

Spider-Girl 0 & 1
Autor: Tom de Falco
Zeichner: Pat Olliffe, Al Williamson, Ron Frenz, Josef Rubinstein
Seiten: 36 [0], 52 [1]
Enthält: US What if.. Vol.2 105 [0], US Spider-Girl 1+2 [1]
Inhalt:
Fünfzehn Jahre in der Zukunft hat May Parker ein Problem. Nicht nur hat sie erfahren, daß ihr Vater früher als Spider-Man durch New York geschwungen ist, sondern auch ihre eigenen Spinnenkräfte machen sich immer mehr bemerkbar! Was soll sie nun tun?! Sich auf die High School konzentrieren oder die geheime Familientradition der Parkers fortführen...?




Meinung:
Der Mensch war schon immer fasziniert davon, die Geschichte neu zu schreiben und die Zukunft zu erraten. Was wäre wenn.. Auch im Bereich Comic ergeben sich viele verlockende Gedankenspiele. Was wäre, wenn Spider-Man der Mörder von Onkel Ben schon vor seiner grauenvollen Tat gestoppt hätte? Was wäre, wenn Wolverine sein Adamantium für immer verlieren würde? Wie man sieht, gibt es unendlich viele neue und spannende Geschichten. Aus diesem Grund rief man bei Marvel Comics die Serie „What if..“ ins Leben. Bekannte Marvel Künstler bot das eine Plattform, ihre Lieblingshelden mit eine komplett neue Zukunft zu geben.
Der langjährige Spidey-Schreiber Tom DeFalco kreierte eine ganz spezielle Geschichte auf 30 Seiten: Er schenkte Spider-Man eine Tocher (die im „normalen“ Marvel Universum direkt nach der Geburt starb) mit denselben Fähigkeiten, nahm ihm dafür ein Bein und somit die Möglichkeit seine Heldentätigkeit weiter auszuüben. Doch damit nicht genug, er machte aus Normie Osborn den Nachfolger des Grünen Kobolds und erschuf die Fantastischen Fünf. Auch die Rächer gibt es in seiner Zukunft noch, wenn auch sehr modifiziert.
In der kurzen Geschichte muss Spider-Girl gegen den Kobold kämpfen, dazu steigt sie in das Kostüm von Ben (dem ehemaligen Klon von Peter Parker) und besiegt den Schurken. Am Schluss verbrennt die Familie scheinbar alle Kostüme, doch durch das offene Fenster sehen wir die Entwürfe für ein neues, persönliches. Das Abenteuer hat also erst gerade begonnen.
Die Geschichte stiess auf grosse Resonanz. Die Fans mochten „den“ komplett neuen Spidey, sie verlangten nach mehr. Somit holte Marvel Tom DeFalco wieder und gab ihm eine eigene Spider-Girl Serie.
Die Geschichte beginnt in der Schule, nicht viel nach den Abenteuer in der Ausgabe 0. Die Tochter von Peter Parker, May, geniesst ihre Fähigkeiten, möchte sie aber auch ausleben können. Das Problem ist nur, dass Vater und Mutter strikte dagegen sind. Der Superheldenjob ist schliesslich kein Spass, sondern eine Sache zwischen Leben und Tod. Aber wie es in der Geschichte der Parkers nun mal so ist, werden Verbote geschickt umgangen. So klettert May Nachts in ihrem schwarzen Trainingsanzug aus dem Haus und trifft auch sogleich auf ihren ersten Gegner: Mr. Nobody, ein Krimineller mit der Fähigkeit sich zu teleportieren. Nach kurzem Kampf trifft jedoch die Polizei ein und May verschwindet. Schliesslich arbeitet ihr Vater ja nun im Polizei-Labor, zusammen mit Onkel Phil Urich. Dieser findet am Tatort auch prompt Überreste von einem Netz!
Doch damit noch nicht genug: Bei ihrem ersten Streifzug mit dem selbstgenähten Spidey-Kostüm trifft sie auf den undurchsichtigen DarkDevil und den Schurken Crazy Eight. Auch ohne normales Leben wie Schule und Liebe hätte sie nun also mehr als genug Probleme.
Tom DeFalco verbindet die Geschichten um das Leben von May gelungen mit den Erlebnissen der frischen Heldin. Schon nach kurzer Zeit ist man mit allen Figuren vertraut und findet sich schnell zurecht, auch wenn man sich mit Spidey nicht so gut auskennt. Trotzdem schafft er es, nur wenige Informationen über die vergangenen 15 Jahren seit May Geburt preis zu geben. Somit enstehen viele spannende Fragen. Warum genau verlor Peter ein Bein? Wieso gab er das Heldenleben komplett auf? Wer ist dieser DarkDevil, und was hat er mit DareDevil zu tun? Wer sind die Fantastischen Fünf? Und wer gehört nun zu den Rächern? Dadurch wird man praktisch gezwungen, die Reihe auch weiterhin zu lesen.
Die Zeichnungen von Pat Ollife sind ganz gelungen. Er beherrscht es, die Kämpfe dynamisch und grossformatig zu inszenieren. In den ruhigeren Momenten werden die Seiten meistens in viele Panels unterteilt, die Übersicht leidet darunter aber nie. Sein Strich ist jedoch manchmal etwas grob, ein paar Bilder lassen Details vermissen. Auch die Gesichter scheinen zum Teil etwas komisch, vorallem Peters Ausdruck ist nicht immer so gelungen. Die Farben sind ganz passend, wenn auch nichts besonderes.
Alles in allem ein gelungener Start für Spider-Girl, aber nichts weltbewegendes. Die Story könnte ein wenig spitziger sein, ebenso die Zeichnungen. Da die grösste Faszination davon ausgeht, die mögliche Zukunft der beliebten Helden zu erleben, ist es wohl eher für Marvel Leser interessant. Am besten einfach mal reinlesen.
