Avengers - Age of Ultron
Die altbewährte Formel von Fortsetzungen Mehr=Besser mag zu hinterfragen sein, denn gerade bei Fortsetzungen von Erfolgsfilmen stellt sich dann meist doch heraus, dass ein gestiegenes Budget und ein höheres Action-Aufkommen nicht gleichbedeutend mit einer höheren Qualität des Outputs sind. Auch wenn Joss Whedon, bis dato der Mastermind hinter den Marvel-Filmen, wieder den Platz hinter der Kamera eingenommen hat, so machen sich doch auch hier deutliche Einbußen bemerkbar. Der große Überraschungseffekt, den der erste Teil bot, indem endlich alle möglichen Superhelden auf der Leinwand herumwuselten, bleibt natürlich aus. Die große Kunst, aus der vermeintlichen Schwäche eine Stärke zu generieren, wird zwar erkannt, aber das Potenzial wird leider nicht vollends ausgeschöpft. So bildet der Einstieg des Filmes zugleich auch einen ersten Actionhöhepunkt, indem mit der Erstürmung der Hydra gleich die ganze Superheldengarde in Action zu sehen ist. Verschnaufpausen werden uns im Folgenden auch nur in äußerst klein gehaltenen Intervallen gegönnt, denn was die Action betrifft, so zelebriert Whedon uns hier ein Inferno, welches seinesgleichen sucht. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Aber das so richtig! Wenn es dann mal etwas ruhiger wird, so kommt Whedons immer noch vortrefflich vorhandenes Gespür für Charaktere zutragen. In den Mittelpunkt gerückt werden nunmehr die Superhelden, welche es bis dato nicht zu eigenen Filmoutputs gebracht haben: Zu nennen wären hier Bruce Banner (wobei der Hulk in Action deutlich zurück genommen wird) und die Liebesgeschichte zu Black Widow, sowie Hawkeye, dem auf Wunsch von Whedon auch eine größere Sequenz des Filmes zugestanden wurde, und letztlich auch Neuzugang Scarlet Witch. Die altbekannten Figuren wie Thor, Captain America und sogar Iron Man fungieren hier eher im Hintergrund und werden eher zu Stichwortgebern degradiert. Das ist in Anbetracht der Masse an Figuren, die hier auf der Leinwand herumwirbeln, auch die einzig vernünftige Maßnahme.
Nichtsdestotrotz soll dem Film auch eine gewisse Eigenständigkeit zugesprochen werden können, denn immerhin sollen die Geschichten der Superhelden aus den Solo-Filmen in den Avengers-Filmen zusammen geführt werden. In diesem Falle haben sie es mit Ultron zu tun, einem Computerprogramm, welches sich in einer diabolischen Sequenz von allen physischen Formen befreit und erkennt, dass der einzige Weg, um tatsächlich Frieden auf dem Planeten zu erreichen, darin besteht, die menschliche Spezies auszulöschen. Zwar lädt Ultron zu einer philosophischen Auseinandersetzung zum Thema Gut vs. Böse ein und lässt die Frage auftauchen, inwiefern die Avengers selbst dazu beitragen, dass den Menschen immer wieder Leid erfährt, doch so weit wollte man in einem Marvel-Sommer-Blockbuster wohl doch nicht gehen, sodass man sich im Folgenden vornehmlich auf das Zerstören von Städten konzentriert.
Was bleibt, ist ein Gefühl von verschenktem Potenzial, denn der Wille seitens Whedon, hier etwas Größeres zu schaffen, war sichtlich da. Weiterhin bleibt fraglich, inwiefern Marvel selbst Whedon Steine in den Weg warf und ihn in seinen Ideen beschränkte. Denn bekannt ist ja, dass er nun erst einmal nichts mehr von Marvel hören möchte und in den letzten Interviews immer mehr durchblicken ließ, wie unzufrieden er doch mit den enervierenden Dreharbeiten zu dem Film war. Zwar ist „Avengers – Age of Ultron“ ein guter Film, aber in Anbetracht der Klasse des Erstlings, den Möglichkeiten, die tatsächlich da waren, auch eine kleine Enttäuschung. Der angekündigte Extended Cut kann dem Film nur zugutekommen.
Eine auf wackeligen Beinen stehende
