Vol. II

Technische Daten
Vertrieb: Capitol Records
Laufzeit: 58:04 Min.
Anzahl der Tracks: 12
Extras: Keine
Booklet: 12-seitig
Verpackung: Jewel Case
Besetzung:
• J. Loren Wince - Gesang, Gitarre, Violine, Banjo
• Evan Johns - Schlagzeug
• Josh Ansley – Bass
• Paul Spatola – Gitarre, Dobro, Piano
Tracklist
III
01. Summers Lost - 6:10
02. Ten Ton Brick - 4:01
03. Aftermath - 3:13
04. Abuse Of SID - 4:50
05. Alone With The Sea - 5:22
06. Talking To God - 4:53
IV
07. Loded - 3:13
08. Better - 4:27
09. Assurance - 4:34
10. On The Radio - 5:10
11. Et Al - 5:22
12. Thank You For Listening - 6:55
Kritik
Wo schwarz war, ist nun weiß, und wo weiß, da schwarz. Das Muster ist geblieben, nur der Kontrast hat sich ins Gegenteil verkehrt. Regen und Gewitter müssen in dieser Parallelwelt allerdings Neutronen sein, denn wie sie auf “Vol. 1" ausklangen, erheben sie sich nun erneut in majestätischer Atmosphäre. Begleitend die ersten Noten von “Summer’s Lost”, absolut identisch mit “House Carpenter”, dem Abschluss von “Vol. 1", nur eben die Notenleiter rückwärts gespielt.
Und doch nennt sich das zweite vollwertige Album nicht etwa “Vol. 0" für die Negation, sondern “Vol. II” für die Weiterentwicklung... ist diese nun, nachdem der Vorgänger sie durch seinen Facettenreichtum nahezu versprochen hatte, nun gegeben?
Eher nein. Sänger J. Loren Wince muss in der Zwischenzeit ein paar Whiskeys gekippt haben und die Lautstärke wurde hier und da maßgeblich nach oben geregelt, doch ansonsten überraschen die Genrependler Hurt bloß mit Ratlosigkeit auf hohem Niveau.
Anstatt aus dem unwiderstehlichen Mix aus Neo-Grunge, Hard Rock, toolesquen Riffs und viel Pathos eine Richtung fortzuentwickeln, die den Hurt-Sound noch unvergleichbarer machte, werden die Einflüsse jetzt ganz unnötig noch deutlicher hervorgehoben. Schon der Opener gipfelt in einer recht einfallslosen Tool-Anleihe und “Ten Ton Brick” lässt gleich darauf an Nickelback denken aus der Zeit, bevor diese dem Mainstream anheim gefallen sind. Dann etwas Piano-Wall-of-Sound und Akustikgitarren, die urplötzlich mit Heavy Metal gebrochen werden und der emotional dichte Laut-Leise-Mix geht auf. Reizvoll, wenn man es noch nicht kennt, nach “Vol. 1" jedoch ein mittelschwerer Dämpfer, zumal letzteres in der Komposition der einzelnen Songs sogar wesentlich reifer zu Werke ging, während die neue Scheibe bruchstückhafter wirkt.
Dabei zeigen Stücke wie “Alone in the Sea” einen Mut, wie man ihn sich öfters gewünscht hätte. Country-beeinflusster Sound und “Uuuuuuh, uuuuuh”-Gesang wird da serviert, der bei vielen Bands zur peinlichen Emo-Nummer verkommen wäre, bei “Hurt” jedoch gerade hierdurch einen frischen Eindruck macht und mitunter eine hypnotische Wirkung nach sich zieht.
Dabei sollte freilich nicht untergraben werden, dass Hurt mit diesem Album eine Phase abschließen, die einst mit dem Debüt “The Consumation” begann, welches in Kürze als “The Re-Consumation” wiederveröffentlicht wird. Hierher stammen der erwähnte “Alone in the Sea” ebenso wie “Et al.” und das energetische “Loded”. Insofern muss berücksichtigt werden, dass die Ideen sozusagen aus einer Session stammen und dies die Nähe zum ebenfalls an “The Consumation” orientierten “Vol. 1" (der Song “Cold Inside” stammt hierher) ein wenig erklärt.
Nichtsdestotrotz packen die Melodien nicht mehr so fest zu wie auf dem schwarzen Album, die Sogwirkung ist diesmal deutlich schwächer. “Vol. 2" flutscht auf Anhieb ähnlich schnell wie sein Vorgänger, doch weniger bleibt hängen und so ist es nach ein paar Durchgängen dann doch einfacher als man es sich gewünscht hätte, den weißen Konterpart ins Regal zu verbannen.
Artdesign
Die Idee hinter dem Coverdesign wurde bereits in der Kritik angedeutet. Nun kommt mir ja schon weiße Schokolade edler vor als dunkle, was mich zu dem Urteil führt, dass auch “Vol. 2" optisch edler daherkommt als das schäbige schwarze Cover. Davon abgesehen hat sich am Design aber nun mal gar nichts geändert und das war schon damals nicht gerade prall. Auch der Innenteil des Booklets ist wieder mit den gleichen altmodischen Mustern bestückt. Irgendwie kommt das Ganze auf der Hurt-Homepage einfach besser herüber.
Extras
Nüschtle.
Fazit
Vol. II kann die großen Versprechen von Vol. 1 nicht ganz einhalten. Der typische Hurt-Sound bleibt zwar bestehen, aber vielleicht ist genau das das eigentliche Problem. Aller Kontraste zum Trotz bleiben Schwarz und Weiß nämlich offenbar die gleiche Farbe, nämlich gar keine. Schade, dass dieses Schwarz schon ein wenig besser geklungen hat als dieses Weiß. Vielleicht findet die Band mit dem dritten (eigentlich vierten) Longplayer einen neuen Ansatz. Zuerst winkt aber noch die EP "The Whitemarket". Die Vorgänger-EP hieß, wie sollte es anders sein, "The Blackmarket"...
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
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