[Konzert] Bon Jovi - Lost Highway Tour 2008 live @ München
Verfasst: 25.05.2008, 18:18
Bon Jovi - Lost Highway Tour 2008

24.5. 2008, Olympiastadion München
„Lost Highway“ – Dem gemeinen Filmfan kommt bei diesem Titel erstmal ein surrealer Mystery-Alptraum von David Lynch in den Sinn, doch auch die US-Rocker von Bon Jovi bedienten sich des Namens für ihr aktuelles Album. Düster, surreal oder abgründig wie beim Regiemeister geht es dabei freilich nicht zu, ganz im Gegenteil: Die Entwicklung der 80s-Poser vom kraftvoll-rasanten Hair-Metal zum seichten Hausfrauen-Pop gab es in der nunmehr 20-jährigen Bandgeschichte mustergültig zu beobachten, mit Hard-Rock hat der aktuelle Output der Erfolgsband kaum mehr etwas zu tun. Vielmehr produziert man im Zweijahrestakt nichtssagenden Radio-Brei, der solide vor sich hin trällert, das Prädikat Rockmusik aber nur noch bedingt verdient. Das 05er Album „Have a Nice Day“ bot mit dem gelungenen Uptempo-Titeltrack eine erfreuliche Reanimation härterer Töne, wurde hauptsächlich jedoch von konturlosen, im Radio auf und ab gespielten Balladen wie „Welcome To Wherever You Are“, „Who Says You Can’t Go Home“ oder „Bells of Freedom“ dominiert und auch der neueste Streich der Jungs fährt dieselbe Schiene: Zahmer Radiopop für die breite Masse, gar versetzt mit Country-Elementen. Nun ist es nicht so, dass Bon Jovi nicht seit jeher eine kommerzielle Mainstream-Band gewesen wären. Nur schien der Mainstream in seligen Hairmetal-80s noch etwas mehr Härte vertragen zu haben.
Nichtsdestotrotz eilt Bon Jovi bis zum heutigen Tag der Ruf einer hervorragenden Live-Band voraus, was sich neben der ungebrochenen Qualität der alten Hits vor allem darauf begründen lässt, dass Spielzeiten über zweieinhalb Stunden bei den Erfolgsmusikern, die in ihrer Karriere nunmehr über 2500 Auftritte absolviert haben, weniger Seltenheit als Regel sind – dieser Reputation wurden sie auch beim zweiten Deutschland-Termin der „Lost Highway“-Tour einmal mehr gerecht. 68.000 Zuschauer fanden sich ein, um neuen und alten Hits der amerikanischen Poprock-Barden zu lauschen und füllten das Olympiastadion bis auf den letzten verfügbaren Sitz- und Stehplatz.
Als so überzeugend sich die Band im Laufe des Abends erweisen sollte, so misslungen fiel die Wahl der Vorgruppe aus: Ausgerechnet Italo-Pop von Gianna Nannini wurde auserkoren, das Publikum anzuheizen und gestaltete sich vor allem laut, langweilig, nichtssagend und gleichklingend, wenngleich es instrumental einige Lichtblicke zu verzeichnen gab und bei Hits wie „Bello Impossibile“ immerhin ein wenig Stimmung und Achtungsapplaus aufkam.
Nichtsdestotrotz eine der lahmsten Vorgruppen, die ich je erleben „durfte“, weshalb es gut war, dass nach einer Umbaupause von nichtmal 30 Minuten um kurz vor halb neun Bon Jovi die Bühne enterten. Eröffnet wurde mit „Lost Highway“, dem Titeltrack der neuen Scheibe, der sich live als genauso passabel nichtssagendes anhörbares Tralala erwies wie im Radio – ein nicht mehr als solider Einstieg, den die gut aufgelegten Mannen um Jon Bon Jovi und Richie Sambora gleich im Anschluss mit dem melodischen Ohrwurm „Born to Be My Baby“ übertreffen und dann kurzerhand bereits zwei Klassiker der legendären Hitscheibe „Slippery When Wet“ auspacken: Das geniale „You Give Love A Bad Name“ und das perfekt zur Publikumsanimation geeignete „Raise Your Hands“ sorgen für einen gewaltigen Qualitätsanstieg, nichtsdestotrotz dauert es bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis der Funke so recht überspringen mag.
Ist es einmal soweit gekommen, gibt es jedoch kein Halten mehr. Die Zuschauer werden nicht nur mit einer so gut wie alle Hits und Klassiker aus 20 Jahren Bandgeschichte abdeckenden, insgesamt 26 Songs umfassenden Setlist versorgt, die eine hervorragenden Balance aus neuen und alten, langsamen und schnellen Nummern bietet, sondern bekommen auch eine gigantische Lightshow, spacige Videoprojektionen und unterhaltsame Medleys geboten: So werden mitten in „I’ll Sleep When I’m Dead“ kurzerhand Duffys aktueller Pophit „Mercy“ sowie der Stones-Klassiker „Start Me Up“ angestimmt und „Bad Medicine“ mit publikumsbezogenem Zwischenspiel schier endlos ausgedehnt.
Zwischen den Songs betreibt Bühnenveteran Jon sympathische Kommunikation mit dem Publikum („It wouldn’t be Munich if it didn’t rain a little. Just imagine you’re taking a shower with 70.000 thousand of your best friends.“), lässt bei „I’ll Be There For You” Gitarrengott Richie Sambora ans Mikro und zelebriert souverän und gut gelaunt seit 20 Jahren erprobte Rockstar-Posen.
Vom neuen Album erweist sich vor allem das schnelle, groovende und damit auf „Lost Highway“ absoluten Seltenheitswert genießende „We Got It Going On“ als Live-Kracher, während ansonsten vor allem die alten Hits wie „Runaway“, „Keep the Faith“ und natürlich „It’s My Life“ abgefeiert werden. Auch Jons Solonummer „Blaze of Glory“ vom „Young Guns II“-Soundtrack findet ihren Weg aufs Konzert und gefällt mit Westernatmosphäre und genialer Gitarrenarbeit Samboras. Ausgerechnet bei „Who Says You Can’t Go Home“ platscht ein mächtiger Wolkenbruch auf die unüberdachten Massen hernieder, doch heimgegangen wird nicht, sondern lieber das nun folgende Final-Triple der regulären Setlist genossen: „Have A Nice Day“, bereits in Studiofassung ein angenehm heavy nach vorn gehendes Hardrock-Highlight, geht live erst recht ab wie Nachbars Lumpi und wird sich sicherlich auch auf künftigen Live-Performances einen Evergreen-Platz erkämpfen, danach geht es knapp 20 Jahre in die Vergangenheit und „Bad Medicine“ sowie vor allem die rekordverdächtige Mitgröhl-Kapazitäten mobilisierende Überhymne „Livin on a Prayer“ bringen das Stadion zum Kochen.
Den Zugabenblock leitet mit „I Love This Town“ eine wieder eher belanglos dahindümpelnde „Lost Highway“-Nummer ein, doch spätestens sobald erst „Twist and Shout“ angestimmt und dann das „Slippery When Wet“-Meisterwerk „Wanted Dead or Alive“ zelebriert wird, haben Bon Jovi das Publikum wieder voll in der Hand. Mit „Blood on Blood“ kehrt man gar noch für eine zweite Zugabe zurück, um 68.000 zufriedene Fans schließlich nach einer sagenhaften Spielzeit von 2 Stunden und 40 Minuten in die Nacht zu entlassen.

Fazit: Zwar barg die Setlist ein paar schwächere, hauptsächlich aus der weichgespülten aktuellen Popsong-Ära stammende Filler und brauchte das Konzert einige Zeit, um so recht in Fahrt zu geraten, der immensen Spielfreude der sympathischen Band, einer bombastischen Lightshow, einem Cocktail der größten Ohrwurmhits aus 20 Jahren Bon Jovi und nicht zuletzt der inmitten zahlreicher 90-Minuten-Zocker Seltenheitswert aufweisenden Zweieinhalbstunden-Länge der Show ist es zu verdanken, dass die Amerikaner einmal mehr ihren Ruf als überzeugende Live-Band souverän verteidigt haben. Ein schönes Konzert für ein breit gefächertes Publikum, das von 7 bis 70 Vertreter jeglicher Altersklasse an Bord hatte.

Setlist Bon Jovi:
LOST HIGHWAY
BORN TO BE MY BABY
YOU GIVE LOVE A BAD NAME
RAISE YOUR HANDS
OLDER
CAPT. CRASH
SLEEP w/ Mercy & Start Me up
ALWAYS
WHOLE LOT OF LEAVIN'
IN THESE ARMS
RUNAWAY
WE GOT IT GOIN' ON
HEY GOD
IT'S MY LIFE
KEEP THE FAITH
I'LL BE THERE FOR YOU - RICHIE VOX
BLAZE OF GLORY
SATURDAY NIGHT
WHO SAYS YOU CAN'T GO HOME
HAVE A NICE DAY
BAD MEDICINE /w Shout
LIVIN' ON A PRAYER
Zugabenblock:
I LOVE THIS TOWN
TWIST & SHOUT
WANTED DEAD OR ALIVE
BLOOD ON BLOOD
Und hier ein paar Live-Impressionen:
You Give Love A Bad Name / Raise Your Hands
Start Me Up
Quali is natürlich scheiße...

24.5. 2008, Olympiastadion München
„Lost Highway“ – Dem gemeinen Filmfan kommt bei diesem Titel erstmal ein surrealer Mystery-Alptraum von David Lynch in den Sinn, doch auch die US-Rocker von Bon Jovi bedienten sich des Namens für ihr aktuelles Album. Düster, surreal oder abgründig wie beim Regiemeister geht es dabei freilich nicht zu, ganz im Gegenteil: Die Entwicklung der 80s-Poser vom kraftvoll-rasanten Hair-Metal zum seichten Hausfrauen-Pop gab es in der nunmehr 20-jährigen Bandgeschichte mustergültig zu beobachten, mit Hard-Rock hat der aktuelle Output der Erfolgsband kaum mehr etwas zu tun. Vielmehr produziert man im Zweijahrestakt nichtssagenden Radio-Brei, der solide vor sich hin trällert, das Prädikat Rockmusik aber nur noch bedingt verdient. Das 05er Album „Have a Nice Day“ bot mit dem gelungenen Uptempo-Titeltrack eine erfreuliche Reanimation härterer Töne, wurde hauptsächlich jedoch von konturlosen, im Radio auf und ab gespielten Balladen wie „Welcome To Wherever You Are“, „Who Says You Can’t Go Home“ oder „Bells of Freedom“ dominiert und auch der neueste Streich der Jungs fährt dieselbe Schiene: Zahmer Radiopop für die breite Masse, gar versetzt mit Country-Elementen. Nun ist es nicht so, dass Bon Jovi nicht seit jeher eine kommerzielle Mainstream-Band gewesen wären. Nur schien der Mainstream in seligen Hairmetal-80s noch etwas mehr Härte vertragen zu haben.
Nichtsdestotrotz eilt Bon Jovi bis zum heutigen Tag der Ruf einer hervorragenden Live-Band voraus, was sich neben der ungebrochenen Qualität der alten Hits vor allem darauf begründen lässt, dass Spielzeiten über zweieinhalb Stunden bei den Erfolgsmusikern, die in ihrer Karriere nunmehr über 2500 Auftritte absolviert haben, weniger Seltenheit als Regel sind – dieser Reputation wurden sie auch beim zweiten Deutschland-Termin der „Lost Highway“-Tour einmal mehr gerecht. 68.000 Zuschauer fanden sich ein, um neuen und alten Hits der amerikanischen Poprock-Barden zu lauschen und füllten das Olympiastadion bis auf den letzten verfügbaren Sitz- und Stehplatz.
Als so überzeugend sich die Band im Laufe des Abends erweisen sollte, so misslungen fiel die Wahl der Vorgruppe aus: Ausgerechnet Italo-Pop von Gianna Nannini wurde auserkoren, das Publikum anzuheizen und gestaltete sich vor allem laut, langweilig, nichtssagend und gleichklingend, wenngleich es instrumental einige Lichtblicke zu verzeichnen gab und bei Hits wie „Bello Impossibile“ immerhin ein wenig Stimmung und Achtungsapplaus aufkam.
Nichtsdestotrotz eine der lahmsten Vorgruppen, die ich je erleben „durfte“, weshalb es gut war, dass nach einer Umbaupause von nichtmal 30 Minuten um kurz vor halb neun Bon Jovi die Bühne enterten. Eröffnet wurde mit „Lost Highway“, dem Titeltrack der neuen Scheibe, der sich live als genauso passabel nichtssagendes anhörbares Tralala erwies wie im Radio – ein nicht mehr als solider Einstieg, den die gut aufgelegten Mannen um Jon Bon Jovi und Richie Sambora gleich im Anschluss mit dem melodischen Ohrwurm „Born to Be My Baby“ übertreffen und dann kurzerhand bereits zwei Klassiker der legendären Hitscheibe „Slippery When Wet“ auspacken: Das geniale „You Give Love A Bad Name“ und das perfekt zur Publikumsanimation geeignete „Raise Your Hands“ sorgen für einen gewaltigen Qualitätsanstieg, nichtsdestotrotz dauert es bis zum Einbruch der Dunkelheit, bis der Funke so recht überspringen mag.
Ist es einmal soweit gekommen, gibt es jedoch kein Halten mehr. Die Zuschauer werden nicht nur mit einer so gut wie alle Hits und Klassiker aus 20 Jahren Bandgeschichte abdeckenden, insgesamt 26 Songs umfassenden Setlist versorgt, die eine hervorragenden Balance aus neuen und alten, langsamen und schnellen Nummern bietet, sondern bekommen auch eine gigantische Lightshow, spacige Videoprojektionen und unterhaltsame Medleys geboten: So werden mitten in „I’ll Sleep When I’m Dead“ kurzerhand Duffys aktueller Pophit „Mercy“ sowie der Stones-Klassiker „Start Me Up“ angestimmt und „Bad Medicine“ mit publikumsbezogenem Zwischenspiel schier endlos ausgedehnt.
Zwischen den Songs betreibt Bühnenveteran Jon sympathische Kommunikation mit dem Publikum („It wouldn’t be Munich if it didn’t rain a little. Just imagine you’re taking a shower with 70.000 thousand of your best friends.“), lässt bei „I’ll Be There For You” Gitarrengott Richie Sambora ans Mikro und zelebriert souverän und gut gelaunt seit 20 Jahren erprobte Rockstar-Posen.
Vom neuen Album erweist sich vor allem das schnelle, groovende und damit auf „Lost Highway“ absoluten Seltenheitswert genießende „We Got It Going On“ als Live-Kracher, während ansonsten vor allem die alten Hits wie „Runaway“, „Keep the Faith“ und natürlich „It’s My Life“ abgefeiert werden. Auch Jons Solonummer „Blaze of Glory“ vom „Young Guns II“-Soundtrack findet ihren Weg aufs Konzert und gefällt mit Westernatmosphäre und genialer Gitarrenarbeit Samboras. Ausgerechnet bei „Who Says You Can’t Go Home“ platscht ein mächtiger Wolkenbruch auf die unüberdachten Massen hernieder, doch heimgegangen wird nicht, sondern lieber das nun folgende Final-Triple der regulären Setlist genossen: „Have A Nice Day“, bereits in Studiofassung ein angenehm heavy nach vorn gehendes Hardrock-Highlight, geht live erst recht ab wie Nachbars Lumpi und wird sich sicherlich auch auf künftigen Live-Performances einen Evergreen-Platz erkämpfen, danach geht es knapp 20 Jahre in die Vergangenheit und „Bad Medicine“ sowie vor allem die rekordverdächtige Mitgröhl-Kapazitäten mobilisierende Überhymne „Livin on a Prayer“ bringen das Stadion zum Kochen.
Den Zugabenblock leitet mit „I Love This Town“ eine wieder eher belanglos dahindümpelnde „Lost Highway“-Nummer ein, doch spätestens sobald erst „Twist and Shout“ angestimmt und dann das „Slippery When Wet“-Meisterwerk „Wanted Dead or Alive“ zelebriert wird, haben Bon Jovi das Publikum wieder voll in der Hand. Mit „Blood on Blood“ kehrt man gar noch für eine zweite Zugabe zurück, um 68.000 zufriedene Fans schließlich nach einer sagenhaften Spielzeit von 2 Stunden und 40 Minuten in die Nacht zu entlassen.

Fazit: Zwar barg die Setlist ein paar schwächere, hauptsächlich aus der weichgespülten aktuellen Popsong-Ära stammende Filler und brauchte das Konzert einige Zeit, um so recht in Fahrt zu geraten, der immensen Spielfreude der sympathischen Band, einer bombastischen Lightshow, einem Cocktail der größten Ohrwurmhits aus 20 Jahren Bon Jovi und nicht zuletzt der inmitten zahlreicher 90-Minuten-Zocker Seltenheitswert aufweisenden Zweieinhalbstunden-Länge der Show ist es zu verdanken, dass die Amerikaner einmal mehr ihren Ruf als überzeugende Live-Band souverän verteidigt haben. Ein schönes Konzert für ein breit gefächertes Publikum, das von 7 bis 70 Vertreter jeglicher Altersklasse an Bord hatte.
Setlist Bon Jovi:
LOST HIGHWAY
BORN TO BE MY BABY
YOU GIVE LOVE A BAD NAME
RAISE YOUR HANDS
OLDER
CAPT. CRASH
SLEEP w/ Mercy & Start Me up
ALWAYS
WHOLE LOT OF LEAVIN'
IN THESE ARMS
RUNAWAY
WE GOT IT GOIN' ON
HEY GOD
IT'S MY LIFE
KEEP THE FAITH
I'LL BE THERE FOR YOU - RICHIE VOX
BLAZE OF GLORY
SATURDAY NIGHT
WHO SAYS YOU CAN'T GO HOME
HAVE A NICE DAY
BAD MEDICINE /w Shout
LIVIN' ON A PRAYER
Zugabenblock:
I LOVE THIS TOWN
TWIST & SHOUT
WANTED DEAD OR ALIVE
BLOOD ON BLOOD
Und hier ein paar Live-Impressionen:
You Give Love A Bad Name / Raise Your Hands
Start Me Up
Quali is natürlich scheiße...