Wenn man seine Kreatur mehr als die Hälfte der Laufzeit im Schatten versteckt, sollte man bei der Enthüllung besser etwas in der Hand haben. Doch als es endlich soweit ist, entweicht die Luft noch im gleichen Moment. Wegen einer kruden Mischung aus Zähnen, Haaren und Muskelmannstatur hätte es all der Andeutungen nicht benötigt. Andererseits sorgt das Drehbuch in der Szene gleich dafür, dass Lächerlichkeiten in Eigenverwaltung bleiben. Trocken und kommentarlos wird der Eindringling von einer Witzfigurenmeute niedergeschlagen, die sich in einer ellenlangen Einführung als beachtliche Klischeesammlung entpuppte. Fettsack, Smartphone-Tussi, arrogante Geschäftstype, Nerd, Oma und Opa, der Antiheld und sein Love Interest – ein bunter Mikrokosmos, der im Angesicht des Schreckens wie ein wilder Hühnerhaufen reagiert und zunächst im richtigen Moment doch noch zur Koordination in der Lage ist.
Das Monsterdesign bekommt später immerhin doch noch den ein oder anderen Moment zu glänzen, zumal es sich angenehm vom üblichen Werwolf-Einerlei anhebt. Humane bis ghulartige Züge trägt es zur Schau, als es aus den Wäldern in das eingeengte Zug-Szenario eindringt. Obwohl eher im Off gesplattert wird, haben die Konfrontationen gerade im späteren Verlauf ein, zwei recht physische, beklemmende und ausweglos erscheinende Situationen zu bieten. Der Ton ist insgesamt eher ernst, behält sich aber vor, zwischen den Zeilen grimmigen Humor aufzuweisen.
Insgesamt passiert jedoch viel zu wenig von Belang in dieser Nacht in einem stillstehenden Zugabteil. "Howl" lässt sich zu viel Zeit, um seine Abziehbilder einzuführen und hätte angesichts seiner wenig aussichtsreichen Suspense-Möglichkeiten besser auf noch abwechslungsreichere Creature-Effekte gesetzt – mehr Verwandlungen, mehr Blut, mehr Überraschungen.
