Hier ist das Produktionsdesign der Star. Rockstar, genauer gesagt. Suhlt sich im Schmutz der rostbraunen Oberflächen, die von unfruchtbaren Planeten, Industrieanlagen oder unzureichend gewarteten Raumschiffen abstrahlen. Western-Einflüsse inklusive, mitsamt Saloon und einsamer Hütte in der Ödnis. Trocken wie Staub. Flüssig scheint in diesem Tech-Noir-Morgensuffkoma ohnehin nur der Alkohol zu sein.
Natürlich wird damit bewusst ein Kontrast zu den kristallklaren Eisflächen der vorausgehenden „Superman“-Verfilmung gesetzt. Und zur Reinlichkeit von Superman selbst. Letztlich spiegelt all die Unordnung die rebellische Persönlichkeit von Supergirl wieder, die alles ist, nur nicht das genetische Abbild ihres Cousins.
Sie kann aber fluchen wie ein Rohrspatz und saufen wie ein Loch, im Kosmos der Comicverfilmungen ist sie bereits ein wenig zu spät dran, um Pionierarbeit für den Rock'n'Roll zu leisten. Milly Alcock macht das an und für sich nicht schlecht, aber die Attitüde, die ihr von der Anlage der Figur aufgedrückt wird, mutiert zwangsläufig zur Entsprechung eines abwaschbaren Tattoos, spätestens als der Harte-Göre-mit-weichem-Herzen-Plot stromlinienförmig auf seine vorhersehbare Auflösung zusteuert.
Das groß erwartete Debüt von Alien-Kopfgeldjäger Lobo, der im Comic all das verkörpert, was dieser Film will, passt derweil zumindest in Sachen Physik; als er umnebelt von Winkelschatten durch die Spelunke stapft und schwer die Ketten rasseln, möchte man dem Barkeeper glatt fröhliche Weihnachten wünschen. Momoa bringt auf jeden Fall die nötige Wucht für die Rolle mit. Streckenweise könnte man meinen, das 2,39:1-Bildformat sei nicht breit genug für ihn. Auch wenn seine Bäckchen vielleicht einen Hauch zu gesund strahlen unter dem blassfahlen Makeup. Aber auch ihm wird von der DCU-Maschinerie eine Gewaltdrossel eingesetzt und seine Handlungsfreiheit eingeschränkt, weil er nicht mehr zu tun bekommt als hin und wieder als Space-Chopper choppender Chopper mit Enterhaken den Plot wieder auf die Spur zu bringen und Supergirl den Weg freizuräumen. Matthias Schoenaerts bleibt indes als gepiercter Weltraumpirat eine irrelevante Fußnote, Kanonenfutter mit Schrot im Gesicht und dahingehend ein Beispiel für das Villain-Problem einer Überzahl an Superheldenverfilmungen.
Das kommt alles nicht überraschend. Überraschend ist vielmehr, dass es Craig Gillespie irgendwie schafft, mit diesen auf den ersten Blick nur mäßig inspirierenden Zutaten ein unterhaltsames Puzzlestück für den Anarcho-Weltenbau von James Gunn abzuliefern. Wenigstens führt eine Reiseroute mit Panorama-Aussicht durch die Galaxien und prüft jedes der schrulligen Sets auf Herz und Nieren. Beim fröhlichen Teleportieren durch den Weltraumbus und vor allem bei der Randale auf der Außenfläche eines Raumschiffs kommt man durchaus auf seine Kosten. Spaß macht das unter dem Strich tatsächlich mehr als das vorausgehende Superman-Reboot, dessen Titelheld nun noch einmal eine Spur biederer wirkt als ohnehin bereits. Danke, Supergirl.
