Barry Levinson ist einer der wohl schlüssigsten Found-Footage-Filme gelungen, der tatsächlich den Eindruck von gefundenem und im Schnitt kombinierten Material macht. Mehr noch: Die Form erlaubt sogar Anschluss an die in den 1970ern so beliebten Paranoiathriller, wenn Regierungsvertuschung als Grund für die (intradiegetische) Guerilla-Veröffentlichung der Aufnahmen angeführt wird. Ebenso an die 1970er, genauso gesagt "Der weiße Hai" schließt die fast schon klassische Figur des Würdenträgers (hier wie bei Spielberg der Bürgermeister) an, der zwecks Tourismus darauf besteht, dass doch alles in Butter sei. Auch für einige ziemlich gut platzierte Jump Scares (Stichwort: Fischmaul) ist gesorgt, doch so ganz satt macht "The Bay" nicht. Denn während "The Bay" als interessantes Gedankenspiel tatsächlich relativ glaubwürdig den möglichen Ernstfall in einer Kleinstadt schildert, da fehlt es dramaturgisch an Zug: Keine Figur wird wirklich vorgestellt oder mehr als nur rudimentär umrissen, fast jedes Opfer ist irgendwo egal und am ehesten für Involvierung sorgt ausgerechnet die Informationsvorwegnahme bei bestimmten Figuren, Mitleid nach dem Motto: "Das arme Schwein, den gibt es bald nicht mehr". Noch dazu ist relativ schnell klar, was hier wie Schaden anrichtet, sodass man dem Film im weiteren Verlauf relativ teilnahmslos folgt, zumal der Kommentar der Reporterin den Film zwar zusammenhält, leider aber auch Einiges vorwegnimmt, was die Spannungskurve noch weiter nach unten treibt. Insofern stilistisch hoch interessant, dramaturgisch aber nicht griffig - da war der bereits erwähnt "Contagion" schon eine Nummer zackiger.

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]