
Technische Daten:
Veröffentlichung: 1989
Lauflänge: 44:44
Trackanzahl: 10
Recorded at RA.SH Studio Gelsenkirchen by Ulli Pösselt
Cover: Michael Albers
Band:
Axel Rudi Pell - All Lead- Rhythm- and Acoustic Guitars
Charlie Huhn - Vocals, Acoustic Guitar on "Slave of Love"
Jörg Deisinger / Thomas "Bodo" S. / Volker Krawczak - Bass
Jörg Michael - Drums
George Hahn - Keyboards
Rüdiger König - Additional Keyboards
Tracklist:
1. Wild Cat
2. Call of the Wild Dogs
3. Slave of Love
4. Cold as Ice
5. Broken Heart
6. Call Her Princess
7. Snake Eyes
8. Hear You Calling Me
9. Return of the Calyph from the Apocalypse of Babylon
10. (Don't Trust The) Promised Dreams
Review:
Ach, waren die 80er nicht eine herrliche Dekade der Rock- und Metalmusik? Freunde der härteren Gangart konnten sich bereits am aufkommenden Thrash erfreuen, daneben regierten vor allem Power und Hair Metal und melodischer Hard Rock, Disziplinen, an denen auch die Deutschen mehr als überzeugend kontribuierten, Legenden wie Helloween oder Gamma Ray aus der Taufe hoben und Acts wie den Scorpions oder Running Wild ihren Karrierezenit bescherten. Als einer der besten und wie der Großteil seiner Kollegen auch heute noch aktiven Genrevertreter ist dabei Gitarrenderwisch Axel Rudi Pell zu nennen, der nach vier Alben mit der nach dem gleichnamigen Judas-Priest-Klassiker benannten Band „Steeler“ im Jahr von deren Auflösung eine quasi-Solokarriere startete, die mit stets wechselnden Sängern, aber immer gleichem musikalischem Konzept den Markt mit melodischen Rockhymnen für die Ewigkeit beglückte.
Im Gegensatz zu den „nur“ guten Folgescheiben „Nasty Reputation“ und „Eternal Prisoner“ legte Herr Pell mit seinem 1989er Debüt „Wild Obsession“ ein famoses Meisterwerk hin, dessen allgemeine Rezeption zwar nicht ausschließlich euphorisch ausfällt, das ich persönlich jedoch für eine der grandiosesten Scheiben halte, die das Hardrock / Heavy Metal-Genre jemals zutage gefördert hat. Ein Ohrwurm reiht sich an den nächsten, mitreißende Refrains, virtuose Gitarrensoli und eingängige, aber nie zu softe Melodien formen ein Musik-Highlight zum Niederknien.
Mit „Wild Cat“ legt „Wild Obsession“ gleich amtlichst nach vorne rockend los: Eine schnelle, harte Rockgranate und einer perfekten Refrain-Symbiose aus hohen Stimmlagen und live mitgröhlbaren Brülleinlagen, die freilich auch Meister Axel genügend Raum gibt, in einem wundervollen uptempo-Solo seine Klampfe zu bearbeiten. „Call of the Wild Dogs“ fährt die gleiche Schiene: Allerbester, flotter 80s-Metal, melodisch aber nie zu soft und zulaufend auf einen von klasse Screams umrahmten Refrain, der sich ebenfalls perfekt zur live-Interaktion mit dem Publikum eignet.
„Slave of Love“ schaltet einen minimalen Gang runter, um eine von balladeskem Gesang eingeleitete Strophe alsbald zum hart rockenden Stampfer mutieren zu lassen und dann in einen radiotauglichen Ohrwurm-Hit zu verwandeln, den man garantiert schon nach dem ersten Hören nicht mehr aus dem Kopf bekommt. So genial die ersten drei Lieder bereits sind, vom unangefochtenen Album-Highlight „Cold as Ice“ werden sie noch getoppt: Hier handelt es sich nicht etwa um eine Coverversion des gleichnamigen Foreigner-Klassikers, sondern einen der geilsten Hardrockkracher der 80er, getragen von einer wahnsinnig eingängigen Melodie und veredelt durch ein ausgedehntes Gitarrensolo, das nicht von dieser Welt ist und Axel, gerne als „deutscher Ritchie Blackmore“ bezeichnet, in Topform zeigt.
Krass gedrosselt wird das Tempo für den nächsten Track „Broken Heart“. Die einzige komplett sanfte und ruhige Ballade des Albums und gleichzeitig eines der mit Abstand besten Lieder auf „Wild Obsession“. Sänger Charlie Huhn haucht mit wahnsinnigem Gefühl eine der für mich persönlich genialsten Herzschmerz-Balladen aller Zeiten, ehe Axel und seine Mannen dem geneigten Hörer mit „Call Her Princess“ das krasse Kontrastprogramm vor den Latz knallen: „Ohhh, she’s the hottest girl in town, ohhh, they call her princess“ shoutet Huhn ins Mikro, während die Band mit kompromisslosem Highspeed-Tempo nach vorne brettert und den konkurrenzlos ungestümsten Abgehtrack der Scheibe zelebriert.
„Snake Eyes“ startet im Anschluss heavy stampfend, nur um sich in eine kraftvolle Powerballade zu verwandlen, deren epischer Refrain alles zuvor Gehörte in Sachen Ohrwurmpotential noch einmal um Welten hinter sich lässt. „She’s burning, I’m learning, she’s got Snake Eyes“.
Dieselbe Schiene fährt „Hear You Calling Me“: Auch hier gilt Strophe Hardrock, Refrain Zucker, was zwar diesmal nicht ganz die Klasse der vorhergehenden Meisterwerke erreicht, auf jedem anderen Album aber wohl ein unangefochtenes Highlight darstellen würde.
Das Zwischenstück „Return of the Calyph from the Apocalypse of Babylon“ gebärdet sich musikalisch so strange wie der umständliche Titel bereits suggeriert und präsentiert bei einer Lauflänge von nicht einmal einer Minute ein bizarres Experiment aus Getrommel und Kuhgemuhe, das sich einer Bewertung wohl weitestgehend entzieht. Mit „(Dont’ Trust The) Promised Dreams“ wird der Hörer dann mit einer weiteren eingängigen Hardrockhymne entlassen, die darüber hinaus mit einem ausgedehnten spacigen Instrumentalzwischenspiel, aufgemotzt durch zahlreiche strange Samples, aufwartet.
Fazit: Für mich persönlich stellt Axel Rudi Pells Debütscheibe „Wild Obsession“ eines der besten Hardrock / Melodic Metal – Alben aller Zeiten dar. Eingängige Ohrwurmmelodien, grandiose Gitarrensoli, wunderbare Balladen, harte Upspeed-Kracher: Dieses Album hat alles, wofür ich die 80er und das Genre liebe. Keine andere Scheibe hat das geflügelte Wort „All Killer, No Filler“ so sehr verdient wie „Wild Obsession“. Ein Meisterwerk!


