
In den 70ern mehr oder weniger im Alleingang durch „Black Sabbath“ gegründet, ist die Musikrichtung „Metal“ mittlerweile ein Oberbegriff für unzählige Subgenres. Von Black Metal über Death Metal, Mittelalter-Metal, Power Metal, Progressive Metal bis hin zum Wickingermetal...kein normaler Mensch schafft es in diesem Knüppel- und Schredder-Wust noch den Überblick zu behalten. 2001 gründete sich in Dänemark eine Band, die dem ganzen Genre-Chaos eine weitere Kategorie zufügte, welche mit Erscheinen der ersten Platte im Jahre 2005 wie ein Lauffeuer durch die Metalgemeinde preschte. Die Fachpresse zückte Höchstwertungen, die Fans waren angesichts der überaus gelungenen Symbiose begeistert. Die Rede ist von „Volbeat“ und „Volbeat“ machen „Elvis-Metal“. So bescheuert das klingt...nach nur wenigen Minuten haben sich die eingängigen Gesangslinien in den Gehörgängen festgesaugt und lassen sich nicht mehr abschütteln. Wieso ist vorher nie jemand darauf gekommen altmodischen, schnellen Rock 'n Roll der Marke „Chuck Berry“, „Bill Haley“ und „Elvis Presley“ mit ratterndem Double Bass-Teppich und drückenden Gitarrenwänden zu kombinieren? Fest steht nun nach mittlerweile in Europa äußerst erfolgreichen Alben: es passt wie die Faust auf's Auge. Überzeugen könnt ihr euch davon auf
http://www.myspace.com/volbeat .
Ich bin erst Mitte 2006 auf die 4 Dänen aufmerksam geworden, als „Metallica“ sie als Vorband für ihren Dänemark-Gig setzten, wo über 50.000 Headbanger die Hüften zu den altmodischen Ohrwürmern kreisen ließen. Im Januar entdeckte ich dann, dass „Volbeat“ bald nach Trier kämen. Im Rahmen einer Club-Tour wurde das Jugendzentrum Exhaus ausgewählt, ein uralter Gewölbekeller mit Platz für höchstens 300 Leute...ideale Vorraussetzung also für ein Moshpit-Inferno ohne Fluchtweg ;-)

James Hetfield mit Vollbart und Volbeat
Um sieben Uhr ging's los. Die Volbeat-CD rotierte im Auto, während ich in einen ungewöhnlich schönen Sonnenuntergang fur. In Bitburg dann ein paar Kumpels eingeladen und auf in die Mosel“metropole“ Trier. 30 Minuten später standen wir im Exhaus. Auf unseren Tickets stand „großer Saal“ als Location, was sich wenig später als jener kleine Gewölbekeller entpuppte, den ich anfangs beschrieb. Bereits bei der Vorband „President Evil“, die eine ganz ordentliche Mischung aus Metalcore, Motörhead und Thrash Metal zum Besten gaben, war die Location bestens gefüllt. Hier überzeugte besonders Frontmann Johnny Holze, der jede noch so kleine Liedpause für lockerleichte Jokes nutzte und somit auch den Teil des Publikums, welcher nix mit Schreigesang anfangen konnte, bei der Stange hielt. Um nachher das Hauptkonzert nicht vom ebenfalls massig bevölkerten Treppenhaus verfolgen zu müssen, besorgten wir uns was zu trinken, führten selbiges wieder ab und ab ging's ins Gedränge. 2. Vorband waren 5 langhaarige Urgestalten namens „Kayser“, deren Stil irgendwo zwischen „Heavy-, Thrash- und Death-Metal“ lag, dem sehr breit gefächerten Publikum aber ordentlich einheizten.James Hetfield zu Michael Poulsen (Volbeat-Frontmann) hat geschrieben:"Ich habe gehört, ihr spielt eine Art Elvis-Metal. Ich glaube, ich finde das jetzt schon gut!“

Kayser in Action
Dann Umbau der kleinen Kellerbühne und ein Großteil der Leute vor uns, mussten nun das machen, was wir eben schon erledigt hatten. Demzufolge ging es mit großen Schritten nach vorn, so dass wir uns am Ende in der 4. Reihe wiederfanden, direkt vor der Bühne. Wie fast immer bei solchen Konzert-Positionen schwante mir Böses, denn im Vergleich zum 80.000-Mann-starken-Metallica-Festival gab's ihr keinen Fluchtweg aus dem Moshpit (ich bin zu alt für diesen Scheiß ;-)).

Ein angespannter Hanni beim Warten auf Volbeat
Kurz darauf erklang das Intro des aktuellen Erfolgalbums „Rock the Rebel/Metal the Devil“ und die Pommesgabeln schossen in Richtung Keller-Decke. Die Drums setzten ein und langsam begann sich alles um mich herum zu bewegen...eigentlich ganz angenehm und gut auszuhalten. Als die Gitarren ins Lied einstiegen, wurde es schon etwas unruhiger und als die erste Strophe von „The Human Instrument“ dann einsetzte war die befürchtete Flugstunde in vollem Gange. Die Videos meiner Digicam bezeugen dies mit surrealistischen schnell wechselnden Farb-Sphären, die man sowohl als Raumschlacht in Lichtgeschwindigkeit, als auch als tool-Musikvideo interpretieren könnte.
Wie auch immer, nach der rettenden Flucht zur Seite fand ich trotz des begrenzten Platzes eine einigermaßen ruhige Position, wo man entspannt mithüpfen konnte, ohne gleich Gefahr zu laufen von Mosh-wütigen Emo-Kids durch den halben „großen Saal“ katapultiert zu werden.
Von meinen Konzert-Betrachtungs-Vorlieben zurück zur Musik: spätestens mit dem Einsetzen von „Radio Girl“ stimmten Alt-Metaller, Rock'n Roller, Normalos und besagte Emo-Kids zu einem friedlichen Chorgesang ein, der den kochenden Gewölbekeller bis ins Treppenhaus ausfüllte. Es folgte Kracher auf Kracher....“Soulweeper“, „Sad Man's Tongue“, „I only wanna be with you“ und die tobende Menge moshte, sang und tanzte wie in Ekstase zu dem innovativen Genre-Mix, der von der fantastisch gelaunten Band mit enormer Spielfreude vorgetragen wurde. Frontmann Michael Poulsen heizte die Menge mit klassischen Hetfield-Tricks in regemäßigen Abständen weiter an. Ob „Hey hey“-Chöre oder das simple Wiederholen irgendeiner Gesangsmelodie...die Tricks sind alt, aber sie funktionieren nach wie vor exzellent. Zur Belustigung kündigte Poulsen dann für die langhaarigen Gestalten ein „Cannibal Corpse“-Cover mit dem fiktiven Namen „Kill death blood rape war hell satan destruction“ an, welches mit irre schnellem Blast-Beat, schreddernden Gitarren und einem Growl nach 5 Sekunden mit einem augenzwinkernden „Thank you“ beendet wurde. Gegen Ende der Show wurde das ganze nochmal wiederholt, nur diesmal gab's den ebenfalls 5-sekündigen „Cannibal Corpse“-Klassiker „Kill death blood rape war satan hell destruction“ auf die Nüsse...sehr geile Idee. Trotz zahlreichen großen Festival-Auftritten im letzten Jahr scheute die Band den Kontakt zum Publikum nicht, teilte sogar den eigenen Whiskey und Wasser mit den Fans in den ersten Reihen. Im Laufe der Playlist fanden sich auch 2 neue Songs. Unter großem Jubel wurde gleichzeitig angekündigt, dass man ab April wieder im Studio sei, um das dritte Album aufzunehmen, um rechtzeitig zur Festival-Saison wieder auf die Bretter zu können. Das neue Material klang im Prinzip genauso wie das Alte auch (...never change a winning team!?). Lediglich im zweiten Song fanden sich ein paar neue Ska-Elemente, die vom Publikum sofort als Anlass zum Mittanzen begeistert aufgenommen wurden.

Die Erfinder des Elvis-Metal auf der Bühne
Am Ende stimmte dann der gesamte Gewölbekeller zur Halbballade „The Garden's Tale“ an (selbstgefilmtes Video: http://www.myvideo.de/watch/3472048) und die Band verabschiedete sich nach ungefähr 90 Minuten Spielzeit mit dem Versprechen in 2 Minuten wiederzukommen, um mit den Fans noch einen zu trinken, was dann auch nach einer weiteren Zugabe in die Tat umgesetzt wurde. Sehr sympathisch! Wir machten uns währenddessen wieder ans Leute einsammeln, 2 Kumpels waren das ganze Konzert über im Moshpit unterwegs und einen fanden wir schließlich mit Blut-verschmiertem Gesicht irgendwo im Gedränge. „Ist schon alles getrocknet.“ nuschelte er durch seine mit mehreren Tempos ausgepolsterte Nase....aja, alles klar. Noch schnell am Merchandise-Stand vorbei, der CDs & die brandneue DVD wesentlich günstiger anbot, als bspw. Amazon. Tour-T-Shirts waren mit 18 Euro auf normalem Niveau. Und so ging's dann schließlich auch wieder heimwärts. Zeit für mit den Volbeat-Guys zu reden, hatten wir leider keine mehr, weil zwei Mitfahrer am nächsten Tag früh raus mussten.
Fazit: Jeder der was mit Rock'n Roll anfangen kann, wird seine helle Freude an den herrlich unverbrauchten Kompositionen von „Volbeat“ haben. Der Metal-Faktor hält sich dabei in Grenzen, so dass sich die Mucke perfekt zum klassischen Rumhüpfen, Moshen usw. eignet. Live funktioniert das noch besser als auf CD (ist im Wohnzimmer ja auch langweilig, wenn keiner mitmosht ;-)). Die Band grinst begeistert und überwältigt bis über beide Ohren, wenn die Fan-Chöre die Instrumente übertönen. Frontmann Michael Poulsen interagiert permanent mit dem tobenden Publikum, feuert an, reißt Witze und rockt sich den Arsch ab. Eine absolut sympathische Newcomer-Band mit im Gedächtnis bleibender Live-Gewalt und enormem Potenzial!
President Evil
www.myspace.com/presidentevil
Kayser
www.kayser1.com/

Volbeat
www.myspace.com/volbeat




