Von orientalischen Klängen eingeleitet, geht der Song über in dichte Gitarrenwände, welche von Chören unterstützt werden. Nach über drei Minuten, der instrumentalen Selbstbeweihräucherung, greift Russel Allen in das Geschehen ein mit teils sehr hohen Vocals, die an den einen oder anderen Vertreter des Power Metals erinnern. Nach zwei fast reinrassigen Power Metal Stücken, wobei vor allem das balladeske „The Sacrifice“ für meinen Geschmack doch ein Stück zu pathetisch geraten ist, schließt man das Album mit „Revelation (Divus Pennae Ex Tragoedia)“ ab. Hier zieht man dann nochmal über neun Minuten alle Register und die Band zeigt die gesamte Bandbreite ihres Könnens.
Fazit:
Die lange Wartezeit hat sich wirklich gelohnt und Symphony X haben ein starkes Album auf den Markt gebracht. Auch wenn ich rein subjektiv kritisieren muss, dass es für meinen Geschmack deutlich progressiver hätte ausfallen können. Es fehlt mir einfach ein 20 Minuten Epos, wie es ihn auf den Vorgängeralben gab. Trotzdem kann ich eine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen, vor allem Oldschool Anhänger sollten sich sofort heimisch fühlen. Das schöne an dem Album ist nämlich, dass es auf beiden Ebenen funktioniert. Während die Power/Heavy Metal Anhänger unbeschwert mit dem Rhythmus im Gleichschritt Headbangen, wird der progressive Metal Hörer sich ausgiebig mit den Songstrukturen beschäftigen können, wenn ihm denn der Sinn danach steht.




