
Originaltitel: Husk
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2010
Regie: Brett Simmons
Darsteller: Devon Grey, Wes Chatham, C.J. Thomason, Tammin Sursok, Ben Easter, Michael Cornelisen, Aaron Harpold, Candice Rose, Josh Skipworth u.a.
Eine Gruppe Jugendlicher ist auf dem Weg durchs amerikanische Hinterland, als ein Schwarm Krähen gegen die Frontscheibe des Transportmittels kracht und man in den Straßengraben rauscht. Als man nach dem heftigen Aufprall wieder erwacht, geht es zwar allen Insassen gut, allerdings fehlt einer der Freunde! Man beschließt, ihn in den angrenzenden Maisfeldern zu suchen und nach Hilfe Ausschau zu halten, um den Wagen wieder flott zu bekommen. In den weitläufigen Feldern muss man feststellen, dass man wohl nicht als Erster auf diese Weise in der Umgebung strandete. Und das seltsames in den Feldern vorzugehen scheint, denn ständig huschen düstere Gestalten an ihnen vorbei. Als ein weiterer Jugendlicher erst verschwindet und dann kopfüber und ermordet an einem Vogelscheuchenkreuz wieder gefunden wird, schlägt die Beunruhigung in Panik um. Eilig versucht man, zum Haus inmitten des Feldes zu gelangen, erhofft man sich hier doch Hilfe und Antworten ... doch stattdessen findet man die Hölle auf Erden ...
„Husk“ ist ein klassisch erzählter und inszenierter Horrorstreifen, der erstaunlich viel richtig macht und prächtig zu unterhalten weiß. Klar, Vogelscheuchenhorror mag seit „Jeepers Creepers“ und einigen weit weniger wertigen Genrevertretern nicht wirklich innovativ oder gar neu sein. Aber „Husk“ schafft es, dem Thema interessante neue Seiten abzugewinnen und eine wirklich coole Mythologie um den Todbringer des Streifens zu etablieren, der „Husk“ auch abwegigere Genrewege gehen lässt. Die Exposition ist dabei so klassisch wie geradlinig. Die Charaktere werden kurz verortet und ihre Beziehungen untereinander knapp, aber funktional etabliert. Der Unfall stürzt sie dann unvermittelt mitten ins Geschehen und den Zuschauer genauso. Es steigt ein ungeheuer effektiver Mittelteil, der dank des Schauplatzes (Ein Maisfeld bei Nacht, wobei es in Sachen Orientierung nicht einmal die Nacht benötigt hätte) eine ungeheuer dichte Atmosphäre aufbauen kann und Schockmomente abfeuert, die wirklich durch Mark und Bein gehen, ohne dass die Soundspur in Dezibelbereiche vordringen muss, die jeden eingeschlafenen Zuschauer wach rütteln.
Die Schockmomente funktionieren deshalb so gut, weil „Husk“ sich endlich mal wieder traut, anstelle des Spiels mit den Erwartungen der Zuschauer richtige Schocks einzubauen, die man zwar erwartet und vorausahnt, die einen aber dennoch knallhart erwischen und zusammenfahren lassen. Eben weil man erstaunlicherweise genau das bekommt, was man vermutet und nicht die x-te aus dem Maisfeld startende Krähe oder den berühmten Arm auf der Schulter des Protagonisten. Spätestens hier merkt man, dass die zunehmende Ironisierung des Genres selbiges ganz schön verwässert hat und die Oldschoolschocks eben noch immer die besten sind. Im Laufe dieses effektiven Mittelteils steigen dann auch die ersten Flashbacks, die die Geschichte des unheimlichen Maisfeldes und seiner „Einwohner“ darlegen. Zwar erzählt man hier weitgehend nicht viel Neues, aber mit dem eigentlichen Mythos ums „Funktionieren“ der Vogelscheuche gelingt dann sogar das Unvermutete: Es wird regelrecht innovativ.
Regisseur Brett Simons bemüht sich derweil um einen ansprechenden Look, nutzt coole Kamerafahrten durch das Maisfeld, um den Terror peu a peu zu steigern, und schaltet bei den eigentlichen Horroreinlagen in den Panikmodus, inklusive teils enthemmter Handkamera, die den Zuschauer mitten in das Maisfeld katapultiert. Seine Darsteller hat der Regisseur ebenfalls gut im Griff. Zwar vermisst man einen wirklich zündenden Sympathieträger, allerdings bleibt so wirklich extrem lange im Unklaren, wer hier wann die Biege macht.
Was bleibt, ist ein Film, der ausgerechnet im Showdown seine größten Mankos hat. Viel zu breit wird eine Art Plan etabliert, um dem Treiben im Mais ein Ende zu machen. Fortan wird die Vogelscheuchenmythologie auch ein wenig zu sehr strapaziert (zu oft wiederholt) und die Kamerafahrten durch das Maisfeld wirken plötzlich ziellos und als müsste man „Husk“ auf eine filmtaugliche Länge strecken. Das ist traurig, zeigt aber auch auf, wie „Husk“ wohl noch besser funktioniert hätte: Als Episode der „Masters of Horror“ oder ähnlicher Horroranthologien hätte der Film, der einen Part der diesjährigen „8 Films to die for“ vom „After Dark Festival“ darstellt, amtlich gefetzt (witzigerweise ist „Husk“ auch „nur“ die Spielfilmfassung eines frühen, gleichnamigen Kurzfilmes des Regisseurs). So ist „Husk“ „nur“ ein Streifen, der vor allem im Mittelteil richtig hinlangt und Horror Connaisseure mit wirklich effektiven Schocks und einer zum Schneiden dichten Atmosphäre in den Bann zieht. Dazu gelingt es, einen funktionierenden, in Teilen gar innovativen Vogelscheuchenmythos zu etablieren, der den Film niemals ins unfreiwillig Komische kippen lässt, ihm stattdessen einen hübschen Mysteryunterbau verleiht. Gute Darstellerleistungen, eine stilsichere Inszenierung und ein erstaunlich hohes Tempo runden den Film ab. Tipp!

Die deutsche DVD kommt von Senator und ist mit einer FSK 16 Freigabe uncut.
In diesem Sinne:
freeman