Together We're Stranger (2003)
Special Edition

Technische Daten
Vertrieb: Snapper
Laufzeit: 47:11 Min.
Anzahl der Tracks: 7
Extras: Bonus-DVD mit 5.1 dts-Mix, Video und Fotogalerie
Booklet: 8 Seiten
Verpackung: Digipak
Tracklist
CD
1. Together We're Stranger (8:31)
2. All The Blue Changes (7:48)
3. The City In A Hundred Ways (2:23)
4. Things I Want To Tell You (9:03)
5. Photographs In Black And White (10:03)
6. Back When You Were Beautiful (5:07)
7. The Break-up For Real (4:11)
DVD
1. Together We're Stranger (8:31)
2. All The Blue Changes (7:48)
3. The City In A Hundred Ways (2:23)
4. Things I Want To Tell You (9:03)
5. Photographs In Black And White (10:03)
6. Back When You Were Beautiful (5:07)
7. The Break-up For Real (4:11)
8. Bluecoda (2.36)
9. Break-up For Real - Drum Mix (3.58)
Things I Want to Tell You (Video)
Fotogalerie
Kritik
Ich werde nicht eure ungeteilte Aufmerksamkeit verlangen. Ich versuche mit diesen Worten lediglich etwas zu vermitteln, etwas nachvollziehbar zu machen. Wenn man sich dafür interessiert, liest man weiter, wenn nicht, dann nicht. Man kann auch mal kurz alles überfliegen, um zu schauen, ob etwas Interessantes dabei ist. Alles kein Problem.
Es gibt auch Alben, mit denen man ähnlich verfahren kann. Mal kurz alles durchskippen, nebenbei laufen lassen, bei der Hausarbeit oder einer sonstigen Betätigung.
Macht diesen Fehler bloß nicht mit den Alben von No-Man! Es wäre zwar kein Beinbruch; immerhin könnte man sich ja wieder den Sachen mit Groove zuwenden, den Dingen im Leben, die einfach rocken. No-Man rockt nicht - aber es zeigt eine Welt, die etwas bedeutet, ohne dass dies zwangsläufig ausgesprochen werden müsste. Sie bedeutet etwas durch die Musik. Tim Bownes’ Stimme erklingt manchmal zaghaft in der jenseitigen Atmosphäre und Genrekundige - ein solcher bin ich nicht - erkennen sofort Parallelen zu David Sylvain, der sich mit No-Man vermutlich die Zielgruppe teilt. Verantwortlich für die Atmosphäre an sich ist Steven “Porcupine Tree” Wilson, unverkennbar in der Betätigung seiner Instrumente; vereinzelt der Einsatz von Percussion, KEIN Schlagzeug, dafür viele einzelne Pianoklänge, Synthesizer, Klarinette, Flöte. Schillernde Farbspektren, die man auditiv umwandelt in Bilder. Sie fühlen sich warm an. Silent Hill mal als Wohlgefühl interpretiert.
Es ist stets problematisch, sich in solch lethargische Musik einzufinden. Wie gesagt: die volle Aufmerksamkeit ist ein unabdingbares Kriterium dafür, dass man No-Man versteht. Eine geisterhafte Varianz, durch die man nur hindurchtreiben kann, ohne jemals mit einem Gegenstand zu kollidieren. No-Man als Soundtrack für “Titanic” - das wäre Ironie in Reinform und sollte man dem gleichnamigen Satire-Magazin gleich mal überspielen.
Die Armut an Rhythmuselementen lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Dinge. Man ist nicht so sehr damit beschäftigt, sich instinktiv an die Materie anzupassen. Vielmehr sitzt man da und macht nichts, als ein Loch in die Wand zu starren und sich voll und ganz auf sein Gehör zu konzentrieren. Umso größer ist die Versuchung, nebenbei eine Tätigkeit zu erledigen, doch nichts dergleichen darf geschehen. Sonst wäre die Verwechslungsgefahr mit der “Muzak” - was die englische Bezeichnung für Fahrstuhlmusik ist und welche von Wilson in einem Song seiner Hauptband sogar scharf kritisiert wird - nur allzu groß. Dabei könnte ihr nichts ferner liegen, als “Muzak” zu sein.
Dabei ist zu erwähnen, dass No-Man zwar nie rabiat zur Sache gingen, “Together We’re Stranger” jedoch auch noch als eines ihrer ruhigsten Alben gilt. Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten, aber so sehr ich härtere Töne mag, ich kann nicht behaupten, dass es mir widersagen würde. Das 2003 entstandene und bislang letzte Album (allerdings soll in Kürze ein neues folgen) wirkt ziemlich zerlaufen und folgt auch keinem wirklichen Konzept, mitunter klingt es gar sehr improvisiert. Erinnerungen an die psychedelische Frühphase Porcupine Trees werden wach... ach was, man muss noch weiter zurück und landet wiederum bei Pink Floyd, wenn einzelne Noten so gespielt werden, als wolle man alle Zeit für sie aufbringen, sie ein für allemal einfangen und in unzerstörbare Materie meißeln, auf dass sie nicht vergehen und ewig blühen.
Den Höhepunkt bildet “Photographs in Black and White”, in welches fließend übergeleitet wird und das sich anfangs tarnt wie seine Vorgänger, das quasi am Rande noch gerade vom Schmelztiegel versengt wurde, bevor es sich im Mittelteil wandelt und man nach und nach eine Leitmelodie heraushört, getragen von einer akustischen Gitarre. Sanft, aber gar nicht mehr so warm, eher Unheil verkündend. Und wie gerufen springt dann ein düster donnerndes Instrument ein, das die Szenerie erschüttert wie ein plötzlicher Donnerhall. Es kehrt immer wieder, erschüttert mit seinem Bass alles in Grund und Boden, gleichmäßig, und verzerrt die Ungleichmäßigkeit der Natur damit ins Absurde. Traurigkeit und Harmonie koexistieren im selben Moment, bis das Spektakel abrupt endet.
Zurück auf der Erde, und nach kritischerer Begutachtung, ist dann wohl doch zu konstatieren, dass nicht alles in der Form unbedingt genau so hätte ablaufen müssen. Der Vorwurf der Selbstwiederholung auf engstem Raum (nicht einmal 50 Minuten füllt das Album in einer musikalischen Ausrichtung, die oft nur deswegen in 79 Minuten abgehandelt wird, weil mehr ganz einfach nicht aufs Medium passt) ist griffbereit. Sämtliche Vorwürfe in diese Richtung werden jedoch irrelevant, wenn man sich das eigentliche Ziel der Scheibe vor Augen führt: Es soll eben genau die rhythmischen Strukturierungen umgehen, die ein nicht ganz so offener Hörer grundsätzlich bei jedem Album erwarten würde. In seiner streckenweisen Redundanz ist “Together We’re Stranger” deswegen ein Optimum, das auch musikalisch, wenn auch sehr simpel, doch in Sachen emotionaler Einfühlung und Timing kaum kritisiert werden kann.
Extras
Die Special Edition beinhaltet eine Bonusdic mit dem kompletten Album in 5.1 dts-Sound. Eine lohnende Erfahrung,d enn durch die gelungene Abmischung wird die Wirkung der Musik vervielfacht. Zudem hat die Zusatzscheibe zwei Tracks mehr an Bord, eine Fotogalerie und ein Video zu "Things I Want to Tell You". Die Bebilderung funktioniert allerdings nicht so richtig, zumindest nicht so, wie es gemacht wurde. Detailausschnitte des Gesichtes einer Frau werden gezeigt - Augen, Mund - und die minimalen mimischen Veränderungen eingefangen. Nur hat das irgendwie eher was von einer Zoodokumentation als von dem, was der Song auszudrücken versucht. Die eigene Imagination ist da doch schöner.
Die Bonus-DVD läuft über die NTSC-Norm. Es gibt auch Menüübergänge, die sind zwar atmosphärisch, aber ganz schön nervig lang - da stört die Kunst doch sehr die Funktionalität.
Artdesign
Im Gegensatz zur orangegelb eingefärbten normalen Fassung ist das Cover der Special Edition in Blau getaucht. Allerdings zeigt das Booklet das Cover in der normalen Farbe (siehe unten). Ein interessantes Motiv, das eine passende Ruhe ausstrahlt.
Fazit
Warum hab ich die Kritik eigentlich hier eingestellt? Es rockt nicht und niemand hier wird sich das anhören. Egal, Kontraste haben auch ihren Reiz. Was, bei dem ollen Männerforum gibt es eine Rezi zu No-Man? Gleich neben den ganzen Bollywoodreviews? Die Liquidianer stecken doch voller Überraschungen.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
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