
Technische Daten:
Veröffentlichung: 1988
Label: Atlantic Records
Titelanzahl: 10
Gesamtlaufzeit: 47 min 51 s
Studio: Universal Recording, Chicago
Produktion: Manowar
Formate: Vinyl, CD, MC
Band:
Gesang: Eric Adams
Gitarre: Ross The Boss
Bass: Joey DeMaio
Schlagzeug: Scott Columbus
Tracklist:
1. Wheels of Fire – 4:11
2. Kings of Metal – 3:43
3. Heart of Steel – 5:10
4. Sting of the Bumblebee – 2:45
5. The Crown and the Ring (Lament of the Kings) – 4:46
6. Kingdome Come – 3:55
7. Pleasure Slave - 5:38
8. Hail and Kill – 5:54
9. The Warriors Prayer – 4:20
10. Blood of the Kings – 7:30
Review:
Kaum eine Metal-Band polarisiert so wie Manowar, keine andere sorgt nunmehr seit Jahrzehnten mit einem derartigen Overkill an Pathos, Klischees und überzogenen Texten für wahlweise entgeistertes Kopfschütteln oder frenetische Fanresonanz. 1982 stiegen die vier Amis mit ihrem Debüt „Battle Hymns“ in den internationalen Genrecircus ein und sehen sich seither als einzig wahre Botschafter des „True Metal“: Wimps and posers leave the hall, other bands play, Manowar kill!
Gesegnet mit dem bemerkenswerten Talent, die Songtexte von mittlerweile 10 Studioalben aus den Worten „Blood“, „Steel“, „Fight“ und „Metal“ kompilieren zu können und versehen mit einer over-the-top- Selbstdarstellungsaffinität, die längst pure Selbstparodie ist – ob gewollt ironisch oder nicht, darüber scheiden sich die Geister – haben Manowar eine beachtliche Fangemeinde um sich geschart und können auf ein recht umfangreiches Coeuvre zurückblicken. Doch ganz egal, ob Frontman und Basszupfer Joey DeMaio tatsächlich an seine den Metal zum alleinigen Lebensinhalt stilisierenden Phrasen glaubt oder alles nur bewusst zur Show dient – Manowar sind zu einer festen Instanz des Heavy Metal avanciert, deren musikalische Fähigkeiten die kitschig-platten Texte oftmals gut zu kaschieren vermögen.
Mit ihrem letzten 80s-Album „Kings of Metal“ fabrizierten die vier Amis ein kultiges Loblied auf sich selbst, das unter Fans als eine der besten Scheiben der Manowar-Discografie gilt: Röhrende Motoren kündigen den Opener „Wheels of Fire“ an, der als straighte, hardrockende Bikerhymne einem simplem Aufbau folgend, aber überaus effektiv über den Hörer hereinbricht. Bei mehrmaligem Hören beginnt der Song zwar Abnutzungserscheinungen zu zeigen, aber als schnörkellos nach vorne gehender, von einem melodischen Refrain und Eric Adams’ charakteristischen Schreien getragene Auftaktgranate erfüllt die Nummer ihren Zweck voll und ganz.
Es folgt der titelgebende Track „Kings of Metal“, mit dem Manowar ihre bekannte Selbstglorifizierung auf die Spitze treiben: Ein Loblied auf die Band, die Fans und den „wahren Metal“, verpackt als mitreißender Auf-die-Fresse-Kracher, kulminierend in einem auf live-Performances kalkulierten Refrain, der vor allem da eine unglaubliche Wirkung entfalten dürfte: Brüllt eine ganze Halle passionierter Metal-Jünger „Other Bands Play – Manowar Kill!“, dürften die vier Musiker wahrlich bravouröse Entertainerqualitäten unter Beweis stellen.
Mit „Heart of Steel“ folgt ein erster Kontrast zum kompromisslosen Upspeed-Metal und gleichzeitig der Beweis, dass Manowar ihre Lieblingsthemen von Ruhm, Ehre und Tapferkeit auch in eine Ballade verpacken können – gipfelnd in einen wundervoll melodiösen Refrain lässt sich die Nummer sicherlich zu den besten Stücken der sanfteren Gangart zählen, die die Mannen um Joey DeMaio je auf die Beine gestellt haben. Und nach gut 2 Minuten wird das Stück mit markigen Screams und druckvollen Gitarren zur kraftvollen Powerballade changiert, die teils wahrlich hymnische Sphären erreicht – sehr amüsant im übrigen die deutsche Version des Songs, die Manowar für die hiesigen Fans später als „Herz aus Stahl“ einsangen und in good old Dschörmänie freilich auch stets live zum Besten geben.
Mit „Sting of the Bumblebee“ leitet ein solides 3-minütiges Instrumentalstück zum nächsten Überhighlight „The Crown and the King (Lament of Kings)“ über – ein epischer Chorgesang ohne die übliche Metal-Instrumentierung, dessen epischer Refrain wahre Gänsehautatmosphäre generiert und der Eric Adams’ Sangeskünste so viel Raum zum Wirken gibt wie kein anderes Stück der Scheibe.
Die Midtempo-Nummer „Kingdom Come“ und das textlich pseudo-provokative „Pleasure Slave“, ursprünglich ein Bonus-Track, bleiben als allenfalls durchschnittliche Filler leider hinter den vier ersten Stücken zurück, ehe mit „Hail and Kill“, mit einem besonders blutrünstigen Krieger-Text aufwartend, wieder eine deutliche Steigerung zu verzeichnen ist, die nach ruhigem Beginn ordentlich nach vorne geht, deren Refrain jedoch Melodie und Epik abgehen, sodass es nicht zum Spitzenfeld reicht.
Track 8, „The Warriors Prayer“, ist ein reines 4-minütiges Hörspiel, in dem ein Großvater seinem Enkel eine martialische Gute-Nacht-Geschichte erzählt. Zwar eher belanglos, als quasi-Intro für den mit einer mitreißenden Scream-Offensive Eric Adams’ eingeläuteten Finaltrack „Blood of the Kings“ jedoch brauchbar. Manowar entlassen den geneigten Hörer nämlich mit einem weiteren Highlight, das vor allem von seinem eingängigen Chorus und Adams’ spitzen Schreien getragen wird und textlich nicht etwa einmal mehr von Ruhm, Schlacht und Ehre im Fantasy-Kontext berichtet, sondern selbige Elemente metaphorisch für Manowars Kampf für den True Metal und als Loblied auf die Fans adaptiert:
Wherever we ride, It's metal we bring
Four Kings of Metal
Four Metal Kings
Death to the false ones
Dance on a string
'Till the blood on your sword is the blood of a king
'Till the blood on your sword is the blood of a king
Blood of a king
Fazit: Mit ihrem selbstbewusst „Kings of Metal“ bezeichneten sechsten Studioalbum schufen die kultig lächerlichen True-Metal-Poser von Manowar ein feines Genrewerk, das mit „Wheels of Fire“, „Kings of Metal“, „Heart of Steel“, „The Crow and the Ring“ und „Blood of the Kings“ fünf hymnische Klassiker an Bord hat, die die Scheibe auch abseits der berüchtigten Texte zur Empfehlung für Genrefans machen. Einige vertretene Fülltracks kann man da gerne verschmerzen, zumal sich auch das martialische Cover zu den gelungensten der Band-Historie zählen lässt.



